sofa die ennomane

19. April 2011

Kognitive Einschränkungen

Wer auf Twitter mitliest, hat es schon mitbekommen: Ein Brief meiner Krankenkasse hatte mir gestern völlig unerwartet die Laune verdorben. Statt das Cochlea-Implantat einfach zu genehmigen (wie das Usus ist), wollen die eine Prüfung seitens des MDK und Unterlagen von Pontius und Pilatus. Ich hatte schon mit monatelanger Verzögerung gerechnet, dabei stand der OP-Termin längst fest. Vorläufiges Happy End: Die Charité hält einfach cool am Zeitplan fest, da in meinem Fall die Indikation sonnenklar sei und die Kasse am Ende ja doch zahlen müsse.

Aber darum geht es nicht. Es geht darum, was die BKK Mobil Oil für Unterlagen haben möchte: unter anderem eine Prüfung auf „kognitive Einschränkungen“. Auf Deutsch: Sie wollen wissen, ob ich geistig behindert bin. Schlimm ist dabei nicht, dass mir minderer IQ, Debilität oder ähnliches unterstellt wird. Schlimm ist, dass sie überhaupt danach fragen. Was wäre denn, wenn ich „kognitiv eingeschränkt“ wäre? Hätte ich damit das Recht auf ein Cochlea-Implantat verwirkt? Das Recht auf Chancengleichheit und Nicht-Diskriminierung? Die Chance auf Hören und gesellschaftliche Teilhabe?

Könnte man eine solche Haltung seitens der Krankenkasse nicht schon für justiziabel halten? Ich finde es jedenfalls unwahrscheinlich, dass die BKK Mobil Oil fragt, weil sie kognitiv eingeschränkten Menschen die Luxusvariante mit roter Schleife drum spendiert nebst persönlichem Glückwunschreiben des Krankenkassendirektors.

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Kommentare

  1. Comment von daywalker | 19. Apr. 2011 um 22:19:45

    Ich drücke Dir die Daumen, dass Du die Kostenzusage von der BKK am Ende nicht einklagen musst und dass gf. das Krankenhaus somcool ist und mit der Kostenrechnung solange warten wird. Das würde gf. vor dem Sozialgericht landen, die sind dank Hartz 4 total überlastet, da dauern Verfahrensentscheidungen Jahre.

    Ich bin mir ziemlich sicher, dass z.B. Vorgaben der Spitzenverbände und/oder Entscheidungen von Sozialgerichten zu diesen Fragen berechtigen, da das für solch kostenintensive Massnahmen üblich ist.

    Das macht es keinesfalls besser – als Kenner des Systems wollte ich nur darauf hinweisen, dass ein Gespräch mit der Klinik sinnvoll wäre das die Frage behandelt, was die Klinik tut, wenn die BKK die Kosten zunächst ablehnt und ob die Kosten aufgrund der Pflegesatzvereinbarungen mit den Krankenkassen berechnet werden und nicht etwa auf privatärztlicher Basis, was hinterher wieder Schwierigkeiten mit der BKK bringen könnte.

    In jedem Fall drücke ich Dir die Daumen!

  2. Comment von oliver | 20. Apr. 2011 um 00:18:12

    amtsmühlen machen müde … aber lass dich nicht einschläfern, auch wenn die hinweise meins vorkommentierenden durchaus nachvollziehbar sind, hoffe ich, dass all die abgründe, die dadurch umschifft werden sollen, sich erst gar nichtz auftun.
    ich drück dir die daumen.

  3. Comment von Not quite like Beethoven | 20. Apr. 2011 um 00:36:41

    Also nach allem was ich weiß, ist Dein Fall tatsächlich eine sichere Bank. Diese Kasse allerdings und die Frage nach den kognitiven Einschränkungen — WTF?!!!

  4. Comment von Zersendet | 20. Apr. 2011 um 09:35:08

    Also ich hab ja nicht den ganzen Brief und auch nicht den Kontext, aber von meinem Grundverständnis her sind kognitive Einschränkungen ja auch Einschränkungen in der Wahrnehmung. Vor der Perspektive würde schlecht hören / garnicht hören als kognitive Einschränkung gelten. Wollten die nur das wissen?

  5. Comment von Enno | 20. Apr. 2011 um 10:47:05

    @Zensersendet Selbstverständlich lag denen schon einen Befundbericht vor, dem zu entnehmen ist, dass ich kaum noch etwas höre.

  6. Max
    Comment von Max | 20. Apr. 2011 um 23:21:59

    Du bist bei Dasding im Radio ;)

  7. Comment von Enno | 20. Apr. 2011 um 23:29:24

    Was ist das denn für ne Sendung? Ich höre seit vielen Jahren kein Radio mehr…

  8. Comment von Steve | 20. Apr. 2011 um 23:47:38

    Das ist die Lateline, eine Sendung die auf mehreren Jugendradiosendern kommt. Unter anderem auch auf Fritz und „Dasding“. Der Moderator (twitter: holgi) hat sich mit ner Sprachenwissenschaftsstudenten über Gebärdensprache und Höhrgeräte unterhalten. Und er hat dann aus dem Artikel zitiert.

  9. Comment von Fabian | 21. Apr. 2011 um 11:10:47

    http://twitter.com/#!/holgi •sein Twitter-account
    http://www.lateline.de •die Lateline-website

    „Sieben junge Radioprogramme – ein gemeinsamer Nacht-Talk: Montags bis donnerstags von 23 bis 1 Uhr.

    Studio-Hotline: 0800-80 55555
    Mail ins Studio: talk@lateline.de

    Die LateLine ist zu hören bei uns: Bremen Vier, MDR SPUTNIK, DASDING, YOU FM (Mo.-Do.); 103.7 UnserDing (Mo.-Mi.); Fritz (Di.+Mi.); N-JOY (Do.).“ •Der „Werbe-„Spruch

  10. Comment von Fabian | 21. Apr. 2011 um 11:30:47

    Füge hinzu:
    Der Mitschnitt von gestern Abend: http://mp3.podcast.hr-online.de/mp3/podcast/lateline/lateline_20110421.mp3
    (Gleich die erste die Anruft ab 7:45 (kann man aber schlecht hin navigieren.))

  11. Pingback von die ennomane » Blog Archive » Elektrisches Ohr ist elektrisch | 06. Aug. 2011 um 20:53:51

    […] Da wurde ich natürlich ärgerlich, als sich Cochlear Deutschland bei mir meldete, meine Krankenkasse verweigere die Erstattung der Batteriekosten – immerhin ca 40-50 Euro im Monat, ganz genau […]


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