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September 8, 2012

Warum ich meine Kandidatur für den Berliner Landesvorstand der Piraten zurückziehe

Anisa ist schuld. Auf die Frage, warum sie nicht wieder für den Landesvorstand kandidiert, sagte sie sinngemäß: “Für das, was ich machen will, brauche ich keinen Sitz im LaVo.” Das war irgendwann im Frühjahr. Seitdem versuche ich für mich herauszukriegen, was ich eigentlich erreichen möchte und wie es sich am besten umsetzen lässt. Ich weiß, viele wünschen sich, dass ich wieder für den Berliner Landesvorstand kandidiere und ich weiß, dass ich einige Leute enttäusche, aber die Lage ist ziemlich einfach:

Ich muss nicht Vorsitzender werden, wenn es Kandidaten gibt, die das besser machen als ich. Davon haben wir mindestens zwei. Und ich muss auch nicht wieder Schatzmeister werden, wenn es Kandidaten gibt, die das auch gut können. Auch davon haben wir mindestens zwei.

Als ich letzten Winter für den Landesvorstand kandidierte, hatte ich zunächst gar nicht den Schatzmeister im Sinn, sondern wollte Beisitzer werden. Als solcher wollte ich mich um Liquid Feedback kümmern oder aber um das Problem der so genannten “Neupiraten”, das im Wesentlichen ein Kommunikationsproblem ist. Dieses Problem ist bis heute nicht gelöst. Ansätze wie “Gelassenheit durch Kompetenz” von Gerhard Anger sind sicherlich hilfreich, wir brauchen aber mehr: mehr Neupiratentreffen, mehr Schulungen und endlich eine Art Handbuch – also richtiges totes Holz, in dem noch das netzunaffinste Mitglied nachlesen kann, wie der Landesverband Berlin funktioniert und wie man sich als Pirat engagieren kann.

Grundsätzlich gilt die Regel: Ohne Sitz im LaVo schafft man mehr. So ganz kann ich deshalb Gerhard Anger und Katja Dathe auch nicht verstehen: “Gelassenheit durch Kompetenz” und “Operation Frozen Hell” lassen sich wesentlich besser durchführen, wenn man sich nicht ums Kleinklein des Tagesgeschäftes kümmern muss. Und dieses Kleinklein hat es in sich: Weit über 1000 Stunden Arbeit habe ich in die Piratenpartei gesteckt und einen hohen vierstelligen Betrag an Verdienstausfall. Freunde, Familie und Arbeit habe ich böse vernachlässigt. Dass ich meine Kandidatur zurückziehe, bedeutet nicht, dass ich aufgebe, sondern dass ich eine Pause brauche, mich wieder mehr um bestimmte Menschen kümmern möchte und vor allem dringend wieder mehr Geld verdienen muss.

Das heißt übrigens weder, dass ich weg bin, noch dass ich in Zukunft nicht wieder für Ämter kandidiere. Bundes-IT, Landes-IT, Swanhilds Team, Berliner Mitgliederverwaltung: Irgendwo werde ich eine nette kleine Beauftragung finden. Ich könnte zum Beispiel helfen, in Berlin das “Schatzi-Squad” anzuschieben, das aus technischen Gründen leider nicht mehr in meiner Amtszeit starten konnte. Außerdem will ich gerne endlich mal wieder inhaltlich arbeiten: So habe ich es z.B. im letzten halben Jahr kein einziges mal geschafft, im Integrations-Squad vorbei zu schauen. Und last not least: Ich möchte mich wieder mehr an dem orientieren, was ich drei Tage vor meinem Eintritt in die Piratenpartei schrieb.

“Neupiraten” kann man sie nicht mehr nennen, aber Informationen scheinen sie immer noch zu brauchen, jedenfalls ist das mein Eindruck in den Crews. Ein Büchlein mit dem Arbeitstitel “Der Berliner Pirat” will geschrieben werden. Ich muss nur Zeit finden.

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Kommentare

  1. Comment von Swanhild | 08. Sep. 2012 um 08:16:55

    Eine gute Entscheidung, die ich sehr schätze, weil ich Dich sehr schätze.

    Ich wünsche Dir, dass alles so kommen wird, wie Du es gerne haben möchtest. Vielleicht findet sich ja auch mal wieder ein netter Abend, den wir gemeinsam verbringen können. Sei es in Berlin oder in Hamburg oder sonstwo.

    Swanhild

  2. Comment von Enno | 08. Sep. 2012 um 13:12:35

    Vielen Dank und natürlich sehr gerne!

  3. Comment von Christoph Kappes | 08. Sep. 2012 um 13:32:52

    Kleine Anregung aus der Distanz: Was Du beschreibst, sind verschiedene Rollen. Du möchtest mehr inhaltlich arbeiten, zum Beispiel.

    Vielleicht habt Ihr die Chance, eine Parteiorganisation und ihre Kommunikationswege inkl Meinungsbildung so zu strukturieren, wie sich richtig wäre: Die Einzelpersonen nicht zu überfordern (auf Bundesebene sind alle überall überfordert). Sondern eine arbeitsteilige Struktur zu implementieren, bei der die Inhaltsbienen Inhalte machen, die Verdichterbienen das ganze kommunizierbar verkürzen, die Kommunikationsbienen die Inhalte verbreiten und die Feedback-Bienen den Honig der anderen einsammeln, um ihn zu verteilen. Und so weiter….

  4. Comment von Enno | 08. Sep. 2012 um 14:03:29

    Hallo Christoph. Gute Anregungen das! Ich habe gerade selber noch kein Konzept, aber einen Stapel bausteine. Kommunikationswege zu strukturieren ist sehr schwierig, wenn man keine Top-Down-Strukturen wie in Unternehmen hat und jeder kommuniziert wie er will und man das aus Gründen auch nicht einfach so ändern möchte.

  5. Comment von Jörg | 09. Sep. 2012 um 02:07:40

    Hallo Enno,

    Deine Entscheidung kommt für mich sehr überraschend. Du wolltest Dich doch zwecks Arbeitsentlastung und Unterstützung bei mir melden.

    Die Gründe für Deine Entscheidung sind nachvollziehbar. Aber das weiß man im Voraus, dass solche “Jobs” einen aufreiben.

    Ich wünsche Dir eine erholsame Auszeit.

    Bais Samstag

    Jörg.

  6. Comment von Angelika | 09. Sep. 2012 um 17:36:06

    Hallo Enno,

    Seit 2009 bin ich bei den Piraten aktiv ohne Mitglied zu sein. Ich kann Deine Entscheidung und die Beweggründe gut nachvollziehen.
    Auch mein Schwerpunkt gilt der inhaltlichen Arbeit und dazu muss man nicht im Vorstand sein und noch nicht mal in der Partei.
    Ich wünsche Dir viel Erfolg bei der inhaltlichen Arbeit und hoffe auf regen Input.

    Viele Grüße
    Angelika

  7. Comment von Enno | 09. Sep. 2012 um 22:06:44

    @Jörg Das ist alles Kleinkram und läuft unter dem Kapitel “Selber machen geht schneller als jemandem das erklären.” Prinzipiell lassen sich Aufgabebereiche aufsplitten. Ich hatte das “Modularisierter Schatzmeister ” genannt und bereits die erste Beauftragung an einen Buchhalter vergeben. Weitere Beauftragungen für einen Controller, ein kleines Inkasso-Team und permanente Buchprüfer liegen quasi in der Schublade. All das zusammen ergibt dann das Schatzi-Squad, das meinen Plänen nach monatlich hätte tagen können und neben her eine Art informellen “Landesfinanzrat” bilden können. Problem: Um obige Arbeitsteilung zu realisieren benötigen wir ein Ticketsystem. Alleine auf die Umstellung einer E-Mail-Adresse warte ich nun schon seit 1-2 Monaten. Ebenso lange wartet der beauftragte Buchhalter auf seinen Account an unserem Server. Solange diese Dinge nicht laufen, ist es zwecklos, Interessierte zum Treffen den Schatzi-Squads einzuladen und Arbeitspakete zu verteilen.

  8. Comment von Nora | 11. Sep. 2012 um 15:36:15

    Danke Enno.
    Ich stimme dir voll zu, außerhalb des LaVos kann man mehr schaffen, im LaVo muss man mehr schaffen und mehr ist immer nicht genug. Ich freue mich, wenn wir alle etwas schaffen, zufrieden sind und motiviert für das nächste Projekt. Du wirkst sehr motiviert für die weitere Arbeit, das ist wunderbar!


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