sofa die ennomane

24. Juni 2010

FAZ löscht Blog: Eine andere Form von CTRL-Verlust

Vorweg: Ich kenne und schätze Michael Seemann schon sehr lange. Als es Twitter und FAZblog noch lange nicht gab, liebte ich schon seine sperrigen „Walls of Text“, die mühsam zu lesen aber äußerst nahrhaft und sättigend waren. Mit seiner These vom Kontrollverlust erregte er vor ein paar Monaten Aufmerksamkeit. Vereinfacht gesagt geht es um das Problem, dass wir alle längst einen permanenten Datenstrom produzieren, selbst wenn wir um Facebook oder gar das Internet als ganzes einen großen Bogen machen. Dass der Geist in sofern aus der Flasche ist, dass wir keine Kontrolle mehr über das Eigenleben haben, das unsere Daten jetzt und in Zukunft führen. So wie sich Tut-Ench-Amun nicht dagegen wehren kann, dass wir heute aus seinen sterblichen Überresten auf sein (Privat-)Leben schließen.

Das alles im Detail auszubreiten, führt hier zu weit. Eine gute und sehr verständliche Zusammenfassung gibt es in der aktuellen c’t auf S. 114. (Update: Mittlerweile ist der Artikel online kostenlos lesbar – danke an die c’t!) Die eigentlichen Beiträge standen im FAZblog. Dort häufte Michael Seemann Text auf Text und war dabei, ein Gesamtbild der Thematik zu schaffen. Vielleicht sogar den ideologischen Überbau einer Bewegung oder eben – darüber kann man streiten – eine Bestandsaufnahme dessen, was ist. Leider sind die Texte nicht mehr im Netz. Die Redaktion der FAZ hat das gesamte Blog gelöscht.

Was ist geschehen? Als Michael anfing, für die FAZ zu bloggen, bildete seine These vom Kontrollverlust einen sehr schönen Kontrapunkt zu Frank Schirrmachers Buch „Payback“. Das hat auch Schirrmacher erkannt und ihn zum bloggen eingeladen. Die Texte widersprachen zum Teil sehr dem, was die FAZ sonst als redaktionelle Linie fährt, was ich aber nur als äußerst lobenswerte Belebung der Debattenkultur empfinde. In seinem letzten Post schrieb Michael einen interessanten Artikel über das iPhone, den er mit Bildern hinterlegte, die zwar einer Creative-Commons-Lizenz unterlagen, aber kommerziell nicht hätten verwertet werden dürfen. Klar, ein Fehler, eine Panne. Was man in einem solchen Fall macht: Man nimmt die Bilder vom Netz. Was hier aber geschah: Man nahm den ganzen Artikel vom Netz. Was Michael tat: er stelle den Artikel nochmal ohne Bilder online – inhaltlich gab es schließlich am Text nichts zu beanstanden. Was die Redaktion daraufhin tat: Sie löschte mal eben das ganze Blog.

Das ist nicht nur für Michael Seemann bitter: All die Arbeit und Herzblut, die in diesen Texten stecken – verloren. Sein Vertrag mit der FAZ: In der Schwebe. (Nichts genaues weiß man nicht). Michael kommt mir ein wenig vor wie ein Rockstar, der bei einem Major-Label unterschrieben hat und dann dort verbrannt wurde. Aber genauso ärgerlich ist die ganze Affaire fürs Publikum: Die Texte sind verloren. Eine erneute Veröffentlichung dürfte aus rechtlichen Gründen höchst wahrscheinlich nicht möglich sein. Wer die Debatte um den Kontrollverlust heute recherchieren möchte, kommt an wesentliche Texte dazu nicht mehr heran. Daran zeigt sich nochmal deutlichst, dass das Urheberrecht in seiner heutigen Form eine Fehlkonstruktion ist. Die Texte hätten gar nicht erst bei der FAZ oder ähnlichen Publikationen erscheinen dürfen, wo offenbar über jedem Text und jedem Autor das Damoklesschwert der jederzeitigen und willkürlichen Löschung schwebt. Eine Zeitung aus Papier kriegt man nicht aus der Welt, man kann nur in der folgenden Ausgabe was dazu drucken. Im Netz führen die Daten nicht nur ein Eigenleben dahingehend, in unerwarteten Konstellationen wieder aufzutauchen, sondern auch mal eben ganz verloren zu gehen. Allein das erfordert kulturelle und gesetzgeberische Konsequenzen.

Über die Gründe der Löschung kann man nur spekulieren. Die Panne mit den Bildern reicht als Grund für die Löschung eines gesamten Blogs jedenfalls nicht im entferntesten aus. Ob irgendwer in der Redaktion Michael auf dem Kieker hatte, die Fehde mit Don Alphonso irgendwas damit zu tun hat oder Schirrmacher höchstselbst die Texte weghaben wollte – das weiß zur Zeit nicht einmal Michael selbst.

Ich hoffe jetzt sehr und wünsche ihm, dass in dieser Situation wenigstens eine Streisandiade draus wird. Mspro als Mensch und CTRLverlust als Blog verdienen es.

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Kommentare

  1. Comment von Gilly | 24. Jun. 2010 um 21:13:12

    Schön zusammengefasst!

  2. Comment von Thomas Maier | 24. Jun. 2010 um 21:13:48

    ( Rein technisch sind die Artikel dank Google Cache sowohl noch aufrufbar, als auch bereits gesichert – mspro hat die also, ob er sie noch mal veröffentlicht liegt an ihm )

  3. Comment von Enno | 24. Jun. 2010 um 21:18:02

    @Thomas Ich kenne Michaels Vertrag nicht, aber ganz üblicherweise sind derlei Verträge so gestrickt, dass er auf absehbare Zeit keine Chance hat, die Texte nochmals anderweitig zu veröffentlichen – schließlich hat er sie ja für FAZ.net geschrieben.

  4. Comment von cbgreenwood | 24. Jun. 2010 um 21:25:15

    Cache, Cache, wir brauchen, Cache Cache … Schon ein Hammer, lese den guten MSPROdings auch schon seit mind. 2 Jahren. Der Start bei der FAZ war „in der Mischung“ überraschend, aber trotz Länge ;-) immer erfrischend. Ein Verlust indeed. Hoffe das beste!

  5. Pingback von RIP, Holzmedien – kein Verlust! « Bullshit Blog | 24. Jun. 2010 um 21:26:31

    […] ennomane.de […]

  6. Pingback von Notizblog » mspr0 revisited | 24. Jun. 2010 um 21:27:05

    […] deprimierend große Anzahl von Netizens weiß offenbar nicht, wie sie die gelöschten Beiträge weiterhin nachlesen können. Nun, das ist ganz […]

  7. Comment von Julius | 24. Jun. 2010 um 21:30:37

    Für dieses Risiko – in bare Münze verwandelt – isser aber immerhin nach NY geflogen, oder seh‘ ich das falsch? Unterstellt mir jetzt ruhig Neid oder sonstwas, mir egal.
    Ich hab auch schon mal gegen Geld Akten archiviert (mit Systematik und pipapo), die dann (Chefetage hat sich umentschieden) vernichtet wurden, Software programmiert die einen Einsatz-Lifecycle von knapp einer Woche hatte etc etc.
    Was soll ich jetzt machen? Weinen? Nö, sorry. Man liefert ab, wird bezahlt und andere entscheiden dann weiter. So ist das halt. Willkommen im Kapitalismus und in hierarchischen Strukturen.
    Und ich schreib jetzt mal nix über die Gründe, die gegen eine Professionalisierung des Bloggens sprechen, das ist eh alles alt.

  8. Comment von Dennis | 24. Jun. 2010 um 21:38:38

    Es hat eben auch seine Vorteile manchmal auf den großen Namen zu verzichten und selbstständig zu bloggen. Klar, das lesen am Anfang vielleicht nicht so viele und bezahlt wird man auch nicht. Dafür bleibt man Herr seiner Texte. Alles was man an die Verlage gibt, muss man bereit sein, im Zweifelsfall auch zu verlieren.

  9. Pingback von Trotzendorff | Blog | Kein ctrl+z | 24. Jun. 2010 um 21:56:17

    […] hat (mspros Darstellungen findet sich hier, eine ebenfalls lesenswerte Zusammenfasung bei der ennomane). Man kann nun darüber streiten, ob das verhältnismäßig war, man kann […]

  10. Comment von Torsten | 24. Jun. 2010 um 22:42:03

    Blöde Frage: Warum gründest Du eine neue Facebook-Gruppe, statt die alte zu nutzen? Nur aus Interesse.

  11. Comment von Enno | 24. Jun. 2010 um 22:45:33

    @Torsten Um ein Statement zu setzen.

  12. Comment von Frau Elise | 24. Jun. 2010 um 22:51:12

    Den aktuellen Shitstorm halte ich für ziemlich übertrieben: Bisher gibt es seitens der FAZ noch keinerlei Stellungsnahme darüber, was eigentlich Sache ist. Ob der Blog tatsächlich für immer vom Netz genommen wurde – wir wissen es nicht. Bisher ist das alles nur Mutmassung: Der Blog ist weg, also hat die FAZ böse Zensur ausgeübt, und vermutlich stecken Don Alphonso und Schirrmacher dahinter, uhhh, böse böse böse.

    Was wir aber wissen: mspro hatte einen Vertrag mit der FAZ: Er bekam Geld für seine Artikel. Und eine gute Plattform, um seine Gedanken zu verbreiten. Im Gegenzug dazu hatte er sich auf eine Total Buyout-Vereinbarung eingelassen und somit sämtliche Rechte an seinen Texten abgetreten. Und zwar freiwillig. Und wir wissen: Die FAZ hat anscheinend ihre Blogger erst kürzlich noch ermahnt, bei den Bildern aufzupassen, ob sie frei verwendbar sind. Daran hat sich mspro nicht gehalten – versehentlich, ja, aber er hat sich eben nicht daran gehalten. Für ihn als Blogger nicht weiter relevant, aber für die FAZ eben schon: So etwas kann nämlich unter Umständen teuer werden.

    Vielleicht wurde deswegen der Blog erstmal ganz vom Netz genommen, um einfach erstmal zu schauen, wie sich das mit dem restlichen im Blog eingesetzten Bildmaterial verhält. Wir wissen es nicht genau. Genauso wenig, wie wir wissen, inwieweit die FAZ versucht hat, sich mit Mspro in Verbindung zu setzen, um über die Sache zu sprechen – da er derzeit in den USA ist, ist das vielleicht gar nicht nicht so einfach, ihn zu erreichen. Vielleicht war bei den Jungs und Mädels in der Redaktion gerade erstmal Feierabend und man kümmert sich morgen in Ruhe um die Sache.

    mspro nun als Märtyrer darzustellen, halte ich daher für übertrieben. Wir sollten erst einmal in Ruhe abwarten, was die FAZ zu berichten hat – und dann urteilen. Denn das ist eine der grundlegenden Regeln im Journalismus: Beide Seiten zu Wort kommen lassen. Und daran sollten auch wir uns jetzt halten.

  13. Comment von Enno | 24. Jun. 2010 um 22:58:31

    @Frau_Elise : Noch ist es ja kein richtiger Shitstorm, noch warten wir einfach ab, ob und wie die FAZ sich äußert. All die Vorgänge mögen eine Erklärung finden, ABER dazu noch ein paar Punkte:

    Wenn ein Redakteur Mist baut, kriegt der einen auf den Deckel. Wenn ein Bild nicht OK geht, wird das gelöscht. Fertig aus. Es ist normalerweise gar nicht im Sinne des Verlages, einen Artikel komplett wieder zu entfernen, weil die Bilder nicht stimmen (es sei denn, die Bilder machten den Artikel aus). Das ist nach all meiner Erfahrung absolut überreagiert.

    Dann wäre es doch eine nette Sache, wenn die FAZ.net statt eines 404 eine kleine Notiz ins Netz gestellt hätte „wir haben das Blog aus den und den Gründen vom Netz genommen“. Haben sie aber nicht.

    Last not least ist es offenbar noch so gewesen, dass sie im keine Mail nach NY geschickt haben, „Hör, dein Blog, so und so“ sondern er es erst selber merken musste, dass sein Blog vom Netz ist bzw. ein Artikel. Alles zusammen wirft ein ziemlich seltsames Licht auf die Story.

  14. Comment von Frau Elise | 24. Jun. 2010 um 23:11:03

    Ja, geschicktes und angemessenes Verhalten ist sicher was anderes. Nur: auch ein mspro muss sich eben nun mal an die Vorgaben, was Bildlizenzen angeht, halten. Freiheit hin oder her.

    Und jeder, der schon mal als Fester oder Freier für eine Redaktion gearbeitet hat, hat sicher bereits ähnlich krasse Dinge erlebt – die passieren nicht nur bei einer FAZ, sondern sind mittlerweile leider journalistischer Arbeitsalltag.

    Warten wir mal ab, was passiert

  15. Comment von Enno | 24. Jun. 2010 um 23:16:17

    @Frau_Elise Natürlich muss Michael das. Er hat Mist gebaut. Ganz klar. Wenn FAZ nun sagt: Michael, so geht es nicht, du bist gefeuert. Sein Pech, darüber kann er sich bitter beklagen, einen Shitstorm hätte das nur bedingt ausgelöst – wobei ich mir nicht so ganz sicher bin, weil ein Entfernen der Bilder und eine interne Abmahnung vollkommen gereicht hätten. Die Reaktion der FAZ aber, das ganze Blog zu löschen, und zwar vollkommen kommentarlos, kann man eigentlich nur noch mit Dingen wie dem Fall Emely vergleichen. Ich kenne Michael zu gut: Wenn durch die Bilder ein konkreter Schaden entstanden wäre oder es sonstwie spezielleren Ärger gegeben hätte, hätte er das schon gesagt.

  16. Comment von Dr. Klaus Graf | 25. Jun. 2010 um 02:14:07

    Zur Rechtslage (Wiederveröffentlichung der Texte anderswo):

    http://archiv.twoday.net/stories/6396526/

  17. Comment von Falk D. | 25. Jun. 2010 um 03:31:13

    Also mit den Bildern ist schon ein Schaden entstanden, nämlich der Vertrauensverlust der CCL-Schaffenden und der Imageschaden an der Marke FAZ. Ein „führender Kopf im Netz“ und „Spitzenblogger“ handelt schon selten dämlich, wenn er wiederholt NC-CCL mit Public Domain verwechselt.
    Einem Freien Mitarbeiter schickt normalerweise man keine Abmahnung, sondern beauftragt ihn einfach nicht mehr und wenn ich die Berichte aus dem Hause richtig deute, war der „Rundbrief“ an die Hausblogger im Tonfall überdeutlich und es hätte jedem klar sein müssen, dass das der letzte Schuss _vor_ den Bug war und danach nur noch Wirkungstreffer stattfinden.
    Im Grunde hätte er nachdem er _wieder_mal_ mit dem selben Vergehen auffiel, ganz kleine Brötchen backen müssen, wenn es da überhaupt noch eine Chance gegeben hätte.
    M.E. suchte man bereits nach dem ersten Entfernen des Artikels nur noch nach einer Lösung, sich wie Erwachsene und ohne Krach zu trennen. Mit der kindischen Aktion des erneuten Hochladens, ohne oder sogar entgegen der Absprache hat er dieses Entgegenkommen ausgeschlagen. Er hatte bewiesen, dass er nicht bereit war zurückzustecken und vor allem, dass er aus den Fehlern keinerlei Lehre zog.

