sofa die ennomane

September 26, 2009

Zur Wählbarkeit der Piratenpartei

Ich hatte ja schon über die Unwählbarkeit der etablierten Parteien geschrieben und die einzige Alternative in der Piratenpartei gesehen. Nun gibt es sehr viele Leute, die die Piraten prinzipiell sympathisch finden, aber zu viele offene Fragen sehen. Ich versuche mal, diese Fragen zu beantworten, auch dort, wo ich mich nicht auf das feststehende Parteiprogramm stützen kann. Dieser Artikel ist meine Sicht, er entspricht meinen persönlichen Erfahrungen mit Piraten und ihren Wählern.

Vielen ist das Programm der Piratenpartei zu schmal. Bürgerrechte schön und gut, aber was ist mit Rente, Finanzkrise oder Afghanistan? Zu vielen wichtigen Politikfeldern gibt es keine offiziellen Aussagen, und das hat auch seine Richtigkeit so. Die Piratenpartei ist gerade erst 3 Jahre alt geworden. 8000 der insgesamt 9000 Mitglieder sind erst in den letzen 4 Monaten in die Partei eingetreten. Nun legt die Partei aber allergrößten Wert darauf, dass ihre Positionen demokratisch gefunden werden. Jeder kann und soll mitreden. Selbst Nicht-Mitglieder oder sogar Mitglieder anderer Parteien dürfen selbstverständlich an den Diskussionen und der Meinungsfindung teilnehmen. Das geschieht in Ortstreffen, in den Mailinglisten und auf dem Wiki. Gruppen können sich zusammenfinden, eine Forderung formulieren und diese dann auf dem nächsten Parteitag zur Abstimmung stellen. Dieses Prinzip ist den Piraten dermaßen wichtig, dass sie darauf verzichten, von der Spitze her das Programm zu erweitern. Unsere Amtsträger haben ihre Meinungen zu vielen Politikfeldern, aber sie werden sich hüten, diese als Parteimeinung hinzustellen, solange nicht klar ist, dass die Partei auch dahinter steht.

Eine solche Meinung soll fundiert sein. Zur Willensbildung gehört, Experten anzuhören. In Sachen Netzpolitik hat die große Koalition ein Veto fast sämtlicher Experten zum “Zugangserschwerungsgesetz” einfach ignoriert und aus polittaktischen Gründen an der Entscheidung für “Zensursula” festgehalten. Gerade dagegen wenden sich die Piraten und gerade deshalb werden sie keine unfundierten Forderungen stellen. Sitzen die Piraten im Bundestag, werden sie ihr Abstimmungsverhalten an ihrem Gewissen und ihren Grundsätzen orientieren und sich enthalten, wenn sie der Meinung sind, zu einer Sache vorerst keine Meinung haben zu dürfen.

Diese Grundsätze der Piraten sind übrigens eine solide Basis, um politische Entscheidungen zu treffen. Die Piratenpartei mag noch eine Ein-Themen-Partei sein, aber ihr Thema ist fundamental für fast alle Poltikfelder. Beispiele: In der Sozialpolitik werden die Piraten die unerträgliche Gängelung und Überwachung von Hartz-IV-Empfängern bekämpfen. In der Gesundheitspoltik gilt es, das für den Datenschutz extrem gefährliche, milliardenteure Datengrab Gesundsheitskarte zu verhindern. Bürgerrechte sind auch Arbeitnehmerrechte, das heißt: Piraten werden die Arbeitnehmern nicht nur vor dem Staat sondern auch vor ihren Chefs schützen, wenn es um Überwachung und Rechteabbau geht. Außenpolitisch sind die Piraten jetzt schon bestens vernetzt weil Teil einer internationalen Bewegung. Es ist ausdrückliches Ziel der Piraten, ihre Ziele langfristig auf EU-Ebene und international durchzusetzen. In der Wirtschaftspolitik richten sich die Piraten gegen Patente und (Quasi-)Monopole. Die Macht von Großkonzernen muss beschränkt werden zugunsten kleiner und mittlerer Unternehmen, regionaler Wirtschaft, dezentralen Strukturen. Piraten würden sich energiepolitisch gleichermaßen gegen Kohle- wie gegen Kernkraftwerke engagieren und stattdessen ein Netz von regionalen Kleinkraftwerken unterstützen. Diese Auflistung ließe sich beliebig fortsetzen. Die Forderungen werden nach und nach Eingang ins Parteiprogramm finden.

