sofa die ennomane

5. Januar 2016

Köln

tl;dr: Wer bei sexueller Gewalt lieber über Ausländer als über sexuelle Gewalt klagt, dem sind die Opfer halt egal.

dom

In Köln kam es in der Silvesternacht zu Ausschreitungen. Offenbar hat eine Bande Krimineller einen besonders ekelhaften „Trick“ verwendet, um zu stehlen: Sie fingen an, Frauen zu belästigen und das als Ablenkung für Diebstähle zu verwenden. Es kam zu 90 Anzeigen, davon 15 Anzeigen wegen sexueller Belästigung und einer wegen Vergewaltigung. Die Täter werden als Nordafrikaner beschrieben, die „Masche“ ist auch aus anderen Städten bekannt, es gibt Hinweise auf organisierte Kriminalität.

Seitdem dreht der Mob (nicht nur) im Internet wieder frei.

Es wird von 1000 „Invasoren“ schwadroniert. Sofort werden sie als Flüchtlinge bezeichnet, obwohl die Polizei darauf hinweist, dass es sich nicht um Flüchtlinge handelt. Aus dem Thema Kriminalität wird schwupsdiwups das Thema Ausländer. Volkspfosten entdecken ihr Herz für Frauenrechte und werfen sich in die Brust, um die weiße Frau vor den Übergriffen farbiger Menschen zu schützen.

Die Reaktionen im Netz zeigen einmal mehr puren Rassismus. Auch wenn diese Taten schamlos und in aller Öffentlichkeit begangen wurden, was sicherlich eine neue Dimension ist, finden die meisten sexuellen Übergriffe immer noch im Freundes- und Familienkreis statt. Auf dem Münchner Oktoberfest kommt es im Schnitt einmal täglich zu einer Vergewaltigung. Öffentliche Empörung? Quatsch, das wird weggelacht.

Das Thema ist Kriminalität und Gewalt gegen Frauen. Das Ziel muss sein, solche Gewalt künftig zu verhindern. Wer glaubt, das ließe sich verhindern, indem keine Nicht-Deutschen mehr ins Land gelassen werden, glaubt im Umkehrschluss, der edle weiße Mann sei grundsätzlich weder kriminell noch sexuell übergriffig. Und wer daraus eine Geschichte von „ausländischen Invasoren“ dreht, interessiert sich kein Stück für Frauen, sondern geilt sich nur daran auf, mal wieder ein Thema gefunden zu haben, mit dem sich gegen Ausländer hetzen lässt.

Als sei das alles noch nicht traurig genug, kommt noch die „Lügenpresse“-Fraktion um die Ecke und beklagt, die Medien würden nicht darüber berichten – garniert mit Links zu Medienberichten.

Und natürlich pflegen all diese neuen Verteidiger der Frauenrechte trotzdem weiterhin ihren Hass auf Feminismus – weil die Netzfeministen sich angeblich zu sehr zurückhalten würden. Dass es Frauen egal sein könnte, welche Hautfarbe eine Person hat, von der sie vergewaltigt oder bedroht werden, scheint den Volkspfosten nicht in den Sinn zu kommen.

Das ist alles auf so vielen Ebenen so kaputt. 2016, warum musst du so scheiße anfangen? Da danke ich Antje Schrupp für klare Worte.

Update: Mitterlweile gab es in Köln ein Krisentreffen von Polizei, Stadtvorderen und Verantwortlichen. Ergebnis: Die Frauen in Köln waren wohl selber schuld, dass ihnen sowas passiert ist, schließlich sollten sie zu Fremden „eine Armlänge Distanz“ wahren. Ich komme aus dem Kopfschütteln nicht mehr heraus…

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Kommentare

  1. Comment von Konrad | 05. Jan. 2016 um 11:17:38

    Ich finde auch die Fraktion perfide, die sagt, die sexuelle Gewalt wäre nur Ablenkung für die /eigentlichen/ Verbrechen gewesen oder es ginge hier ja mehr um Trickdiebstahl.

  2. Comment von Enno | 05. Jan. 2016 um 11:18:41

    @Konrad, als solches möchte ich meinen Blogpost nicht missverstanden wissen. Die ganze Masche ist durch und durch ekelhaft.

  3. Comment von Christof | 05. Jan. 2016 um 11:25:24

    Dass Vergewaltigungen während des Oktoberfestes weggelacht werden ist nicht wahr. Es wird darüber berichtet, die Polizei fahndet mit Hochdruck nach dem Täter und jeder Fall ist furchtbar und gehört nicht, wie jetzt suggeriert wird, zum Oktoberfest!

  4. Comment von Daniel Schultz | 05. Jan. 2016 um 14:53:50

    @christof „Ein spaßig gemeinter Griff unter den Rock…“ https://www.polizei.bayern.de/muenchen/kriminalitaet/statistik/index.html/186108

  5. Pingback von Die Gewalt von Köln und was zu tun ist | Aus Liebe zur Freiheit | 05. Jan. 2016 um 19:11:49

    […] Prinzessinnenreporter mit einem kleinen Grundkurs Journalismus. Enno Park mit Nüchternheit. Teresa Bücker bei Edition […]

  6. Comment von Peter | 05. Jan. 2016 um 19:23:12

    @Enno: Schon das Wort „Masche“ entlarvt den Beitrag. Es ging eben nicht um eine „Masche“, es ging um sexuelle Gewalt. Und sie als „Masche“ zu bezeichnen, zeugt von mangelndem Respekt den Opfern gegenüber – genauso wie der perfide Versuch, aus diesen Verbrechen Argumente gegen Migration schlagen zu wollen.

  7. Pingback von Mein Dienstag (197/366) | 18 Worte. | 05. Jan. 2016 um 22:52:26

    […] die in meiner inhaltlich einheitlichen Timeline herrscht. Ich finde die guten Zeilen von @ennomane und mache Twitter danach schnell wieder […]

  8. Comment von Finn | 06. Jan. 2016 um 08:03:57

    (Kommentar gelöscht, der die Ereignisse grundsätzlich dem Islam zurechnet.)

  9. Pingback von die ennomane » Medienversagen? | 06. Jan. 2016 um 15:59:48

    […] hatte gestern schon über die sexuellen Übergriffe in der Silvesternacht gebloggt – überwiegend mit sehr positivem Echo. Es freut mich zu lesen, dass Versuchen, die […]

  10. Pingback von Waren es die falschen Täter? | JUICED | 06. Jan. 2016 um 20:05:50

    […] noch mehr lesen möchte, darf sich gerne Köln von Enno Park und das Interview “Politisch korrekte Ausflüchte erregen den Volkszorn” […]

  11. Comment von stiip | 07. Jan. 2016 um 11:46:13

    Danke.

  12. Pingback von Die Ereignisse in Köln | chri_ho | 13. Jan. 2016 um 11:46:23

    […] Park hat einen guten Artikel zu den Ereignissen in Köln […]


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