sofa die ennomane

25. Oktober 2014

Qualitätsjournalismus

tl;dr: Journalistische Debatten über Trolle kann ich nicht ernst nehmen, solange nicht auch mal die Trolle in den eigenen Redaktionen thematisiert werden.

zeitungen

Der Journalismus hat den Troll entdeckt. Nachdem in anderen Kontexten schon viele Menschen aus Foren, Twitter oder Facebook rausgemobbt wurden, wird es auch den den Redaktionen zu viel: Der Troll treibt sein Unwesen in ihren Kommentarspalten, die zunehmend dicht gemacht werden. Das Heise-Forum ist längst überall. Die Redaktionen reagieren darauf mit neuen Modellen: Strengeres Community-Management, Kommentare nur noch für Abonnenten, gelenkte Diskussionen. Gleichzeitig ist er spannend, dieser Troll. Wer sind eigentlich diese Leute, die Kommunikation zerstören, Menschen mit verbaler Gewalt in die Verzweiflung und aus dem Netz treiben? Darüber erschienen in den letzten Wochen etliche Geschichten. Und wie umgehen mit dem Troll? Offen bekämpfen, einfach löschen und rauswerfen oder – „Don’t feed the troll!“ – ihn ignorieren? Die jahrealte Netzdebatte ist im Mainstream angekommen. Der Troll wird als Objekt der Berichterstattung zu Hause besucht.

Irgendwas jedoch fehlte mir an der ganzen Debatte, das ich zunächst nicht näher benennen konnte und mir erst gestern klar wurde. Was ist eigentlich mit Trollen in den Reihen der Redaktionen? Was denkt sich der Online-Redakteur bei „Spiegel Online“, der nach Artikeln über #Aufschrei oder Anita Sarkeesian den nächsten Fleischhauer freischaltet? Wie ist das so, sich bei der „Zeit“ immer wieder mit Rassismus und Frauenfeindlichkeit auseinander zu setzen, nur um dann Lesern, die sich für eine Welt mit weniger Diskriminierung einsetzen, den nächsten Martenstein reinzuwürgen? Und warum muss die F.A.Z. erst investigativ einen Bilderbuch-Troll irgendwo in der Provinz ausgraben, wo doch die Telefonnummer von Don Alphonso gereicht hätte?

Die Antwort scheint ganz einfach: Trolle sorgen für Aufregung und Empörung. Sie bringen Traffic, Klicks und Umsatz. Die einen rufen „Endlich sagt’s mal einer!“, die anderen regen sich – meist zurecht – darüber auf, welche menschenverachtende Scheiße da wieder ins Netz gekippt wurde. Und das nicht auf irgendwelchen Blogs, in denen Trolle sowieso schreiben können, was sie wollen, sondern mitten im selbsternannten „Qualitätsjournalismus“. Der Troll, heißt es, genießt die Aufmerksamkeit. Er lebt geradezu davon, Unruhe zu stiften, Menschen zu verletzen und Hass zu verbreiten. Das ist natürlich auch ein Geschäftsmodell. Und Trolle sind halt immer die anderen.

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Kommentare

  1. […] Troll ist immer der andere. Zeigst du mir meinen Troll, zeig ich dir deine. Dort wo die Trolle sich tummeln, bleiben wir empört stehen, um das Debakel kopfschüttelnd zu betra… Ein Troll kommt nie alleine. Genauso wie ein Troll noch keinen Shitstorm […]

  2. Comment von Don Alphonso | 25. Okt. 2014 um 18:34:34

    Naja, es wäre jetzt auch kein Problem, sich die Einlassungen von Frau Sarkessian heute zur Schiesserei in Seattle vorzunehmen und zu fragen, ob das nicht auch ein typisches Beispiel für platte Trollargumentation der Misandrie ist, so wie vieles in ihren Videos auch. Dazu muss ich sagen, ich mag Videospiele selbst überhaupt nicht, hatte selbst schon Ärger mit Gamern und wünschte, es gäbe diese Industrie nicht. Ein wenig Trollblut steckt, unzulässig generell gesagt, in vielen Journalistenadern, und es wird einem normalerweise austrainiert. Mir nicht, ich habe keine formale Ausbildung. und ich mache halt das Beste – in meinen Augen – daraus. Ich weiss schon, dass solche Beiträge voll einschlagen. Das ist leider im Rahmen einer vorwärtsverteidigung gegen Ihren Mob auch notwendig. Man weill wenn dann schon wenigstens mitraufen.

    Aber wie auch immer, der Beitrag, um den es geht, erfindet ja nichts. Es sind die Äusserungen Ihrer Freunde, und an keiner Stelle mache ich mir diese Haltung zu eigen. Dass die Dystopie des einen Lagers in der Handlung des anderen zu finden ist, ist in diesem Bereich nun mal so – man hätte das im Übrigen auch an den Salafisten zeigen können.

    Das Lustige an der Sache ist; Der Beitrag als solcher war schon zur Buchmesse so gut wie fertig, damals nur mit Zitaten aus beiden Büchern. Der hat so leider nicht wirklich ins Internetblog gepasst, und so habe ich ihn eigentlich liegen lassen – bis es mit Martenstein losging. Sowas nennt man nicht Trollerei, sondern ins Messer laufen.

  3. Comment von Enno | 25. Okt. 2014 um 18:54:56

    Statt auf die Kritik einzugehen auf andere verweisen, ist auch so ein klassisches Muster, dessen sich Trolle gerne bedienen.

  4. Comment von Don Alphonso | 25. Okt. 2014 um 19:22:58

    Ich finde da oben ehrlich gesagt keine Kritik zu meinem Beitrag, nur den Satz

    „Und warum muss die F.A.Z. erst investigativ einen Bilderbuch-Troll irgendwo in der Provinz ausgraben, wo doch die Telefonnummer von Don Alphonso gereicht hätte?“

    Ich kann auch über Konzerte, Bergwandern und radeln schreiben, das alles geht fast immer bei der FAZ auf die Hauptseite, weil es von Schirrmacher so gewünscht war und tatsächlich auch gut läuft – einfach, weil die Leute es gern lesen, egal über was ich schreibe. Heikle Texte waren immer in freiwilliger Absprache – insofern sind auch die immer gleichen Reaktionen mit rufen nach Kündigungen eher belustigend – und manche Texte beabsichtigen natürlich, gewisse, spezielle Vorgänge punktgenau anzusprechen. Das ist normal, Medien sitzen ja nicht rum und warten doof, dass man über sie herfällt Das ist in sich ein stilistisches Stilmittel und vielleicht nicht immer die feinste Methode, aber man überlegt sich natürlich vorher, ob man Themen breit bespricht, oder eben ganz gezielt angeht. In diesem Fall war der Auslöser der dumme Shitstorm gegen Martenstein. Ich verstehe nicht, wieso man das für machbar hält – es ist doch klar, wenn ein seit Jahren stalkig agierender Charakter wie Mierau sich so eine Blösse gibt, dass man so etwas nicht immer brav schluckt. Irgendwann wäre jemand darauf eingestiegen. Möglicherweise war ich nur der Schnellste, das Pirincci-Thema bleibt uns eh erhalten.

    Ansonsten wäre ich wirklich um ein wenig Trennschärfe dankbar. Martenstein und ich streifen diese Themen nur hin und wieder, wenn es zu bunt wird bzw. Protagonisten fast schon darum betteln – ohne Mierau hätte der aktuelle Beitrag nie das Licht der Welt erblickt. Und ich kann mir auch schönere Themen mit angenehmeren Kommentatoren als die 40 gelöschten Kommentare vorstellen – und ich lösche ansonsten nur im äussersten Notfall.

    Der Dualismus der befreundeten Herren Augstein und Fleischhauer ist etwas anderes, das ist. soweit mir das Fleischhauers Buchverlag erzählte, wirklich so abgesprochen und hingedreht, dass es Empörungen gibt. Ob das Trollerei ist.. keine Ahnung. Ich würde das einfach nicht so ernst nehmen.

    Das Thema als solches ist natürlich spannend, denn ich merke sehr wohl, dass Medien inzwischen auch mal härter hinlamgen, etwa bei AfD-Fans, und das ist meines erachtens auch keine schlechte Strategie. Man lernt halt von seinen Gegnern.

  5. Comment von Enno | 25. Okt. 2014 um 19:27:47

    Das mag ja alles sein, ich empfinde etliche Aussagen aus der letzten „Deus Ex Machina“ als durchaus ehrabschneidend – freundlich ausgedrückt. Mit Reichweite kommt Verantwortung.

  6. Comment von Don Alphonso | 25. Okt. 2014 um 19:55:36

    Die Empfindung kann ich natürlich keinem verbieten, aber auf der einen Seite zähle ich darauf, dass die Leser selbst denken. Auf der anderen Seite habe ich nur die Munition, die Frau Wizorek selbst geliefert hat. Es hatte erst mal keiner was gegen den Aufschrei, bis dann versucht wurde, in dessen Windschatten andere als „Maskus und Nazis“ darzustellen, private Rechnungen zu stellen und Exfreundinnen fertig zu machen – man denke da anWizoreks Beitrag über ihre angeblich aussaugede Bekannte, und jede, vermutlich auch Sie, wussten doch genau, wer damit gemeint war. Es hätte ein schöner Erfolg werden können, aber ganz offensichtlich ist es halt in einer bestimmten, sehr garstigen Ecke gelandet. Und über die schreibe ich eigentlich noch nicht mal, ich verlinke sie. Ich hätte auch noch mehr und hässlichere Sachen zitieren können. Bei mir hat jemand versucht, mir Antisemitismus anzudichten – dabei habe ich jahrelang für die IKG gearbeitet. So Zeug halt. Insofern habe ich mich da an die Mitte der Entgleisungen gehalten. Ohne Anwalt, ohne Abmahnung wie man das bei mir versucht hat.

    Anne Roth hat 20k Follower und darüber Martenstein vorgeführt und einen Shitstorm gegen die Zeit angeregt, um seinen Kopf zu fordern. Mein Beitrag hat aktuell knapp 40k Klicks und ich fordere niemandes Kopf oder Entlassung oder was man sonst noch seit gestern bei mir versucht. Natürlich könnte ich auch mal bei Geuters Institutschef in Oldenburg anrufen und fragem, wie da die Twitterpolicy so ist – hat man bei mir ja auch dauernd bei der FAZ probiert. Tun wir nicht. Ich betreibe auch keine Fakeaccounts bei Twitter oder poste Kommentare unter falschem Namen und der immer gleichen IP.

    Also, was ist nun wirklich Trollerei? Ich fahre hier immer noch den Schonwaschgang. Da gibt es hier draussen ganz andere Methoden. Und um die geht es im Beitrag.

  7. Comment von Enno | 25. Okt. 2014 um 20:06:08

    Da haben wir ja nochmal Glück gehabt.

  8. Comment von Gaia | 25. Okt. 2014 um 20:20:36

    Enno, warum gibst Du solchen Leuten eine Plattform? Jaja, Meinungsfreiheit. Meinungsfreiheit my ass! Dürfen wir dann auch bald mit rechnen? Und dann kommentieren unter dem Blogpost?

    Ich finde es darüberhinaus zum Kotzen, dass dieser Blogger „Troll“ genannt wird. Das ist er nicht.

  9. Comment von Don Alphonso | 25. Okt. 2014 um 20:28:00

    Naja, es ist halt die Frage, wie man Trollerei definiert. Ich habe ja etliche echte Stalker, die mit solchen Methoden arbeiten, insofern ist mein Horizont da recht geweitet. Das Problem ist, dass dann wieder die Unschärfe ins Soeil kommt. Was sind dann Leute, die wirklich zu harten Methoden greifen, die wir ja alle kennen? Das würde mich interessieren. weil so, wie es dasteht, hat es in etwa den Wert eines Nazivorwurfs dutch Höfinghoff.

  10. Comment von Enno | 25. Okt. 2014 um 20:45:51

    Es gibt Menschen, die Mord- und Vergewaltungsdrohungen ausgesetzt sind und Journalisten, die das kleinreden und diese Menschen mit teils perfiden Vorwürfen angreifen. Sie, Herr Meyer, halte ich für einen solchen Journalisten. Auf immer neue Kreise auszuweichen und jetzt beispielsweise Oliver Höfinghoff ins Spiel zu bringen, wird mir langsam fad.

  11. Comment von Don Alphonso | 25. Okt. 2014 um 21:33:50

    Sie wissen vermutlich nicht sonderlich viel über das Leben der sichtbaren und identifizierbaren Personen einer oftmals misstrauisch beäugten ethnischen Minderheit, die zudem beruflich auch über die FPÖ, Restitution, Palästina oder Zwangsarbeiter schreiben. Ich weiss recht gut, was das alles ist, vielleicht sogar besser als Frau Wizorek, aber erstaunlicherweise versuche ich auch bei Judenfeinden nicht, sie um den Job zu bringen. Einerseits bringt das nichts. im Gegenteil, es schadet, gerade die Selbststilisierung als Opfer. Andererseits hilft dann aber Trennschärfe wirklich weiter, das habe ich aus meinem Beruf mitgenommen und deshalb frage ich Sie ja, wie Sie das sehen. Einfach, weil mich das Thema und Ihre Sicht wirklich interessiert.