  18. jo
    Comment von jo | 25. Jun. 2010 um 04:06:37

    @Frau Elise: Der Standardvertrag der FAZ GmbH für Freie beinhaltet keinen totalen BuyOut. Er ermöglicht durchaus eine anderweitige Nutzung bzw. Veröffentlichung, allerdings mit einem Genehmigungsvorbehalt durch den Verlag (Siehe das private Blog von Stefan Niggemeier und anderen).

    Da im vorliegende Fall die Nutzungsrechte des Verlags durch eine Wiederveröffentlichung wohl nicht „unbillig behindert“ werden, sollte eine solche Freigabe zu erhalten sein.

    Sinniger dürfte es aber sein, das Problem zunächst intern zu lösen, bevor in den Kommentarspalten und bei Facebook die Mistgabeln geschwungen werden.

    @Enno: Fakt ist, dass zur Stunde nicht einmal mspro wirklich klar ist, ob das Blog tatsächlich „gelöscht“ wurde oder auf Grund einer Sperrung lediglich temporär offline ist.

    Sich auf Basis der doch recht dünnen Faktenlage hochzuschaukeln und einen Shitstorm mit Hinweis auf eine angeblich „fadenscheinige Begründung“ und vermeintliche „Nichtigkeiten“ (Bildrechte sind für einen Verlag alles andere als Nichtigkeiten) zu starten, dürfte für eine Einigung jedenfalls nur bedingt förderlich sein.

    Wenn im Verlag jemand der Meinung war, die Notbremse ziehen müssen, macht es erstmal wenig Sinn, weiter Öl ins Feuer zu kippen. Es sei denn, man will einen Märtyrer schaffen. Das kann nicht das Ziel sein. Weder das von Michael, noch deines, noch das einer Blogosphäre, die ernstgenommen werden will.

    Und nein, mit „Emely“ hat das alles ganz sicher nichts zu tun.

  19. Comment von Jens | 25. Jun. 2010 um 09:51:01

    „All die Arbeit und Herzblut, die in diesen Texten stecken – verloren.“

    So ein Quatsch. Alles noch da – wenn nicht mehr im Feedreader, dann auf seiner Festplatte.

    „Die Texte hätten gar nicht erst bei der FAZ oder ähnlichen Publikationen erscheinen dürfen, wo offenbar über jedem Text und jedem Autor das Damoklesschwert der jederzeitigen und willkürlichen Löschung schwebt.“

    Tja, aber dafür gab es eben ein bisschen Geld und ein bisschen Renommee und pro Artikel ein paar mehr Kommentare… sehr verführerisch.

    Wir brauchen die FAZ nicht mehr, um etwas zu veröffentlichen oder miteinander über etwas zu reden! Dafür gibt es doch das Internet.

    Dass Michael fremde Bilder falsch verwendet hat, war ein bisschen dämlich. Was er JETZT abzieht, ist SEHR dämlich.

  20. Pingback von Lesenswerte Artikel 25. Juni 2010 | 25. Jun. 2010 um 12:07:11

    […] FAZ löscht Blog: Eine andere Form von CTRL-Verlust […]

  21. Comment von Enno | 25. Jun. 2010 um 12:49:56

    @Jens : Das Zeugs war offenbar tatsächlich futsch, Michael hatte keine Kopien davon. Naja, ihm konnte geholfen werden. Ob das ganze Zeug republiziert werden darf, ist ne spannende Frage. Manche sagen ja, das ginge jetzt durchaus. Was er jetzt abzieht, ist aber folgerichtig. Wenn ich einen irgendwo Redakteur wäre und ein Blogger macht Probleme, dann schicke ihm ne Mail und sperre ggf. seinen Account, lösche aber doch nicht das ganze Blog.

  22. […] Lesenswert auch: FAZ löscht Blog: Eine andere Form von CTRL-Verlust. 50.732704 7.096311 […]

  23. Comment von Reizzentrum | 25. Jun. 2010 um 13:43:10

    Du vergisst zu erwähnen, dass die FAZ vor Michaels CC-Ignoranz die Redakteure explizit darauf hingewiesen hat, auf Bildrechte zu achten.

    Dadurch bekommt die ganze Sache einen etwas anderen Drehpunkt, denn Michael hat eine Anweisung (die er aufgrund von negativen Erfahrungen in der Vergangenheit erliess) ignoriert. Und was muss die FAZ nun machen, wenn sie das Blog im netz lässt: Die Bildrechte jeder Grafik im CTRL-Verlust einzeln prüfen. Denn schliesslich hat die FAZ Kenntnis davon erhalten, dass Michael TROTZ Anweisung CC-Verstösse begeht. Wer zahlt den Arbeitsaufwand?

    Michael war – so oder so – Auftragsarbeiter. Und wer die Musik bezahlt, der bestimmt was gespielt wird. So einfach funktioniert das im Wirtschaftsleben. Wenn Du mir einen Auftrag gibst und ich diesen nicht zu deiner Zufriedenheit umsetze – was machst DU dann? Mich weiter mit Geld füttern, weil Du zu viel davon hast?

    Wie ich schon twitterte:
    Anhand von #CTRL-Verlust und #FAZ lässt sich die Bloggerszene in #Realos und #Träumer aufteilen.

    Auch ich war mal ein Träumer – damals …

  24. xbg
    Comment von xbg | 25. Jun. 2010 um 13:45:42

    @Frau_Elise: „Den aktuellen Shitstorm halte ich für ziemlich übertrieben: Bisher gibt es seitens der FAZ noch keinerlei Stellungsnahme darüber, was eigentlich Sache ist.“

    Das würde ich mal vom Kopf auf die Füße stellen: Gerade WEIL die FAZ ihn im dunklen läßt, ist die Situation doch besonders unangenehm. Wenn man mit jemanden zu reden versucht und der blockt nur ab – das ist frustrierend und demütigend. So sollte man nicht mit Menschen umgehen.
    Also gerade durch die Weigerung der FAZ mal Stellung zu beziehen verstehe ich die Reaktion der Netzgemeinde.

  25. Comment von Frau Elise | 25. Jun. 2010 um 15:09:47

    So und da haben wir es: Das ist ungefähr genau das, was ich gestern gesagt hatte: http://carta.info/29704/kein-systematischer-konflikt-stellungnahme-der-f-a-z-zur-causa-ctrl-verlust/

    Mit der ganzen Sache hat sich mspro jedenfalls keinen Gefallen getan – und anderen Bloggern auch nicht wirklich. Aber immerhin hat er ja nun seine Texte wieder und kann sie an anderer, dann halt weniger prominenter Stelle, wieder veröffentlichen.

  26. jo
    Comment von jo | 25. Jun. 2010 um 15:37:38

    @xbg: Sorry, nein.

    Ich kann nachvollziehen, dass Michael* sauer war und wg. der Finanzierung seines NY-Aufenthalts evtl. auch etwas nervös wurde.

    Letztendlich war es aber wohl leider ein Eigentor, das eigentlich interne Problem mit der Redaktion innerhalb weniger Stunden öffentlich zu eskalieren.

    Feuilleton-Redakteur Fridtjof Küchemann schreibt dazu in einer Stellungnahme ggn. Carta:

    Daraufhin hat die Redaktion sein Blog vorübergehend gesperrt. Sie sah sich gezwungen, die Bildrechte an sämtlichen Fotos zu überprüfen und etwaige nachträgliche Veränderungen für den Fall zu verhindern, dass der Verlag der F.A.Z. mit Rechteansprüchen konfrontiert werden würde.

    Allerdings hatte Herr Seemann den Vorgang zu diesem Zeitpunkt bereits per Twitter kommentiert und ihm eine Wendung ins Grundsätzliche gegeben. […]

    Wie gesagt, ich kann die Ohnmacht nachvollziehen. Wut, Ohnmacht und ein aufgehetzter Netzmob sind allerdings schlechte Berater. Gerade, wenn man sich als freier Mitarbeiter mit einer Redaktion auseinandersetzen muss (Merke: Die Redaktion hat immer Recht.)

    Gewiss, als Aussenstehender sagt es sich leicht, aber: Eine Nacht über den Vorfall zu schlafen, bzw. nach dem Wochenende die Diskussion mit der Redaktion zu suchen, wäre wohl die eindeutig bessere Idee gewesen.

    Hoffen wir, dass beide Parteien wieder an einen Tisch finden, auch wenn es im Moment nicht danach ausschaut.

    Disclosure: Ich „blogge“ seit 4 Jahren als freier Mitarbeiter für die FAS. Allerdings ausschließlich auf Holz (und aus Gründen auch nur wenig wirklich persönliche Themen). Das oben ist meine rein private Meinung als Blogger.

    *darf ich überhaupt „Michael“ schreiben, nur weil ich seit Jahren seine Blogs lese und seine Denkanstöße schätze? Auch, wenn wir bisher leider nicht das Vergnügen hatten, uns zu treffen?

  27. […] hier. Weitere interessante Stimmen gibt es dazu beispielsweise bei Carta, von Malte Welding und auf die ennomane. Den Gegenpart in dieser Diskussion übernimmt DonAlphonso, der ebenfalls für die FAZ […]

  28. […] die ennomane […]

  29. xbg
    Comment von xbg | 25. Jun. 2010 um 18:46:17

    @Jo: „Letztendlich war es aber wohl leider ein Eigentor, das eigentlich interne Problem mit der Redaktion innerhalb weniger Stunden öffentlich zu eskalieren.“

    Da stimme ich Dir auch zu, würde es aber wiederum auch andersrum stellen: Das interne Problem wurde von der Redaktion mit der nicht näher erklärten Sperrung öffentlich gemacht. Michael Seemann hat ja lediglich auf Twitter darauf reagiert.

  30. jo
    Comment von jo | 25. Jun. 2010 um 19:01:24

    @xbg: Realitycheck! Ein Blog ist ein paar Stunden offline. So what? Als
    Leser schaue ich dann halt ein paar Stunden später nochmal. Oder am nächsten Tag.

    Und falls tatsächlich wer gefragt hätte: Niemand hätte von mspro mehr erwartet als ein „Es gibt ein kleines Problem, wir arbeiten dran“.

  31. Comment von Markus Zeller | 25. Jun. 2010 um 21:23:13

    Da kann mir aber keiner weismachen, dass die kein Backup haben!

  32. xbg
    Comment von xbg | 25. Jun. 2010 um 23:53:48

    @Jo:
    Ich kann den Realitätscheck nur zurückgeben. Michael Seemann scherzt, dass die FAZ wohl seinen Blog nicht mehr mag. So what? Nur wer „einen Stock im Arsch hat“, muss hier wegen einer „Wendung ins Grundsätzliche“ beleidigt sein.

  33. jo
    Comment von jo | 26. Jun. 2010 um 03:07:52

    @xbg: Seine Reaktion bestand aus mehr als diesem einzelnen Tweet. Imo wäre die Eskalation vermeidbar gewesen.

  34. Pingback von die ennomane » Blog Archive » Nochmal CTRLverlust | 26. Jun. 2010 um 13:29:45

    […] geht um diese Geschichte hier, die nachlesen sollte, wer vom Streit “Michael Seemann vs FAZ” noch nichts […]

  35. Pingback von Zur Depublikation bei der FAZ | Die Welt ist gar nicht so. | 09. Aug. 2012 um 15:11:04

    […] das Blog von Julia Seeliger gelöscht, nachdem sie länger keine Artikel ablieferte. Dies ist der zweite mir bekannte Fall, in dem FAZ-Artikel gegen den Willen von Autoren gelöscht werden, um das Arbeitsverhältnis zu […]


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