sofa die ennomane

Oktober 3, 2010

Berlin

Vorsicht, Selbstbefindlichkeitsprosa. Ein ganzes Jahr lebe ich heute in Berlin: einen melancholischen Herbst, einen deprimierenden Winter, einen nicht stattfindenden Frühling und einen viel zu heißen Sommer lang. Langsam habe ich kapiert: Berlin ist kein Ort, hat keinen Anfang, kein Ende und kommt nirgends auf den Punkt. Es ist einfach nur ein großes Etwas, in dem Bienentänze stattfinden und Ameisenvölker Meme auf ihre Hügel transportieren. Ein Buch, das Douglas Adams noch hätte schreiben müssen: Hitchhiker’s Guide to Berlin – an Absurditäten hätte es nicht gemangelt. Alles in Berlin ist relativ. Die schönen Ecken relativ hässlich, die Dreckecken relativ schön. Und weil hier alles relativ ist, darf hier auch der letzte Freak sein, was und wie er ist. Für den kleinen Freak in einem selbst ist das sehr tröstlich, auch wenn es kein Zuhause ist. Zuhause aber war noch nie ein Ort, sondern ein Gefühl.

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Kommentare

  1. Comment von radierer | 03. Okt. 2010 um 17:24:15

    Herzlichen Glückwunsch!

    Nach dem ersten Winter hier hat man das Schlimmste überstanden. Danach ist entweder klar, dass man bald wieder weg möchte. Oder man lebt sich ein und fängt langsam an, diese Stadt wirklich zu mögen.

    Ich habe das vor 25 Jahren hinter mich gebracht und seither bei vielen anderen erlebt.

    Hoffentlich habt Ihr eine gute und lange Zeit zusammen, Du und Berlin!

  2. Comment von quarkkalibur | 03. Okt. 2010 um 17:42:43

    Berlin ist aber auch gute Bäcker, Twitterhochburg, Ringbahn, Philharmonie, DT und BE.
    Und eine freundliche Stadt.
    Halt schon ein Zuhause!

  3. Comment von radierer | 03. Okt. 2010 um 17:55:37

    “Gute Bäcker” überrascht mich jetzt…

  4. Comment von isotopp | 03. Okt. 2010 um 18:32:34

    Man sollte außerdem Mitte nicht mit Berlin verwechseln.

  5. Comment von Arnd Klinkhart | 03. Okt. 2010 um 18:43:19

    Lieber Ennomane,

    Ja, Du hast Recht. Berlin ist ein Oragnismus. Manchmal ist man der Wirt und manchmal der Parasit. Morgens wirst Du ausgespuckt und ab und an wieder assimiliert. Daran muss man sich als Hamburger ersteinmal gewöhnen. In Hamburg wirst Du nach der Geburt geschluckt und dann langsam verdaut. Auf das Ende kann man sich vorbereiten. In Berlin wirst Du auch mal als ‘unbekömmlich’ wieder hochgewürgt, um dann den Zyklus des Gefressenwerdens erneut anzutreten. Hier ist das halt so. Aber während Du in Hamburg nur den Weg zum Ausgang als Ziel hast und gar nicht weisst, wie Du da wieder herauskommst, sagt Dir Berlin, warum es Dich in den Rinnstein reihert. Und es gibt Dir die Chance mit Tortenguss überzogen einen neuen Anlauf zu nehmen. In da face. Das kann einem diese Bordsteinschwalbe unter den Städten schon sympathisch werden lassen.

  6. Comment von Enno | 03. Okt. 2010 um 18:55:33

    Lieber Arnd, mich würgt Berlin nicht täglich raus. Ich pendele ja auch nicht mit dem ICE nach HH zur Arbeit… ^^

    @Isotopp Ich verwechsele Berlin nur mit F’Hain. (Mit Prenzlberg hab ichs nur vor meinem Herzug verwechselt.)

    @radierer @Quarkkalibur : Schließe mich der Frage an: Wo sind die guten Bäcker? Der hundertjährige Traditionsbäcker in der Schönfließer hat jedenfalls immer gerade zu, wenn ich vorbeikomme.

  7. Comment von Not quite like Beethoven | 03. Okt. 2010 um 19:21:22

    Ist das der Blick aus Deinem Fenster? :-)

  8. Comment von oliver | 03. Okt. 2010 um 21:54:33

    berlin war wahrscheinlich eine fußnote von “erde” im hitchhikers guide. sollte es einen gott geben, hat er zumindest mit berlin ordentlich humor bewiesen.

  9. Comment von Barbara | 04. Okt. 2010 um 11:07:15

    Schön geschrieben #hach :-). Und schon ein Jahr bist du hier? Wahnsinn, wie die Zeit vergeht. Wobei die netten Ecken schon verdammt nett sein können. Aber auch ziemlich ab vom Schuss. Oder in bürgerlichen Gegenden (unser Weinbrunnen am Rüdi ist schon sehr nett im Sommer:-)) Das spannende an Berlin ist, dass Chaos und Schmuddel wie auch das Schöne meist nicht einmal einen Häuserblock voneinander entfernt sind.

    (und du hattest wirklich Pech mit diesem Sommer. Im Sommer versöhne ich mich immer mit diesem furchtbaren, viel zu düsteren, eiseswindigen und viel zu langen Berliner Winter. Im Winter will ich immer wieder zurück in meine Heimat in den Süden. Aber jetzt sind es auch schon 8 Winter und ich bin immer noch hier.:-)

  10. Pingback von alles müll oder was?! | schorleblog | 04. Okt. 2010 um 23:53:49

    [...] ein, die da lautete: berlin stinkt! ich vermute, es handelt sich um ein anderes berlin als das von enno, weil relativ stinken ist irgendwie nicht. aber kein wunder, dass berlin stinkt, wenn die berliner [...]

  11. Pingback von die ennomane » Blog Archive » Berlin Jahr Zwo [Katzencontent] | 03. Okt. 2011 um 16:07:42

    [...] vor zwei Jahren bin ich nach Berlin gezogen. Ich habe gestern auf Twitter gefragt, ob ich dazu ein wenig Selbstbefindlichkeitsprosa [...]


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