  12. Comment von komischer Vogel | 25. Okt. 2014 um 21:53:44

    VARIANTE A

    Nehmen wir doch einmal an, dass das, was mit dem „Trollen“ (Sprachhandlungen) verbunden wird, nicht zu knapp die von Ennomane oben behandelten Punkte sind:

    Der Troll:

    1) übt verbale Gewalt aus und möchte andere Menschen verletzen
    2) agiert bevorzugt mit Beschimpfungen und Herabsetzungen
    3) neigt zu stalkinghaftem Verhalten
    4) möchte gerne die Ehre der von ihm Abgelehnten herab setzen
    5) Menschen evtl. aus ihrem Umfeld herausmobben
    6) Kommunikation oder gar ganze Diskurse zerstören

    Dies alles muss nicht zugleich vorhanden sein (ist es aber oft) und dominiert seine Bemühungen, an einem Dialog inhaltlich und anderen gegenüber respektvoll oder sogar wertschätzend aufzutreten.

    VARIANTE B

    Die einfachere, deutlich billigere und engherzigere Definition ist es, einfach jede Person zum „Troll“ zu erklären, die aus irgendeinem Grunde in einer Diskussion stören. Je extremistischer in ihrer Gesinnung eine Gruppierung ausgerichtet ist, umso eher wird sie geneigt sein, Menschen bzw. Diskussionsteilnehmer/innnen als „Troll“ kennzeichnen, welche von der eigenen ideologischen Linie abweichen. So ist ein Neoliberaler in marxistischen Kreisen bzw. Diskussionen ein klassischer Troll, ein Maskulinist (was ich persönlich für eine sogar extrem lächerliche politische Ideologie halte) wird innerhalb der eigenen Kreise nahezu jede Feministin zum Troll erklären.

    Was nun? Wer ist hier – in welchem Maße – ein Troll?

    These 1:
    Aus Sicht der Piratenpartei (und besonders aus Sicht des progressiven Spektrums) sind die Meinungsbeiträge von Don Alphonso oft genug störend. Im Sinne der engherzigen Definition B ist Don Alphonso eindeutig ein Troll. Seine Auffassungen und seine Artikel stören.

    These 2:
    Ennomane hat seinen Artikel mit Absicht so geschrieben, dass er Don Alphonso als typischen „Troll“ hinstellen kann. Die Wortwahl und der Zuschnitt seiner allgemeinen Aussagen zum Thema „Troll“ sind nicht zu knapp auf Don Alphonso gemünzt.

    Dass echte Trolle mit ihrem Trollverhalten z.B. typischerweise auf Aufmerksamkeit oder gar Traffic zielen, pardon, das halte ich für komplett abseitig.

    Ennomane geht es darum, so vermute ich es stark, Menschen wie Don Alphonso herabzuwürdigen. Und zwar nicht deshalb, wie aufgeschrieben, weil DA „menschenverachtende Scheiße“ vorgeworfen werden kann, sondern weil Ennomane die Auffassugen von Don Alphonso politisch nicht genehm sind.

    These 3:
    Es ist ein Zeichen niedriger Gesinnung bzw. fehlender demokratischer Gesinnung, Menschen, die wegen ihrer Andersmeinung stören, „Trolle“ zu nennen. Die Variante A ist der Variante B in jeglicher Hinsicht überlegen, außer, dass sie halt komplizierter zu handhaben ist. Zum Beispiel damit, dass mindestens drei bis vier Merkmale zutreffen müssen, bevor eindeutig von „Troll“ gesprochen werden kann.

    Auch ist zu bedenken, dass es weitere und ggf. sogar deutlich sinnvolle Definitionsvarianten geben kann außer die oben skizzierten Varianten A) und B). Weiterhin (s.u.) muss wohl auch unterschieden werden von Trollverhalten einerseits, und dem echten Dasein als Troll. Möglicher Weise verhalten sich auch die besten Geister gelegentlich unmöglich oder gelegentlich gar „wie ein Troll“. In dem streitintensiven Geschäft der Politik könnte das durchaus etwas gehäuft vorkommen.

    Es ist also schwierig. Schwieriger, als ich selbst dachte – und vielleicht sogar schwieriger, als z.B. Ennomane dachte, als er seinen kritischen Artikel schrieb.

    These 4:
    Mit Leichtigkeit ließen sich viele Beispiele dafür aufführen, dass sich von Don Alphonso wenig geschätzte Berufspolitiker Höfinghoff oder Lauer im Umgang mit politischen Abweichlern mitunter, und das nicht mal zu knapp, gelegentlich auch „wie ein Troll“ aufführen.

    Geht man davon aus, dass nicht wenige Trolle (auch hier gibt es Vielfalt, zumal in der Motivation) das Ziel verfolgen, andere Menschen nach Möglichkeit mundtot zu machen bzw. aus Diskursen zu entfernen, dann – pardon – würde ich nach Definition A sagen, dass nicht wenige prominente Piratenpartei-Mitglieder sogar hochbegabte Trolle sind.

