sofa die ennomane

19. Oktober 2013

Homöopathie

tl;dr: Homöopathie ist jenseits des Placebo-Effektes wirkungslos. Aber sehr unterhaltsam.

homöopathie

Ich hocke gerade krank zu Hause rum und habe alle Verabredungen fürs Wochenende abgesagt. Was passt da besser als die tausendste Homöopathie-Debatte auf Facebook? Was ich dort zusammengeschrieben habe, ist es wert, auch mal hier festgehalten zu werden.

Homöopathen verwenden gerne den abwertenden Begriff „Schulmedizin“, wenn sie von evidenzbasierter Medizin sprechen. Das lustige am Begriff „Schulmedizin“ ist, dass er behauptet, dass Mediziner nur blind das tun, was ihnen ein Lehrer mal erzählt hat, obwohl die Medizin der permanenten wissenschaftlichen Revision unterliegt. Lustig ist das deshalb, weil eigentlich Homöopathie & Co. eine Schulmedizin sind, die sich blind auf das stützt, was ein Lehrer wie Samuel Hahnemann mal postuliert hat, und jede Kritik an ihren Grundlagen vehement ablehnt. Ein sehr schöner Brainfuck, den die Esos sich da ausgedacht haben.

Aber selbst wenn man statt „Schulmedizin“ den Begriff der „Allopathie“ verwendet und ihr eine „alternative Medizin“ gegenüberstellt, ist das ungut. Da wird ein künstlicher Dualismus erzeugt, vereinfacht gesagt eine „gute“ und eine „böse“ Medizin. Welche Seite jeweils gut und welche böse ist, ist dann nur noch eine Frage der eigenen Perspektive. Dabei ist Medizin einfach alles, was wir so unternehmen, um Krankheiten zu lindern oder zu heilen. Selbstverständlich gibt es in der so genannten „Schulmedizin“ wirkungslose Therapien und unter den alternativen Behandlungsmethoden wirkungsvolle. Die Homöopathie gehört allerdings nicht dazu.

Ich setze mich mit der Homöopathie auseinander, seit ich als Abiturient in einem homöopathischen Fachverlag mit Versandbuchhandlung gejobbt habe, darf also von mir behaupten, mich wirklich gut mit Homöopathie auszukennen und das aus einer zu Beginn positiven, unvoreingenommenen, „unverbildeten“ Haltung. Viele Menschen, die Homöopathika einnehmen, glauben, das sei eine Form von Naturheilkunde. Irgendwas mit Heilkräutern und vor allem: Sanft. Damit hat Homöopathie jedoch wenig zu tun. Sie basiert auf zwei Prinzipien: Der Simile und der Potenzierung.

Das Simile-Prinzip ist ein schöngeistiges, metaphysisches Konstrukt. Vermutlich weil Menschen Muster und Symmetrien lieben, wurde versucht, es in vielen verschiedenen Kontexten anzuwenden. Es besagt, dass gleiches mit gleichem zu heilen sei. Es lebt heute in der Homöopathie fort, genauso aber auch in der Impfung. Der wissenschaftliche Stand ist, dass es nur genau da funktioniert, wo das Immunsystem involviert ist, also bei einem Befall des Körper mit krankheitserregenden Mikroorganismen. Lustig ist in diesem Zusammenhang, dass so viele Homöopathie-Gläubige zugleich Impfgegner sind. Noch lustiger wird das ganze, wenn man weiß, wie die Homöopathie versucht, die Wirkungsweise der Mittelchen festzustellen: nämlich im Selbstversuch. Homöopathen stecken alles in den Mund, was nicht bei drei auf den Bäumen ist: von Heilkräutern und Chemikalien über Uran und Urin bis hin zu Hundekot und Menstruationsblut. Nach Einnahme dieser Sachen horchen sie in sich hinein und versuchen, die Symptome, die sich an sich wahrnehmen (oder wahrzunehmen glauben) den Symptomen typischer Erkrankungen zuzuordnen.

