sofa die ennomane

September 22, 2011

Der @Schmidtlepp bei Anne Will & @Laprintemps epischer Facepalm

So, ich bin aus dem Studio zurück und eigentlich zu müde für alles, aber wie schon die letzten Tage: kaum fähig zu schlafen. 1000 Dinge gäbe es zu bloggen, aber seit Sonntag kam ich einfach nicht dazu. Also der Abend bei Anne Will: Wenn ihr euch fragt, was mit euren GEZ-Geldern passiert: Dafür gibt es in der Gästelounge Häppchen, Suppen, großartigen Rotwein (Mist, ich wollte mir den doch merken) und ein Taxi vom Adlershof nach Prenzlauer Berg. Ich bin mit Julia “@laprintemps” Schramm, die angesichts von Altparteiengeschwafel den schönsten Facepalm des Herbstes liefert, Katja “@kd__dc” Dathe und Marie “@euneike” Maroske in der ersten Reihe.

Christopher “@schmidtlepp” Lauer (Piraten) hat IMHO eine wirklich gute Figur gemacht, während Martin Lindner (FDP) angesichts des katastrophalen Anti-Euro-Wahlkampfes in hilfloses Gestammel abgleitet und Bärbel Höhn (Grüne) sich vom ÖPNV distanziert und ein Auto für jede Großstadtfamilie fordert. Erstaunlich, dass ausgerechnet Peter Altmeier (CDU) das Phänomen “Piratenpartei” als einziger verstanden zu haben scheint. Dazu noch viele warme Worte von Roger Willemsen und Gertrud Höhler, die offenbar sehr angetan von den Piraten ist und nach der Sendung noch sehr angeregt mit uns gesprochen hat, wie übrigens auch Anne Will. Ich vermute, letztere war einfach mal froh über die Abwechslung, da sonst immer dasselbe öde Parteienpersonal bei ihr durchgeschleust wird…

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Morgen… ach nee, irgendwann dann mal mehr.

Kommentare

  1. Kommentar von Maik | 22. Sep. 2011 um 10:45:23

    ich hab seit Jahren mal wieder “Anne wills nicht wissen” gesehen und war angenehm überrascht. Anne Will war manchmal richtig bissig und zynisch, das ist man vom Sonntag her gar nicht gewohnt.
    Die schlechteste Figur hat m.M. nach auch Bärbel Höhn gemacht. Das muss die Konkurrenzangst sein. Die hat sogar den Lindner weit hinter sich gelassen.
    Christopher hat eine echt gute Figur gemacht – man muss ja auch mal überlegen, dass er im Gegensatz zu Altmeier, Höhn, Lindner (und Willemsen) keine/wenig TV-Erfahrung hat. Leider sind seine Argumente häufig nicht verstanden worden, trotzdem hat er sich und die Piraten gut verkauft und auch manchmal gut gekontert (bspw. zu Lindner wg. ÖPNV: “aber mit Hotels kennen Sie sich ja besser aus…”)
    Mein Screenshot und Zusammenfassung wäre übrigens auch der Facepalm gewesen…

  2. Kommentar von Cyrus McDugan | 22. Sep. 2011 um 13:31:40

    Ich hatte mir heute Morgen in der Mediathek die Sendung angeschaut.

    Am ehesten – und da schließe ich mich Maik an – hatte Peter Altmaier noch begriffen, wo da Problem lag bzw. warum die Piraten so einen Erfolg hatten. Die Frage ist nur, ob die “Etablierten” die richtigen Schlüsse daraus ziehen oder weiterhin wie Kauder und Uhl unsinnige und gefährliche Forderungen stellen.

    Von Martin Lindner kam so gut wie gar nichts, und wäre seine Verschwörungstheorie gegen Ende nicht gewesen, wäre es sogar einigermaßen erträglich gewesen (wer glaubt, dass das Boulevard die FDP zerschlagen will, sollte häufiger solche Blätter lesen).
    Bärbel Höhn war – kurz gesagt – peinlich. Dass die Grünen eine Jugendorganisation haben: Okay (hat wohl nahezu jede Partei). Dass sie eine Website haben: Okay (hat wohl auch jede Partei). Dass die jungen Mitglieder twittern: Okay (warum auch nicht). Aber wenn sie meint, dass das ausreicht, werden die Grünen über kurz oder lang Probleme bekommen.

    Gertrud Höhler und Roger Willemsen nahmen die Piraten in Schutz und versuchten auch, das Phänomen zu erklären (was manchmal süß und ein wenig hilflos wirkte).

    Und Christopher? Er meisterte IMHO diesen Auftritt sehr gut, auch wenn er im Gegensatz zu den übrigen Politikern keine Medienberater hatte, die ihn für öffentliche Auftritte trainiert hatten. Leider gingen viele seiner Seitenhiebe und Sticheleien ein wenig unter. Ich fand sie witzig (besonders die Hotel-Pointe).

    Insgesamt ein positiver Auftritt der Piraten. Schade nur, dass ich den Facepalm verpasst habe.

  3. Kommentar von Christof | 22. Sep. 2011 um 15:19:44

    Ich war vom Altmaier auch sehr überrascht…
    Bin leider aufgrund von Müdigkeit eingepennt, werd aber die Sendung auf alle Fälle nachschaun. Allein schon um Enno im TV zu sehen :D

  4. Kommentar von Enno | 22. Sep. 2011 um 15:29:55

    P.S.: Dass ich mit dem CI wieder fast alles verfolgen konnte, was so nur mit Hörgeräten nicht möglich gewesen wäre, schreibe ich jetzt aber nicht jedes mal dazu, das merkt ihr euch, gelle? ;) Bei mir verursacht das allerdings weiterhin Schübe von Glücksgefühlen.

  5. Kommentar von vera | 22. Sep. 2011 um 16:31:38

    Schmidtlepp war gut, wenn auch manchmal hart am Rand der Arroganz. Weiß allerdings nicht, was ich täte, wenn sich Menschen über meinen Kinderwagen beugten und “dada gugu” machen …

    War angenehm überrascht von Altmaier. Höhler ist eben Höhler (nicht meine Farbe, aber oft sehr realistisch), Willemsen hätte ich gerne öfter, Lindner hätte mir fast leid getan (Meine Güte, ist der unsympathisch.) und Höhn hat mir definitiv leid getan – das war einfach nur peinlich. Wär schön, wenn Will dauerhaft wieder ein bisschen ihrer früheren Schärfe zurückgewänne.

    Und bei deinem Anblick hab ich mich gefreut, au fein, dann tut es das CI.

  6. bee
    Kommentar von bee | 22. Sep. 2011 um 19:51:03

    Nach einmal live und einmal Konserve: gute Sendung. Gutes Ergebnis. Aus Gründen, und zwar aus zwei.

    Erstens hat Lauer Arsch in der Hose gehabt. Er hat sich nicht den Schneid abkaufen lassen, weder von Lindner noch von Höhn, die zwei unterschiedliche Mischungen präsentierten aus denselben Bestandteilen Arroganz, gekränkter Eitelkeit und Panik – Angstbeißer alle beide, beschäftigt mit Lärmproduktion im Käfig. Dass das derart nach hinten losging, lag maßgeblich daran, dass Lauer ihr Imponiergehabe einfach ignoriert hat. So, wie Erwachsene bei renitenten Kindern irgendwann auf Durchzug schalten. Und damit hat er überzeugend dargelegt, dass die Piraten eben keine resozialisierungsbedürftigen Fast-Grüne und Beinahe-Freidemokraten sind, sondern eine autonome politische Kraft.

    Zweitens hat er kommunikativ genau das Versprechen eingelöst, das die Piraten den Wählern gemacht haben: ohne die aus Fertigbauteilen zusammengehauene Politrhetorik aufzutreten, keine ideologische Heißluft abzusondern und trotzdem nie um eine klare, einfache Antwort verlegen zu sein. Es ging um Systemfragen, um den politischen Diskurs als solchen, und wo immer die Diskutanten sich dem verweigerten, haben sie sich aus eigener Kraft auf die Nase gelegt. Dass z. B. Altmaier sich dem Gestus und Tonfall einfach angepasst hat, statt auf der eigenen Deutungshoheit zu beharren, ist ein Anzeichen, dass der Plan aufgeht. Auch wenn vom Piratenprogramm nicht viel genauer beleuchtet oder inhaltlich diskutiert wurde, für das Image der Piraten hat Lauer mehr getan, als das eine generalstabsmäßig durchorganisierte Medienkampagne hätte schaffen können.

    Mit Tucholsky kann man sagen, der Vorteil der Klugheit liegt darin, man kann sich dumm stellen. Das Gegenteil ist schon schwieriger. Ein trojanisches Pferd entert die Festung.

  7. Kommentar von Wolke | 23. Sep. 2011 um 00:19:59

    Ich muss der allgemeinen Euphorie über die Sendung (nicht hier, sondern besonders bei Twitter) eher widersprechen.

    Christopher Lauer’s Performance hat mich, nach den kürzeren Interviews der letzten Tage, die ich sehr gut fand, etwas enttäuscht. (Bei allem Verständnis für die neue, schwierige Situation, ich hätte es bestimmt nicht besser gemacht.)

    Für meinen Geschmack hat er diesen Zirkus da zu viel mitgespielt. Solche Sendungen sind, wie die Politik selbst, ein furchtbares Affentheater und ich würde gerne eine Piratenpartei sehen, die auch solchen Politik-Zirkus distanzierter angeht und auch da die Spielregeln in Frage stellt.

    Beispiel: Diesen FDP-Heini auszulachen oder anzuplärren, ist genau das gleiche, was alle Politiker in solchen Sendungen tun. Christopher wirkte in diesen Situationen genauso herablassend und unangenehm auf mich, wie ein Schäuble oder irgendein anderer Sack, der schon seit hundert Jahren in der Politik ist.

    Anderes Beispiel: Warum muss die Kohl-Beraterin ihm erklären, das er sich wegen der Berlin-Schulden nicht rechtfertigen braucht? Das wäre sein Text gewesen und ein guter Anlass um den allwissenden Politiker als Bullshit-Modell abzuwatschen.

    Aber was ich richtig gut finde: das man in den letzten Tagen völlig unterschiedliche Typen in den Medien als Piraten gesehen hat. Diese Vielfalt bitte beibehalten und je nach Anforderung die passenden Leute hinschicken.

    Lauer funktioniert IMHO am besten, wenn es darum geht kurze Punchlines rauszuhauen (da ist er super). Andreas Baum traue ich solche Formate, wie Anne Will besser zu. Auch vom Typ her ist er für ARD und ZDF (um nicht zu sagen, ältere Leute) passender, finde ich.

    Aber unter den 15 sind auch noch andere Nasen, die ich sehr gerne mehr in der Öffentlichkeit sehen würde. Den Herrn im Blaumann bei Lanz fand ich auch spaßig.

  8. Kommentar von Enno | 23. Sep. 2011 um 00:56:49

    @Wolke da hast du sicher nicht ganz unrecht. Eine Dekonstruktion des Medienzirkus hätte vermutlich nicht nur Christopher sondern auch die Teilnehmer und das Publikum dermaßen überfordert, dass alle ratlos gewesen wären und Christopher als seltsamer Spinner dagestanden hätte. Das FDP-Bashing war ein Einfall der Redaktion, für den wir nichts können – so ein kleiner Seitenhieb à la “Mit Hotels kennen Sie sich besser aus” ist da nun wirklich nicht allzu böse und die meisten Zuschauer haben sich von Martin Lindner eh nichts erwartet und fanden vor allem Bärbel Höhn ziemlich blamabel. Der Auftritt von Faxe bei Merz war in der Tat ganz große Klasse. Im Moment sind alle dabei, ihre Rollen zu finden. (Und bitte bedenken: Die Sendung war live um 22.45 und alle beteiligten waren eigentlich schon recht müde.)

  9. Kommentar von shadaik | 24. Sep. 2011 um 11:42:38

    Naja.

    Als allererstes gebe ich klar zu, dass @BaerbelHoehn völlig versagt hat. Die übrigens einen Twitter-Account hat und nutzt, auch wenn sie das mit den 140 Zeichen nicht so wirklich auf die Reihe kriegt.
    Lindner war überraschend in Ordnung, ging sehr locker mit dem Wahlverlust um. Klar war er ideologisch verbockt, aber das hätte in der Diskussion eigentlich keine Rolle gespielt (es ging schließlich nicht um die FDP-Wirtschaftspolitik), hätte Altmeier sie nicht plötzlich (sorry) gekapert.
    Altmeier ging klar.
    Willemsen hatte was von einem Fanboy, nervig und undifferenziert.
    Höhler war die mit Abstand beste Piratenvertreterin.
    @Schmidtlepp fand ich als Piratensympathisant aus grünen Reihen furchtbar. Etwa genauso furchtbar wie Bärbel Höhn für die Grünen. Das erste was er machte war ja, sich vehement gegen jeglichen “Vorwurf” zu wehren, er könne irgendwie locker sein. Er wurde später besser, aber da war die Diskussion bereits von ihm weggedriftet und zum öffentlichen schwarz-gelben Koalitionsstreit verkommen.


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