    Die allerdings – und das ist dann ja spannend und eine Abweichung ggüber der Definition in Variante A – ihr Trollverhalten zu dosieren wissen. Die inhaltliche (bzw. menschlich austauschende) Kommunikation steht bei diesen Leuten in der Regel deutlich im Vordergrund, aber gleichzeitig, ja sogar parallel, agieren sie nicht selten wie Trolle:

    Um politische Gegner zu bekämpfen. Trollverhalten wird hier zu einem taktischen bzw. strategischen Mittel.

    These 5:
    Don Alphonso kann ein umgänglicher Mensch (mit Andersmeinung) sein, und ist dies meistens auch, aber auch jemand, über dessen Auffassungen man/frau sich leicht ärgern kann. Zumal dann, wenn man selbst anderer Meinung ist.

    These 6:
    Ennomane hat völlig recht, wenn er auf die objektiv erhöhte Schutzbedürftigkeit von Netzfeministinnen verweist. Insofern ist – meiner Überzeugung nach – der Vergleich von mehr oder minder radikalen Netzfeministinnen mit jemand wie einem Hassprediger wie Sarrazin unpassend. Sowohl in der Zielsetzung, als auch – und das finde ich wichtig – in der Schutzbedürftigkeit.

    These 7:
    Ennomane verweist auf einen spannenden Punkt: Was ist von Autoren zu halten, welche auf – so nenne ich das mal – die „Diskursstrategie Empörung“ setzen, und zugleich gegenüber anderen in besonderen Maße herab setzend agieren?

    Ich finde, nimmt man den Einfluss auf das Diskursklima als Maßstab, welcher von diesen Autoren mit Erregung und Hassgefühlen aufgeladen wird, sind gewisse Ähnlichkeiten zum gemeinen Troll durchaus vorhanden. Ich halte es allerdings für ziemlich denkunscharf, in diesen Fällen von „Trollen“ zu sprechen.

    Besser fände ich es, in diesen Fällen von „hassverbreitenden Publizisten“ zu sprechen. Das passt besser.

    These 8:
    Don Alphonso ist kein „hassverbreitender Publizist“. Er ist aber, und dies mitunter in störenden Ausmaß, oft sehr polemisch. Und auch, wenn ich ihn für einen hellen Kopf halte, auch er wird von Irrtum nicht verschont.

    Ohne ihn jetzt genauer zu kennen behaupte ich, dass er trotz regelmäßiger polemischer Zuspitzung eher selten auf das verbale Verletzen anderer Menschen zielt, und im Regelfall auf die inhaltliche Auseinandersetzung.

    These 9:
    Don Alphonso pflegt eine Reihe persönlicher Feindschaften. Meiner Überzeugung nach deutlich zu intensiv.

    These 10:
    Von der Feindschaft zum Troll ist ein sehr kurzer Weg.

  13. Ina
    Comment von Ina | 27. Okt. 2014 um 13:40:01

    Hallo Enno,

    mich würde interessieren, wie du „Trolle“ und „Qualitätsjournalismus“ genau definierst. Kannst du das bitte noch nachliefern? Besten Dank.

  14. Pingback von De:Bug » Alphonso, Fefe und die radikalen Feminazihassprediger | 27. Okt. 2014 um 14:31:42

    […] Mehr dazu hier (Achtung, laut Alphonso auch so ein Hassprediger) und hier. […]

  15. ne
    Comment von ne | 31. Okt. 2014 um 00:27:16

    Nein, das ist keine Trollerei, das ist meines Erachtens plumper Populismus, der auf fruchtbaren Boden fällt. Wo Herr Meyer noch Wizorek mit Pirinçci vergleicht, da will sein guter Bekannter Holger Klein schon ähnliche Strukturen zwischen den in Köln „demonstrierenden“ Hooligans und „dem Twitterfeminismus“ sehen:
    „Jetzt versuchen sie (Anm.d.R.: HoGeSa) so zu tun als wären sie die Guten indem sie mit dem Finger auf die zeigen, die vermeintlich noch böser sind als sie selbst. Huh, das kennen wir doch irgendwo her, ne, Twitterfeminismus. (lacht) ‚Da, da hinten sind die Bösen! Guck, auf einmal sind wir gut.'“
    http://www.wrint.de/2014/10/28/wr359-messlatte-am-arsch/ (57:04)
    Alles Vergleiche, die ich überhaupt nicht nachvollziehen kann, aber als alles andere als „Trollerei“ abtun würde.


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