Das zweite Prinzip ist Potenzierung, die Verdünnung in Wasser bis hin zur Abwesenheit eines Wirkstoffes. Bei Potenzen wie D3 (1:1000) sind durchaus noch Wirkstoffe im Milligrammbereich im homöopathischen Mittel zu finden und können ggf. auch wirken. Bei höheren Potenzierungen ist aber kein Wirkstoff mehr im Mittel enthalten. Wirken soll das trotzdem, indem Information irgendwie feinstofflich aus dem Wirkstoff auf das Wasser übertragen werden soll. Dann traut sich natürlich keiner mehr, gewöhnliches Leitungswasser zu trinken, weshalb diese Informationsübertragung natürlich nicht einfach so passiert, sondern nur, wenn man die Verdünnung mit rituellem Verreiben und/oder Schütteln verbindet. Anders gesagt: Es handelt sich um eine Form von Magie, weshalb es auch völlig korrekt ist, die Homöopathie der Esoterik zuzurechnen. Derlei magisches Denken ist reine Glaubenssache. Daran zu glauben ist nicht verwerflich, schließlich glauben wir viele Dinge, ohne sie zu wissen.

Der einzig wissenschaftlich nachweisbare Wirkmechanismus in der Homöopathie bleibt der Placebo-Effekt. Der wird immer gerne abgetan, ist aber sehr wichtig in der Medizin und funktioniert gut (übrigens auch bei Tieren). Die besondere Hinwendung des Heilpraktikers zum Patienten kann ebenfalls heilende Wirkung haben, ist aber heute jedoch immer weniger gegeben, da heute Homöopathika am häufigsten von normalen niedergelassen Ärzten ohne tiefere Anamnese verschrieben oder gleich ohne jeden Arztbesuch vom Patienten in der Apotheke gekauft werden.

Trotzdem wird immer wieder um die Wirkungsweise gestritten. Beliebt ist die Story von den „bösen Pharmakonzernen“, die Studien manipulieren. Dass hinter der Homöopathie heute ebenfalls ein Milliardenmarkt mit großen Konzernen steckt, wird dabei gerne übersehen. Homöopathie-Gläubige streiten wahlweise ab, dass die klassische Doppelblind-Studie Aussagekraft hat oder führen eigene Studien ins Feld. (Oft beides von den gleichen Personen.) Derlei Studien sind dann oft von Laien schon sehr leicht zu widerlegen. Zum Beispiel diese Pressemitteilung der Homöopathie-Union, dass ein bestimmtes homöopathisches Medikament innerhalb von 7 Tagen bei 90% der Probanden half, Erkältungskrankheiten zu heilen. Das klingt in der Tat eindrucksvoll. Aber nur solange, bis man sich klar macht, dass der übliche grippale Infekt unbehandelt üblicherweise 7-10 Tage dauert. Es ist eigentlich erstaunlich, dass am Ende der Studie nur 90% wieder gesund waren.

Genau aus diesem Trugschluss stammt auch der Grund, warum so viele (einschließlich mir früher) das Gefühl haben, Homöopathie helfe ihnen. Das ist ein subtiler psychologischer Effekt: Die rote Ampel. Wir haben oft das Gefühl, viel mehr roten als grünen Ampeln zu begegnen. Das liegt daran, dass wir die roten Ampeln als Störung wahrnehmen, während die grünen sofort aus unserem Bewusstsein streichen. Wenn du krank bist, hast du eine 99,9%ige Chance, von alleine wieder gesund zu werden. Du nimmst dann Medikamente (egal ob homöopathisch oder andere) und dir geht es irgendwann besser. Dir wäre auch so wieder besser gegangen, aber das Gefühl „Homöopathie hat mir geholfen“ hat sich als Erfahrung abgespeichert. Daher der verbreitete Glaube an die Wirkung der Homöopathie. Untersuchen wir sie wissenschaftlich, finden wir aber nur gleichverteilte rote und grüne Ampeln. Homöopathie wäre eigentlich harmlos bis hilfreich, wenn manche Leute nicht auf die Idee kämen, sie auch bei ernsten und schweren Erkrankungen einzusetzen und damit sich oder gar andere (z.B. ihre Kinder) zu gefährden.

Natürlich gibt es bornierte Ärzte und bornierte Wissenschaftler und vielleicht auch sinistre Pharmakonzerne, die ebenfalls unwissenschafltichen Bullshit in die Welt blasen. Sobald das genug Leute sehen und rufen: Der Kaiser ist nackt, verschwindet der Quatsch aber wieder in der Versenkung. Der Kaiser „Homöopathie“ läuft seit 200 Jahren nackt herum, aber statt zu rufen, „der ist ja nackt“ erzählen sich einige lieber Gerüchte über sein schönes Gemächt.

 

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Kommentare

  1. Comment von Martin Knepper | 19. Okt. 2013 um 22:37:31

    „Die Natur scheint kaum befähigt zu sein, etwas anderes als verhältnismäßig kurze Krankheiten hervorzubringen. Aber die Medizin hat die Kunst erworben, sie in die Länge zu ziehen. Die Heilmittel, die Linderung, die sie verschaffen, das Unbehagen, welches sich einstellt, wenn man in ihrem Gebrauch nachlässig wird, bringen eine Kopie der Krankheit zustande, welcher die Gewöhnung des Patienten eine gewisse Festigkeit und Form verleiht, ebenso wie Kinder regelmäßig noch lange an periodischen Hustenanfällen leiden, nachdem sie vom Keuchhusten geheilt sind. Dann wirken die Mittel weniger, man steigert die Dosis, man erreicht nichts Gutes mehr damit, sondern in Gestalt jener nun Dauer gewordenen Indisposition etwas Schlechtes. Die Natur hätte diesen Zuständen eine so lange Dauer nicht zugestanden. Es ist ein großes Wunder, daß die Medizin, die hierin der Natur gleichkommt, uns zwingen kann, das Bett zu hüten und bei Todesstrafe den Gebrauch eines Medikamentes unbedingt fortzusetzen. Von da an schlägt die künstlich aufgepfrpfte Krankheit Wurzel und ist zu einer sekundären, doch wirklichen Krankheit geworden mit dem einzigen Unterschied, daß die natürlichen Krankheiten heilen, niemals aber die, welche die Medizin hervorbringt, denn das Geheimnis der Heilung ist ihr nicht bekannt.“

    Marcel Proust: AdSndvZ (Die Gefangene), S. 3002 ff

  2. Comment von Enno | 19. Okt. 2013 um 22:41:13

    @Martin Möchtest du über Homöopathie diskutieren oder dich nur vermittels des Zitates eines fachfremden Literaten ein wenig spreizen, um Kritik an der Medizin an sich zu üben (was die Homöopathie mit einschlösse)?

  3. Comment von Joscha | 19. Okt. 2013 um 23:11:21

    An dieser Stelle sollte aber auch der Hinweis nicht fehlen, dass es in der regulären Pharmakologie ein massives Problem gibt: die wissenschaftliche Herangehensweise wird allzuoft und systematisch unterlaufen, da die Studien in der Regel Interessenkonflikten unterliegen. Negativresultate werden oft nicht publiziert, Positivresultate sind oft nicht unabhängig reproduzierbar, und die Kosten-/Nutzenabschätzung durch unabhängige Institutionen wird dann auch noch politisch torpediert. Gegenwärtig sind viele Mittel auf dem Markt, deren Wirkung nicht zweifelsfrei von Placebos unterscheidbar ist (was für die Nebenwirkungen aber nicht gelten muss).
    Hinzu kommt die Verschreibungspraxis: Ärzte werden von der Industrie mit erheblichem Aufwand animiert, möglichst viel zu verschreiben, und bei Kassenpatienten wird die zeitaufwändige und aus Ärztesicht schlecht vergütete Diagnostik gern durch „probeweise“ eingesetzte Medikamente ersetzt, oder sogar bewußt ein unwirksames Medikament verschrieben (z.B. ein Antibiotikum bei einem viralen Infekt) um den Patienten rasch wieder aus dem Behandlungszimmer zu bekommen.

    Zur Verteidigung der Homöopathie aus meiner (völlig nichtesoterischen) Sicht: http://palmstroem.blogspot.de/2013/09/versuch-einer-verteidigung-der.html

  4. Comment von Enno | 19. Okt. 2013 um 23:33:10

    Die Tatsache, dass in der evidenzbasierten Medizin viel schief läuft, hat nichts damit zu tun, ob Homöopathie wirkt oder nicht. Wie gesagt: Der Dualismus existiert nicht. Nur Zeug, das wirkt, und welches das nicht wirkt.

