Roboroach, das Cyborg-Haustier

tl;dr: Biohacking und eine Schabe fernsteuern geht nicht nur ok, sondern ist eine ziemlich spannende Sache.

roboroach

Heute machte eine Meldung die Runde, dass Backyard Brains einen Bausatz anbietet, mit dem eine Schabe via Smartphone ferngesteuert werden kann. Sofort wurden „ethische Bedenken“ angemeldet: Tierquälerei. Zugegeben: So etwas klingt zunächst einmal gruselig und ekelig. Dennoch sollte man dieses Experiment einer nüchternen Betrachtung unterziehen.

Zunächst einmal ist wichtig zu verstehen, was bei Roboroach eigentlich passiert. Ein Empfänger wird an der Schabe befestigt, der jederzeit abgenommen werden kann. Schaben orientieren sich mit Hilfe ihrer Fühler. Ertasten diese ein Hindernis, wechselt die Schabe die Richtung. Diesen Mechanismus macht man sich zu nutze: Der Fühler wird mittels einer Elektrode stimuliert: Die Schabe wechselt ihre Richtung und kann somit ferngelenkt werden. Die Steuerung erfolgt mittels einer Smartphone-App, die ihre Befehle via Bluetooth an den Empfänger auf dem Rücken der Schabe überträgt. Dabei geht es nicht um starke Stromstöße sondern darum, einen feinen Impuls in die Nerven des Tieres abzusetzen – ganz ähnlich wie bei meinem Cochlea-Implantat. Das ganze ist vergleichbar mit dem Zaumzeug eines Pferdes.

Ein weiterer Einwand lautet, dass es trotzdem Tierquälerei sei, gegen ihren Willen so mit der Schabe umzugehen. Ich will jetzt nicht weiter darauf eingehen, ob eine Schabe einen Willen besitzt, Gefühle hat oder beseelt ist. Ich frage mich nur, ob diese Leute die toten Fliegen an ihrer Windschutzscheibe zählen. Die Frage, ab wann ein biologisches System oder ein Organismus unantastbar ist, ist eine philosophische bis religiöse und wer dieses auch für ein Insekt bejaht, dürfte mehr Lebenslügen über das eigene Leben und die Konsequenzen des eigenen Handelns angehäuft haben, als sich in einer Therapie üblicher Länge aufdröseln ließe.

Spielerei aus Jux ist das ganze jedenfalls nicht – dafür bräuchte man auch keinen Bausatz, da genügt ein Frosch und ein Strohhalm.  Genau wie Garagenfirmen, die in den 70er Jahren Computerbausätze an die ersten Nerds verkauft haben, verkauft Backyard Brains Biohacking-Bausätze. Das solche Bausätze keine Spielerei ist, zeigt schon die Auswahl an Experimenten, die Backyard Brains auf ihrer Webseite zur Verfügung stellt. Das kann man geschmacklos finden, allerdings bin ich überzeugt, dass aus Biohacking mit der Zeit ähnlich großartige Dinge entstehen werden wie aus den Aktivitäten der ersten Computernerds. Das Internet ermöglicht es immer mehr Menschen, an Informationen zu gelangen, die sie interessieren – Foschung findet nicht mehr nur noch in geschlossenen Laboren statt. Daraus wurden und werden Ideen und Karrieren inner- und außerhalb der Universitäten: Hobbyforschung ist mittlerweile durchaus ernst zu nehmen, viele Wissenschaftler verstehen das und begrüßen Hacker als willkomene Ergänzung zu ihrer Arbeit. Mir schwant allerdings, die Medien werden auch Biohacking als dubiose bis gefährliche Tätigkeit sinistrer Jungkrimineller darstellen. Wenn es um den Computer geht, tun sie es schließlich bis heute noch.

P.S.: Ich habe in den Kommentaren noch eine umfassende Ergänzung geschrieben. Bitte dort weiterlesen.

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