sofa die ennomane

November 22, 2010

Apple kann keine Mäuse bauen

Klingt etwas krass, aber stimmt leider: Ausgerechnet Apple, die Firma, die als erstes im größeren Stil eine grafische Oberfläche vermarktet hat, kann keine Mäuse bauen. Jedenfalls nicht die letzten 10 Jahre. Glaubt ihr nicht? Dann hört mal zu:

2001 Die erste fertige Version von Mac OS X kommt auf den Markt. Das System kennt Kontextmenüs. Für Apple kein Anlass, Mäuse mit einer rechten Maustaste anzubieten. Apple braucht noch ein paar Jahre um zu kapieren, dass ein Kontextmenü über die rechte Maustaste eine irrsinnig einfache und elegante Angelegenheit ist, die nicht einfacher wird, wenn wenn man nur eine Maustaste hat und dazu gleichzeitig was auf der Tastatur drücken muss. Frühe iMacs wurden sogar noch mit dem unsäglichen Puck ausgeliefert, der für die meisten Hände zu klein war. Viele Leute kauften sich hässliche Verlängerungen aus Plastik, um Sehnenscheidenentzündungen zu vermeiden.

2005 Apple schafft es endlich die rechte Maustaste anzubieten – nicht ganz frei von Trotz, denn es fehlt weiterhin physikalisch eine zweite Taste. Vielleicht hat Steve Jobs ja eine Wette abgeschlossen und muss in die Hölle, wenn er Mäuse mit mehr als zwei Tasten baut oder sowas in der Art. Die Maus hat einen Sensor, der den Finger erkennt. Geradezu revolutionär: Fast 10 Jahre später als Microsoft liefert Apple ein Mausrad zum scrollen. Das allerdings gleich in Form eines knubbeligen Bällchens für alle Richtungen, das nicht ganz ohne Erotik ist, aber leider anfängt zu nerven, wenn die Maus ein bis zwei Jahre alt ist. Dann nämlich muss das Bällchen immer wieder gereinigt werden, wozu es allerlei Rezepte im Netz gibt: das Gehäuse aufknacken, Tesafilm reinfummeln oder das Bällchen mit starkem Druck auf Pappkarton herumrollen. Alle Methoden haben eines gemein: Man muss sie irgendwann mehrmals täglich anwenden oder die Maus wegwerfen.

2009 Endlich: Das elende Bällchen ist Vergangenheit. Die Magic Mouse hat eine Touch-Oberfläche. Zwar verliert sie gelegentlich mal die Bluetooth-Verbindung zum Rechner (mit Kabel gibt es nicht und die mitgelieferten Batterien halten ungefähr einen Monat) und braucht dann auch nur 1 bis 2 Minuten, um wieder zu funktionieren, aber immerhin: Kein Bällchenputzen mehr. Dafür ist die Maus aber sehr sensibel. Liegen beide Finger auf dem Mausrücken (bei mir für Links- und Rechtsklick immer der Fall), muss man sehr drauf achten, sie nicht zu bewegen. Die kleinste Bewegung kann als Scrollaufforderung aufgefasst werden. Normalerweise stört das nicht weiter, aber sobald man sich in Anwendungen wie Google Maps und Streetview befindet, muss man schon höllisch aufpassen…

2010 Die Magic Mouse hatte ich nur ein paar Monate. Jetzt steht hier ein Magic Trackpad. Ich mag es sehr. Alle oben beschriebenen Probleme gehören damit der Vergangenheit an und wegen der Größe des Pads ist die Bedienung noch nicht einmal fummelig, wie man es sonst von Laptops gewöhnt ist. Auch bei einem großen Monitor mit einer Auflösung von 1920 x 1080 kommt man mit einem Wisch in alle Ecken und das Scrollen mit zwei Fingern macht jetzt erst so richtig Spaß. Dafür ist das ganze etwas weniger Präzise, aber das mag an der Übung liegen.  Neben der Alu-Tastatur jedenfalls macht es sich sehr schick.

Mal sehen, wie ich in ein paar Tagen und Wochen darüber denke. Sonst kauf ich mir halt eine Maus von Microsoft.

Kommentare

  1. Kommentar von thomas | 22. Nov. 2010 um 19:45:15

    Seit ich mir vor ein paar Monaten das Magic Trackpad gekauft habe, bin ich auch extrem zufrieden damit. Die einfachen Dinge gehen damit extrem elegant. Für die Arbeit in Photoshop oder ähnliche sehr präzise Aufgaben ist es jedoch kein Ersatz für eine herkömmliche Maus. Das liegt einfach daran, dass man nichts in der Hand hält sondern ” in der Luft” arbeitet. So blöd es klingt. Deshalb nehme ich nebenher eine Mighty Mouse. Ich denke aber, dass ich mir früher oder später auch eine Magic Mouse holen werde, aber erst wenn sie Seitentasten hat. Ich verstehe auch nicht, wieso man die Gesten von MacBook Trackpad und Magic Trackpad nicht auch auf der Maus verwendet, auch wenn es auf der Maus nicht nötig wäre, da man ja mit der Hand die Maus verschiebt um den Mauszeiger zu verschieben. Das würde zu mehr Konsistenz beitragen und auch das Scroll-Problem beseitigen.

  2. Max
    Kommentar von Max | 22. Nov. 2010 um 19:45:57

    Mal ganz naiv gefragt: man muss doch nicht zwingend eine Apple-Maus benutzen, oder?
    Es gibt doch auch Hersteller die richtige Mäuse bauen und das letzte Mal, dass ich in einem Raum mit 20 iMacs war, hatten mindestens 10 davon eine Logitech-Maus dran und die daran arbeitenden Menschen schienen auch viel glücklicher als die mit dem Gnubbelball.

  3. Kommentar von Enno | 22. Nov. 2010 um 19:47:54

    @Thomas Da ich kaum grafisch arbeite, könnte es bei mir hinhauen. Das Trackpad ist übrigens erst genießbar, wenn man Tippen als Klick einstellt, da viel zu schwergängig. Seitentasten an einer Maus? Überhaupt mehrere Tasten an einer Maus? Und das, wo Apple gerade an allen Ecken und Enden Tasten einspart und Touch-Obeflächen einsetzt? Das wird nicht kommen…

    @Max oben nicht erwähnt: Längere Zeit eine Logitech L1 am Mac benutzt, weil ich keinen Bock mehr auf Bällchenreinigung hatte. Dann halt doch mal irgendwann die Magic Mouse gekauft, weil eleganter… Doof, ich weiß.

  4. Kommentar von simonnickel | 23. Nov. 2010 um 09:48:41

    Ich hab auch das Magic Trackpad und bin sehr zufrieden, vorallem weil ich micht nicht zwischen der mobilen und stationären Arbeit mit meinem Macbook umgewöhnen muss und viele Gesten nutze (mit Jitouch). Mit den Apple Mäusen hab ich noch nie was anfangen können.

    Zum Arbeiten mit Grafikprogrammen kann ich nur empfehlen über ein Grafiktablet nachzudenken, ist bei weitem angenehmer als eine Maus und zum Einstieg gibt es auch günstige Varianten.

  5. Kommentar von German Psycho | 24. Nov. 2010 um 15:47:13

    Leider muß ich Ihnen zustimmen, Enno. Die Firma Apple kann einfach überhaupt keine Mäuse bauen und das war schon immer so.

    Im Gegensatz zu Trackpads! Immer wenn ich an einem Nicht-Apple-Laptop sitze, wundere ich mich darüber, wie wenig man die meisten Trackpads benutzen kann.

    Aber in bezug auf Mäuse bin ich echter Microsoft-Fan. Ehrlich.

  6. Pingback von «Apple kann keine Mäuse bauen» | MacMacken | 03. Dez. 2010 um 05:01:30

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