sofa die ennomane

23. September 2011

Der Papst in Berlin: Warum ich heute gegen Joseph Ratzinger demonstriert habe

Ich muss etwas bekennen: Ich bin kein Atheist, kein Agnostiker und kein Anhänger einer Religionsgmeinschaft – meine Ansichten sind einfach nur Privatsache. Mein Bekenntnis: Ich bin ein ganz großer Anhänger der Religionsfreiheit. Ich habe genauso wenig etwas gegen Christen wie gegen Anhänger anderer Religionen oder Atheisten. Wirklich Leute, glaubt was ihr wollt. Es ist mir egal. Ich habe aber ein Problem damit, wie der Katholizismus in Deutschland gegen die Religionsfreiheit verstößt – unter anderem.

Es geht nicht um Hexenverbrennungen, Kreuzzüge oder Galileo Galilei, sondern hier und heute um eine Sexualmoral, die die Menschen psychisch deformiert, krank macht und sie ihrer eigentlich doch nach dem Grundgesetz geschützten Würde beraubt. Der Zölibat ist Ausdruck einer krankhaften Einstellung zur eigenen Körperlichkeit. Ausgerechnet jemand, der noch nie Sex hatte (oder ohne schlechtes Gewissen haben durfte), soll als Seelsorger anderen Menschen bei ihren Gewissensnöten helfen. Homophobie ist ähnlich absurd wie die Angst davor, Freitags Fleisch zu essen. Und Frauen nicht für das Priesteramt geeignet zu halten, ist sexistische Diskriminierung in Reinform.

Das wäre alles noch einigermaßen egal, wenn die Katholiken ein Verein wären, der unter sich bleibt und das Ganze als Privatsache ansieht. Tun sie aber nicht. Kirche und Staat sind in Deutschland verquickt. Ich finanziere als Steuerzahler die Einkommen von Bischöfen, obwohl ich kein Kirchenmitglied bin und keine Kirchensteuer zahle. Ich finanziere Grundschulen, an denen 6jährige Knirpse abgewiesen werden, weil sie die falsche Konfession haben. Ich finanziere Religionslehrer, die Kindern Angst vor ihrer aufkeimenden Sexualität einreden. Ich finanziere Krankenhäuser, die Ärzte feuern, die sich scheiden lassen. Ich will das nicht.

Gegen den Papst zu demonstrieren ist ganz gewiss keine schlechte Gastfreundschaft. Gerade weil die Kirche in Deutschland gesellschaftlich und politisch Macht ausübt, ist es weder borniert noch kleinlich, dem „Staatsgast“ Josef Ratzinger laut die Meinung zu sagen. Er ist als Kirchenoberhaupt und gerade als Staatsgast eben auch Politiker – und zwar einer, der öffentlich Homophobie und Sexismus vertritt. Es muss möglich sein, sich kritisch gegen diese servile Papstbesoffenheit in Medien und Bundestag zu äußern. Jakob Augstein bringt die steile These, Papstkritik sei pubertär und Ethik sei in der Politik nicht gut aufgehoben. Also überlassen wir sie ausgerechnet der katholischen Kirche, die Missbrauchsopfern lieber Schweigegeld zahlt, statt einen Päderasten vor Gericht zu bringen?

Mit dem Alltagskatholizismus habe das alles gar nichts zu tun, sagte mir heute ein Katholik, der sich von mir beschimpft fühlte. Diesen Alltagskatholizismus habe ich aber selber erlebt, wenn z.B. Geschiedene während der Eucharistie sitzen bleiben und sich vor der Gemeinde in Grund und Boden schämen, falls sie sich überhaupt noch in die Kirche trauen. Diesen Alltagskatholizismus habe ich erlebt, als mein Religionslehrer im Unterricht zynische Hasstiraden gegen andere Religionen abließ und meine damals einsetzende Gehörlosigkeit eine Strafe Gottes nannte für meine zweifelsohne mit 14 schon ausgeprägt vorhandenen Sünden. Diesen Alltagskatholizismus habe ich in 1000 weiteren Kleinigkeiten erlebt, die alle zu nennen, an dieser Stelle zu weit führt. Ich hatte schon als Kind genug von diesem Alltagskatholizismus, als ich mir über Zölibat oder Homophobie noch nichtmal im entferntesten Gedanken gemacht hatte. Danke.