Eine andere Frage: Sind die Piraten nun links oder rechts? Sie wollen keines von beidem sein und diese Aussage hat durchaus ihre Berechtigung. Der Schutz der Bürgerrechte und freie Bildung sind aus heutiger Sicht konservatives Anliegen, während die Partei in Sachen Open Source, Open Access oder Urheberrecht sehr progressiv sind. In der Wirtschaftspoltik stehen die Piraten mittig: Ja zur sozialen Marktwirtschaft: Sozialistische Anflüge werden ebenso abgelehnt wie neoliberale Deregulierung. Dass sich die Piraten gegen Monopole und für Arbeitnehmerrechte wie zum Beispiel Whistleblower-Schutz und überwachsungsfreie Arbeitsplätze einsetzen, zeigt sehr schön, dass sie nicht Teil der neoliberalen Bewegung sind.

Eine Verortung im Links-Rechts-Schema ist durchaus möglich. Man kann sich im Wiki ein Bild über die Forderungen und Haltungen der Mitglieder machen. Viele Mitglieder füllen dabei gerne einen Fragebogen aus, mit dessen Hilfe die politische Orientierung in einem Koordinatensystem zwischen links und rechts einerseits und autoritär und liberal andererseits anzeigt. Die Fragen sind international formuliert und spiegeln die Geisteshaltung jenseits der deutschen Tagespolitik wider. (Hier ein Beispiel, wie das bei mir aussieht.) Soweit ich sehen konnte, ist die große Mehrheit der Piraten linksliberal eingestellt. Viele mit denen ich gesprochen habe, vermissen den linksliberalen Flügel der FDP, der 1982 verloren gegangen ist, und sehen sich dort in der Nähe. (Natürlich gibt es auch viele Piraten, die das ganz anders sehen, ich glaube aber, die Tendenz ist klar.)

Woher kommen die Piraten? Ganz überwiegend handelt es sich um junge Menschen, die zuvor politisch nicht aktiv waren. Viele standen in der Vergangenheit vor allem den Grünen oder (etwas seltener) der FDP nahe. Interessant ist, dass immer mehr Menschen mit SPD-Hintergrund zu den Piraten stoßen. Eher selten sind Leute aus dem Lager der Linkspartei oder der CDU, was nicht weiter verwunderlich ist, stehen doch beide Parteien für ein eher autoritäres und konservatives Millieu.

Wird das Wählen der Piraten also Schaden anrichten? Mit Sicherheit nicht. Vermutlich werden sie vor allem den Grünen und der FDP ein paar Stimmen kosten. Ziemlich sicher werden viele ehemalige SPD-Wähler dieses mal die Piraten wählen. Das sind allerdings Wähler, die sonst zähneknirschend die Linke oder eher noch: gar nicht mehr gewählt hätten. Überhaupt habe ich den Eindruck, dass die Piraten viele Protest- und Nichtwähler anziehen, also Stimmen für die Demokratie zurückgewinnen, die sonst verloren gegangen wären.

Wenn sie nun dem linken Lager stimmen kosten, hilft das nicht Schwarz-Gelb? Das ist zu kurz gedacht. Zum einen: Wenn Schwarzgelb die Mehrheit der Stimmen erhält, sollen sie auch regieren. Zum anderen: Erhalten die Piraten (wie ich vermute) Millionen Stimmen, wird das allen etablierten Parteien weh tun. Dies sind Stimmen, die sie hätten haben können, wenn sie eine vernünftige Poltik in Sachen Überwachung, Präventivstaat, Bildung, Internet usw. gemacht hätten. Meine Hoffnung ist, dass dieser Stimmenverlust den etablierten Parteien langfristig so weh tut, dass sie ihre Politik ändern werden – ganz ähnlich wie  die Grünen allein durch ihre Existenz eine halbwegs vernünftige Umweltpolitik der CDU erzwangen. Eine Stimme für die Piraten ist also, egal ob über oder unter der 5%-Hürde, keinesfalls verloren. Verloren ist wirklich nur eine nicht abgegebene Stimme. Sie kommt denen zu Gute, die sowieso schon stark sind.

Und wie war das mit dem braunen Rand? Wie ich schon schrieb: Piraten können gar nicht braun sein, da sie antiautoritär eingestellt sind. §1 der Bundessatzung lautet:

Die Piratenpartei Deutschland (PIRATEN) ist eine Partei im Sinne des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland und des Parteiengesetzes. Sie vereinigt Piraten ohne Unterschied der Staatsangehörigkeit, des Standes, der Herkunft, der ethnischen Zugehörigkeit, des Geschlechts, der sexuellen Orientierung und des Bekenntnisses, die beim Aufbau und Ausbau eines demokratischen Rechtsstaates und einer modernen freiheitlichen Gesellschaftsordnung geprägt vom Geiste sozialer Gerechtigkeit mitwirken wollen. Totalitäre, diktatorische und faschistische Bestrebungen jeder Art lehnt die Piratenpartei Deutschland entschieden ab.

Ich ende nicht mit einer Wahlempfehlung. Natürlich ist völlig klar, dass für mich morgen der Vote-like-a-Pirate-Day ist ;). Was Sie, liebe Leser, wählen, interessiert mich ehrlich gesagt nicht und es geht mich nichts an. Ich habe nur eine Bitte: Gehen Sie überhaupt zur Wahl. Verschenken Sie Ihre Stimme nicht.

Postscriptum: Viele (Piraten-)Wähler haben ein Problem mit der Erststimme. Sie wissen nicht, wen sie wählen sollen. Zunächst mal: Der Wahlzettel ist auch dann gültig, wenn nur die Zweitstimme angekreuzt ist. Das halte ich aber für eine schlechte Idee. Es steht zu befürchten, dass CDU und FDP nicht auf genügend Stimmen kommen, aber dank der Überhangmandate trotzdem regieren können, weil massenhaft CDU-Kandidaten die Erststimme holen. Eine Praxis, die bereits vom Verfassungsgericht als verfassungswidrig eingestuft, aber noch nicht geändert wurde. Hier doch eine kleine Wahlempfehlung: Wählen Sie den aussichtsreichsten Nicht-CDU-Kandidaten. Vielleicht hilft es ein wenig, das ganze geradezurücken. Eine Art besserer Wahl-O-Mat, der auch die Kandidaten für die Erststimme berücksicht, finden Sie unter wen-waehlen.de.

Kommentare

  1. Kommentar von Andreas | 26. Sep. 2009 um 18:26:24

    Ich verrate dir was: Auch für mich ist morgen der Vote-like-a-pirate-day ;-)
    Aber psst, nicht weitersagen, sonst macht das noch jeder…

  2. Kommentar von votelikeapirateday.com | 26. Sep. 2009 um 18:31:53

    Ich hoffe nicht nur für uns ist morgen votelikeapirateday.com!

  3. Kommentar von thomas | 26. Sep. 2009 um 18:35:42

    Wie derzeit öfter ein erstklassiger Artikel den man als Piratenwähler uneingeschränkt unterzeichnen kann. Die einzige Frage die meiner Meinung bleibt und die mir etwas Unbehagen bereitet ist: Welchen Schutz hat die Piratenpartei davor, einer linken oder rechten Schieflage zum Opfer zu fallen – also eine Art ideologische Übernahme. Die Piratenpartei macht den Eindruck unter 5% gekonnt auf Messers Schneide balancieren zu können – aber wenn in ein paar Jahren 10% erreicht sind?
    Andererseits nimmt in Parteienspektrum die Piratenpartei ein bisschen den Platz der FDP vor den Grünen ein. Vor den Grünen war die FDP durchaus auch links – seit den Grünen praktisch bürgerlich und rot-gelb (unter Westerwelle) praktisch undenkbar. Was meint ihr dazu? Ich glaube die FDP war in der direkten Nachkriegszeit auch ein bisschen piratig (Aber nur da!).

  4. Kommentar von Enno | 26. Sep. 2009 um 18:41:38

    @thomas Der Schutz besteht zum einen ideologisch: Rechtsextremismus ist eine Ideologie, wie sie in ihrer Festgefahrenheit schon als solche von Piraten abgelehnt wird. Extremismus jeder Form ist mit den Grundsätzen der Partei nicht vereinbar. Natürlich gibt es Versuche bestimmter Gruppen, in der Partei Einfluss auszuüben. Es dürfte jedoch schwierig werden, rechts- oder linksextreme Programmatik auf einem Parteitag durchzusetzen. Außerdem gehöre ich zu einer lose Gruppe von Piraten, die gegen Mitglieder mit Extremistischem Gedankengut (besonders nach rechts) innerparteilich anarbeitet.

  5. Kommentar von Enno | 26. Sep. 2009 um 18:45:37

    @thomas Die FDP hatte schon immer ein nationalliberales Lager. (Nationalliberalismus war übrigens mal was total progressives, ist aber leider ca 150 Jahre… *g*)

    Ich glaube, dass die Grünen nur in ihr Linkssein reingerutscht sind, weil sie mit Friedensbewegung und Nach-68er usw. zusammenfielen. Die Grünen waren schon immer eine bürgerliche Partei, in der sich die Kinder der Bürgerlichen ausgetobt haben. Einfache-Leute-Kinder wie Cem Özdemir fallen mir bei den Grünen nur wenige ein. Die Kernanliegen der Grünen sind in jeder Hinsicht wertkonservativ. Die Technikfeindlichkeit (und auch der Hang zur Esoterik) bestimmter grüner Gruppierungen ist alles, bloß nicht progressiv. Übrigens hatten damals auch die Grünen mit “weder links noch rechts” angefangen…

  6. Kommentar von Benni Bärmann | 26. Sep. 2009 um 19:03:04

    Danke für die Anregung mal den politischen Kompass der Piraten anzugucken. Praktischer Link dafür: http://wiki.piratenpartei.de/Kategorie:Benutzer_hat_politischen_Kompass

    Interessant fand ich, dass alle im grünen Bereich (links-libertär) waren bis auf drei Ausnahmen und die waren Geschäftsführer oder Unternehmer. Das Sein bestimmt halt doch das Bewußtsein ;-)

  7. Kommentar von Garfield | 26. Sep. 2009 um 19:18:44

    Guter Beitrag, allerdings ist mir der Punkt, daß man ev. schwarz-gelb bekommt, wenn man die Piraten wählt, zu lachs abgehandelt worden, denn das wollen viele nicht, und darum klann ich die Piraten, zumal in Düsseldorf, wo sie von den ziemlich erz- und nationalkonservativen FW unterstützt werden, nicht wählen. Dankbar bin ich den Piraten für die Diskussion rund ums Internet, denn das war mehr als überfällig, daß sich eine breitere Öffentlichkeit damit beschäftigt, die sich nicht gewahr zu sein scheint, welche immensen Veränderungen das für die Zukunft mit sich bringen wird. Ich bin zwiegespalten, aber wünsche den Piraten alles Gute, und daß sie sich deutlich von rechts (auch der demokratisch gesinnten Rechten) abgrenzen können.

    Bleibt unangepasst!

  8. Kommentar von Thomas | 26. Sep. 2009 um 19:21:50

    eine vernünftige Poltik in Sachen Überwachung, Präventivstaat, Bildung, Internet usw.

    Das Problem ist halt, daß das “usw.” noch sehr dünn ist. Sollten die Piraten derzeit in den Bundestag kommen, wäre das meinesachtens ihr Ende. Denn wenn man zu 95 % der politischen Themen und der dann kommenden Arbeit keine Meinung hat, empfiehlt einen das nicht unbedingt weiter. Als Vertreter einer konkurrierenden Partei müßte ich mich darüber dann freuen – als jemand, der mit den Kernthemen der Piraten sympathisiert, sieht das schon wieder anders aus. Von daher wünsche ich den Piraten eher ein Ergebnis in der Gegend von 2 bis 3 % – genug, um den etablierten Parteien lästig zu sein, aber nicht so viel, daß man in die Verlegenheit kommt, Mandate ausfüllen zu müssen.

  9. Kommentar von kleiner_Baum | 26. Sep. 2009 um 19:22:34

    Mich hat es anfangs auch gestört, dass die Piraten zu vielen wichtigen Themen keine Angaben machen bzw. keine öffentliche, für die Partei gültige, Meinung haben.
    Trotzdem finde ich dieses Verhalten durchaus als richtig. Bis vor kurzem war das Interesse an den Piraten und deren Mitgliederzahl eher gering. Somit fehlten der Partei auch die Fachleute, die fundamentierte Kenntnisse über andere Bereiche haben. Daher ist es richtig, über Themen, zu denen man nicht über die nötigen Kenntnisse verfügt, vorerst keine (öffentliche) Meinung zu haben.
    Damit gibt aber auch zusammen mit seiner Stimme den Piraten einen Vertrauensvorschuss im Hinblick auf die richtigen Entscheidungen bei diesen Themen, vorausgesetzt man entscheidet sich dazu, die Piraten zu wählen.

    Was ist jetzt besser / schlimmer? Eine Partei zu wählen, von der man weiß, dass die Wahlversprechen schon fast traditionell nicht eingehalten werden oder die Wahl einer Partei, die offen zugibt in einigen Bereichen zur Zeit nicht über die notwendigen Fachkenntnisse zu verfügen und daher dazu keine Angaben macht?

    Schlimmer machen kann man die derzeitige Regierungs-Situation durch die Wahl der Piraten – meiner Meinung nach – nicht. Ich jedenfalls möchte mich gerne davon überzeugen lassen, dass Politik nicht länger gleichbedeutend mit Lügen ist. Daher werde auch ich wohl zusammen mit meiner Stimme einen Vertrauensvorschuss abgeben und hoffe, dass die Piraten es besser machen, als das, was wir bisher in Berlin gesehn haben.

  10. Kommentar von German Psycho | 26. Sep. 2009 um 19:26:22

    Dieses Überhangsmandatsgeschrei versteh ich ja überhaupt nicht. Da haben wir wenigstens EINE Wahl, die nicht über Listen und Parteibürokratie funktioniert, und dann ist es auch wieder nicht recht.

    Das Verfassungsgericht hat übrigens überhaupt nicht entschieden, daß Überhangsmandate per se verfassungswidrig seien – das wäre auch hanebüchener Unsinn! Sie haben damals nur die sehr merkwürdige BERECHNUNG der Überhangmandate bemängelt.

    Außerdem ist es schon erstaunlich, daß diese Überhangsmandate erst in die Kritik kommen, seit sie dem bürgerlichen Lager nützen. Als sie noch vor allem der SPD nutzten, gab es komischerweise kein so großes Geschrei.

    Nochmal: Überhangmandate sind per se überhaupt nicht verfassungswidrig und sollten von uns eigentlich BEGRÜSST werden. Immerhin wählen wir hier Menschen und keine bürokratisch erstellten Parteilisten. Vielleicht wäre es sogar zu überlegen, viel MEHR auf Direktwahlen von Personen zu setzen als diesen ganzen verfilzten Parteienapparat auch noch zu stärken.

    Und all das nur, weil die Überhangsmandate, eine, wie oben beschrieben, durch und durch POSITIVE Sache, EINMAL dem politischen Gegner nutzt.

  11. Kommentar von Chris | 26. Sep. 2009 um 20:02:57

    Ein schöner Beitrag, Danke für Deine Mühe!

    Für mich ist eins im Leben klar geworden:
    “You never change things by fighting the existing reality.
    To change something, build a new model that makes the existing model obsolete”
    - Buckminster Fuller

    Deshalb wähle ich die Piraten und freue mich schon auf die kommenden vier Jahre und ihre Entwicklung.

  12. pem
    Kommentar von pem | 26. Sep. 2009 um 20:44:42
  13. Kommentar von Lars Trebing | 26. Sep. 2009 um 23:11:15

    Lieber Herr German Psycho aus Kommentar Nr. 10,

    Außerdem ist es schon erstaunlich, daß diese Überhangsmandate erst in die Kritik kommen, seit sie dem bürgerlichen Lager nützen. […] Und all das nur, weil die Überhangsmandate, eine, wie oben beschrieben, durch und durch POSITIVE Sache, EINMAL dem politischen Gegner nutzt.

    Darf ich einen Blick ins Geschichtsbuch oder alternativ in die freie Enzyklopädie empfehlen? Seit 1949 gab es bei sechs Bundestagswahlen (erstmals 1953) mehr Überhangmandate für die CDU als für die SPD und bei fünf Bundestagswahlen mehr Überhangmandate für die SPD als für die CDU. Die Einschätzung, daß Überhangmandate bisher noch nie dem »konservativen Lager« genützt hätten, halte ich insofern für unzutreffend.

  14. Kommentar von VolkerK | 27. Sep. 2009 um 02:08:03

    Enno, schön zusammengefasst. Den lagerfreien Standpunkt halte ich aber aus Marketinggründen für falsch. Weil: Wir identifizieren uns als Person mit einem Etwas, nicht mit einem nicht-Etwas. Ich bin nicht rechts, nicht liberal, aber links. Das, also das Bekenntnis zu eher links als rechts, war auch für die Grünen ein Problem. Sie kriegten die Kurve mit der Bezeichnung als “Wertekonservativ”. Das seid Ihr Piraten auch. Wertekonservativ: Die Bürgerrechte sind Werte, die Ihr “in den Grenzen von 1949″ verteidigt. Und das ist gut so.
    Um politisch mehr als eine Randerscheinung zu sein müsstet Ihr das mit dem Lager schon deshalb manifestieren, damit Ihr Koalitionspartner findet. Rot-Rot-Grün-Piraten wäre eine Konstellation, der ich was abgewinnen könnte.
    Zum Thema “Basisdemokratie in einer diversifizierten Partei” kann ich gerne als leidenschaftlicher Grüner was liefern, was Euren Enthusiasmus vielleicht auf den Boden zurück holt. Können wir auf FB machen ;-) Ich sag nur: Wo es dogmatisch wird ist Demokratie fehl am Platz. Punkt.
    So, ich bin auch gespannt, was Sonntag rauskommt. Und wieviele von Euch reinkommen. In den Reichs… äh… Bundestag (der Kalauer musste angesichts der Uhrzeit einfach sein).

  15. Kommentar von Stefan | 27. Sep. 2009 um 10:44:47

    German Psycho (Kommentar X) hat recht, wenn er sagt, dass Überhangsmandate nicht verfassungswidrig sind. Was als Problem erkannt und dargestellt wurde, ist die Tatsache, dass man durch die Verrechnung von Überhangmandaten und Listenplätzen durch mehr Stimmen weniger Sitze erhalten kann.

    Auf einer englischesprachigen Seite habe ich ein Rechenbeispiel gefunden:
    http://berlinerstrasse.net/article/full/discussions-about-the-german-voting-system

    Das ganze nennt sich “Negatives Stimmgewicht”: http://de.wikipedia.org/wiki/Negatives_Stimmgewicht_bei_Wahlen

  16. Kommentar von xephir | 27. Sep. 2009 um 10:52:21

    Danke für deinen persönlichen Einblick in die Struktur der Piratenpartei.

  17. Kommentar von Hanns Blunck | 27. Sep. 2009 um 12:16:55

    gerade diese direkte demokratie, die bei den piraten praktiziert wird, hat mich veranlasst, vor kurzem selbst pirat zu werden. vielmehr jetzt parteipolitisch das zu sein, was im in meinem herzen immer war, nämlich ein kämpfer gegen unrecht und für die witwen und waisen! nachdem ich jetzt seit 1969 immer mitglied einer politischen partei war, habe ich endlich einen zusammenschluss gefunden, für den mein herz brennt!

  18. Kommentar von Enno | 27. Sep. 2009 um 14:13:49

    @Volker die Lagerfreiheit stört mich ja auch. Wenn ich schreibe “das ist berechtigt”, heißt das ja nicht “das finde ich gut”. Ich schreibe dann ja im folgenden, dass ich die Piraten linksliberal verorte und warum ich das tue. Ich denke, das Bild wird sich über längere Sicht auch in der Öffentlichkeit so abgeben.

  19. Kommentar von mahrko | 27. Sep. 2009 um 22:48:49

    Ich les zwar erst jetzt den Artikel, aber hab genauso gewählt. Erststimme an SPD, aber eigentlich hättest du sie verdient gehabt. Wenigstens meine Unterschrift hattest… erinnerst dich vllt noch an meinen Absender ^^

    @mahrko

  20. Kommentar von German Psycho | 28. Sep. 2009 um 11:51:05

    Lieber Lars Trebing (XIII), nun, man kann die Werte so interpretieren wie Sie, oder so, daß seit 1998 die Überhangmandate der SPD nutzten und erst 2009 der CDU.

    Egal, wie herum man es betrachtet: Die Überhangmandate sind nun einfach mal per se nicht verfassungsfeindlich. Und diese verkürzte Darstellung des BVerfG halte ich für absolut gefährlich.

    Gerade die Piraten haben immer wieder betont, wie wichtig es ist, die Faktenlage zu kennen, bevor man politische Aussagen tätigt. Wie eben bspw. beim Zugangserschwerungsgesetz.


Kommentar hinterlassen: