sofa die ennomane

2. August 2011

Mondverschwörung

Es ist jetzt bestimmt 10 Jahre her, dass ich das letzte mal geradewegs aus dem Kino kommend über einen Film bloggen musste. Es geht um mein vernachlässigtes Steckenpferd: Esoterik in Verbindung mit Verschwörungstheorien. Der amerikanische Journalist Dennis R.D. Mascarenas vom deutschsprachigen TV-Sender DDCTV reist kreuz und quer durch Deutschland, um mit Menschen zu sprechen, die ein besonderes Verhältnis zum Mond haben. Merkbefreite, Freaks und Denkabstinenzler aller Couleur kommen zu Wort. Sie erzählen zum Beispiel von Mineralwasser, welches vom Mond beschienen beim Gefrieren wohlgeformtere Kristalle entwickele, weil es sich freier entfalten könne als das brutal in Rohre gezwängte Leitungswasser – besonders wenn man ihm klassische Musik vorspielt. Weder Chemtrails noch die Zahl 666 in Barcodes oder Rudolf Steiner werden ausgelassen. Konsequenterweise landet der Film irgendwann beim Thema Nazi-Raumbasis auf der Rückseite des Mondes, wo die Reichsdeutschen das jüngste Gericht vorbereiten und die US-Amerikaner an der Raumfahrt hindern, weshalb letztere damals die Mondlandung fälschen mussten, zumal man für Raumfahrt ja auch Flugscheiben brauche, da sie mit Raketen nicht funktioniere, die nach dem Rückstoß-Prinzip arbeiten, was im Vakuum ja unmöglich sei. Ich weiß nicht, was faszinierender ist: all diese Leute, die bar jeder Ironie ihre Logorrhö vortragen, oder die vielen furchtbaren Provinzhotelzimmer. Der Film endet in der Nähe der Antarktis unter Pinguinen – auf der Suche nach Neuschwabenland oder wenigstens dem Eingang (oder Ausgang) der Hohlwelt. Beim einsetzenden Abspann schwöre ich mir, nie, nie, niemals wieder voreingenommen gegenüber US-Amerikanern zu sein, bloß weil sie den Bible Belt, Scientology und Sarah Palin hervorgebracht haben. Dass wir Deutschen in Sachen Hirnverbrannz kein Stück besser sind, beweist jede Waldorfschule. Vielen Dank an Florian Freistätter fürs Draufaufmerksammachen. Wer kann, sehe sich den Film an. Eine DVD gibt es noch nicht. Derzeit läuft die Mondverschwörung im Berliner Sputnik am Südstern.

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(Außerdem kommt Guido Westerwelle drin vor.)

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Kommentare

  1. Comment von mark793 | 03. Aug. 2011 um 14:45:13

    Oh, ich glaube, diesen Film muss ich sehen. Auch wenn anscheinend weder der Antichrist Prinz William noch das auf der Spitze stehende Pentagramm nebst den Maurerzeichen Zirkel und Winkel im Straßenbild von Wahington D.C. vorkommen. ;-)

  2. Comment von Enno | 03. Aug. 2011 um 15:09:29

    Ich will nicht garantieren, was alles noch drin vorkam, ich aber bloß akustisch nicht verstanden habe. Auch wenn ich mit dem CI besser höre als früher, ist Kino ohne Untertitel noch schwierig – und wenn dann Leute so einen Schrott reden, ist dann sehr schnell mein Sprachzentrum im Gehirn beleidigt und streikt.

  3. GU
    Comment von GU | 24. Aug. 2011 um 19:13:42

    Wo hast Du denn vor 10 Jahren über Filme gebloggt? Da waren Blogs doch noch gar nicht erfunden, oder`?

  4. Comment von Enno | 24. Aug. 2011 um 19:36:35

    @GU Gut, eine kleine Geschichte der Ennomane:

    Ich kann nicht genau sagen, seit wann ich mich selbest als Blogger sehe. Das war wohl spätestens 2003 mit der Domain eblog. de, ging aber schon früher los. Der älteste „richtige“ Blogpost ist vom 19. November 2000 und erschien ursprünglich auf ennopark.de: http://www.ennomane.de/2000/11/19/verqueres-denken-folge-27b/ – ich betrachte das als meinen ersten Blogpost und habe auch vor nicht ganz einem Jahr offiziell mein 10. Bloggerjuibläum gefeiert: http://www.ennomane.de/2010/11/19/mein-10-bloggergeburtstag/

    Für Filmkritiken startete ich Sommer 2001 zusätzlich kultfilme.net. Beides führte ich 2003 zu eblog.de zusammen, wo ich ein in PHP selbst geschriebenes Blogsystem verwendete. 2005 verkaufte ich die Domain und machte unter dem Namen ennomane.de weiter. Zu diesem Zeitpunkt habe ich dann auch alle alten Texte manuell in WordPress eingepflegt, das ich bis heute nutze. Teilweise sind die Kritiken auch auf ganz anderen Seiten wie Filmfacts, Filmstarts und Leipzig-Info erschienen und das auch schon vor 2000.

    Die älteste Blog-Community ist übrigens Xanga von 1996. Blogs gibt es (auch unter dem Namen) schon länger – wann aber jemand das erste mal vom Weblog sprach, weiß wohl niemand so genau. Ursprünglich waren Blogs eher kommentierte Linklisten – eben eine Art Weblogbuch. Dieser Tradition versuche ich mit meinen sonntäglichen „Links der Woche“ zu folgen. Als ich 2000 Anfing zu bloggen, da geschah das noch per handkodiertem HTML, aber chronologisch mit Datum versehen das neueste zuoberst im Stil, wie ich es zum Beispiel vom Schockwellenreiter kannte, des seit dem Frühjahr 2000 gibt. Tatsächlich finde ich klassisches Bloggen, also Verbreiten kommentierter Links, in Zeiten von Twitter, Facebook und Google+ für anachronistisch und habe in diesem Stil früher nie gebloggt.


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