sofa die ennomane

31. Juli 2011

Links der Woche

  • Das neurotische Pferd im Fahrstuhl:

    Die Menschen hier im Haus haben nun diverse Lösungen ersonnen, um den stockenden Fahrstuhl wieder anzuwerfen. Ein Nachbar geht, wenn der Fahrstuhl hängt, ganz nach vorne an die Tür und hüpft dort dreimal auf und ab, er sagt, der Fahrstuhl ginge dann wieder. Ein anderer geht ebenfalls zur Tür, wedelt aber mit der Hand am oberen Rand herum.

  • Digitalisierter Erinnerungsverlust:

    Das Gedächtnis entsteht nicht nur in, sondern vor allem zwischen den Menschen. Daraus folgt der Schluss, das Identität nur im Austausch mit dem Gegenüber entstehen kann. Und hier kommt in Bakhtin ins Spiel: “Only when there is an Other can you know who you are… and there is no identity… without the dialogic relationship to the Other. The Other is not outside, but also inside the Self.”

  • Einzeltäter:

    Die SPD muss sich schämen, einen Vordenker wie Sarrazin in ihren Reihen zu haben, uund man sollte den deutschen Sozis in Berlin ins Gesicht spucken dafür, dass sie nicht den Mut hatten, diese Figur davonzujagen. Die Vorstellung, dass es tatsächlich so etwas wie eine geplante Übernahme des Westens gibt, wurde von all jenen dauerventiliert, die sich im Wettkampf um Aufmerksamkeit stets überbieten mussten, und nach Sarrazin haben sich diese Theorien fast schon in den normalen Politikbetrieb hinein verselbstständigt.

  • Elefantenbeerdigung. Schweigen oder Schreien?:

    Heute wird von Print, TV und Internet auch jede noch so winzige Denkpause mit einem übel riechenden, klebrigen, hirnzersetzenden Geschwätz vollgekübelt. Voll aufgedreht sind die Phrasophone und Trivialtrompeten und ergießen routiniert und gnadenlos ihre Plapperkaskaden, in Livetickern und Leid-Artikeln, ihren würgenden Brei aus Tränensülze und zähem Worthülsenstroh, der nichts offenbart als die sinistre Geistesferne, Gemütskälte und Herzensleere eines sich um sich selbst drehenden Apparates.

  • Halbnackte Fettnutten:

    Wenn ich von der Schule kam und es im Haus nach Urin roch hatte Mutti entweder Nierchen zubereitet oder Oma war zu Besuch. Großmutter war ebenfalls für ihre deftigen Leckerbissen bekannt. Während sie selbst am liebsten Entenfüße kochte um sie zu einer seichten Unterhaltungssendung abzuknappern, gehörte es zum guten Ton, dass bei Familienfesten Zunge serviert wurde. Während sich die Erwachsenen am genoppten Sinnesorgan labten aß ich am Kindertisch, kaute geduldig auf einem adrigen Stück Leber herum und beobachtete meine Schwester und Cousine dabei wie sie sorgfältig Zunge, Bäckchen und Gehirn aus ihren Hasenköpfen pulten.

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