  5. Comment von Enno | 19. Okt. 2013 um 23:35:47

    Auch noch konkret auf den oben verlinkten Text bezogen: „Wie wäre es, stattdessen zu einer Medizin zu greifen, die statt der massiven Truppenaufmärsche zu subtilen Agenten und behutsamer Einregelung der körpereigenen Mechanismen greift?“ Genau das ist die Homöopathie nicht. In einer D3-Potenzierung ist es die gleiche „Bombardierung“ mit irgendwelchen Wirkstoffen wie andere Medizin auch. In hohen Potenzen ist sie nebenwirkungsfrei, weil sie wirkungsfrei ist.

  6. Comment von Bernd Paysan | 20. Okt. 2013 um 00:57:02

    Die Verdünnung ist bei Substanzen, die eigentlich hochgiftig sind, sehr wohl hilfreich. So haben Homöopathen durchaus potente Medikamente entdeckt, die nach der „Potenzierung“ dann nicht mehr lebensgefährlich waren, sondern vernünftig dosiert werden konnten (wie das aus dem Fingerhut gewonnene Digitalis). Letztlich ist die Homöopathie mit ihrem Selbstversuch auch irgendwo anfänglich evidenzbasierend, und das Simile-Prinzip ist zumindest anfänglich zielführend (Medikament beeinflusst zu behandelndes Organ -> Sinnvoll, mehr Forschung hineinzustecken).

    Ich habe als Jugendlicher Sulfur D6 (1ppm Schwefel in Alkohol) gegen Akne genommen; der Effekt war nicht überwältigend, aber vorhanden, und besser als andere Mittel, die mir der Arzt verschrieben hat. Man könnte sagen, dass da auch zu wenig Schwefel drin ist, 1ppm ist zwar nicht gar nichts, aber doch sehr wenig; so ganz einfach ist das nicht. Schwefel ist in Alkohol löslich, in Wasser nicht, die Verabreichung war „10 Tropfen in ein Glas Wasser geben“. Bei diesem Vorgang verdünnt sich der Alkohol, bis der Schwefel als Nanopartikel ausfällt, es sind pro Tropfen ein, zwei Quadratzentimeter mit diesen Nanopartikel (das kann man auch mit Avogardos Zahl ausrechnen), die sich dann schnell im Wasser verteilen. Inzwischen weiß man das, das hat aber nichts mit diesem Medikament zu tun, sondern weil allerlei Leute an Nanopartikeln forschen.

    Schwefel desinfiziert, und Nanopartikel wirken schon etwas anders als große Brocken – weil sie überall durchgehen, wo der große Brocken nicht durchgeht. Da Schwefel in Wasser unlöslich ist, ist eine andere Darreichung sicher völlig nutzlos.

    Derartige Medikamente sind natürlich reine Zufallsfunde. Zumindest ist hier (wie bei Digitalis) erklärbar, warum es wirken könnte – die anderen angeblich evidenzbasierenden Mittel waren eher weniger wirksam, aber erheblich teurer (Schwefel ist billig, Alkohol ist billig, ein bisschen rituelles Schüttel kostet auch nicht viel).

    Es gibt durchaus berechtigte Gründe, an der Pharmavertreter-Medizin zu zweifeln, die mit Evidenz oft auch nichts zu tun hat, aber mit großen Firmen, die sich gewogene Studien kaufen. Allerdings ist bei den Gewinnen, die Bach-Blütentherapie, Globuli und anderer Humbug abwerfen (in denen kein Wirkmechanismus erkennbar ist), keine Abgrenzung zu sehen: Das ist auch Pharmavertreter-Medizin. Nur irgendwie scheint das Geld nicht zu reichen für die gewogenen Studien ;-). Bei den Pharma-Konzernen ist es zwar auch oft so, dass nach 20 Jahren Einsatz das Medikament nicht mehr vom Placebo unterscheidbar ist, aber am Anfang war es das sehr wohl.

    Die „Erklärmodelle“, warum ihre Medikamente wirken, sind bei Homöopathen natürlich reiner Humbug. Und die Tatsache, dass viele Krankheiten von selbst vergehen, und eine Behandlung etwa mit Antibiotika bei Vireninfektionen kontraproduktiv ist, die Leute aber einen Hokuspokus haben wollen, bringt den Homöopathen viele Kunden. Es wäre sicher hilfreich, wenn die „evidenzbasierende“ Medizin auf schädliche Behandlungen wie nicht indizierte Antibiotika verzichten würde. Da gehen nur die Darmbakterien ein, und das schwächt den kranken Menschen zusätzlich.

  7. Comment von Enno | 20. Okt. 2013 um 01:03:33

    @Bernd

    Selbstversuche sind nicht „evidenzbasiert“ und sagen nichts aus. Dazu braucht man schon Reihenuntersuchungen. Zumal bei der Homöopathie nicht auf das Verschwinden sondern das Erzeugen von Symptomen getestet wird. Die Verwendung von Schwefel gegen Akte in messbarer Konzentration hat nichts mit Homöopathie zu tun. Und man könnte den Eindruck erwecken, „klassische“ Medikamente seien unverdünnt, was natürlich auch Humbug ist.

  8. JMK
    Comment von JMK | 20. Okt. 2013 um 11:21:12

    eine kleine Ergänzung bezüglich des Unterhaltungsfaktors. Wenn sich Menschen damit selbst verarschen wollen, bitte sehr. Nur wird es dann gefährlich wenn anstelle einer wissenschaftsbasierten Forschung diese Scharlatanerie tritt.
    Ich verlinke ungern zu den Ruhrbaronen, aber Sebastian Bartoschek hat bei den Gesundheitsministerien der Länder nach ihrer Stellung zu Homöopathie nachgefragt. Das Ergebnis ist erschreckend.
    http://www.ruhrbarone.de/index.php?s=Wie+esoterisch+ist+mein+Gesundheitsministerium

  9. Comment von Nivatius | 20. Okt. 2013 um 14:39:36

    Danke für den Text. Lass dich in den Kommentaren nicht zu sehr ärgern.

  10. Comment von sprech.sucht (@Sprechsucht) | 20. Okt. 2013 um 16:27:56

    Mit etwas Mathematik (tolle neue Wissenschaft, die man unbedingt mal im Auge behalten sollte) kann man jede Wirksamkeitsdiskussion mangels realer Grundlage zurück in den Märchenwald verbannen.

    Dafür recycle ich hier mal meinen dort-Kommentar.
    Richard Albrecht schreib am 12.12.2011 auf https://plus.google.com/+MarioSixtus/posts/2cunHzBLPad:
    „Homöopathie arbeitet mit Hochpotenzen. Ok, kann ja sein, dass das wirkt.
    Wasser enthält aber immer Verunreinigungen (Abfall, organische Stoffe, Hormone, ja auch Reste von Medikamenten), die natürlich auch bei der Potenzierung mit potenziert werden und im zur Potenzierung eingesetzten Wasser immer wieder neu zugeführt werden.
    Reinstwasser hat immer noch 25 ng/Liter an Verunreinigungen. http://de.wikipedia.org/wiki/Reinstwasser
    D. h., ab etwa 13 Potenzierungen (1:10) dominiert der Dreck im Wasser.
    Oder anders ausgedrückt, bei D40 sind ca. 10^17 mal mehr unbekannte Drecksmoleküle mit ihren angeblich so wirksamen „Abdrücken“ im teuer verkauften „Heilmittel“ als „wirksame“ Anteile des eingesetzten Medikamentes.
    Bisher hat die Homöopathie sich nicht darum gekümmert, statt eines wirksamen Medikamentes wird einfach unkontrolliert wirksames Allerweltszeugs verabreicht.
    Dass da medizinisch irgendwas passiert, ist nachweisbar oder auch nicht. Mit dem homöopathischen Medikament hat die Wirkung garantiert nichts mehr zu tun.
    Alle ‚Tests‘ der Homöopathie auf eine eventuelle Wirksamkeit sind Unfug, es werden immer Dreckseffekte mit gemessen.
    Und Medizin ist nie so eindeutig, dass alle Nebenwirkungen des Drecks, auch mit Reinstwasser, ausreichend erfasst werden können.
    Dazu braucht man keine „Doppelblinddstudien“, man braucht nur ein wenig Kenntnis der Potenzrechnung und ein Lexikon, in dem etwas zum Thema Reinstwasser steht.
    Homöopathie ist gefährlich, weil die Kontrolle über das eingesetzte Medikament verloren geht und die Heilung irgendwelchem zufälligem Dreck überlassen wird.
    Und es ist egal, ob man die Potenzen mit Wasser oder Alkohol herstellt, das Problem mit der Reinheit ist immer vorhanden. Und Reinstzucker ist sicherlich auch nicht das, was man erwartet.
    Es kommt der nicht vorhandene Reinstraum in einer normalen Praxsi eines Homöopathen hinzu.
    siehe auch hier:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Hom%C3%B6opathie… „Unplausibilität der Wirkung homöopathischer Mittel“
    In dem Artikel wird die Grenze, ab der die Verunreinigungen überwiegen, mit D6,C3 angegeben.
    Auf der Webseite des Verbandes ( http://www.vkhd.de/ ) wird immerhin zugegeben, das es ab D24 („im immateriellen Bereich „) komisch wird. Dass die Grenze bereits bei D6,D3 liegt, wird nicht genannt, bzw. ich habe auf der Seite nichts dazu gefunden.
    http://www.vkhd.de/index.php
    Man kann der Homöopathie nur eines bescheinigen: durchgefallen, erwischt, mit simpler Mathematik“

  11. Comment von Enno | 20. Okt. 2013 um 18:15:12

    @jmk Unterhaltsam finde ich das Gedankenmodell. Ich finde es einfach komisch, wenn der Homöopath sinnierend ein Stück Asbest oder Fledermauskot kaut und dann vielleicht „leichtes Hitzegefühl im linken Unterbauch, Jucken im Schritt, ungute Gedanken über meine Frau, Mundgeruch“ aufschreibt.

    @Sprechsucht Nein, die Konzentrationen des „Drecks“ im Reinwasser sind nochmal viel niedriger als die Konzentration von „Dreck“ in Atemluft, Nahrung und dem Bier, das du vielleicht gleich trinkst. Homöopathie ist auf dieser Ebene völlig unschädlich. Siehe auch http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2011/02/04/1023-eine-kollektive-homoopathische-uberdosis/ — gefährlich ist sie, wenn man versucht, schwere Erkrankungen damit zu behandeln und andere, wirksame Behandlungsmethoden zugunsten der Homöopathie unterlässt.

  12. Comment von borgdrone | 20. Okt. 2013 um 20:01:03

    Der Humor lässt an der Stelle nach wenn sich der Bund katholischer Ärzte hinstellt und meint man könne Homosexualität damit heilen….
    …andere Gruppen wiederum bieten Globulies gegen Malaria an….oder Strahlenkrankheiten.

    http://waschtrommler.org/2011/06/01/globuli-gegen-homosexualitt-hoch-verdnnter-intellekt/

  13. Comment von Enno | 20. Okt. 2013 um 20:10:09

    @borgdrone Bei mir lässt der da nicht nach, er wird nur schwarz. Die Vorstellung, dass da irgend ein Homöopath sitzt und gebrauchte Kondome, Rattenurin oder Plutonium kaut und beim Reinhorchen in sich plötzlich merkt merkt, wie schwul er gerade wird, ist doch köstlich.

  14. Comment von borgdrone | 20. Okt. 2013 um 20:38:46

    leider gehen dabei Menschen drauf, wenn die in der zweiten und dritten Welt da Arzt spielen mit denen. Der Todesengel von Kalkutta ist ja Medial immer noch auf der Wahrnehmungsebene von Nobelpreisträgern. Und der medikamentöse Umgang, der Kinder dann sehr früh schon drauf konditioniert mit „für jedes Wehwehchen ein Mittelchen“ sensibilisiert solche Menschen ihr leben lang zu „eingebildeten Kranken“…..und die haben es sich dann bewusst nicht ausgesucht.
    Wenn das ne Sparte wäre (und ja ich hab da auch noch meinen humor hier und da) würde ich über den ganzen Laden lachen……aber diese Religion wächst und hält Einzug in unsere Krankenkassen…wird dort auf Kosten der Allgemeinheit abgerechnet und empfohlen….von der Hebamme bis zum Apotheker.

  15. Comment von creezy | 20. Okt. 2013 um 21:20:04

    Und? So what?! Wir Deutsche geben auch jährlich 8 Milliarden Euro für Erkältungsmittel aus, die genauso wenig helfen bzw. genauso schnell (7-8 Tage), wie von Dir oben beschrieben das homöpathische Äquivalent.

    Und das obwohl Erkältungsmittel aus dem Leistungskatalog der Krankenkassen geworfen wurden, weil genau deren Evidenz auch nie bewiesen werden konnte. Die Evidenz zeigt in beiden Fällen allenfalls auf eine hohe Anzahl naiver gutgläubiger Patienten. ;-)

    Die Leute sollen schlucken, was sie wollen. Und woran sie glauben wollen. Mir geht die ewig wiederkehrende Diskussion langsam nur noch auf die Nüsse. Leider nicht potenziert. ,-)

  16. Comment von borgdrone | 21. Okt. 2013 um 00:58:51

    ach so
    weil das eine Banane ist, legitimiert das das andere was Banane ist……sehr logische Herleitung m(

  17. Tim
    Comment von Tim | 21. Okt. 2013 um 07:13:04

    „Pharmavertreter-Medizin“. Die Homöopathika-Unternehmen spielen beim Marketing und mit ihrem Aussendienst in der gleichen Profi-Liga.

    http://www.schwarzundbold.de/werbeagentur/arbeiten/dhu_einzelmittel_kampagne_pos

  18. Comment von ClaudiaBerlin | 21. Okt. 2013 um 14:27:25

    Wer Homöopathie für wirkungslosen Nonsens hält, soll sie halt nicht nutzen. Was mich stört, ist dieses angestrengte und oft aggressive Bashen und Bekämpfen – ja warum denn? Wenn jemand Geld und Zeit dafür aufwenden möchte und die H. diesem und jenem hilft – warum reizt das fortwährend Leute, mit den immergleichen Argumenten gegen die H. zu polemisieren? Soll denn nicht jeder machen dürfen, was als hilfreich erlebt wird?

    Wenn „nix drin“ ist, was wirken könnte, richtet H. wenigstens keinen Schaden an – wie viele Medikamente der „wirkungsvollen“ Medizin, deren Nebenwirkungen oft die gewollte Wirkung deutlich übertreffen.

    Und noch nie hab ich von einem Arzt soviel Zeit und Zuwendung erfahren wie von jenen beiden Dr.Meds, die mir homöopathische Mittel nach ausführlicher Anamnese gaben! Mal hat es genutzt (geradezu spektakulär), mal auch nicht. Kann gut sein, dass das ein „Placebo-Effekt“ war, aber den bekomme ich in einer 5-Minuten-Praxis in aller Regel nicht.

  19. Comment von borgdrone | 21. Okt. 2013 um 16:04:13

    @Claudia

    es geht hier nicht allein um das Nutzen von „nichts“ sondern erstens das bilden von Verhaltensmustern und zweitens das Betreiben eines Produktes als Heilmittel, welches keine wissenschaftlich fundierte Grundlage hat und bereits in allgemeine Abrechnungsstrukturen der Krankenkassen eingeflossen ist.
    Quasi wird Betrug betrieben wenn man „nichts“ als „etwas“ verkauft. Ärzte und Apotheker kommen ihrer Aufklärungspflicht nicht mehr nach und die Allgemeinheit zahlt für eine „Glaubensrichtung“.

    Es ist also nicht so das man argumentieren könnte, „Jeder soll doch das machen was er für richtig hält“ ….aus dem Zusammenhang ist es schon längst hinaus. Und Kinder damit zu indoktrinieren verlässt die Schaffung der Grundlagen einer Wissensgesellschaft dann völlig.

    Warum nicht dann gleich wieder Aderlass für jede Behandlung….alles andere ist Blasphemie.

  20. Comment von DangerousDetlef | 21. Okt. 2013 um 16:31:14

    Schöner Beitrag, der diese Behandlungsmethoden als das zeigt, was sie sind: Humbug, um Leuten das Geld aus der Tasche zu ziehen. Im Endeffekt könnte man sagen: Die Leute machen es, glauben vielleicht daran, Placebo-Effekt, es geht ihnen besser. Alles gut. Ist es aber nicht, da dafür horrende Summen für irgendwelche „Medikamente“ und dubiose Behandlungen verlangt wird.

    Leider ist das in der „klassichen“ Medizin oftmals nichts anders. Wenn ich schon alleine daran denke, wie viele Mittelchen „gegen“ Erkältung man in der Apotheke bekommt..

    Mit fällt da immer ein Zitat ein, dass gut zu diesem Thema passt: „Wenn ich eine Erkältung behandle, dauert sie sieben Tage. Wenn nicht, dauert sie eine Woche.“ Stammt übringens aus Arthur Haileys „Bittere Medizin“, ein sehr schöner Roman über die Arbeitsweise der Pharmaindustrie. (Hat der Auto das Buch vielleicht auch gelesen? Viele Argumente in dem Blogbeitrag erinnern mich daran :)

  21. Pingback von die ennomane » Homöopathie | Mediengedoens | 21. Okt. 2013 um 16:32:46
  22. […] ennomane.de: Homöopathie – esodekonstruktionen. fein. […]

  23. […] Homöo­pa­thie Eine ange­nehm unauf­ge­regte, sach­li­che Aus­ein­an­der­set­zung mit der Homöo­pa­thie, die trotz­dem (zwangs­läu­fig) dar­auf hin­aus­läuft, dass sie „eine Form von Magie“ als Grund­lage hat, „wes­halb es auch völ­lig kor­rekt ist, die Homöo­pa­thie der Eso­te­rik zuzurechnen.“ […]

  24. Comment von Arte Povera | 25. Okt. 2013 um 14:08:41

    Gerade mit Interesse gelesen :). Dabei auch einen Blick in die PM der DHU geworfen, folgendes ist interessant: „In der Placebogruppe waren die Beschwerden in dieser Zeit bei 88,9 Prozent der Personen hingegen unverändert geblieben oder hatten sich sogar verschlechtert.“
    Also ein deutlicher Unterschied zur „behandelten“ Gruppe (angeblich 90% beschwerdefrei).
    Ich glaube nicht an Homöopathie, u.a. aus den Gründen die du nennst, aber bei diesem Beispiel muss wohl doch noch etwas mehr Erklärung gebracht werden als „ist halt von selbst besser geworden“.

  25. Comment von Aaron | 01. Nov. 2013 um 13:43:04

    Sehr schön auf den Punkt gebracht, ähnelt sehr stark einem Artikel, den ich schon vor einiger Zeit geschrieben habe – darum muss ich ihn auch gut finden:
    http://aaron-kahlau.de/blog/medizin/was-homoopathie-wirklich-ist.html

  26. Pingback von Lesestoff – Ausgabe 47 | DenkfabrikBlog.de | 24. Nov. 2013 um 14:44:15

    […] Homöopathie […]

  27. […] Schulmedizin: Enno Park schreibt in einem Blogbeitrag zu Recht, dass es eigentlich ziemlich kurios ist, dass ausgerechnet […]

  28. Comment von Face | 14. Jan. 2014 um 12:50:53

    Ich war lange Zeit Patient in der Psychiatrie und musste Medikamente einnehmen, die heftig waren und noch heftigere Nebenwirkungen haben, auch die Psychiaterin, nach dem Klinik Aufenthalt hat mich weiter mit Medikamenten der -Schulmedizin behandelt, bis an den Punkt, wo sie mir ein neues Medikament verschrieb, dass ich in den „Bittere Pillen“ noch nicht gefunden habe. Ich hatte jedes vertrauen verloren.in Berlin habe ich einen bekannten homöopathischen Arzt gefunden der sich in den Belangen der Psychiatrie auskannte und Glück gehabt. Anhand meines Profils (hohe Sensibilität)kann ich heute selbstvertraut meine Krankheit (Gesellschaftskrankheit, seelische Störung), die vielleicht keine ist, verstehen und selbst behandeln.


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