Aber gut, das ist 20 Jahre her und woanders mögen sich Katholiken im Alltag liberal geben: Bitte, wenn ihr den Zölibat albern findet und für die Gleichberechtigung der Frau seid, warum seid ihr dann noch nicht in die evangelische Kirche gewechselt? Selbst wenn ihr persönlich Kondome benutzt und nichts gegen Schwule habt, so liefert eure Kirche einen Nährboden für Homophobe, Sexisten und andere Hater. Wenn ihr im Alltag viel liberaler seid und eigentlich doof findet, was Papst und Amtskirche in einigen Fragen so vertreten, warum toleriert ihr das, warum schreit ihr als Katholiken dann nicht am lautesten? Es müsste euch doch viel mehr stören als mich Außenstehenden! Liebe Katholiken, nehmt ihr euren eigenen Papst und seine Lehre nicht ernst oder seid ihr eben doch sexistisch und schwulenfeindlich?

Das Problem, das ich persönlich mit dem Christentum habe, geht etwas tiefer. Ich will das hier nicht weiter ausführen. In a Nutshell: Es ist eine Erlösungsreligion. Der Mensch ist per se schlecht und kann nur durch Jesu Erlösung gut werden. Das ist eine Geisteshaltung, die ich absolut nicht nachvollziehen kann und die in ihrer Implikation zutiefst menschenfeindlich ist, weil sie dem Einzelnen nicht erlaubt, sich frei gemäß seiner Natur zu entfalten. Aber was zählt schon der Einzelne – der Papst hat ja heute wieder den Individualismus beklagt.

Aber das ist nicht mein Problem sondern das der Christen. Also liebe Katholiken: Glaubt! Niemand möchte euch was verbieten, ich am wenigsten! Glaubt an die Trinität und die unbefleckte Empfängnis Mariä! Glaubt, Kants kategorischer Imperativ und der Humanismus seien genuin christliche Werte und ignoriert weiter die antike Geistesgeschichte! Glaubt, euer unsichtbarer bester Freund habe Superkräfte und die anderen unsichtbaren besten Freunde seien Unsinn. Glaubt an intelligentes Design und daran dass ungetaufte Kinder im Todesfall im Fegefeuer gegrillt werden! Glaubt was ihr wollt! Sobald euer Glaube gebietet, sexistisch und menschenfeindlich oder sonst wie unethisch zu sein, werde ich ihn trotzdem scheiße finden und das auch laut sagen.

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Kommentare

  1. Comment von Stefan | 23. Sep. 2011 um 07:04:57

    Danke!!

  2. Comment von Einzigartiger | 23. Sep. 2011 um 08:07:51

    Sehr schön zu lesen. Auf von mir ein DANKESCHÖN!!!

  3. Comment von Frank Hartmann | 23. Sep. 2011 um 08:55:44

    Religion ist eine neuronale Störung und total künstlich erschaffen. Glaube, an was auch immer, ist die natürlichste Sache der Welt.
    Ich persönlich glaube an das Frise schwarze Nichts nach den tode weswegen Studenten danach an mir herumexperimentieren dürfen.

    Deine Worte, meine Gedanken.

  4. Comment von Frank Hartmann | 23. Sep. 2011 um 08:59:47

    Frise = große

    Sorry, Tippfehler

  5. Comment von Stephan | 23. Sep. 2011 um 09:24:44

    Kein Theist, aber auch kein Atheist. Und auch kein Agnostiker, nicht mal ein schwacher. Einverstanden, ist Privatsache. IMHO darf man vermuten, dass dieses Thema noch nicht abgeschlossen ist. Wenn dem so sein sollte, möchte ich sagen: Du bist auf einem guten Weg. Aus meiner Sicht.

    Gut geschrieben ansonsten.

  6. Comment von whitecorsair | 23. Sep. 2011 um 09:35:08

    Recht schlüssig geschrieben und man kann vieles nachvollziehen.
    Was aber berichtigt werden muss von meiner Seite ist die Passage dass ein katholischer Seelsorger niemals Eex hatte bevor er
    Priester wurde.
    Das kannst Du nicht wissen und trifft wohl in
    vielen Fällen sicher nicht zu (kenne selbst einige Priester
    persönlich).
    Davon unbeschadet nennst Du gute Gründe warum
    Dogmen niemals einfach so hingenommen werden sollten.

  7. Pingback von Da boxt der Papst bei Facebook | Spreeblick | 23. Sep. 2011 um 10:45:43

    […] auf damit, sorry…) – wirklich bis bemüht witzig, die Tatsache jedoch, dass sich Leute wie Die Ennomane auch Zeit für eine längere Begründung ihres Protestes genommen haben, darf bei unerwähnt […]

  8. Comment von Quasselette | 23. Sep. 2011 um 12:30:33

    Danke für diesen Bericht. Ich gehöre zu diesen Menschen, die zufällig katholisch getauft wurden. Die im Religionsunterricht regelmäßig rausgeflogen sind, weil sie ziemlich die gleiche Meinung vertreten wie Du hier. Trotzdem bin ich bis heute Steuerzahler für die katholische Kirche und wäre 1000x lieber evangelisch.

    Warum ich es nicht tue? Weil es irgendwie ein Umstand ist (aus gleichem Grund war ich ewiglich AOK-Mitglied, weil Wechseln so umständlich ist…) Weil ich vielleicht durchaus irgendwo gläubig, aber total unreligiös bin und mit Kirche nix am Hut habe. Und es reicht wohl nicht aus zum Finanzamt zu gehen und sich das RK auf EV umschreiben zu lassen (was ja schon „Umstand“ genug ist). Ich müsste wohl tatsächlich Kontakt zur evangelischen Kirche aufnehmen. Und da ich seit meiner Firmung vor 15 Jahren außer bei Hochzeiten und Taufen, keine Kirche mehr betreten habe, will ich jetzt auch nicht damit anfangen.

    Daher werd ich wohl irgendwann mal zum Amtsgericht fahren und das ganze rauslöschen lassen und ganz auf eine Religionszugehörigkeit verzichten. Weil es einfacher ist, als sie zu wechseln…

  9. Comment von Enno | 23. Sep. 2011 um 13:40:23

    @whitecorsair Natürlich kann er Sex gehabt haben – aber aus katholischer Sicht keinen „legalen“. Wenn ein Pfarrer Sex hatte und seinen Glauben ernst nimmt, kann er diesen nicht gehabt haben, ohne ihn als etwas Verwerfliches zu empfinden. Und der soll dann erwachsene Menschen, Ehepaare, gestandene Eltern „beraten“? Erzähl mal einen Mario-Barth-Witz, damit ich aufhöre zu lachen.

    @Stephan „Kein Theist“ habe ich nicht gesagt. Mein DIY-Pantheismus ist in diesem Zusammenhang irrelevant. Ich möchte nicht darüber diskutieren, welche Religion besser ist oder Werbung für meine eigene machen. Ich habe nur explizit erwähnt, dass ich weder Atheist noch Agnostiker bin, weil viele Leute denken, ich sei einer, und es vielleicht ein wenig wenig besser hilft, diesen Text einzuordnen, wenn ich dazu sage, dass ich durchaus auch einen Glauben habe. Der Ennomanismus ist aber weitgehend unbekannt und ihn zu erklären gewiss nicht Thema dieses Post, zumal er die Missio ablehnt.

  10. […] Warum das so ist, erklärt die ennomane: […]

  11. oli
    Comment von oli | 23. Sep. 2011 um 15:37:57

    göttlich! super geschrieben!

  12. Comment von Konstantin | 23. Sep. 2011 um 16:45:52

    „Der Zölibat ist Ausdruck einer krankhaften Einstellung zur eigenen Körperlichkeit.“

    Ganz interessant ist dazu die Erklärung von Richard Precht gestern in „Maybritt Illner“. Er hat gesagt, das Zölibat sei im Mittelalter vor allem deshalb entstanden, um Familienclans zu verhindern, die sich die Kirche zurechtklüngeln und die Kirchenbesitztümer untereinander vererben. Diese Erklärung ist ja sogar einigermaßen nachvollziehbar. Wenn sie aber stimmt, ist die heutige katholische Kirche nicht weniger zu kritisieren, weil sie in ihrem konsevativen Traditionsbewusstsein nicht erkannt hat, warum ein im Mittelalter erklärbarer Zustand heute nicht mehr nachvollziehbar erklärbar ist.

  13. Comment von Enno | 23. Sep. 2011 um 16:59:26

    @Konstantin: Katholiken waren auch mal cool. Der Zölibat ist zwar älter, aber… „Zur Zeit von Nikolaus II. verbot die Lateransynode von 1059 jenen Priestern, denen ein notorisches Konkubinat nachgewiesen werden konnte, die Zelebration der Heiligen Messe. In Deutschland wagten allerdings nur wenige Bischöfe, die römischen Dekrete zu verkünden. Der Bischof von Passau wäre vom Klerus beinahe gelyncht worden und wurde schließlich vertrieben. Geistliche des niederen Klerus waren besonders aufgebracht und protestierten zu Tausenden gegen die neuen Gesetze. Allein in der Diözese Konstanz waren 3600 Geistliche auf einer Synode.“ (Wikipedia: Zölibat)

  14. Nic
    Comment von Nic | 23. Sep. 2011 um 22:17:07

    Hab Dank für Deinen sehr demokratischen Artikel.

  15. Comment von rauskucker | 23. Sep. 2011 um 22:20:16

    Schön geschrieben, danke. –

    „Ennomanismus“? Ist der irgendwo ausformuliert worden? Sonst jedenfalls ein netter Gedanke: jedem seine eigene Religion.

  16. Comment von Enno | 23. Sep. 2011 um 22:26:30

    Ausformuliert wurde der bisher nur bei Rotwein, nicht aber schriftlich. Ist auch besser so. Hat nicht auch jeder Katholik seine ganz eigene Sicht auf Gott and all that?

  17. Comment von Liebe | 23. Sep. 2011 um 22:33:29

    Sehr guter Artikel! Ich glaube allerdings nicht, dass eine Erlösungsreligion notgedrungen menschenfeindlich sein muss. Das gilt auch für das Christentum. ‚Das‘ Christentum hat historisch und aktuell viele Facetten.

  18. Comment von Graf | 24. Sep. 2011 um 10:41:52

    Ich liebe das Internet, weil ich dort Einträge wie diesen hier finde, der meine Gedanken und meine Meinung in besseren Worten wieder gibt, als ich es wahrscheinlich jemals könnte. Das gibt mir zumindest für einen Tag das Gefühl, dass es Menschen mit Hirn in meinem Land und auf der Welt gibt. Das macht das Leben irgendwie leichter.

    Besser hät ichs nicht ausdrücken können, vielen Dank!

  19. Comment von xsirup | 24. Sep. 2011 um 11:40:48

    Ich liebe die Glut. aber ich verabscheue das Feuer.

    Ethik ist in der Politik nicht gut aufgehoben. Weil sie genau dieses Verhalten an den Tag befördert, von welchem hier gesprochen wird.
    Was mir ganz gegen den Strich geht, ist diese Mischung an Torlaufreligion und Torlaufpolitik. Anvisieren und dann dazwischen durch. Das sich nicht jede Meinung verbietet, weil sie hirnlos ist, mögen wir der Ethik verdanken.
    Wer Ethik in die Politik verlagert, betreibt eine Religionsausübung an falscher Stelle. Schadet der Demokratie, weil er ihr die freiheitlichen Rechte nimmt, die es ihr ermöglichen eine von Religion unabhängige Meinungsbildung voran zu treiben. Politik und Religion sind keine Spassveranstaltung, um das deutlich voneinander zu trennen, braucht es vom Glauben unabhängige Politiker/innen. Darin liegt der Grund, Ethik in Religion zu legen. Genau aus diesem Grund sind die Äußerungen das Papstes ethisch zu verstehen. Mögen sie theologisch motiviert sein, dürfen sie nicht politisch Entscheidungen beeinflussen, aber ethische. Von dort können sie wieder den Weg in die Politik finden.

  20. Comment von Christian | 24. Sep. 2011 um 11:45:33

    Ich weiß mir als weniger gebildete Person nur mit Kraftausdrücken zu helfen: Der Papst ist ein Arschloch!

  21. Comment von Johannes | 24. Sep. 2011 um 12:57:44

    schade, wenn ein Katholik so wenig von seinem eigenen Glauben weiß. Selbst ich als Protestant weiß, dass die gegenwärtige Theologie lang nicht so minderwertig ist, wie der Autor sie darstellt. Aber klar, es ist immer einfach alle hirnrissigen Ideen zu sammeln, die es irgendwann und irgendwo in der Kirchengeschichte mal gab, bzw. heute bei evangelikalen Freikirchlern besonders in den USA gibt und sie dann der katholischen Kirche in die Schuhe zu schieben.
    Also bei aller Zustimmung beim Thema Homophobie und Zölibat: Es lebe die Fähigkeit zum Differenzieren!

  22. Comment von Enno | 24. Sep. 2011 um 15:53:36

    @xsirup Dass die Ethik etwas mit Religion zu tun habe, ist der alte Denkfehler der Glaubenden, ohne Religion gebe es keine Ethik. Ich bevorzuge es, aus freien Stücken „gut“ zu sein und nicht weil mir eine übernatürliche Entität Strafen androht, wenn ich es nicht von alleine bin. Gerade in der Politik ist „mehr Ethik“ dringend nötig. Das ist übrigens einer der Gründe, warum ich mich engagiere.

    @Johannes Den Vorwurf, ich kenne mich mit Katholizismus und Theologie nicht aus, ist ein hochmütiger, zumal du überhaupt keine Ahnung hast, wie intensiv ich mich früher damit auseinander gesetzt habe. Dieser Text handelt nicht von Theologie. Es ist völlig egal, mit welchen theologischen Feinheiten der Katholizismus seinen Sexismus begründet, solange er sexistisch ist. Außerdem bist du dem vorletzten Absatz auf den Leim gegangen. Du hast deinen Glauben, ich meinen. Ich will mit dir nicht drüber streiten.

  23. Comment von Enno | 24. Sep. 2011 um 16:10:21

    (Übrigens bin ich kein Katholik, auch wenn man versucht hat, mich im Säuglingsalter gewaltsam zu einem zu machen und mich im Kindesalter zur Teilnahme an Ritualen bewegte, deren Bedeutung und Tragweite man in dem Alter beim besten Willen nicht überschauen kann. Aus christlicher Sicht versündige ich mich permanent und schwer gegen ein irreversibles Sakrament und bin deshalb noch „schlimmer“ als der Heide, der Glück hatte, in Ruhe gelassen zu werden. Gäbe es zur Taufe einen Zettel mit AGB, ein Gericht würde sie aufgrund unlauterer Klauseln für ungültig erklären.)

  24. Comment von Enno | 24. Sep. 2011 um 17:49:04

    Zum Auflockern: Der Papst, Kardinal Meißner und Eugen Drewermann kommen in den Himmel. Petrus öffnet die Tür: „Hallo zusammen, ich lasse Euch ja gerne rein, aber erst werdet ihr noch ins Gebet genommen.“ Erst geht der Papst in das Zimmer. Drin sitzen Gott, Jesus und der heilige Geist. Nach einer Stunde kommt der Papst wieder raus und sagt:. „Ich muss noch mal runter auf die Erde ein paar Dinge richtig stellen.“ und verschwand. Danach geht Kardinal Meißner rein. Nach 3 Stunden kommt er wieder raus: „Ich muss auch noch mal runter auf die Erde, ein paar Dinge richtig stellen…“ und verschwand. Zu guter letzt geht Drewermann rein, Petrus wartet noch auf ihn. Es vergehen 2 Stunden, 3 Stunden,… Nach 6 Stunden kommt Jesus aus dem Zimmer und sagt: „Ich muss nochmal runter auf die Erde…“

  25. Comment von datenkind | 24. Sep. 2011 um 18:37:11

    Wie beschissen absurd die Katholische Kirche ist, merkt man ja daran, dass sie das von dir angesprochene Fegefeuer (Vorhölle, bwahaha, wie behämmert) 2007 abgeschafft hat.

    Wenn das der Jesus wüsste!

  26. Comment von datenkind | 24. Sep. 2011 um 18:37:59
  27. Comment von felix | 24. Sep. 2011 um 20:37:46

    Ansonsten vielen Dank für den Versuch, das Trillergepfeife zu begründen. Aber, als atheistischer Philosophiemagister muss kurz gesagt werden, dass

    „ignoriert weiter die antike Geistesgeschichte“

    leider ziemlicher Blödsinn ist. Die gesamte mittelalterliche Theologie (mit der sich Ratze wohl besser auskennt als die meisten Päpste vor ihm) geht ohne Aristoteles gar nicht und hat das auch gerne und oft gesagt.

  28. Comment von Enno | 24. Sep. 2011 um 21:12:51

    @felix Ich werde nicht annähernd so belesen sein wie du, da ich mich dagegen entschieden habe, mein Berufsleben der Philosophie zu widmen, aber: Natürlich wären die gesamte Scholastik ohne Platon und Aristoteles nicht zu denken und das wussten schon die Scholastiker selbst. Es geht hier darum, dass ethische Grundsätze des Humanismus immer wieder als „christliche Werte“ verkauft werden, obwohl sie eben keine genuin christlichen Werte sind. Da wird dann z.B. immer wieder Kant zum Bergprediger gemacht und gesagt, er sei schließlich auch Christ gewesen, um den kategorischen Imperativ für das Christentum zu vereinnahmen, und gänzlich übersehen, dass der Humanismus in seinen Wurzeln viel älter ist als das Christentum und schon auf Protagoras et al. fußt.

  29. Comment von hannah | 24. Sep. 2011 um 21:45:39

    Hi Enno,

    ich verstehe vollkommen, dass Menschen ohne jegliche Religion, religiöse Erziehung und Kirche gut leben können und gleichzeitig Religions- und Glaubensfreiheit insgesamt akzeptieren und respektieren. Doch erstens liebe Atheisten denkt mal drüber nach Kirche und Religion zu trennen und zweitens sich selbst nicht dadurch zu definieren, was man nicht ist. Um dann, schlimmer als die meisten religiösen Menschen selbst, zu missionieren: jedem zu jeder passenden Gelegenheit ums Ohr zu hauen, dass man nicht religiös ist und somit besser steht.

    Über den Papst und die römisch-katholische Kirche, also die selbsternannte Führung, brauchen wir natürlich nicht reden; sie ist eindeutig zu bekämpfen so wie jede Gruppierung, die Menschen und ihre freien Gedanken für sich nutzt und ausnutzt und jeden Gegner bekämpft.

    Also, Atheisten und Antitheisten, nicht von Religion und religiösen Menschen sprechen und sie abwerten und dies mit Meinungsfreiheit und Humanismus argumentieren, sondern gegen den politischen Versuch (wie die Führung der Kirchen) Menschen zu definieren und zu leiten und so auch zu unterdrücken namentlich vorgehen.

  30. Pingback von Wenn der Papst nach Deutschland kommt… – Netzgezwitscher | 25. Sep. 2011 um 10:01:14

    […] Vater” bzw. die Ansichten der katholischen Kirche regte und man vielerorts versuchte diesen plausibel zu begründen, habe ich mich bislang zu diesem Thema zurück gehalten. Es auch eigentlich gar nicht bis ins […]

  31. Pingback von Froschs Blog » Blog Archive » Im Netz aufgefischt #27 | 25. Sep. 2011 um 11:36:06

    […] Die Ennomane: Der Papst in Berlin: Warum ich heute gegen Joseph Ratzinger demonstriert habe (via […]

  32. Comment von Simon | 25. Sep. 2011 um 13:03:03

    @Enno Schöner Text super zu Lesen, aber

    was ist mit Sex VOR der Priesterweihe?? Ein Priester wird ja nicht als Priester geboren und muss bei der Priesterweihe nicht beweisen, davor niemals Geschlechtsverkehr gehabt zu haben.

    Ich bin ansonsten deiner Meinung und wunder mich immer noch, warum der Staat die Katholische Kirche in diesem Maße unterstützen „darf“.

  33. Comment von Enno | 25. Sep. 2011 um 13:15:18

    @Simon Ein Katholik darf außerhalb der Ehe keinen Sex haben. Ein Pfarrer, der vor der Weihe Sex hatte, muss diesen als Sünde sehen. Ich habe das auch im Text extra mit einer Klammer „(nicht ohne schlechtes Gewissen…)“ formuliert. Die einzige „legale“ Art für einen Pfarrer Sex zu haben: Heiraten, Frau stirbt, als Witwer zum Pfarrer weihen lassen. Vor solchen „Seelsorgern“ sollte man die Menschen schützen.

  34. Comment von Enno | 25. Sep. 2011 um 13:18:57

    @Hannah Atheisten definieren sich *nicht* darüber, was sie nicht sind. Das wird ihnen nur immer wieder von Gläubigen unterstellt. Außerdem bin ich kein Atheist und bringe auch meine Religion nicht hier in Stellung, um eine Diskussion, welcher Glaube „besser“ sei, zu vermeiden. Auch wenn die Christen unter den Lesern nun versuchen, das ganze am vorletzten Absatz aufzuspießen, um den es hier gar nicht geht: Es geht nicht darum, wer was glaubt, sondern darum, dass eine bestimmte Gruppe mit unethischen Glaubeninshalten staatlich sanktioniert Macht ausübt.

  35. Comment von Alex | 25. Sep. 2011 um 18:32:14

    Wegen dem schlechten Gewissen, dafür gibts die Beichte. Nach der Beichte ist ja das Gewissen auch rein. Also rein von der Theorie her kann ein Priester bevor er sich dazu entscheidet Priester zu werden die Freudenhäuser rauf und runter vögeln, erkennen wie böse das ist, Beichten, Buße tun, und Priester werden.

  36. Comment von Enno | 25. Sep. 2011 um 19:06:17

    Vögeln mit dem Gedanken, dass man sich erst nach der nächsten Beichte wieder unbeschwert fühlen darf, ist nicht gerade das, was ich als „unbeschwerte Sexualität“ bezeichnen würde…

  37. Comment von Alex | 25. Sep. 2011 um 19:37:10

    Hehe, gute Antwort, wobei das schlechte Gewissen ja keine Voraussetzung fürs spätere Beichten ist. Du kannst dich auch Jahre später dazu entschließen das es schlecht war, und bis dahin trotzdem Unbeschwert Leben. Ich denke das ist auch einer der Gründe warum die katholische Kirche noch heute funktioniert. Du hast da ein paar Hansln, die so vor sich hin Predigen, lebst dein Leben wie es dir gefällt. Und irgendwann wenn du alt bist kannst du es dir ja anderes überlegen, und wenn du ganz ganz Tief in dir bereust, bekommst ein RedBull und eine nette Wolke mit Meeresblick.

    Das schlimme ist eigentlich das ich mich durch den Text viel zu sehr angesprochen fühle. Ich zähle selbst zu diesen Katholiken die schon ewig keine (und eigentlich nie wirklich freiwillig) Kirche von Innen gesehen haben, trotzdem aber irgendwie zu bequem, und vielleicht auch ein wenig zu viel katholisch erzogen sind, um sich austragen zu lassen.
    Aber irgendwann siegt vielleicht doch die Vernunft.

  38. Comment von occcu | 26. Sep. 2011 um 15:48:00

    Danke.

    Ich habe mich in der letzten Woche sehr geärgert über das unreflektierte Kritik-Gepöbel vorwiegend von politisch linken Menschen, die sonst immer Toleranz fordern vor allem für sich und ihren eigenen Lebensstil, aber kein Stück bereit sind, Christen oder gar Katholiken gegenüber tolerant zu sein.

    Natürlich sehe ich auch viele Kritikpunkte am Katholizismus und auch in anderen Konfessionen. Einige dieser Punkte hast du hier – wie ich finde, sehr sachlich und eben nicht intolerant rumpöbelnd – genannt. Dafür danke ich dir.

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