sofa die ennomane

7. Mai 2010

Die Wahrheit über FORMsquare – eine Analyse

Soziale Netzwerke gibt es etliche. Manche lösen Hypes aus, die meisten versanden wieder. In diesem schwierigen Umfeld performt mit FORMsquare ein neuer Player seinen fulminanten Markteintritt. Bei dem Dienst, der zuvor nur wenigen eingeweihten bekannt war, bis Sascha Lobo ihn der breiteren Öffentlichkeit vorstellte, handelt es sich um die konsequente Weiterentwicklung sozialer Netzwerke: FORMsquare ist das erste Antisocial Network weltweit. Obwohl noch kaum bekannt, entwickelt sich das Netzwerk extrem schnell, hat bereits 37 Millionen Mitglieder und ein eigenes Ökosystem mit darauf aufsetzenden Anwendungen wie FORMroulette.

Die Richtung von FORMsquare wird schon unmissverständlich durch das Logo deutlich gemacht, welches in Comic Sans gestaltet wurde. Ich bin fasziniert vom Erfindungsreichtum der Entwickler. Über ein äußerst einfaches Interface lassen sich Dinge wie Obdachlosenzeitungsverkäufer ignorieren, rücksichtlos in die U-Bahn steigen, bevor alle ausgestiegen sind, oder auch mit Kleinkindern bei Rot über die Ampel gehen vom heimischen PC aus erledigen. Für die mobile Nutzung sind erste – noch analoge – Prototypen eines FORMphone sowie des FORMpad aufgetaucht, Experten versichern aber, dass die iDevices von Apple fürs Antisocial Networking geradezu prädestiniert sind.

FORMsquare ist der erste Dienst, der es ermöglicht, Personen konsequent zu ignorieren, die ich nicht ausstehen kann. Das wird durch das einfache Prinzip des Nofollow erreicht, welches die Macher auf die Robot.txt erweitert haben, so dass der Dienst bei Google nicht auffindbar ist, weshalb verwirrte Anwender im Web fragen, was FORMsquare eigentlich sei. Die so gewonnenen Daten – Fachleute bezeichnen sie als Antisocial Graph – wecken natürlich Begehrlichkeiten unter anderem bei den Ermittlungsbehörden. So gibt es erste Überlegungen im Familienministerium, die Daten zur Früherkennung von Nachbarschaftsstreitigkeiten, Gewalt in der Ehe und Amokläufen zu verwenden.

Fragt sich, wer eigentlich hinter FORMsquare steht. Das Video von RealVideopunk, das Mario Sixtus heute verbreitet hat und das die geheimen Serverräume von FORMsquare zeigt, enthält keine nennenswerten Hinweise. Während Fefe angeblich bald enthüllt, dass die CIA hinter FORMsquare steht, vermuten Wallstreet-Insider, dass es der Versuch von IBM sei, im Social-Media-Markt Fuß zu fassen. Gerüchte, dass Holtzbrinck an FORMsquare beteiligt sei, erwiesen sich jedoch als falsch. Vielmehr positioniert sich das Medienhaus durch den Kauf von wer-mich-mal-kann.de gegen FORMsquare.

Wie auch immer: Schon jetzt ist klar, dass nach FORMsquare das Internet nicht dasselbe sein wird. Allein der Dislike-Button, der sich demnächst massenhaft im Web verbreiten dürfte, hat das Zeug zum Facebook-Killer, während die Autofav-Funktion direkt auf Twitter zielt. Ganz nebenbei sind FORMsqueets mit einem Flattr-Button ausgestattet, was hemmungsloser Abzocke Tür und Tor öffnet. Nur dem exkrementalen Geocaching gebe ich keine große Chance, weil das Taggen trotz des Einsatzes von RFID-Transpondern einfach noch zu unhandlich gelöst ist. Auch zeigt Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner mit ihrer Drohung, ihren Account bei FORMsquare wieder zu löschen, wie leicht das Dislike-Prinzip ad absurdum geführt werden kann. Kleine Schwächen in der Startphase sind aber hinnehmbar, zeigen sich doch Marktauguren davon überzeugt, dass FORMsquare gerade im Bereich ehrlicher Unternehmenskommunikation Maßstäbe setzen wird.

Leser-Umfrage: Kann FORMsquare Twitter ersetzen?

Update: Faszinierend auch die chamäleoneske, bis ins letzte Detail mikrozielgruppenorientierte Wandlungsfähigkeit des Dienstes, je nachdem, ob man formsquare.de oder formsquare.net aufruft.

Flattr this!

Kommentare

  1. Comment von stricktier | 07. Mai. 2010 um 23:08:21

    Soeben erfuhr ich aus gut unterrichteten Quadraten, dass FORMsquare mit dem neuen Kurznachrichtendienst „Splattr“ schon nächste Woche online gehen will.

  2. Comment von Pablo Engelbart | 07. Mai. 2010 um 23:44:20

    Ich kann Deine Einschätzungen nicht teilen, spätestens, seit ich das neue FORMphone gesehen habe:
    http://www.youtube.com/watch?v=OWWMDWkKhSA

    FORMsqare rockt! Das! Haus!

  3. Comment von David | 08. Mai. 2010 um 00:06:58

    Grandiose Seite – außer dem Comic-Sans-Logo sehe ich als konsequenter „alles-was-nicht-reines-HTML-ist-per-default-aus-Mißtrauen-Blocker“, der obendrein noch Opera nutzt, nämlich nix. Das müssen ja echte Web-Profis sein dort. Aber danke für den guten Tip, ich liebe aufgeräumte Websites ohne irgendwelchen nervigen Inhalt.

  4. Pingback von Must-Have: FORMsquare « …Kaffee bei mir? | 08. Mai. 2010 um 01:42:17

    […] Tweets veranlassen zunehmend mehr Menschen, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Ungebremstes Vergnügen äußert sich in wilden Meldungen, zur Zeit ist gerade von der Mehrheitsübernahme des Projekts […]

  5. Comment von Thomas Maier | 08. Mai. 2010 um 02:07:45

    Gnihihi.

  6. juf
    Comment von juf | 08. Mai. 2010 um 07:40:55

    Wann kommt denn die neue Single von Pur?

  7. Comment von Heinrich Seeger | 08. Mai. 2010 um 10:23:09

    Tut mir leid, ich kann keine noch so selbsternannte Analyse zu Ende lesen, in der es gleich zu Beginn heißt, „… performt … ein neuer Player seinen fulminanten Markteintritt“. Das ist Sprach-Rowdytum peinlichster Sorte.

  8. Comment von Enno | 08. Mai. 2010 um 11:06:58

    @Heinrich: YMMD!

  9. Pingback von FORMsquare – The Next Big Think? – LOGOLOOK | 10. Mai. 2010 um 19:22:05

    […] Änderungen. Und all das lässt auf nichts gutes hinweisen. Auf die ennomane.de wurde dann auch am 7.5.2010 ein Artikel verfasst, der uns eine erste Analyse aufzeigt. “Die Wahrheit über FORMsquare – eine […]


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