sofa die ennomane

Januar 31, 2012

Märtyrer

Seit Tagen nerven Varianten dieses Bildes (Quelle unbekannt) in meinem Facebook-Stream. Die Gegenüberstellung soll suggerieren: Kim Schmitz sei eigentlich ein Guter und wird viel zu hart bestraft, vor allem im Vergleich zu dem Schwein, das Frauen vergewaltigt und ermordet hat und dafür mit “nur” 20 Jahren davon kam. Auch wenn Don Alphonso teilweise zu recht bemerkt, dass Kim Schmitz immerhin eine Plattform geschaffen habe, bei der die User freiwillig für Inhalte zahlten, was die Industrie angeblich nicht hinbekommt (äh… iTunes anyhow?), darf man nicht vergessen, dass die Urheber von den Megaupload-Millionen keinen Cent abbekamen. (Und ich meine Urheber, nicht Verwerter.) Wenn die Urheber schon nichts abbekommen, dann doch lieber wegen klassischem Peer2Peer à la BitTorrent, als dass sich ein einschlägig bekannter Betrüger, Hehler und Wirtschaftskrimineller feist am Datenstrom bereichert.

Also Leute, ich bitte euch – vergesst es! Kim Schmitz taugt nicht zum Märtyrer. Weder wurde er wegen Megaupload verurteilt, noch stimmt das angegebene Strafmaß von 50 Jahren. Im Moment ist er in Neuseeland in Untersuchungshaft, wobei die Frage geklärt wird, ob er in die USA ausgeliefert wird, wo ihm im Falle einer Verurteilung bis zu 20 Jahre drohen – mit etwas Glück also weniger als dem Vergewaltiger, der übrigens in Spanien hinter Gittern sitzt, einem Land mit völlig anderem Rechtssystem, sofern die Geschichte stimmt. Also bitte denkt nach, bevor ihr Äpfel mit Nazis vergleicht und reflexartig auf “Teilen” klickt. Ihr verliert sonst einen IQ-Test.

Kommentare

  1. Kommentar von Ralf Koch | 01. Feb. 2012 um 00:48:17

    100% Zustimmung zu allen Aussagen in diesem Post. Du sprichst mir aus der Seele – und das passiert bei diesem Thema nicht wirklich häufig…

  2. Kommentar von LordSnow | 01. Feb. 2012 um 11:02:57

    Kimble ist kein Heiliger, keine Frage. Man muss neben der vermeintlichen Gewinnabsicht, jedoch trotzdem berücksichtigen, dass er das Risiko, dass genau das passiert, was jetzt passiert ist von den Nutzern von “konventionellen” Tauschbörsen durch den upload allein auf sich genommen hat. Er bekommt also quasi jetzt die “geballte” Strafe, die sonst vereinzelte Nutzer getroffen hätte. Dass diese sich jetzt mit ihm solidarisieren ist schon nachvollziehbar.

    ITunes ist (leider) nur für Leute zu gebrauchen, die sich gern in die Abhängigkeit von Apple begeben, das ist (zum Glück) jedoch eine Minderheit. Dass für Kultur Geld ausgegeben werden sollte und dieses Geld auch bei den Urhebern landen soll, da bin ich voll bei dir, aber die finanzielle Situation von 99% der Urheber dürfte mit oder ohne Kimble haargenau gleich aussehen.

    Würde übrigens dazu raten, wenn man andere wegen Urheberrechtsvergehen anprangert auch selbst zu schauen Bilder korrekt zu verwenden.

    Woher hast du die Begrenzung des potentiellen Strafmaßes von 20 Jahren her?

  3. Kommentar von Enno | 01. Feb. 2012 um 14:05:12

    @LordSnow: Kim sieht aber kein Risiko und hält sich selbst (nicht ganz zu unrecht) für unschuldig, weil er ja *nur* eine Plattform angeboten hat. iTunes funktioniert: Kunden zahlen für Downloads. Wie einem im Einzelfall iTunes gefällt, ist dabei egal, es ist lediglich ein Beispiel dafür, dass Megaupload mitnichten das einzige funktionierende Bezahlportal ist. Das Foto ist ein zulässiges Bildzitat, die Quelle leider nicht bekannt. In so weit hast du Recht: ein Bildzitat darf ich nicht veröffentlichen, ohne die korrekte Quelle zu nennen. Das Risiko gehe ich ausnahmsweise mal ein. ;) Wenn jemand die Urheber des Bildes kennt, freue ich mich über einen Hinweis. Das Strafmaß wurde mehrfach bei Heise genannt, z.B. im oben verlinkten Artikel.

  4. Kommentar von Torsten | 01. Feb. 2012 um 14:15:48

    Zudem: Man muss eine theoretisch mögliche Höchststrafe von einem Strafmaß in einem besonderen Fall unterscheiden. Die Höchststrafe für Vergewaltigung und Mord ist in den USA der Tod.

  5. Kommentar von Ein bisschen traurig | 01. Feb. 2012 um 15:09:04

    Ein bisschen traurig ist es schon, dass man solche Dinge überhaupt erklären muss und offenbar niemand Google bedienen kann und dieser haarsträubende Unsinn auf Facebook millionenfach geteilt wird – und egal, wie oft man es erklärt, nächste Woche kommt der nächste Quark dieser Art. Man muss zu dem Schluss kommen, dass der größte Teil der Internetnutzer trotz Facebook und den tollen neuen Werkzeugen eben doch nicht signifikant klüger ist als der Rest der Menschheit.

  6. Kommentar von Enno | 01. Feb. 2012 um 15:09:59

    Warum sollte er auch?


Kommentar hinterlassen: