sofa die ennomane

28. Juni 2009

Die Piratenpartei vs. Sascha Lobo

Derzeit ergießen sich Zorn und Entrüstung über Sascha Lobo: Mitglieder und Sympathisanten der Piratenpartei sind wütend auf ihn, weil er sich immer wieder im Fernsehen gegen die Piraten äußert. Ausgerechnet er: die Galionsfigur, der „Internetminister“. Sie empfinden das als Verrat, sie denken: „wie kann er nur“.

Dabei übersehen sie eine Kleinigkeit: Sascha Lobo ist nicht nur ein begnadeter Selbstvermarkter und Internet-Lobbyist, sondern ganz vor allem auch Werber und PR-Berater. Als solcher war er nicht nur für die SPD tätig, sondern angeblich auch für rund ein drittel der DAX-Unternehmen. Unter anderem ist er für die MTV-Kampagne für „Popetown“ verantwortlich und dergleichen mehr.

Das bedeutet zum einen: dass er als „Digitaler Bohemien“ durchaus viel „Piratiges“ von sich gibt. Zum anderen aber: dass er kein Pirat ist und auch nicht sein kann. Er würde seine eigenen Brötchengeber in die Hand beißen. Vielleicht ändert sich das in Zukunft, aber so lange Sascha Lobo u.a. von den Einnahmen seiner Bücher lebt und auf der Gehaltsliste diverser Medienhäuser steht, wird er die Piratenpartei vor allem in der Urheberrechtsfrage immer kritisieren und angreifen. Das ist sein gutes Recht.

Bei all dem ist sichtbar, dass er sich sichtlich müht, die Balance zu wahren. Sein ZDF-Interview steht unter dem Tenor, die Piratenpartei sei ein „Warnschuss an die Politik„. Nur in einem Teil des Interviews äußert er sich kritisch zur – Taddaaaa! – Urheberrechtsfrage und behauptet, die Piraten böten hier kein Konzept an. Wen eigentlich sollte das überaschen? Dass das ZDF dann nur genau diese Passage aus dem Interview in Berlin Direkt ausstrahlt, führt nur die Medienmaschine vor Augen. Sowas nennt man Gegenwind. Die Piraten wollten politischen Kampf. Jetzt haben sie ihn.

P.S.: Gerade Kulturschaffende haben Angst vor Filesharing und dem ganzen Zeugs. Gerade sie stehen unabhängig von irgendeiner Medienindustrie den Piraten sehr kritisch gegenüber. Gerade sie verdienen tragfähige Konzepte und Überzeugungsarbeit.

Update: Ich bin Mitglied der Piratenpartei, versuche aber Blog und Parteipolitik getrennt zu halten. Aber: Ganz im Gegenteil: Wir haben Konzepte. Sogar sehr gute. Wir agieren aber nicht im luftleeren Raum und müssen uns mit jeder Kritik auseinander setzen, egal ob sie polemisch oder ernsthaft gemeint ist. So ist nunmal Politik.

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Kommentare

  1. Comment von tristessedeluxe | 28. Jun. 2009 um 20:48:24

    Wiedermal gut auf den Punkt gebracht. Neben der Urheberrechtsfrage sind selbstverständlich noch viele weitere politischen Fragen bei den Piraten ohne Konzept. Aber darum geht es ja zunächst gar nicht, wenn ich das richtig verstanden habe.

  2. […] RT @ennomane:Soeben gebloggt: "Piratenpartei vs. Sascha Lobo" http://u.nu/48gf […]

  3. Comment von NOiZEE | 28. Jun. 2009 um 20:56:16

    Es stimmt schon, bis zur Bundestagswahl muss bei den Piraten noch einiges passieren, wenn sie die 5% – Hürde knacken wollen. Aber ich denke, dass ist ihnen auch bewusst und sie werden es umsetzen.

  4. Comment von Daniel Schultz | 28. Jun. 2009 um 20:57:00

    dazu passend das Beispiel von Amanda Palmer:

    http://tinyurl.com/gulli-amanda-palmer

    Meine Meinung zu sogenanntem „geistigen Eigentum“:

    http://tinyurl.com/schraeger-als-fiktion

  5. Comment von westernworld | 28. Jun. 2009 um 20:59:10

    herr lobo erinnert mich immer mehr an erwin aus „herr lehmann „.

  6. Pingback von Lesetipps zum Thema Zensur im Internet | Arcance.net | 28. Jun. 2009 um 20:59:46

    […] Die Piratenpartei vs. Sascha Lobo – Reaktion auf den Beitrag im ZDF (Video) “[…] die Piratenpartei sei ein “Warnschuss an die Politik“. Nur in einem Teilen des Interviews äußert er sich kritisch zur Urheberrechtsfrage […] Dass das ZDF dann nur genau diese Passage […] austrahlt, führt nur die Medienmaschine vor Augen. Sowas nennt man Gegenwind. Die Piraten wollten politischen Kampf. Jetzt haben sie ihn.” […]

  7. Comment von Julia Reda | 28. Jun. 2009 um 21:03:00

    @tristessedeluxe: Aus dem Blog kann man durchaus auch entnehmen, dass Sascha Lobo ein Interesse daran hat, es so erscheinen zu lassen, als habe die Piratenpartei keine Konzepte zum Urheberrecht. Tatsächlich gibt es die Konzepte hier:

    http://wiki.piratenpartei.de/Kategorie:K%C3%BCnstlerverg%C3%BCtung

    Du kannst dich natürlich auch mit eigenen Ideen beteiligen, Input ist immer gut!

    Julia

  8. Comment von Antiboheme | 28. Jun. 2009 um 21:06:28

    Künstliche Hypes erforden künstliche Kommentatoren.

  9. Comment von thomas | 28. Jun. 2009 um 21:16:04

    dass die piraten die 5% hürde knacken ist wunschtraum. und der wird auch 2013 nur in erfüllung gehen wenn sich einiges ändert. die piraten arbeiten ja nicht mal gegen das alles-kostenlos-anarchisten-image. klar stimmt das nicht, aber dass ist doch den medien und der bevölkerung egal.

  10. Comment von Florian | 28. Jun. 2009 um 21:21:14

    „Aber darum geht es ja zunächst gar nicht, wenn ich das richtig verstanden habe.“

    Um was geht es dann? Und warum schreibt man es sich auf die Fahne, wenn es nicht darum geht?

    Und auch meiner Meinung nach hat die Piratenpartei kein überzeugendes Konzept zu bieten und hätte sich mal den ganzen Mist mit dem Urheberrecht ersparen sollen in ihrem Programm. Was da teilweise steht, hört sich an wie Hippie-Utopien.

  11. Comment von creezy | 28. Jun. 2009 um 21:22:52

    Ich frage mich allerdings wirklich, wie ist denn Euer Konzept hinsichtlich des Urheberrechts? Mir ist nämlich auch noch nicht ganz klar, wovon ein Künstler – ich bin Fotografin – leben soll, wenn Eure Ideen umgesetzt würden.

  12. Pingback von Die Piratenpartei vs. Sascha Lobo | // TBDTTT | 28. Jun. 2009 um 21:30:24

    […] = 'thafaker';Jener Text erscheint mir durchaus sehr schlüssig und beachtenswert. Ennomane hat nämlich gut auf den Punkt gebracht, warum sich Sascha Lobo und die Piratenpartei einfach gar […]

  13. Comment von Freiheit | 28. Jun. 2009 um 21:32:44

    Ich finde die Piraten sollten sich auch erst mal voll auf Zensur, Überwachung usw. konzentrieren. Natürlich ist auch das Urheberrecht eine wichtige Sache, aber für mich im Moment nicht die wichtigste. Im Zusammenhang beim Urheberrecht geht es mir gar nicht so sehr um das freie kopieren, sondern das dort mit einem einem angemessenem Maß an Sanktionen vorgegangen wird, bzw. besser keien Sanktionen, aber as ist ein anderes Thema. In dem Zusammenhang finde ich es nur wichtig das man klar man das selbst für den schlimmsten Filesharer der Entzug des Internet eine absolute unverhältnissmässig starke Einschränkung der Freiheit darstellt. Internet ist für viele Informationsquelle, Einkaufsparadies, selbst das TV kommt über das Internet. Landwirte brauchen das Internet um ihre Tiere ordentlich in den Überwachungsapperatur einzuspeisen usw. Internetsperre ist für mich mit Hausarrest, ohne TV, Radio, Zeitung und Möglichkeit zum Einkaufen vergleichbar. Leider ist das wohl noch nicht überall angekommen, dass es auch Menschen gibt die für die Arbeit, Studium auf das Internet angewiesen sind und es nicht nur ein böses Raubkopierparadies ist. Bei einem Ladendiebstahl der ja immer so gerne als vergleich herangezogen wird, besteht die Strafte ja auch nicht daran einem das Auto und den Fernseher wegzunehmen.
    Meine Argumentenation braucht noch ein par bessere Argumente aber so ist es halt. Für alte Säcke die das Internet nur gedruckt kennen mag das ja ganz anders aussehen. Aber ich möchte die mal sehen, wenn die weder Post noch Telefon benutzen dürfen und somit alle Nachrichten persönlich übermitteln dürfen.

    Mal davon abgesehen das der Herr Lobo aus den oben genannten Gründen wohl in gewissen Bereichen eine andere sein muss finde ich seine Ausführungen doch immer wieder interessant.

  14. Comment von Freiheit | 28. Jun. 2009 um 21:39:01

    @creezy Die Frage stelle ich mir auch. Selbst in dem Programm der Piraten hab ich da keine konkrete Antwort zu gesehen. ich bin nur der Meinung es muss ein gesundes Verhältniss zwischen Urhebern und Nutzern geben. So das der Urheber an seinen Werken verdient, evtl. sogar mehr verdient als jetzt. Der Nutzer jedoch die Freiheit diese Werke auch wieder kreativ zu verwerten, dass heisst meiner Meinung nach nicht das z.B. Filme einfach so runerladbar sein sollten.

    Momentan ist es aber wohl eher so das die Industrie alle Möglichen Nutzungs und Verwertungsrechte hält und nur die Interessen im Vordergrund stehen und gar nicht der immer vorgeschobene Künstler. Da muss angesetzt werden. Auch wenn ich schon der Meinung bin, dass ein Nutzer das Recht zu Nutzung eines Films oder Musikstückes kaufen sollte, finde ich das dieses ohne weitere Enschränkungen möglich sein sollte. Warum kauft man sich einen Film, wenn man sich mit 5 Hinweisen über böse Raubkopierer, drei nciht abschaltbaren Trailern belästigen lassen muss und dann das ganze aufgrund eines vermurksten Kopierschutzes nicht im eigenen DVD Player läuft, wenn der Raupkopierer diese ganzen Nachteile nicht hat. Wenn ich mir eine DVD kaufe und das tue ich gerne, und eigentlich viel zu oft, dann mache ich das nicht mit der Absicht diese zukopieren und somit werde ich als Käufer im vergleich zum Filesharer noch bestraft.

  15. Comment von Marcel Weiß | 28. Jun. 2009 um 21:42:25

    „Nur in einem Teilen des Interviews äußert er sich kritisch zur – Taddaaaa! – Urheberrechtsfrage und behauptet, die Piraten böten hier kein Konzept an. “

    Die Urheberrechtsfrage, die nun mal einer der Kernpunkte der Partei sein soll, ist im Parteiprogramm völlig hanebüchen dargelegt.
    Z.B.:

    „Systeme, welche auf einer technischen Ebene die Vervielfältigung von Werken be- oder verhindern („Kopierschutz“, „DRM“, usw.), verknappen künstlich deren Verfügbarkeit, um aus einem freien Gut ein wirtschaftliches zu machen. Die Schaffung von künstlichem Mangel aus rein wirtschaftlichen Interessen erscheint uns unmoralisch, daher lehnen wir diese Verfahren ab.“

    „unmoralisch“? Was ist das denn für eine Begründung?

    Auch wenn ich vielen Forderungen der PP zustimme, so sind die Kommunikation und die Argumentationen und Begründungen dahinter fast immer extrem schwach. So wird das leider überhaupt nichts.

    Anstatt bei Sascha Lobo krampfhaft nach Beweisen für eine angebliche Befangenheit (Popetown? Ernsthaft? wie viele Jahre ist das jetzt her?) zu suchen, wäre es besser, die Kritik ernst zu nehmen und daran zu arbeiten. Ich sehe das ähnlich wie Lobo.
    Die Piratenpartei erzeugt bei mir zur Zeit vor allem Enttäuschung.

  16. Comment von admin | 28. Jun. 2009 um 21:48:57

    Liebe Leute, ich werde in der nächsten Zeit dazu noch einiges sagen und bloggen, aber bitte um Verständnis, dass mein Blog meine PRIVATE Meinung widerspiegelt und nicht das Zentralorgan der Piratenpartei ist. Wenn ich mit meiner Partei über kreuz liege, werde ich kein Blatt vor dem Mund nehmen und eine gewisse innere Unabhänigkeit bewahren.

    Zur Diskussion zwei Punkte: Datenschutz, Urheberrecht, Netzneutralität usw waren von Anfang an DIE zentralen Punkte der Piratenpartei. Wir können, wollen und werden uns nicht bloß auf Zensursula konzentrieren. Wir werden ja schon kritisiert, dass unser Programm zu anderen Politikfeldern (noch) nichts hergibt.

    Zum anderen: Die Piratenpartei kann und will ein Sprachrohr der „Internetgemeinde“ sein. Innerhalb der Partei ist unglaublich viel im Fluss. Wenn Ihr also z.B. in Sachen Urheberrecht eine anderen Meinung habt aber sonst die Piraten sinnvoll und richtig findet, dann macht mit. Bringt Euch ein. Wir haben gerade unsere Mitgliederzahl verdreifacht, aber wir sind immer noch eine kleine Partei mit kurzen Wegen. Hier könnt Ihr was bewegen, was über die übliche Parteien-Ochsentour noch nicht geht.

    Zum Urheberrecht selbst: Soweit ich meine Mitpiraten kenne und alles bisher verfolgt habe, sieht das Parteiprogramm sehr wohl eine Vergütung für Urheber vor, z.B. über eine Abgabe auf Internet-Anschlüsse. Es gibt einen Teil, der für eine völlige Freigabe ist. Mein Bild ist bisher, dass dieser Teil deutlich in der Minderheit ist. Bei den Grünen haben sich ja auch nicht die Fundis durchgesetzt und Extrempositionen sind im Diskurs absolut nötig, um die Grenzen einer Diskussion zu finden und die Mitte für einen Ausgleich zwischen den verschiedenen Interessengruppen.

  17. Comment von Boomel | 28. Jun. 2009 um 21:51:56

    Ich identifiziere den Kerle als absolut witzigen und auch sehr gescheiten (bayerisch für intelligent) Menschen.

    Der will eigentlich das richtige:

    Kompetenz und Verständnis in die großen Parteien tragen. Das Problem wird nur sein , das dies ein Generationstausch ist der mehrere Jahre (ich schätze 20) dauert!

    Der Gegenwind kommt erst noch! Lasst euch nicht irre machen :)

    Und für die Schaffenden allgemein:

    Habt nicht soviel Angst davor! Da wird sehr viel nachteiliges suggeriert, das meiste stimmt so nicht. Der Schaffende hat schon immer in der Geschichte einen guten Stand gehabt. Diese Regel wird vermutlich auch nicht in einem Informationszeitalter gebrochen!

    Wichtiger ist aber wo ihr hinwollt, die Schaffenden (Künstler) waren doch immer die Freiheitsliebenden, oder hab ich geschichtlich etwas nicht verstanden?

  18. Comment von admin | 28. Jun. 2009 um 21:55:04

    Parallel läuft ja viel auf Twitter. Wenn die einen glauben, ich bashe Sascha Lobo, während die anderen glauben, ich bashe die Piraten, muss ich ja einen Nerv getroffen haben…

    @Marcel Weiß Jawohl, die moralischen Gründe gibt es. Und seit mittlerweile Jahrzehnten eine philosophische Diskussion. Auch das wäre ein Thema, dies näher zu bloggen. Die LINKE, Gründe oder SPD legen in ihrem Parteiprogramm ja auch nicht die Inhalte der Frankfurter Schule dar…

  19. Comment von Dbenzhuser | 28. Jun. 2009 um 21:56:26

    Ich muss ganz klar sagen, was mich bisher von einem Beitritt zur Piratenpartei abgehalten hat ist das Thema Urheberrecht. Was auf der Piraten-Homepage dazu steht ist übelstes nichtssagendes Gewäsch. Wenn man nichts zu sagen hat … Nuhr hilft. Das sah man auch im Phoenix-Interview. Dirk konnte beinahe überall was sinnvolles erwidern. Beim Urheberrecht scheint ihm aber mitten im Gespräch klar geworden zu sein, dass er keine sinnvolle Position hat.
    Daher: Schmeißt das ziellose Gefasel raus, oder schreibt _konkret_ wie ihr euch die Änderungen am Urheberrecht vorstellt. Bei dem Punkt entscheiden sich momentan extrem viele potentielle Wähler gegen die Piraten, und zwar nicht nur die „uniformierten“. Ganz im Gegenteil.

  20. Comment von M. Ensch | 28. Jun. 2009 um 21:56:34

    Ein gutes Blog zeichnet sich dadurch aus, dass man am liebsten alle Artikel verlinken möchte :-)

    Vielen Dank für den exzellenten Text! *Scheibe abschneid*

  21. Comment von Martin | 28. Jun. 2009 um 22:25:53

    Naja, hier wurde ja bereits mehrfach richtigerweise angemerkt, dass die Piraten im Grunde ein Konzept für die Vergütung der Urheber haben (Kulturflatrate). Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob das alle aktiven Piraten ebenfalls so sehen. Ich habe nun in verschiedenen Runden / Interviews ( Hr. Hillebrecht in „Unter den Linden“ und die Abgeordnete der Schweden im Interview in der FAZ Sonntagszeitung) Kommentare gelesen und gehört, die auf das Kostenloskopieren zielen. Bis hin zu meinem Lieblingsverabscheuungsargument: Wenn’s mir nicht gefällt hätte ich’s eh nicht gekauft… Wie beknackt ist das denn….
    Versteht mich nicht falsch. Ich bin durchaus für die Piraten, aber mancher Offizielle muss dringend am „wording“ arbeiten…

  22. Comment von Leyenhaft | 28. Jun. 2009 um 23:00:49

    Hat sich eigentlich mal einer http://wiki.piratenpartei.de/Kategorie:K%C3%BCnstlerverg%C3%BCtung angeguckt, oder warum kommen hier immer noch die selben Kommentare, dass bei den Piraten nichts gescheites stehen würde? Informiert ihr euch? Lest ihr das Bundestagsprogramm und arbeitet mit? Oder schaut ihr euch die Startseite an und geht wieder? Dann wundert es mich nämlich nicht, was hier so behauptet wird.

  23. Comment von Sascha Lobo | 28. Jun. 2009 um 23:28:39

    Vielen Dank ersteinmal für den Artikel, der im Ton das ist, was ich mir von der gesamten Piratenpartei wünschen würde. Auf die Kritik, die ich bisher geäussert habe, wurde eher beleidigt-kindergartig reagiert, besonders nach dem 3sat-Kulturzeit-Beitrag vor einigen Wochen und zwar leider auch von in der Piratenpartei maßgeblichen Leuten. Wenn dieser Gegenwind von Euch nicht ertragen wird, dann wird es sehr, sehr schwer für Euch in der Politik und den Medien.

    Jetzt zum Inhalt.

    Wenn ich mir das Programm der Piratenpartei ansehe, also den Kern der Partei, dann fallen mir zum Thema Urheberrecht/Verwertung zwei Passagen auf, die ich zitieren möchte:

    „Im Allgemeinen wird für die Schaffung eines Werkes in erheblichem Maße auf den öffentlichen Schatz an Schöpfungen zurückgegriffen. Die Rückführung von Werken in den öffentlichen Raum ist daher nicht nur berechtigt, sondern im Sinne der Nachhaltigkeit der menschlichen Schöpfungsfähigkeiten von essentieller Wichtigkeit.“

    „Positive Effekte der von uns geforderten Änderungen sollen im vollen Umfang genutzt werden können. Mögliche, aber nicht zu erwartende negative Nebenwirkungen müssen bei deren Auftreten nach Möglichkeit abgemindert werden.“

    Diese Passagen empfinden die meisten, die von der Verwertung ihrer Werke leben möchten, als Hohn. „.. nicht zu erwartende negative Nebenwirkungen“? Ist das Euer Ernst? Sind Euch die nicht völlig unberechtigten Sorgen der Musiker, der Schriftsteller, der Filmemacher völlig egal? Selbst, wenn sie zu einem Teil aus einer gewissen Uninformiertheit entstanden sind?

    Auch, wenn ich aus dem Parteiprogramm heraus in die Bereiche hinschaue, die explizit NICHT offizielle Aussagen der Piratenpartei sind ( http://wiki.piratenpartei.de/Kategorie:K%C3%BCnstlerverg%C3%BCtung ), und deshalb von mir auch nicht als massgeblich bewertet werden können – dann finde ich dort Modelle wie die „Alternative Künstlervergütung“, die im Prinzip auf freiwilligen Spenden beruht. Spenden als Geschäftsmodell empfinde nicht nur ich als unwürdige Bettelei. Mit dem Vorschlag GEMA 2.0 sieht es nicht besser aus, denn ich kenne kein Topf-System, das ausreichend gut funktioniert, damit nicht die Erben von Michael Jackson eine neunte Villa kaufen, sondern die Band aus Berlin-Neukölln davon ihre Miete zahlen können. Das sind für mich nicht die Konzepte, denen ich die Zukunft der Kulturfinanzierung anvertrauen will. Ebensowenig übrigens wie eine Kulturflatrate, bzw. die dafür im Gespräch befindlichen Modelle.

    Dass mit der Musik- und Content-Industrie sehr, sehr viel im Argen ist, ist keine Frage. Das Urheberrecht und die angeschlossenen Verwertungsmechanismen müssen, wie ich öfter betont habe, dringend und grundlegend reformiert werden, damit dieser Komplex im 21. Jahrhundert und der Digitalen Gesellschaft ankommt. Aber dass ich als Künstler, zum Beispiel als Musiker, mein Werk direkt verkaufen kann – daran führt für mich kein Weg vorbei. Diesem Ziel steht übrigens niemand im Moment mehr im Weg als die Musikindustrie selbst.

    Nur wenn ich mit einzelnen Mitgliedern der Piratenpartei gesprochen habe, dann hat sich der Eindruck verstärkt, der im Parteiprogramm alles andere als widerlegt wird und in den Diskussionen im Netz auch nicht: Das Produkt, das Künstler schaffen, wird nicht als kaufbares Produkt anerkannt. Stattdessen versucht man, auf Krampf Methoden zu finden, wie kostenloses Downloaden irgendwie über Bande doch den Künstlern Geld bringen könnte. Das halte ich für falsch. So wird die Piratenpartei niemals eine breite Mehrheit der Kulturschaffenden überzeugen können.

    Das Argument, dass im Moment der Künstler in den meisten Fällen sowieso halb enteignet wird (stimmt) und selten davon leben kann (stimmt leider auch), ist für mich ein Grund, mit dem Netz Modelle zu finden, bei denen das nicht so ist. Ich halte das für möglich. Sonst kommen etwa die Musiker vom Regen (Musikindustrie) in die Traufe (Abschaffung der direkten Verwertungsmöglichkeiten).

    Ich glaube nämlich, dass die Mehrheit der Nichtpiraten, die sich im Netz auskennt, bereit ist, direkt Geld zu bezahlen für Kulturprodukte. Nur gibt es da bisher nicht unbedingt glanzvolle Modelle, von iTunes mal abgesehen, gegen das es viele andere Gründe gibt. Einer ist, dass es nicht leicht ist, dort einfach selbst Musikstücke einzustellen.

    Dass die Piratenpartei eine Diskussion in Gang gebracht hat, halte ich für gut. In einigen Punkten stimme ich mir ihr überein, von der Haltung her. Über den zukünftigen Erfolg der Piratenpartei kann ich wenig sagen, halte es aber nicht für ausgeschlossen, dass daraus eine ernsthafte Partei wird. Ist sie aber noch nicht (und mit dem Namen wird es nochmal extraschwer mit Sternchen).

    Denn in den meisten Punkten, die für mich wichtig sind, sagt die Piratenpartei exakt nichts. Es gibt ein Leben ausserhalb des Netzes. Dazu höre ich nicht nur wenig, im Programm steht dazu fast nichts – und ich glaube auch, dass die Piratenpartei es kaum schaffen würde, da eine gemeinsame Position zu erarbeiten. Ich würde keine Partei wählen wollen, bei der ich nicht bzw. kaum weiss, wie sie zu Fragen von Atomkraft, Bundeswehr, Hartz4, Arbeitsmarktpolitik, Frauenrechte, Familienpolitik, EU und so weiter und so fort steht. Ganz schön hohe Anforderungen für eine kleine Partei? Sorry, ja. Meine Ansprüche an Parteien generell sind hoch, immerhin regieren uns Parteien. Da ist keine Entschuldigung, dass man erst zwei Jahre alt ist. Die Ansprüche sind ein Grund, weshalb ich die Erklärung des Online-Beirats der SPD (ich bin übrigens kein Mitglied und war es auch nie) mitentworfen und unterzeichnet habe. Was jetzt nicht nur Freunde innerhalb der SPD gebracht hat.

    Ein Wort noch zu mir: ich bin selbständig, unabhängig und stehe auf keiner Gehaltsliste. Im Gegenteil lebe ich in erster Linie von Beratung (derzeit übrigens null Verlage), in zweiter Linie von Vorträgen und Projekten, in dritter Linie von Büchern. Die Sachen, die ich sage, sage ich, weil ich diese Meinung vertrete und dafür Gründe der Überzeugung habe.

    Abschliessend ein kleiner Tipp: Kritiker persönlich bzw. beleidigend anzugreifen, lässt in erster Linie den Angreifer unsouverän erscheinen. Und das sage ich, obwohl ich ab und zu ganz gern beleidigt werde.

  24. Comment von Florian | 28. Jun. 2009 um 23:41:27

    Ich habe mir die vorgeschlagenen Konzepte zum Urheberrecht angeschaut und finde sie alle nicht gut und unausgegoren. Man kann ja auch mal gegen was sein und gleichzeitig darüber informiert ;-) BTW: Kritik ist jetzt nur noch erlaubt, wenn man mitarbeitet? oder wie soll man das „Lest ihr das Bundestagsprogramm und arbeitet mit?“ deuten?

  25. Comment von Ein Mensch | 29. Jun. 2009 um 00:03:26

    Ich möchte doch mal wissen, wieviele Musikstücke von der Hinterhofband aus Berlin-Neukölln massenhaft bei Pirate Bay heruntergeladen werden.

    Ausserdem finde ich schon, dass die Piratenthemen Schutz der Bürgerrechte, Transparenz des Staates, rationale Sicherheitspolitik statt Sicherheitsaktionismus incl. Schutz der Privatsphäre, sowie ein modernes Datenschutzrecht auch gerade ausserhalb des Netzes extrem wichtige Themen sind, die uns wirklich alle betreffen.

  26. Comment von Benni Bärmann | 29. Jun. 2009 um 00:04:13

    @saschalobo: „Wir“ sagen den Zensursulas dieser Welt zu recht, dass sie die Kopiermaschine Internet nicht kontrolliert kriegen werden außer mit massiver Repression und Überwachung. Das gilt auch und gerade fürs Urheberrecht.

    Die Künstler, Autoren, etc. werden lernen müssen, dass das Urheberrecht nicht mehr durchsetzbar ist. Ihr steht vor der selben Wahl wie die Kontrollfreaks aus der Politik. Und viele Künstler haben das auch längst begriffen. Von Dieter Bohlen (ok, „Künstler“) bis Björk.

    Man wird in 20 Jahren nicht mehr davon leben können ein „Werk als solches“ zu verkaufen – zumindestens wenn wir dann noch in einem Staat leben, der noch irgendwas mit Demokratie zu tun hat.

    Dieser bitteren Wahrheit stellt sich leider selbst die Piratenpartei nur halbherzig.

  27. Comment von apoc | 29. Jun. 2009 um 00:10:22

    Zu der Sache „davon leben können“: Ich kann mich nicht erinnern, dass es je einen Rechtsanspruch auf Bezahlung gab. Künstler, und Musiker insbesondere, waren schon immer von ihrer Popularität abhängig. Wer Qualität produziert und entsprechend auf sich Aufmerksam macht, wird auch ein Publikum finden das bereit ist für die Musik zu bezahlen. Wer schlechte Musik macht, wird das nicht finden. Tut mir Leid, aber der ist dann in dem Geschäft einfach falsch, und zu sagen er müsste jetzt bezahlt werden, weil er ja zumindest *etwas* gemacht hat ist ein echt unsinniger Ansatz. So jemandem würde ich kein Geld geben, ganz gleich ob ich die Musik frei beziehen könnte oder nicht. Ich selbst habe durchaus schon für ansonsten freie Inhalte Geld bezahlt (namentlich Chaosradio Express und Bits und so) ganz einfach weil deren bloße Existenz mir schon einen Mehrwert bietet, und ich die weitere Produktion fördern will. Wer sagt: wenn alles frei ist, wird niemand mehr dafür bezahlen, unterschätzt die Kraft des Fandoms. Ich denke es wird weiterhin Geld für Inhalte ausgegeben werden, aber eben für andere als bisher. Und gerade unabhängige Produzenten können von einer freien Verbreitung ihrer Inhalte und der damit einhergehenden Aufmerksamkeit durchaus profitieren, da man sich damit auch eine Reputation aufbaut, und über die Schiene auch für die Produktion anderer Inhalte gebucht und entsprechend bezahlt werden kann.

    *disclosure: Ich bin Mitglied der Piraten

  28. Comment von Julia Reda | 29. Jun. 2009 um 00:14:35

    @Saschalobo: Was hältst du von dem Vorschlag eines pre-post release Systems? Statt einer Spende hätten dort die Abgaben der Nutzer ja einen Investitionscharakter, und Angebot und Nachfrage würden den Preis regeln.

  29. Comment von Manuel Hoffmann | 29. Jun. 2009 um 00:19:28

    Was die Urheberrechts-Sache angeht, sehe ich definitiv mehr Chancen für den kleinen Künstler, mit den Piraten ein für ihn vernünftiges Konzept zu erarbeiten, als mit den großen.
    Aber das ist ja bisher auch noch nicht passiert: Was bisher an Urheberrechtsthemen aktuell ist, kommt (wie ich das persönlich beobachte) ideell von der Forschungs- bzw. Software-Seite und wurde dann auf die Kunst portiert – klar, die Piraten kommen auch zum Großteil aus dieser Ecke.
    Aber ich sehe da gute Chancen, dass für die Kunst sinnvollere Konzepte erarbeitet werden.

  30. Comment von Batz | 29. Jun. 2009 um 00:22:20

    @Sascha

    Zustimmung, abgesehen von dem Punkt der allgemeinen Ansprüche an die Partei. Im Moment würde es mir völlig reichen, wenn sie gute und diskussionsfeste Konzepte zu Netzthemen zustande bringen und sich etwas präsentere und charismatischere Frontmänner suchen. Bei einer Partei die innert der nächsten zehn Jahre im Besten Fall zwischen 2-4% erreichen wird, darf es auch mal egal sein, ob sie in allen Bereichen superkompetent aufgestellt sind. Von den Grauen Pathern wird auch im wesentlichen erwartet sich qualifiziert für Seniorenthemen einzusetzen.

    Hätte man bei den Grünen in den 80ern gewartet, bis sie alle Bereiche zufriedenstellend abdecken, wären sie wohl lange Zeit nicht über die 5% gekommen. Da waren in den Anfangsjahren noch viel krausere Gedanken versammelt als bei den Piraten. Und nachdem ich die letzten 15 Jahre meine Stimme abwechselnd bei der SPD und den Grünen in die Tonne gekloppt habe und so eine Politik mitgetragen habe, die mich würgen macht, riskiere ich es gerne sie diesmal einem Chaotenhaufen wie den Piraten zu geben. Im Besten Fall sorgen sie dafür Netzthemen nachdrücklicher in die politische Diskussion zu tragen und Impulse zu geben, im schlimmsten Fall hab ich meine Stimme einmal mehr verschenkt – aber ganz ehrlich, schlimmer als Schröders Rot-Grün und die derzeitige SPD kann das auch nicht sein.

  31. Comment von JMG-Times | 29. Jun. 2009 um 00:25:27

    @Sascha Lobo: Ich darf hier zustimmen. Klingt vernünftig.

    Zur Piratenpartei nur soviel: Ich habe den Wahl-O-Mat zur Europawahl probiert und war doch ziemlich überrascht dort die mir bis dahin vollkommen unbekannte „Piratenpartei“ an Position 2 zu finden. Wie auch hier schon festgestellt, sind allerdings die Aussagen zu einigen Themen etwas schwammig, oder einfach noch nicht vorhanden. Generell finde ich es gut, wenn jemand die Interessen der „Internetgemeinschaft“ vertritt, dass Copyright und Co. reformiert werden müssen ist mir auch klar und das ich kein Fan von Zensur und Überwachung bin (nicht ohne Grund steht unter allen meinen Mails „Guten Tag Herr Schäuble“ – Höflichkeit muss sein: wenn er sowieso mitliest…) ist auch kein Geheimnis. Ob aber eine Partei jetzt zwingend der beste Weg ist… ich weiß es nicht und wage es nicht zu beurteilen, aber vielleicht sollte man einfach über die vierte Gewalt des Staates an die Sache herangehen: MEDIEN. Das Internet als Massenmedium ist dabei doch ein netter Anfang; wenn man aber alle erreichen will, sollte man die anderen nicht außer acht lassen.

    Man muss den ~60 Millionen Wählern 3 Dinge erklären:
    (1) Überwachung ist nicht gut und auch mit Terrorgefahr nicht zu rechtfertigen
    (2) Zensur ist nicht gut und selbst der nette Gedanke der Kinderpornografiebekämpfung ist -weil ineffektiv- unsinnig. Da gibt es besser Wege.
    (3) Nicht wählen hilft den Falschen.

    MfG
    Paul B.

  32. Comment von Frank | 29. Jun. 2009 um 00:26:23

    Als Pirat kann ich dem Eintrag voll und ganz zustimmen. Die Partei muss dringend an ihrer Öffentlichkeitsarbeit arbeiten und mehr wirklich tragfähige Konzepte anbieten. An einem vollständigen Parteiprogramm wird ja gearbeitet und einiges wird möglicherweise am nächsten Wochenende auf dem Parteitag entschieden. Trotz aller Kritik ist die Piratenpartei aber meiner Meinung nach nicht angetreten um zu regieren, sondern um zu ganz bestimmten Punkten Alternativen zu bilden. Viel mehr hatten die Grünen seinerzeit auch nicht im Programm.

    Ich persönlich habe die Piraten gewählt und bin inzwischen Mitglied geworden, weil ich ansonsten nur noch ungültig gewählt hätte. Für mich bietet keine der etablierten Parteien Lösungen für die derzeitige Situation. Die Piraten haben zwar noch kein umfangreiches Programm, aber zu den Punkten, zu denen sie Stellung beziehen, stimme ich überein. Der Rest kann ja noch werden. Zumindest habe ich in dieser Hinsicht mehr Hoffnung als bei den bewährten Parteien. Dort werden seit Jahren nur noch Posten verschoben und Politik am Bürger vorbei gemacht. Da ich ansonsten nur die Wahl zwischen Pest und Cholera habe, engagiere ich mich doch lieber für die Piraten als nichts zu tun.

    BTW: Was den Namen der Partei angeht: Ist die CDU christlich und die SPD sozial? Die Grünen habe ich auch immer für einen bescheuerten Namen gehalten, trotzdem ist aus denen (leider) was geworden. Der Name allein macht es nicht.

  33. Comment von hunnsen | 29. Jun. 2009 um 00:26:56

    Da sind wir wohl alle einig: Es ist einfach Tatsache, dass sich nun langsam entschieden werden muss, für Kontrolle oder Freiheit.
    Viel Grau dazwischen sehe ich nicht mehr.
    Mit der Zensurinfrastruktur wegen Kipo wird wohl bald auch das stärkere Verfolgen von noch illegalem Kopieren kommen.
    Daher sollte jetzt schnell den alten Parteien gegengehalten werden.
    Wenn das zu Anfang noch etwas holprig geschieht, dann ist das halt so, aber immerhin tut sich was und es wird sich auch noch einiges verbessern, denke ich.

  34. Comment von Ralf | 29. Jun. 2009 um 00:36:45

    Ich finde die Themen der Piratenpartei durchaus interessant und beachtenswert, im Bereich Urheberrecht/Verwertung stimme ich jedoch Sascha Lobo zu, denn ich sehe dort auch für mich als künstlerisch schaffenden einige Probleme auf mich zu kommen. Na klar mache ich das aus Überzeugung – aber diese leidet genauso wie meine Kreativität, wenn ich – um Leben zu können – noch einer anderen Arbeit nachgehen muss. Und nur die allerwenigsten landen in ihren jungen Jahren einen derartigen Kracher, dass man davon – ohne weitere Arbeit – lange leben kann.

    Wie gesagt, die restlichen Themen finde ich sehr interessant und verfolgenswert, da dort die Ansätze stimmig und realisierbar sind. Zum Wählen ist mir das jedoch noch viel zu wenig – mein Leben wird von weit mehr bestimmt als diesen paar Themen.

    Ich vergleiche hier die Piratenpartei (der Name ist wirklich unglücklich gewählt und wird viele soweit ablenken, dass sie gar nicht erst ins Programm schauen) mit den Grünen der 70er – da gab es auch nur ein sehr eingeschränktes Programm. Ich bin gespannt, ob die Aufmerksamkeitsspanne lange genug anhält um eine ähnliche Entwicklung zu bewirken. Das Potential ist in jedem Fall da.

  35. Comment von Maximale Freiheit um jeden Preis? | 29. Jun. 2009 um 00:52:50

    Ich wollte mal einen Punkt zur Piratenpartei ansprechen, der bisher öffentlich noch gar nicht angesprochen wurde, zumindest ist mir noch nicht über den Weg gelaufen.

    So sehr ich mit einigen Punkten aus dem Piratenpartei-Programm übereinstimme, so sehr kritisiere ich die Piratenpartei auch für ihren Begriff von Freiheit.

    Zeitweise kommt es mir so vor, alle würde die Piratenpartei im Strom zunehemender gesellschaftlicher Individualisierung ein Konzept „maximaler individueller Entscheidungsfreiheit“ für alle Bürger/Netizens vertreten. Das bedeutet, dass jeder Mensch im Netz das Recht haben soll, persönliche Entscheidungen über alle relevante Bereiche des Netzes zu fällen. Besonders deutlich wird das, indem gegen EInrichtungen protestiert werden, die anderen Leuten erwas verbieten sollen, zum Beispiel Zensur.

    Ich bin eher für die Einführung integrativer Konzepte, welche die Interessen möglichst vieler Menschen berücksichtigen, als nur die Interessen der Netizens.

    Nicht zuletzt aufgrund der Komplexität menschlicher Beziehungen (in jeder sozialen Interaktion stecken Macht und Herrschaftsverhältnisse, die meisten sozialen Beziehungen basieren auf ihnen, ohne dass wir uns dessen bewusst sind) finde ich das „Piratenkonzept“ einfach unzureichend für viele Menschen.

    Das Piratenkonzept spiegelt mehrheitlich die Interessen der Netizens wieder und benachteiligt andere. Nicht zuletzt wird mehr Verantwortung und Druck auf die zu entscheidenen Menschen übertragen, anstatt ihnen rechtliche Rahmen bereitzustellen, welche ihnen bereits viele Entscheidungen und RIsiko abnehmen. Und genau solch einen Rahmen braucht es auch fürs Netz, was ja in Ansätzen bereit durch Creative Commons geschieht. Im Endeffekt werden nach der Forderungen der Piraten alte Machtverhältnisse aufgebrochen (Musikindustrie zb), was durchaus begrüßenswert ist, aber im Gegensatz dazu andere im Netz, dann zum Vorteil der Netizens und Nachteil und nicht so Netzaktiven, aufgebaut.

    Nicht zuletzt dienen die neuen Strukturen vor allem zur Schaffung wirtschaftlicher Opportunitäten einzelner Netizens, der besonders emsigen, engierten, aufstiegsorientierten, mit positivem Weltbezug und wirtschaftsorientierten – also neue Machtverhältnisse, die im Endeffekt dasselbe tun, was auch schon vorher da war: Die Akkumulierung von Kapital.

    Ich bin kein großer Anhänger von Marx, nicht falsch verstehen, aber das Netz gerade ist auch die Chance die Gesellschaft grundsätzlich anders, intergrativer, fairer und solidarischer zu gestalten.

    Und wenn ich mir so die Anhänger der Piratenpartei anschaue (viele, nicht alle), dann geht es denen doch eher darum einen Raum im Netz zu bauen, von sie vor allem profitieren können. Die „Digitalen Boheme“ von Heute drohen damit zu den „Bonnzen“ von Morgen zu werden, wenn sie es teilweise nicht schon sind, schaut man sich die Rhetorik der Twitter- und Bloghypes an.

    Wir brauche imho also Konzepte, welche nicht nur der wirtschaftlichen Orietierung einzelner Netizens dienen, die sich gerade auch so unheimlich stark für die Piraten machen, sondern Konzepte, die auch den Wunsch vieler nach einer faireren, solidarischeren Gesellschaft gerecht werden.

    Und das Problem beseitigen wir nicht durch die Neustrukturierung des Netzes, sondern das ist etwas, was wir in unseren Köpfen ändern müssen – erst dann seh ich die Chance zur Entwicklung wirklich veränderner Konzepte, nicht nur im Internet sondern auch „offline“.

  36. Comment von Alexander | 29. Jun. 2009 um 00:55:06

    Den Kritikpunkten von Sascha Lobo kann ich (leider, übrigens) nur zustimmen. Den Namen „Die Grünen“ mag man bescheuert finden und darauf hoffen, dass Wähler Farbparteinamen einfach ignorieren — „Die Violetten“ und „Die Weißen“ verfolgen ja offenbar diesen Weg. „Piraten“ ist doppelt schlecht: Für diejenigen, die sich nicht mit Computer auskennen, klingt der Begriff nach Kindergeburtstag; für diejenigen, die sich etwas mit Computer auskennen, klingt er nach Missachtung von Urheberrechten. Eine Partei, die in jeder Diskussion ihren Namen erklären, umdeuten und rechtfertigen muss, begibt sich absichtlich in eine schlechtere Startposition.

  37. Comment von Eberhard Doerr | 29. Jun. 2009 um 01:03:37

    Der Mann wird überschätzt und ist die ganze Aufmerksamkeit nicht wert.
    Allein die rote Irokesennummer ist doch wie „Wahlkampf-mit-Babys-und-Hunden“:
    Auf solche Ideen kommt nur, wer a) keine Substanz hat, b) Deppen anspricht.

  38. Comment von veloc1ty | 29. Jun. 2009 um 01:05:02

    Lieber Herr Lobo..

    Zunächst mal finde ich es toll, dass Du dich hier zu der Kritik äußerst und deine Punkte darlegst.

    Allerdings stößt es mir sauer auf, dass die Piratenpartei fast immer nur auf die Urheberrechtsfrage reduziert wird. Sicher ist dies einer der Gründe warum es uns überhaupt gibt – weil versucht wird mit Regeln und Gesetzen aus dem 18 Jhd die Welt des 21 Jhd zu kontrollieren.

    Es ist nicht richtig und nicht zweckdienlich, irgendwelche Schulkinder mit Massenabmahnungen zu überziehen, nur weil sie ein paar Musikstücke getauscht haben. Wenn ein immer größer werdender Teil der Gesellschaft nicht mehr bereit ist, für Kulturgüter zu zahlen ist das natürlich traurig, aber andererseits müssen das sowohl Künstler wie Politik akzeptieren. Man kann und darf NICHT die Gesellschaft seinem überholten Geschäftsmodell anpassen.

    Die Content Wirtschaft macht seit Jahren alles falsch was man nur falsch machen kann. Mit DRM, dem Verbot von Privatkopien, kaum brauchbare Online-Stores und keinen Vernünftigen Video-on-Demand Angeboten disqualifiziert sie sich doch selber. Von den Preisen oder etwaigen Flatrate-Modellen mal ganz abgesehen.

    Hätte es ein brauchbaren Online-Musik-Store vor Napster gegeben, sähe es doch heute vielleicht ganz anders aus?

    Eine Kopie ist kein Diebstahl, ein Download noch lange kein entgangener Kauf und die (private) Verwendung von einem Foto wo ein Stück Wurst fotografiert wurde darf auch keine Abmahnung im Bereich von zig tausend Euro nach sich ziehen. Ebenso wenig wie ein Künstler für sich in Anspruch nehmen kann, dass er durch eine mehr oder weniger gute Leistung sein Leben lang finanziell versorgt ist. Das war bis vor wenigen Jahrzehnten noch allgemeiner Konsens.

    Das sind Fakten und Fragen, denen sich nicht nur die Piraten, sondern die Gesellschaft stellen muss.

    Wir diskutieren bei uns jedenfalls ernsthaft über die Probleme die das Urheberrecht, bzw. das Verwertungsrecht in seiner derzeitigen Form mit sich bringen. Wir wollen es nicht abschaffen, im Gegenteil. Uns geht es darum, es zu modernisieren, an die derzeitigen Bedürfnisse der Gesellschaft anzupassen und es zukunftsfähig zu machen. Wir stellen das Urheberrecht weder in Frage, noch plädieren wir für eine Enteignung von Kulturschaffenden. Ich würde mir wünschen, dass Du das vielleicht auch mal so rüberbringst, da Du ja offensichtlich als Sprachrohr der Piratenpartei wahrgenommen wirst. Warum auch immer.

    Die vernetzte Wissensgesellschaft wird kommen. Daran besteht wohl kein Zweifel mehr. Welche Chancen freies Wissen, mehr oder weniger freie Kultur und ein von zu restriktiven Patentfesseln befreites System bieten sollte man, bzw. Du, vielleicht auch mal darlegen.

    Es gibt übrigens durchaus vernünftige Ansätze und große Erfolge mit freier Kultur und alternativen Modellen. Schau dir zum Beispiel die Creative-Commons Szene in Brasilien an, oder die vielen anderen Künstler und Netlables auf der Ganzen Welt.

    Gerade im Bereich Musik wird das Stück an sich eher zu einer Art Give-Away und der Musiker muss seine Passion wie einen Job betreiben um von Konzerten und Merchandising leben zu können. Im Vergleich mit einem „normal“ Arbeitenden Angestellten oder Selbstständigen ist das doch nur fair?

    Es gibt meiner Meinung nach kein Recht darauf, Lebenslang von einer geistigen oder kreativen Leistung leben zu können oder zu wollen. Wie jeder andere muss auch der Kulturschaffende vernünftig Wirtschaften und seine „Ware“ produzieren, vermarkten, bewerben und verkaufen.

    Große Teile der Gesellschaft zu kriminalisieren, mit immer mehr Restriktionen zu bütteln und aufgrund von „geistigem Eigentum“ (SIC!) die Kommunikation und den (Wissens)Austausch der Bürger zu überwachen und zu unterbinden ist jedenfalls der komplett falsche Weg.

    Das Perfekte Urheber- bzw. Verwertungsrecht haben weder wir noch andere gefunden. Jedenfalls wird bei uns drüber gesprochen und über Alternativen / Lösungen nachgedacht wo andere nur mit immer neuen Verboten kommen.

    Kulturschaffende aller Branchen sind bei uns übrigens herzlich Eingeladen sich an den Diskussionen und der programmatischen Arbeit zu beteiligen. Unser offenes Wiki machts Möglich und der Austausch ist für beide Seiten fruchtbar. Und es gibt bei den Piraten bereits Künstler und Produzenten – wir brauchen mehr Austausch, miteinander Reden und gemeinsam die Probleme lösen ist der richtige Weg.

    Ich wünsche noch einen schönen Abend..

  39. Comment von Ralf | 29. Jun. 2009 um 01:07:05

    @Eberhard Doerr: Es ist arm, sich nur mit der Person (dem Äußeren), nicht aber den Argumenten auseinanderzusetzen. Er scheint mit seinen Kommentaren einen Nerv getroffen zu haben, wie man an den nachfolgenden Kommentaren sehen kann, oder?

  40. Comment von Tiramusi | 29. Jun. 2009 um 01:19:22

    @RALF:
    Twitter machts möglich, der Blogeintrag ging hier schon rum, als Herr Lobo noch gar nicht geantwortet hatte ;)

  41. Comment von pell | 29. Jun. 2009 um 01:24:37

    Mir kommt es ein bisschen so vor, als wolltest du Herrn Lobo dafür rechtfertigen, dass er sich als Gallionsfigur des Internets gegen die Piratenpartei stellt. Ich halte diese Entwicklung für idiotisch. Er ist kein Verräter, weil er eine eigene Meinung hat. Ich zolle ihm mehr Respekt als all denjenigen, die meinen die Piratenpartei als Bestandteil der Internetpersönlichkeiten sehen zu müssen. Es gibt keine Verräter, weil es kein „wir“ gibt.

  42. Comment von nilz | 29. Jun. 2009 um 01:26:23

    ich seh die sache auch eher wie sascha. vor allem nervt mich das seit wochen andauernde lobo-bashing in meiner twitter-timeline. ja, ich habe begriffen das ihr/die piraten sauer auf den seid. aber weil ihr alle zwei tage rumschreit, das er in der spd sei, wirds dadurch ja nicht richtiger. ein bischen kühler kopf und richtiges informieren wäre an dieser stelle mal ganz schick.

    ich hader schon lange mit mir, die piraten zu wählen oder nicht zu wählen, ja, ich habe sogar eine zeitlang mit dem gedanken gespielt da einzutreten und aktiv politik mitzugestalten. aber wenn ich die partei im moment so sehe und mitverfolge ,dann fällt mir immer ein satz ein, den eine lehrerin meiner besten freundin mal aufs zeugnis geschrieben hat: du bist wie eine kutsche mit 5 pferden, die alle versuchen in eine andere richtung zu laufen. (aus ihr ist wider erwarten dann doch noch was geworden…;))

    ja, ihr seid zwar recht gut und einig aufgestellt, was netzthemen betrifft und ja, das netz ist mittlerweile ein grosser teil unser aller leben, auch ausserhalb des monitors. aber das reicht mir trotzdem noch nicht, um eine partei zu wählen. mit tauss habt ihr euch gar keinen gefallen getan, der boulevard wird euch zerreissen, wenn er er euch überhaupt beachtung schenkt. da ist es egal ob ihr die „richtigeren“ argumente habt. mein gott, wahlkampf ist ne harte geschichte und niemand wird gewählt, weil er immer mit allem recht hat was er sagt. ja, das ist schade. aber das ist eben auch einfach so. guckt euch nur mal an, wie die cdu gerade in der mwst.-frage rumrudert.

    und damit kommen wir zu saschas argument über ein fehlendes programm. ich möchte eine partei wählen, die sich auch gedanken über familien, über gerechte verteilung von geldern macht. stimmen zu gewinnen ist gar nicht mal das grösste problem, aber damit dann richtig umzugehen, wenn man die „macht“ bekommen hat, das steht auf einem ganz anderen blatt.

    es gibt so oft kleine parteien, die es plötzlich schaffen in einen landtag zu ziehen oder so. (gut, das sind meistens idioten vom rechten rand des politischen spektrums, aber das lassen wir mal aussen vor – übrigens bei weitem kein rein ostdeutsches phänomen, man erinnere sich zum beispiel an schill) da versuchen die dann ein bischen rumzuregieren, merken aber das sie mit ihren extremen positionen keine mehrheiten kriegen und zerfallen noch innerhalb der legislaturperiode. oder reichen sinnlose anträge ein, um überhaupt noch als politisch arbeitend wahrgenommen zu werden.

    nun habe ich bei den piraten den eindruck (da kann ich mich täuschen und lasse mich gerne vom gegenteil überzeugen), das da so ein grosser pool an verschieden motivierten leuten zusammengekommen ist, das für eine solche partei regieren gar nicht möglich wäre. damit wären wir dann auch wieder bei dem wagen mit den 5 pferden.

    ja, die grünen hatten am anfang auch kein allumfassendes programm, aber ganz ehrlich: im zweifelsfall ist es mir dann doch wichtiger, das akws abgeschaltet werden, als das kipo-seiten mit einem lächerlichen stoppschild verhangen werden. das ist ein thema, das auch für meine tochter wichtig ist und für deren evtl. kinder. das ist einfach ein globaleres problem gewesen. auch wenn ihr jetzt behaupten werdet, das die bevorstehende zensur mindestens genauso schlimm ist. aber sorry: von zensur wird kein essen verseucht.

    ich würde mir wirklich eine richtige alternative zum wählen im september wünschen und ich würde mir wünschen das ihr mich noch überrascht und plötzlich wenigstens einen kompetenten familienpolitiker in euren reihen habt, der neue konzepte für schulen oder integration oder sonstwas vorlegt. besetzt wenigstens 2,3 themengebiete ausserhalb des netzes. das wird euch plötzlich ganz neue wählergruppen auftun.

    das noch: ich möchte nicht das das so arrogant klingt, das ich denken würde, das ihr euch darüber keine gedanken machen würdet. das macht ihr sicherlich. man hat nur das gefühl das ihr noch nicht so richtig wisst, wie wichtig das ist.

    erklärt mir ein mindestlohnkonzept, fordert eine abschaffung der wehrpflicht. dann muss ich vielleicht doch nicht „micky maus“ auf meinen wahlzettel schreiben.

    p.s.: zum urheberrecht habe ich auch noch kein schlüssiges konzept. sehe ich aber auch als grosses problem. also so wohl den ist-zustand, als auch ein neues modell. da habe ich mich bei weitem noch nicht festgelegt.

  43. Comment von Matthias | 29. Jun. 2009 um 01:28:45

    Meines Erachtens stehen die Piraten grade mitten in einer Neugründungs-Mitgliederexplosions-Organisations-und-Selbstfindungs-Phase. Selbstfindung, vor allem, in der Frage was eigentlich das Ziel dieser „Partei“ ist.

    Will sie Sprachrohr und Lobbygruppe sein, also die politische Diskussion zu Netzthemen in und zwischen den „Altparteien“ anstoßen und beeinflussen? Dazu braucht sie kein Vollprogramm, damit schafft sie aber auch nicht die 5%.

    Oder will die Piratenpartei selbst Teil der aktiven Bundespolitik werden, d.h. perspektivisch in den Bundestag einziehen und eventuell in Regierungsverantwortung mitwirken? Dann müssen sich auch die Piraten eine Meinung zu Sozialem, Umwelt, Wirtschaft und praktisch jedem anderen Thema bilden — nicht unbedingt völlig feste Konzepte zu allem, aber zumindest eine Verortung wo die Reise hingehen soll. Dann reicht es nicht, nur zu sagen welches Internet man haben will, dann muss auch dahinterstehen in welcher Gesellschaft man leben will.

    Für welche Variante sich die Piraten auch entscheiden, sie sind eine Bereicherung der politischen Landschaft — wenn sie die Kurve aus ihrer derzeitigen Alte-Medien-Verlorenheit und inneren Unsicherheit bekommen.

  44. Comment von Felix Nagel | 29. Jun. 2009 um 01:35:33

    Auch wenn der Herr Lobi hier vermutlich nich nochmal reinschauen wird:

    Klar, die PP hat ist eine ein Punkt Partei — das aber mit Sachverstand. Schau dir doch die etablierten Parteien an: da arbeitet Inkompetenz an allen Fronten. Was sie nicht nur mir dem Netzsperren Gesetz eindrucksvoll bewiesen haben. Und ich wähle ganz klar lieber etwas von dem ich weiß wie sie nach der Wahl agieren und die sich nur zu Themen äußern von denen sie Ahnung haben.

    Erinnert ihr euch noch an die letzte Wahl? Da hieß es mit uns keine Steuererhörung. Und die CDU meinte 2%. Nach der Wahl haben sie zusammen 3% erhöht. Was sagt mir das?

  45. Comment von DerKölner | 29. Jun. 2009 um 01:52:24

    Naja, sobald es einen Piratenpartei gibt, in der viele Leute miteinander verbunden sind wird es ein „wir“ geben. Nur ist dieses „wir“ nicht gleichbedeutendet mit der Netzcommunity. Vergessen wohl hier einige allzu schnell.
    Beim Thema Urheberrecht muss ich Sascha Lobo zustimmen. Das Parteiprogramm ist wirklich nicht sehr vielversprechend. Ich persönl hätte die PP sicher auch nicht gewählt, wenn es die Zensur-Debatte nicht gegeben hätte. Zensur, Meinungsfreiheit, Datenschutz sind für mich viel wichtigere Dinge als die Reform der Urheberrechte. Ich kaufe mir auch weiterhin meine DVDs und stehe also nicht im Konflikt mit der Verwertungsindustrie. Bin in diesem Sinne also kein „Pirat“.
    Mir geht es vielmehr darum, dass die Piratenpartei darauf hinweißt, dass der Datenschutz immer weiter aufgeweicht wird und dass dem entgegen getreten werden muss.
    Deshalb bin ich auch der Meinung, dass die Piratenpartei in der öffentlichen Diskussion viel mehr Gewicht darauf legen sollte und sich nicht andauernd in irgendwelchen neuen Urheberrechtsideen verzetteln sollte.

  46. Pingback von Nebbsens Blog » Zwei Videos über die Piraten | 29. Jun. 2009 um 02:04:33

    […] Szenen und den selbst ernannten “Internet Experten” Sascha Lobo, dem sich ja schon dieser Blog angenommen hat, einen objektiven Bericht abliefern […]

  47. Comment von admin | 29. Jun. 2009 um 02:04:39

    @DerKölner Leider ist das nicht so einfach zu trennen. Das Problem ist: Wir haben massenhafte Übertretungen des derzeitigen Urheberrechts. Das führt zu Überlegungen, wie man diese besser ahnden und kontrollieren könnte. Das führt zu Versuchen, das Internet zu kontrollieren, zensieren und zu überwachen. Das Urheberrecht ist also eine ganz zentrale Frage, wenn man eine ganzheitliche Antwort geben will. Der Wahlkampf wird sicherlich nicht über das Urheberrecht geführt. Jedenfalls nicht über irgendwelche Visionen. Aber wenn wir in einer Talkshow die Freigabe fordern, werden wir gefragt, wie denn die Rechte der Urheber zu schützen seien und müssen drauf antworten können. Es hat schon seinen Grund, warum das Thema von Anfang an (!) ein Kernthema der Piratenpartei war.

  48. Pingback von bluelectric.org – Antrag zur Geschäftsordnung | 29. Jun. 2009 um 02:10:24

    […] vs. Sascha Lobo” (war das nicht eher umgekehrt: S.L. vs. Piraten?) ist inzwischen so ziemlich alles gesagt […]

  49. Comment von insideX | 29. Jun. 2009 um 02:12:26

    Durcheinander und die Frage, wer ist S.Lobo?

    Vergütungsmodelle sind eigentlich nicht Sache der Politik! Soll jeder zusehen wie er im Internet Geld verdient.
    S.Lobo: „Das Urheberrecht und die angeschlossenen Verwertungsmechanismen müssen, wie ich öfter betont habe, dringend und grundlegend reformiert werden, damit dieser Komplex im 21. Jahrhundert und der Digitalen Gesellschaft ankommt.“
    Hallo??? Sag ich VW wie die ihre Autos verkaufen sollen?
    -> Hier exponiert sich Halbwissen! Warum sollte sich die Politik in die Vergütung von etwas einmischen?
    Es gibt Firmen die es schaffen im Internet Geld zu verdienen und es gibt Firmen die schaffen es nicht, dass reguliert sich, aber es ist und darf auch niemals die Aufgabe der Politik sein sich um irgendwelche Vergütungsmodelle gesetzliche Regularien einfallen zu lassen. Das soll der Markt selber regulieren. Die GEMA ist ein Beispiel wie es nicht gemacht werden sollte und die GEMA-Vermutung ist sehr vielen Künstlern ein Dorn im Auge. Hier müsste der Staat zurückrudern und die gesetzlichen Regularien komplett abschaffen. Wie ein Verein sein Geld, von wem auch immer, bekommt darf nicht staatlich reguliert werden.

    Unsere Kritik ist, um es mal verständlich zu sagen, folgende:
    Ich nehme Musik im Radio auf — > alles super
    Ich downloade die gleich Musik bei Piratebay — > gehen sie ins Gefängnis

    Ist das logisch?

    Die Masse der Musiker verdienen überhaupt erst seit sie ihre Musik im Internet zum freien Download anbieten, Geld mit ihrer Musik. Das die Verwertungsmafia, die Urheberrechtsindustrie nun in die Röhre guckt ist schade für sie, aber so ist das halt auf dem freien Markt. Das Internet gibt jetzt jeder kleinen Musikkapelle die Superkraft, die einstmals nur den großen Verlagen vorbehalten war. Die Zeiten der Majors gehen jetzt zu ende, so ist das.

    Wer ist dieser Lobo:

    Was mich irritiert ist das ein Consultant hier und da im Fernsehen auftritt und nun den großen Zampano macht. Wer ist der Typ und warum wird er wie ein Guru von A nach B gereicht. Ich kenne sehr viele Consultants die wesentlich beeindruckendere Biographien aufzuweisen haben als der Herr Lobo aber noch niemals zu solchen Themen in Fernsehen aufgetaucht sind. Warum auch, das sind Consultants. Herr Lobo geht in die Politik ? Ja bitte, dann soll er das tun. Aber das Herr Lobo nun derjenige ist der vom „ZDF“ (3Sat) immer auf die Couch gebeten wird, wenn das Wort Piratenpartei fällt, will ich nicht verstehen.
    Ich biete mich hier und jetzt dem ZDF als Experte für alle Fragen zum Thema SPD an. Solltet ihr also mal wieder einen Beitrag zum Thema SPD machen, stehe ich gerne zur Verfügung. Meine Frisur ist aber nicht verhandelbar!

    Just my 5 Cent

    insideX

  50. Comment von Michel | 29. Jun. 2009 um 02:40:11

    Ein Freund von mir erstellt Schriftarten. Er arbeitet an einer Schrift mehrere Monate, teilweise sogar Jahre. Nicht zuletzt wegen seines über die Jahre angehäuften Wissens und Übung macht er richtig gute Schriften. Diese lassen sich nicht nur professionell einsetzen, sondern genügen auch allen heute gängigen Anforderungen, an Design, Lesbarkeit, Technik.

    Wenn er sich in einigen Jahren einen Namen in der Branche gemacht habt, wird er von diesem „Hobby“ eher schlecht als recht leben können. Der Grund: Bereits heute ist kaum mehr jemand dazu bereit, für Schriften einen adäquaten Preis zu bezahlen. (Vor 25 Jahren zahlt man für Schriften teilweise mehrere 100 bis mehrere 1000 D-Mark.) In Zeiten wo Schriften en mass (scheinbar) kostenlos Betriebssystemen und Programmen beigelegt sind und sich viele Anwender Fonts aus dem Netz „saugen“, macht nicht jede Schrift dem Erzeuger Gewinn (unabhängig ob er sie selbst oder durch eine Foundry vermarktet).

    Das ist nicht fair!

    Bei einer Musikgruppe könnte man noch behaupten, dass diese neben dem Verkauf von Musikdateien auch durch Konzerte und dem Verkauf von Fan-Artikeln Geld verdienen könne.
    Im Fall eines Schriftgestalters ist es aber nicht so einfach. Um mit Vorträgen, Büchern, Seminare etc. ausreichend Geld zu verdienen ist die Zielgruppe zu klein. Er könnte andere Gestaltungsaufgaben übernehmen, die aber alle von seinem eigentlichen Metier wegführen würden.
    Durch eine „gibt’s doch sowieso alles umsonst“-Mentalität und der sinkenden Achtung vor dem Aufwand und der Leistung von Schriftgestaltern schrumpft auch die Bereitschaft von Firmenkunden und Agenturen, in diesen Bereich zu investieren.

    Ich sympathisiere mit der Piratenpartei. Ich kann mich den Argumenten u.a. von Sascha Lobo aber auch nicht ganz entziehen. Würde das Programm der Piraten 1:1 umgesetzt werden, was würde das für meinen Freund bedeuten?

    Wenn sich Leistung in diesem Bereich nicht mehr lohnt, der Nachwuchs sich deshalb nicht mehr so intensiv mit der Thematik beschäftig, ist es dann nur eine Frage der Zeit, bis die Qualität von typografischer Gestaltung an sich stark nachnehmen wird?

    Damit komme ich jetzt endlich vom Speziellen zum Allgemeinen und damit zum Punkt: Ich fände das sehr schade!
    Denn nicht nur im oben skizzierten Beispiel hätte das eine Nivellierung von spezialisiertem Wissen und Können zur Folge. Auch viele anderen „Künste“ würde sich nicht mehr rentieren. Wollen wir in einer Gesellschaft leben, in der zukünftigen Mozarts, Rembrandts, Karl Valentins etc. ein Leben in finanzieller Sicherheit verwahrt bleibt?

    Leider habe ich aber auch bei den Diskussionen der letzten Tage hierfür keine Lösungswege finden können. Es wäre daher nett, wenn sich von jemand von der Piratenpartei dazu äußern würde.

  51. Comment von mimikry | 29. Jun. 2009 um 06:53:42

    Michel: Hallo, erstens denke ich nicht, dass es keine Mozarts usw. mehr geben würde, da nicht jeder Künstler nur deshalb künstlert, weil er damit Millionär werden will. Die klassischen Kunstwerke werden wohl weiterhin gehandelt werden, und auch für Musik gibts es ja Lösungsvorschläge, siehe dem von Julia Reda erwähnten pre-post release [1]. Im Piraten-Wiki findest du auch noch weitere Finanzierungsmöglichkeiten.

    Wie sich die Situation für deinen Freund den Schriftengestalter ändern würde weiß ich nicht genau, jedoch denke ich schon, dass man für gute Schriften auch gerne Geld ausgiebt und das wohl auch so bleiben wird. Gerade die, die die Schriften wirklich benutzen, um damit Geld zu verdienen, dürften sie eh nicht frei herunterladen. Der Vorschlag der PP ist ja, dass man für *private* Zwecke frei herunterladen darf.

    [1] http://wiki.piratenpartei.de/Pre-post_release

    @Topic:
    Auch auch mich macht es den Eindruck, dass Lobo die PP absichtlich schlecht darstellt, da ich mir nicht vorstellen kann, dass er noch nichts von den alternativen Finanzierungsmodellen gehört hat.

  52. Comment von GPSchnyder | 29. Jun. 2009 um 07:39:51

    Also, ohne jetzt alle Kommentare gelesen zu haben mal eines vorweg. Ich bin einer dieser Kontent Producer die nichts mit ihrer Arbeit verdienen können. Und anders als andere sehe ich auch ein das diese Möglichkeit besteht. Ich produziere Internetvideos und habe auch einen „echten Film“ produziert. Dieser ist nach zwei Jahren Arbeit nun fertig.

    Die Darsteller haben kostenlos mit gearbeitet, ich habe kein Geld dafür bekommen, und nach einem Jahr Festivalcircus werde ich den Film wohl kostenlos online stellen. In HD. Kostenlos.

    Zum Thema Geld verdienen: Ich hoffe natürlich über einen von vielen Wegen Geld zu verdienen. Preisgelder oder Verkauf des Films zum Beispiel. Wenn das passiert gehen 50% von jedem Euro den ich verdiene (ohne vorher Investitionen die ich in den Film gesteckt habe ab zu ziehen) an meine Darsteller. Heißt wenn ich Geld mit dem FIlm verdiene verdienen die auch. Und das nicht zu schlecht. Wenn ich nichts mit dem Film verdienen, und die Möglichkeit besteht natürlich, haben die Darsteller und ich trotzdem was davon. Die Darsteller haben einen Spielfilm mehr in der Liste bei dem sie mit gespielt haben und Material für Demobänder, ich einen Film mit dem ich als Regisseur, Kameramann und ColorGrading Artist zeigen kann was ich kann. Und das kann ja auch zu weiteren, dann vielleicht bezahlten Jobs führen (was es auch schon hat).

    Leben kann ich so natürlich nur weil meine Frau diesen Lebenswandel unterstützt. Sie arbeitet Vollzeit als Angestellte, ich bin Halbtags Papa und die andere Hälfte Filmemacher. Ich werde also unterstützt. Und diese Unterstützung müsste vom Staat geregelt sein. Ich konnte z.B. während des Mutterschaftsurlaubs meiner Frau nichts machen, da einfach das Geld fehlte.

    Aber glaube ich das meine Anliegen, da ich nicht Bernd Eichinger oder Michael „Bully“ Herbig bin von den grossen Parteien geschützt und unterstützt werden? Nicht wirklich. Piratenpartei? Schon eher, als sie zumindest das Problem verstehen und wie ich eingesehen haben das es so, also nach dem klassischen System, eben nicht mehr funktioniert.

    Und da ich glaube das ich dort am ehesten mitgestalten kann werde ich wohl Mitglied bei den Piraten werden.

  53. Comment von Frank Kratzig | 29. Jun. 2009 um 07:45:49

    Ich werde den Wirbel um den Herrn Lobo nie verstehen. Für mich ist das einfach nur ein Affe der es irgendwie in die Medien geschafft hat.

  54. Comment von Cyber | 29. Jun. 2009 um 08:05:48

    Soweit ich weis blieb den allermeissten Künstlern das Leben in finanzieller Sicherheit verwehrt.

    So hart das jetzt klingen mag, aber Brotlose Künste gab es immer und wird es immer geben, und jedem der sich selbst als künstler sieht ein Grundgehalt zahlen wird weder die PP noch irgendeine andere Partei.

  55. Comment von danebod | 29. Jun. 2009 um 08:17:32

    Ich schreib hier kurz was allgemeines zur Programmdiskussion mit Bezug zu einem Zitat aus Sacha Lobos Beitrag hier: „Ich würde keine Partei wählen wollen, bei der ich nicht bzw. kaum weiss, wie sie zu Fragen von Atomkraft, Bundeswehr, Hartz4, Arbeitsmarktpolitik, Frauenrechte, Familienpolitik, EU und so weiter und so fort steht.“

    Im Moment findet eine umfassende Programmdiskussion statt, an diesem Wochenende ist ein Bundesparteitag in Hamburg. Das Thema „allgemeines Programm“ wird ernsthaft behandelt, und so etwas braucht seine Zeit. Das liegt daran, dass die Piraten ihre Programmatik in einer umfassenden demokratischen Dskussion selbst erarbeiten und nicht, wie die SPD, sich von den Liberallalas bei Bertelsmann in Gütersloh vorschreiben lassen.

    Wie steht’s eigentlich mit den geistigen Urheberrechten am SPD-Parteiprogramm? Hat sie anständigerweise Lizenzabgaben an Bertelsmann gezahlt?

    Immerhin muss ich Sascha Lobo zugutehalten, dass man bei ihm als SPD-Spezi und der SPD insgesamt genau weiß, wo sie „zu Fragen von Atomkraft, Bundeswehr, Hartz4, Arbeitsmarktpolitik, Frauenrechte, Familienpolitik, EU“ stehen…

  56. Comment von Tobias Weisserth | 29. Jun. 2009 um 08:18:03

    @Sascha Lobo: Dass man Ihnen Ihr Interview bei 3sat übel nimmt, ist irgendwie verständlich. Mit keiner Silbe wurde erwähnt, dass Sie für die SPD tätig sind, während Sie auf die Piraten eingetroschen haben. Weder Sie noch die Moderatorin haben die Zuschauer darauf hingewiesen, „aus welcher Ecke“ Sie wirklich kommen. Stattdessen wurden Sie durch 3sat als der „Freak aus dem Internet“ im Sinne einer überparteilichen bzw. parteineutralen Person präsentiert. Das verfälschte die Wirkung und Aussagekraft Ihrer Argumente und es war zutiefst unehrlich und unprofessionell.

    Aber die Sache mit der SPD scheint sich für Sie mittlerweile auch erledigt zu haben. Sie haben absolut Recht: die SPD macht sich für eine ganze Generation unwählbar.

    Und was das Urheberrecht angeht: auch als Parteimitglied sehe ich in dieser Sache noch Klärungsbedarf. Aber eines ist sicher: der eingeschlagene Weg mit DRM, Kriminalisierung und zunehmender Marktsegmentierung unter Nutzung technischer Maßnahmen ist Humbug und ein Mißstand, der beseitigt werden muss.

    mit freundlichen Grüßen,

    Tobias Weisserth

  57. Comment von Zwangsneurose | 29. Jun. 2009 um 08:54:43

    @michel
    hat dein Freund schonmal drüber nachgedacht einfach keine Schriften mehr herzustellen wenn niemand mehr danach fragt?

    Das ist eben die Marktwirtschaft: wenn keine Nachfrage da ist, fällt eben automatisch der Preis. Und wenn ich Dinge herstelle die schon 15 Jahre nichtmehr „im Trend“ sind oder bei denen der Markt einfach übersättigt ist, dann brauch ich mich nicht zu wundern wenn ich keinen Gewinn mehr erwirtschafte.

    Und heutzutage ist eben eine Garagenband von damals nicht nur 10 Wohnhäuser entfernt bekannt sondern kann ihre Werke bei MySpace, Youtube und Wasweissichwer hineinstellen und das ganz ohne Rückhalt aus der „Musikindustrie“. Das ist dann natürlich auch viel mehr Konkurrenz für die „großen“. Warum die Musikindustrie was dagegen hat? Ganz klar: dann können sie sich nämlich ihre Retortenstars aus DSDS und co stecken weil die ja eh nur OneHit-Wunder sind – und diese Taktik wird dann definitiv keinen Gewinn mehr abschmeißen.

  58. Comment von kluelz | 29. Jun. 2009 um 09:24:58

    Es ist immer nur das neu Entwickelte, das zu einem Preis verkauft wird, welche die Entwicklungskosten mit abdecken sollen und also den reinen Materialwert und die Lohnkosten sowie weitere unmittelbare Herstellungskosten übersteigt. Nachdem die erste große Nachfrage gedeckt ist und der Verkauf nicht mehr so recht laufen will, entdecken die Hersteller, daß sie sich günstiger stehen, wenn sie den Preis gegen die Herstellungskosten laufen lassen und viele weitere Exemplare verkaufen können als daß bei Beharren auf den hohen Preis die Verkaufszahlen stagnieren und zwar selbst dann, wenn die Entwicklungskosten noch gar nicht gedeckt sind. Aber weitere Entwicklungskosten fallen ja nicht an.

    So ist es beim neuesten Computermodell genauso wie beim neuesten Handymodell oder früher bei der neuesten Kugelkopfschreibmaschine. Auch Bücher werden zunächst im teuren Hardcover verkauft und nach einigen Monaten sodann als Paperback und letztlich noch im Antiquariat verramscht.

    Was ist dagegen einzuwenden, wenn diese dann kostenlos für alle, die warten konnten, wollten oder mußten im Netz verfügbar gemacht werden? Im Netz lesen wird es keiner, aber auffinden und ggf. doch noch Interesse wecken bei solchen, die ob der unglaublichen Menge der Neuerscheinungen gar nicht mitbekommen hatten, daß da etwas veröffentlicht wurde, das sie gern lesen möchten, so daß es dann mit einem kleinen Salär noch für den Autor sowie dem Verlag, der die Arbeit der lesegefälligen Aufbereitung leistete, verkauft werden kann.

    Sascha Lobo blendet darüber hinaus den Komplex des open access aus, bei dem die Autoren entweder keine Vergütung wollen oder diese bereits vom Staat getragen ist und sich lediglich Verlage für die ihnen übertragenen Verwertungsrechte hohe Verkaufspreise regelrecht erpressen.

    Professionelle Produktpiraterie betreiben im übrigen nicht die Netzbenutzer, die sich das ein oder andere illegal aus dem Netz runterladen, sondern ganze in diversen Ländern darauf spezialisierte Industrien.

    Die Netzverfügbarkeit fördert imho letztlich eher die Verkaufszahlen. Bei all den Statistiken über die vermeintlichen Schäden durch die so benannte Musikpiraterie wird stets ausgeblendet, daß vieles überhaupt nur deshalb verkauft werden konnte, weil sich die Käufer über das Netz „einhören“ konnten und die Begehrlichkeit somit entstand.

    Mit Michael Jackson konnte die Musikindustrie in den letzten Tagen nochmal Millionenumsätze einfahren. Wieso? Weil die Sachen allüberall kostenlos zu vernehmen waren.

    Derartige Umsätze sind letztlich dennoch nicht jedem Künstler vergönnt, sondern immer nur denen, die bei einer großen Masse anklang finden. Wenn 10 Millionen das Produkt wollen, ist der Künstler bei 1 Euro pro Stück reich und der Vermarkter ebenso. Kann man hingegen nur 10.000 Interessenten erreichen, wird man alle 2 Monate was neues bringen müssen, um mehr schlecht als recht über die Runden zu kommen.

  59. Comment von Maximale Freiheit um jeden Preis? | 29. Jun. 2009 um 09:36:27

    Ich wollte mal einen Punkt zur Piratenpartei ansprechen, der bisher öffentlich noch gar nicht angesprochen wurde, zumindest ist mir noch nicht über den Weg gelaufen.

    So sehr ich mit einigen Punkten aus dem Piratenpartei-Programm übereinstimme, so sehr kritisiere ich die Piratenpartei auch für ihren Begriff von Freiheit.

    Zeitweise kommt es mir so vor, alle würde die Piratenpartei im Strom zunehemender gesellschaftlicher Individualisierung ein Konzept “maximaler individueller Entscheidungsfreiheit” für alle Bürger/Netizens vertreten. Das bedeutet, dass jeder Mensch im Netz das Recht haben soll, persönliche Entscheidungen über alle relevante Bereiche des Netzes zu fällen. Besonders deutlich wird das, indem gegen EInrichtungen protestiert werden, die anderen Leuten erwas verbieten sollen, zum Beispiel Zensur.

    Ich bin eher für die Einführung integrativer Konzepte, welche die Interessen möglichst vieler Menschen berücksichtigen, als nur die Interessen der Netizens.

    Nicht zuletzt aufgrund der Komplexität menschlicher Beziehungen (in jeder sozialen Interaktion stecken Macht und Herrschaftsverhältnisse, die meisten sozialen Beziehungen basieren auf ihnen, ohne dass wir uns dessen bewusst sind) finde ich das “Piratenkonzept” einfach unzureichend für viele Menschen.

    Das Piratenkonzept spiegelt mehrheitlich die Interessen der Netizens wieder und benachteiligt andere. Nicht zuletzt wird mehr Verantwortung und Druck auf die zu entscheidenen Menschen übertragen, anstatt ihnen rechtliche Rahmen bereitzustellen, welche ihnen bereits viele Entscheidungen und RIsiko abnehmen. Und genau solch einen Rahmen braucht es auch fürs Netz, was ja in Ansätzen bereit durch Creative Commons geschieht. Im Endeffekt werden nach der Forderungen der Piraten alte Machtverhältnisse aufgebrochen (Musikindustrie zb), was durchaus begrüßenswert ist, aber im Gegensatz dazu andere im Netz, dann zum Vorteil der Netizens und Nachteil und nicht so Netzaktiven, aufgebaut.

    Nicht zuletzt dienen die neuen Strukturen vor allem zur Schaffung wirtschaftlicher Opportunitäten einzelner Netizens, der besonders emsigen, engierten, aufstiegsorientierten, mit positivem Weltbezug und wirtschaftsorientierten – also neue Machtverhältnisse, die im Endeffekt dasselbe tun, was auch schon vorher da war: Die Akkumulierung von Kapital.

    Ich bin kein großer Anhänger von Marx, nicht falsch verstehen, aber das Netz gerade ist auch die Chance die Gesellschaft grundsätzlich anders, intergrativer, fairer und solidarischer zu gestalten.

    Und wenn ich mir so die Anhänger der Piratenpartei anschaue (viele, nicht alle), dann geht es denen doch eher darum einen Raum im Netz zu bauen, von sie vor allem profitieren können. Die “Digitalen Boheme” von Heute drohen damit zu den “Bonnzen” von Morgen zu werden, wenn sie es teilweise nicht schon sind, schaut man sich die Rhetorik der Twitter- und Bloghypes an.

    Wir brauche imho also Konzepte, welche nicht nur der wirtschaftlichen Orietierung einzelner Netizens dienen, die sich gerade auch so unheimlich stark für die Piraten machen, sondern Konzepte, die auch den Wunsch vieler nach einer faireren, solidarischeren Gesellschaft gerecht werden.

    Und das Problem beseitigen wir nicht durch die Neustrukturierung des Netzes, sondern das ist etwas, was wir in unseren Köpfen ändern müssen – erst dann seh ich die Chance zur Entwicklung wirklich veränderner Konzepte, nicht nur im Internet sondern auch “offline”.

  60. Comment von annarose | 29. Jun. 2009 um 09:37:43

    RT @timpritlove @saschalobo Finde es bedenklich, dass Du die Freiheitsdiskussion permanent mit der Urheberrechtsdiskussion verbindest und damit abwürgst.

    Sorry, wenn ich hier ein RT poste aber genau das denke ich muss man Sascha Lobo vorwerfen.

  61. Comment von andre | 29. Jun. 2009 um 10:13:58

    @Sascha Lobo: Du hast im mit deinen Anforderungen recht. Für mich ist die Piratenpartei auch (noch) keine Alternative – Steuerpolitik? Wirtschaftsförderung? Fehlanzeige!

    ABER: Denke an die Grünen. Die hatten Anfangs auch nicht viel mehr auf dem Schirm als Umwelt und Frauenrechte und haben sich über die Jahre tatsächlich zu einer etablierten Partei entwickelt.

    Also werden wir mal sehen, wo wir nach der Bundestagswahl stehen und was bei der nächsten passiert. Dann lässt sich ggf. auch eine Perspektive für die Piratenpartei erstellen.

  62. Comment von Frank | 29. Jun. 2009 um 10:16:55

    Ich habe es schon ein paar mal gesagt und auch getwittert:

    Wer damals gegen Atomkraft und für Umweltschutz war hat die Grünen gewählt.
    Wer heute gegen Zensur- und Lügenpolitik ist wählt die Piraten. So einfach ist das!

    Da braucht man sogar überhaupt kein richtiges Parteiprogramm! Das hatten die Grünen am Anfang ja auch nicht. Und aus denen ist mittlerweile auch eine richtig angepasste und stromlinienförmige Partei geworden. Aber sie haben die ersten Umweltminister gestellt.
    Und so werden die Piraten vielleicht die ersten Online-Minister stellen …

    Die Diskussion um Verwertung und Urheberrecht gehört m.E. auch zur Diskussion um das bedingungslose Grundeinkommen (BGE). Gerade Künstler, Blogger, etc. – die nicht in erster Linie aus materiellen Bedürfnissen Werke erschaffen – können sich so ihrer „Berufung“ widmen, ohne permanent mit Existenzsorgen leben zu müssen.

    Und wer wird künftig die Social Media Angebote wir Twitter, WKW, etc. etc. am Leben erhalten, sollten sie sich nicht kommerzialisieren lassen, oder als Alternative mit Werbemüll zugeschüttet werden.
    Auch hier liegt die Lösung im BGE! Warum sollen die Entwickler von Open Source nicht vom bedingungslosen Grundeinkommen leben??
    Schließlich kommt das alles auch der Allgemeinheit zugute und kann dann somit auch von der Allgemeinheit via BGE „bezahlt“ werden.

    PS: Bzgl. des Namens der „Piraten“ mache ich mir überhaupt keine Sorgen. Deriwäre schnell vergessen und das (Wahl)Volk vergisst -wie wir wissen- extrem schnell.
    „Die Linke“ hieß ja auch mal … PDS … SED … ;-)

  63. Comment von nilz | 29. Jun. 2009 um 10:17:04

    sorry, ich muss nochmal kurz meinen senf loswerden, weil ich einigermassen entsetzt bin:

    ich bin bei euch, was die pflicht der künstler/schaffenden betrifft den arsch hochzukriegen und die neuen chancen zu nutzen, die das netz nunmal bietet. tehoretsich kann jetzt die kleinste band aus dem hintersten dorf entdeckt werden, das war noch vor 10 jahren relativ schwer und man war der „gnade“ der content industrie und des musikjournalismus ausgeliefert. auch gorny verschanzt sich als speerspitze der großen label in einem elfenbeinturm aus dem er immer nur „ich will das alles wieder so ist wie früher!“ einmal in der woche herauszubrüllen scheint. ich freu mich auf die unkomm/berlin music days und hoffe mir viele neue und frische ansätze, ja, ich bin überzeutg das das was werden kann und das neue, dringend benötigte modell ist, die diskussion aufzugreifen.

    was ich aber hier teilweise in den kommentaren lese ist ja reaktionärer als csu-killerspiel-verbieter:
    künstler haben sich gefälligst damit abzufinden, kein geld zu verdienen? brotlose kunst sei der normalfall? wenn ein vergleichsweise kleiner künstler (schriftgestalter) mit seiner arbeit kein geld mehr verdienen kann, dann soll er eben damit aufhören?

    mir kommt mein puddingteilchen hoch. das kann doch nicht euer ernst sein. es geht nicht darum millionär zu werden, es geht darum fair für die ARBEIT entlohnt zu werden, die man geleistet hat. denn entgegen den vorstellungen einiger kommentatoren ist es tatsächlich eine arbeitsleistung ein lied zu schreiben und aufzunehmen, einen film zu drehen, ein buch zu schreiben oder eben eine schrift zu entwerfen. wenn die sensibilität für diesen prozess nicht vorhanden ist, dann viel spaß in zukunft ohne musik, filme, schriften, bücher, younameit. denn wenn alle auf dem bau (mal als synonym für angeblich „echte“ arbeit) arbeiten sollen, wo sollen sie dann noch die zeit, die musse und die energie hernehmen, kreativ tätig zu sein.

    ja, sicher: das wird nicht passieren. irgendwer wird immer ideen verwirklichen. aber nur noch die, die es sich auch leisten können. oder die talentierten, die es sich nicht so richtig leisten können, werden von geld-bringern assimiliert. so wie die kirchen damals kunst gefördert, aber eben auch instrumentaliseirt haben.

    sprich: die ganzen „wer kunst macht, soll kein geld wollen“-rufer fordern ein ende der freien kunst. und das ist nichtmal sonderlich überspitzt. herzlichen glückwunsch.

  64. Comment von Zwangsneurose | 29. Jun. 2009 um 10:36:57

    sorry nilz aber dann hast du leider die Marktwirtschaft nicht verstanden. Zumindest im Punkt Schriftenersteller…

    es gibt eben Berufszweige die brechen weg weil niemand mehr danach fragt. Das war früher so, das ist heute so und das wird auch in Zukunft so sein.

    Niemand fordert aber, dass Künstler ihre Kunst nur noch kostenfrei zur Verfügung zu stellen haben. Lediglich die Rahmenbedingungen sollten geändert werden.

    Und ums mal an nem derzeitigen Beispiel zu erklären wie „arm“ doch die Bands sind: Rammstein hat das letztes Album vor 4 Jahren veröffentlich, die letzte Tour vor 4-5 Jahren… und ich hab bis jetzt nicht gehört das jemand von denen auf der Straße lebt.

    Bei den großen Bands wird es dann eben in Zukunft eine Stelle weniger auf dem Konto geben – bei den kleinen vllt eine mehr. Wer weiß.

    Aber gesamt betrachtet sollte man auch bedenken dass es eben nicht nur um das Urheberrecht bei Musik und Video geht sondern auch bei wissenschaftlichen Schriften etc. . So kann vielleicht jemand keine Forschung betreiben weil seine bisherigen Erkenntnisse auf den Werken eines anderen aufsetzen.

  65. Pingback von Die Paradoxie der Piratenpartei « Journal | 29. Jun. 2009 um 11:15:58

    […] heute früh kommt die Piratenpartei auch noch mit einer „Wer nicht für uns ist, ist gegen uns“-Strategie? Ich find‘s erbärmlich. Die Piratenpartei mausert sich zu einer echten deutschen […]

  66. Comment von nilz | 29. Jun. 2009 um 11:23:46

    @ zwangsneurose: wenn das der umkehrschluss ist, dann habe ich marktwirtschaft wohl wirklich nicht verstanden. warum aber dann gegen die musikindustrie wettern, die führt doch gerade marktwirtschaft par excellence vor: wenn es mein geschäftsmodell nicht mehr gibt, oder es wegbricht, dann versuche ich eben es mit gewalt und lobbyismus durchzusetzen. müsste dann doch eigentlich bejubelt werden, oder hab ich das jetzt auch falsch verstanden?

    es gibt sicherlich lukrativere berufsfelder als schriftgestaltung auf dieser welt, mit sicherheit. ich kenne mich da auch nicht aus, in dieser branche, möchte aber wetten das es sich dabei um einen ziemlich übersättigten markt handelt. dennoch: ich gehe nicht davon aus, das der kreative irgendeinen font gemacht hat, den es so schon 1000mal gibt und es ist eben seine art sich künstlerisch auszudrücken. und nun sollen also künste, die am markt gerade nicht so gefragt sind, oder eben auf modernen vertriebswegen ungünstig aufgestellt sind (ein font ist easy zu kopieren und zu vervielfältigen) mit einem „selbst schuld!“ abgebürstet werden? wow. das nenn ich mal kulturschaffende weitsicht. du wirst es mal weit bringen bei der fdp.

    es gibt genug künste, die sich mir nicht erschliessen, die ich einfach nicht verstehe. deren sinn ich nicht sehe. ich käme deswegen niemals auf die idee, den erschaffern ihre arbeitsleistung abzusprechen und zu sagen: wenn du geld verdienen willst, dann mach mal was was allen gefällt! sonst haben wir bald nur noch keith haring-kaffeetassen.

    versteh mich nicht falsch: es gibt viel quastch in der kunst. die kreative leistung ist nicht einfach zu bewerten. und wenn du mal mitbekommst, wie galerien preise ermitteln, wie marktwert bei künstlern errechnet wird (welcher sammler hat was von wem wann gekauft, etc.), da kann einem schnell schwindelig werden. und dennoch: niemals, niemals, niemals köme ich auf die idee einem künstler voruzwerfen, sich nicht dem markt anzupassen. das hat mit meinem kunstverständnis wirklich gar nichts zu tun, aber vielleicht bin ich da nur ein sonderfall. vielleicht ist freie kunst eine illusion, die ich nicht loslassen kann.

    ja, rammstein müssen sich keine sorgen machen (noch nicht). viele andere auch nicht. wie aber daraus, also einem „macht doch bitte was der markt will!“, für eine kleine band eine stelle mehr vor dem komma erscheinen soll, das will mir nicht so recht einleuchten. wo ist denn da das konzept? (abgesehen davon das, so uninteressant ich die auch persönlich musikalisch finde, ich durchaus die leistung sehe, die rammstein gebracht haben und ich ihnen jeden cent gönne, den sie mit ihrer, ich sag es gerne nochmal, arbeit verdient haben…)

    und natürlich geht es auch um wissenschaftliche schriften, das ist aber eine komplett andere abteilung. auch da finde ich, das wissen, information für alle frei zugänglich sein soll. aber die wissenschaftler müssen eben auch davon leben können. sonst hast du bald nur noch finanzierte studien von nutella, mercedes und vattenfall in denen überraschenderweise rauskommt, das schokoaufstrich gesund, autofahren umweltfreundlich und kernenergie harmlos ist. auch hier: freiheit der wissenschaft muss die oberste maxime sein.

  67. Comment von Leyenhaft | 29. Jun. 2009 um 11:33:04

    Mein Kumpel ist Schreibmaschinenhersteller, aber es will gar niemand mehr Schreibmaschinen – und jetzt? Das ist nicht fair!

    Okay, ich hab kein Kumpel der Schreibmaschinen herstellt, aber vllt. wird der Vergleich klar. Wenn Fonts nicht mehr benötigt werden, dann ist das leider mal so. Wie schon erwähnt wurde, Gewerbezweige brechen irgendwann weg, weil die Nachfrage fehlt, und dann muss man sich was neues suchen. Da kann jetzt wirklich nicht mehr von fair/unfair die Rede sein.

    @Florian: Du darfst gerne Kritik äußern, aber das Motto „Besser machen!“ passt hier auch ganz gut. Genau das ist doch das Konzept der Piraten. Liquid Democracy. Das Bundestagswahlprogramm steht nicht zum Spaß in einem Wiki. Nun scheint aber eben das Problem, dass das Volk nicht gewöhnt ist, an etwas mitzuarbeiten, was sie über die Regierung betrifft. Und das ist wichtig zu begreifen. _Jeder_ kann mitsprechen und seine Wünsche und Bedürfnisse einbringen.

    Und wenn man sich dann das Bundestagswahlprogramm ansieht, dann stellt man fest: Da steht ja tatsächlich was zu Umwelt, Wirtschaft und Co. Und wenn man sich dann fragt: „Naja, aber das scheinen ja keine Parteiaussagen zu sein, oder?“ – dann bedenkt man bitte, dass nächstes Wochenende ein Bundesparteitag ist. Der ist eben genau dafür da, dass aus individuellen Meinungen eine Parteimeinung wird.

    Dieser Kommentar ist übrigens keine Parteiaussage, weil ich kein Parteimitglied bin.

  68. Comment von ramses101 | 29. Jun. 2009 um 12:17:38

    Es ist ja nun noch ein kleiner Unterschied, ob etwas nicht mehr benötigt wird und deshalb kein Geld mehr einbringt oder gefälligst umsonst sein soll, weil Geld zu bezahlen total teuer ist.

  69. Comment von DerKölner | 29. Jun. 2009 um 12:19:03

    @Den Kommentar mit dem Font-Freund:

    Wird zwar gesagt, dass der Preis durch illegale Runterladen fällt, aber das ist nur die halbe Wahrheit: Es liegt zum Teil daran, dass es sehr viele Menschen gibt, die Fontserstellen einfach nur als Hobby haben und dabei dann kein (!) Geld für haben wollen. Das ist eine Konkurrenz, mit der Dein Freund nicht mithalten kann. Entweder er macht jetzt auf „Qualität“, obwohl auch die kostenlose Konkurrenz nicht ohne Qualität ist, dem sogar gleichwertig; oder Dein Freund muss auch kostenlos seine Fonts veröffentlichen. Wenn er damit ein Problem hat, dann muss er sich halt fragen, ob er diesen Beruf noch machen will und kann.

    Es gibt dieses Missverständnis, dass die Internetuser alles nur kostenlos haben wollen und mehr nicht. Stimmt nicht. Es wird extrem viel kostenlos von Erschaffer persönllich ins Internet gestellt. Die Wikipedia ist da nur das promineteste Beispiel. Aber auch zu ganz vielen anderem Zeug auch.

    Wenn es also eine große weltweite Gruppe an Menschen gibt, die selber etwas erschaffen, dass übers Internet einer riesigen Zielgruppe anbieten können und trotzdem KEIN Geld für haben will, dann sind wir halt schon zT in einer postmateriellen Gesellschaft angekommen. Der Rest muss sich anpassen, bessere Konkurrenzprodukte entwickeln, oder pleite gehen.

  70. Pingback von Urheberrecht und Klassenkampf – Der Schockwellenreiter | 29. Jun. 2009 um 12:30:01

    […] Dann zu Sascha Lobo: Sascha Lobo ist Berater und vermutlich auch Miglied der SPD. Und sein Handeln und auch seine Argumentation ist in dieser Hinsicht legitim, denn wie schon mein verehrter Lehrer Wolfgang Fritz Haug feststellte, ist Ideologie eine Frage von Standpunkt und Perspektive. Und vom Standpunkt eines bürgerlichen Neoliberalen mit sozialem (Rest-) Gewissen ist der sozialdemokratisch verbrämte Neoliberalismus eine Perspektive, unter der sich alles andere unterzuordnen hat. Denn Sascha Lobo mag alles sein, aber er ist kein Linker. Sein Buch über die digitale Bohème frönt einem kleinbürgerlichen Wirtschaftsliberalismus, der seinen Herkunft von Max Stirners Der Einzige und sein Eigentum nicht leugnen kann. […]

  71. Comment von Schinkenpizza | 29. Jun. 2009 um 12:31:23

    Ich finde es ok, dass man sich jetzt noch nicht auf Ausenpolitik oder andere Dinge konzentiert sondern auf die Sachen bei denen Breite Zustimmung im Netz zu finden ist. Die Grünen sind anfangs auch nur mit Öko und Frieden angetreten…von dem her….

    Ich denke man braucht sich nix vormachen, diese Bundestagswahl muss das Ziel 0,5%+x heissen um an Geld ranzukommen. Die Landesverbände sind noch blutjung und die Kassen leer. In einigen Jahren hat man vielleicht die nötigen Strukturen aufgebaut um Erfolge feiern zu können. So lange muss man Geduld haben und am Ball bleiben.

  72. Comment von annarose | 29. Jun. 2009 um 12:44:32

    Das ganze kommt mir wie der, leicht durchschaubare, Versuch vor
    die Arschkarte „Urheberrecht“ und das geforderte „Geschäftsmodell“
    den Piraten zu zuspielen.

    Wo sind denn die Antworten der SPD zu diesen Fragen?

    und ist nicht der Versuch das UrhG durchsetzten genau der Grund warum wir uns auf dem Weg zur totalen Überwachung befinden?

    In meinen Augen sind die Piraten nicht der richtige Ansprechpartner wenn es darum geht eine Kasse ans Internet zu basteln sonder es lenkt es nur vom Thema ab.

    „Aber denk doch mal einer an die armen Künstler“ ist jetzt die neue KIPO-Keule?

  73. Pingback von Klein anfangen | The educator | 29. Jun. 2009 um 12:57:40

    […] nimmt sich die Piratenpartei aber in ihrer Blase zu ernst und lässt sich außerhalb dieser tragen, wohin die Winde wehen. Herrn Tauss an die vorderste Front […]

  74. Comment von nilz | 29. Jun. 2009 um 13:02:17

    pfff…sorry, aber künstler fair zu entlohnen soll eine kipokeule sein? ist klar. ich sehe schon wo die diskussion hin soll. danke anna, kein bedarf.

    schinkenpizza: nur mit öko und frieden? was für minithemen.

    der kölner: danke. endlich mal substanz. wie gesagt: ich folge euch in vielen punkten. und du hast völlig recht das eine leistung, die in etwa gleich ist, aber umsonst angeboten wird eine leistung zwangsläufig verdrängen muss, die für die gleiche arbeit noch geld haben möchte. da bin ich dabei. das macht sinn. insofern ist der schriftendesigner wohl wirklich zur falschen zeit am falschen ort. nun ist der auch ein kompliziertes beispiel, weil der sich ja in einer grauzone zwischen kunst und dienstleistung befindet. vielleicht sollte er die skills die er hat (haben muss) ja in zukunft einfach in eine andere richtung einsetzen. obwohl es mir immernoch leid tut, das jemand der versucht von seiner kreativität zu leben, daran gehindert wird. aber gut. legen wir den erstmal ad acta. denn du hast sicher recht, das mittlerweile einfach extrem viel vom erschaffer umsonst ins netz gestellt wird. meistens vermutlich mit dem hintergedanken aus diesen „bonbons“ irgendwann auch mal jobs mit geld zu generieren. aber wie gesagt: spezialfall.

    womit wir immernoch nicht die problematik der entlohnung bildender künstler diskutiert hätten. musiker, bildhauer, maler, schriftsteller, etc. wie werden die in zukunft gerecht für ihre arbeit bezahlt? hier will niemand irgendwem eine arschkarte zuspielen (mein gott, immer dieser verfolgungswahn), sondern es geht um einen konstruktiven dialog, um lösungsansätze. um die freiheit des netzes die nur von einer freiheit der kunst profitieren kann.

  75. Comment von Michel | 29. Jun. 2009 um 13:21:00

    @Leyenhaft: Du behauptest, Fonts werden nicht mehr benötigt? :-)

    Wer wird in 20 Jahren Bilder, Schriften, Skulpturen, Literatur etc. noch weiterentwickeln wollen/können, wenn man so denkt wie Du? Werden in 20 Jahren nur noch Lieder für Castingshows produziert, weil diese aufgrund der medialen Aufmerksamkeit die einzigen sind, die markwirtschaftlich handeln können?

    Ich kenne Leute, die für eine explizite Schrift noch nie Geld ausgegeben haben. Warum sollten diese das in Zukunft dann freiwillig machen?

  76. Pingback von kreiere.lebe.liebe » lesebefehl für heute | 29. Jun. 2009 um 13:58:18

    […] die piratenpartei vs. sascha lobo […]

  77. Comment von Nils | 29. Jun. 2009 um 14:22:47

    Gutes Statement. Lese nur auf Twitter und im Newsfeed-Reader wildes Lobo-Gebashe. Mal seinen Standpunkt anschuen – machen die Wenigsten.

  78. Trackback von e13.de | 29. Jun. 2009 um 14:35:08

    Monkey Island revisited…

    Am vergangenen Wochenende fand in Hamburg der wohl europaweit größte inoffizielle kombinierte Notar‑ und Dentistenkongreß statt; es waren mal wieder Harley-Tage angesagt. Die Stadt war schwarz-orange geflaggt und man konnte ohne …

  79. Comment von insideX | 29. Jun. 2009 um 14:42:31

    @Nils @Lobo @DerKölner @nilz

    Standpunkt (aus http://www.piratenpartei-hessen.de/piraten_themen/urheberrecht/piraten_standpunkt/index_ger.html)

    Wie jede bahnbrechende Neuerung erfasst diese vielfältige Lebensbereiche und führt zu tief greifenden Veränderungen. Es ist unser Ziel, die Chancen dieser Situation zu nutzen und vor möglichen Gefahren zu warnen. Die derzeitigen gesetzlichen Rahmenbedingungen im Bereich des Urheberrechts beschränken jedoch das Potential der aktuellen Entwicklung, da sie auf einem veralteten Verständnis von so genanntem „geistigem Eigentum“ basieren, welches der angestrebten Wissens- oder Informationsgesellschaft entgegen steht.

    Keine Beschränkung der Kopierbarkeit
    Systeme, welche auf einer technischen Ebene die Vervielfältigung von Werken be- oder verhindern („Kopierschutz“, „DRM“, usw.), verknappen künstlich deren Verfügbarkeit, um aus einem freien Gut ein wirtschaftliches zu machen. Die Schaffung von künstlichem Mangel aus rein wirtschaftlichen Interessen erscheint uns unmoralisch, daher lehnen wir diese Verfahren ab.

    Darüber hinaus behindern sie auf vielfältige Art und Weise die berechtigte Nutzung von Werken, erschaffen eine vollkommen inakzeptable Kontrollierbarkeit und oft auch Überwachbarkeit der Nutzer und gefährden die Nutzung von Werken durch kommende Generationen, denen der Zugang zu den heutigen Abspielsystemen fehlen könnte.

    Freies Kopieren und freie Nutzung
    Da sich die Kopierbarkeit von digital vorliegenden Werken technisch nicht sinnvoll einschränken lässt und die flächendeckende Durchsetzbarkeit von Verboten im privaten Lebensbereich als gescheitert betrachtet werden muss, sollten die Chancen der allgemeinen Verfügbarkeit von Werken erkannt und genutzt werden. Wir sind der Überzeugung, dass die nichtkommerzielle Vervielfältigung und Nutzung von Werken als natürlich betrachtet werden sollte und die Interessen der meisten Urheber entgegen anders lautender Behauptungen von bestimmten Interessengruppen nicht negativ tangiert.

    Es konnte in der Vergangenheit kein solcher Zusammenhang schlüssig belegt werden. In der Tat existiert eine Vielzahl von innovativen Geschäftskonzepten, welche die freie Verfügbarkeit bewusst zu ihrem Vorteil nutzen und Urheber unabhängiger von bestehenden Marktstrukturen machen können.

    Daher fordern wir, das nichtkommerzielle Kopieren, Zugänglichmachen, Speichern und Nutzen von Werken nicht nur zu legalisieren, sondern explizit zu fördern, um die allgemeine Verfügbarkeit von Information, Wissen und Kultur zu verbessern, denn dies stellt eine essentielle Grundvoraussetzung für die soziale, technische und wirtschaftliche Weiterentwicklung unserer Gesellschaft dar.

    Förderung der Kultur
    Wir sehen es als unsere Verantwortung, die Schaffung von Werken, insbesondere im Hinblick auf kulturelle Vielfalt, zu fördern. Positive Effekte der von uns geforderten Änderungen sollen im vollen Umfang genutzt werden können. Mögliche, aber nicht zu erwartende negative Nebenwirkungen müssen bei deren Auftreten nach Möglichkeit abgemindert werden.

    Ausgleich zwischen Ansprüchen der Urheber und der Öffentlichkeit
    Wir erkennen die Persönlichkeitsrechte der Urheber an ihrem Werk in vollem Umfang an. Die heutige Regelung der Verwertungsrechte wird einem fairen Ausgleich zwischen den berechtigten wirtschaftlichen Interessen der Urheber und dem öffentlichen Interesse an Zugang zu Wissen und Kultur jedoch nicht gerecht. Im Allgemeinen wird für die Schaffung eines Werkes in erheblichem Maße auf den öffentlichen Schatz an Schöpfungen zurückgegriffen. Die Rückführung von Werken in den öffentlichen Raum ist daher nicht nur berechtigt, sondern im Sinne der Nachhaltigkeit der menschlichen Schöpfungsfähigkeiten von essentieller Wichtigkeit.

    Es sind daher Rahmenbedingungen zu schaffen, welche eine faire Rückführung in den öffentlichen Raum ermöglichen. Dies schließt insbesondere eine drastische Verkürzung der Dauer von Rechtsansprüchen auf urheberrechtliche Werke unter die im TRIPS-Abkommen vorgegebenen Fristen ein.

    Gleichstellung von Software
    Wir lehnen einen Sonderstatus von Software im Urheberrecht ab, sofern dieser nicht technisch bedingt ist (zum Beispiel zur Wahrung der Interoperabilität). Dies beinhaltet insbesondere die Ablehnung von Privilegien wie zum Beispiel die Einschränkung der Nutzung und Verfielfältigung von Software, die auch über die Regelungen für andere Werksformen hinaus gehen.

    — Links zum Thema —

    * http://www.goodcopybadcopy.net – eine Dokumentation (in Englisch, 170 MB) über den aktuellen Stand von Copyright und Kultur zum Download.
    * http://www.raubkopierer-sind-verbrecher.de – Diese Website soll der Aufklärung über die Begriffe Raubkopierer und Raubkopie dienen.
    * http://www.no-copy.org/ – NO COPY, das Standardwerk über die Welt der digitalen Raubkopie.

  80. Comment von Leyenhaft | 29. Jun. 2009 um 14:42:39

    Ich stimme DerKölner zu.

    @Michel: Nein, das habe ich nicht behauptet. Aber es braucht dafür keiner mehr zahlen, weil es Millionen von Fonts kostenlos gibt. Warum soll ich als für ein Font Geld ausgeben, wenn es genau so gute umsonst gibt? Mal ganz davon abgesehen bin ich Verfechter der Standardfonts. Alles andere ist meistens Spielerei.

    Mit Musik ist das absolut nicht zu vergleichen. Musik ändert sich ständig. Es gibt zahlreiche Variationen und je mehr Musik desto besser – eben genau das Gegenteil des „Font-Markts“.

    Du sagst es schon – warum sollte man Geld für Fonts ausgeben? Aber wir stehen eben hier bei einem ganz anderen Problem: Sind Font-Künstler noch lebensfähig, wenn es doch so viele Fonts umsonst gibt.

    Natürlich kann man jetzt sagen: Was ist dann, wenn es ganz viel Musik umsonst gibt, sind dann die Musiker noch lebensfähig? Ja, weil für ein Konzert oder ähnliche Aktivitäten (man muss sich eben was einfallen lassen) und Promoartikel immer noch Geld ausgegeben wird. Ich hab ein GreenDay-T-Shirt, aber ob ich je ein T-Shirt vom einem Font-Künstler anziehen werde?

  81. Tim
    Comment von Tim | 29. Jun. 2009 um 15:17:14

    Um wenn geht es denn bei der Diskussion? Um die Erben von Roy Black, die noch bis Jahrzehnte Tantiemen aus dem Werk erhalten, oder die derzeit aktiven Künstler der „Post-Internet-Ära? Das Grundproblem für diese Autoren, Musiker, Gestalter, usw. liegt doch woanders. 50 Jahre populäre Musik, Millionen von neuen Fotografien täglich, Millionen von Hobby-Künstlern. Wir leben auf eine einer ständig wachsenden Müllhalde von „Content“. Das Angebot übersteigt vielfach die Nachfrage. Als Musiker würde ich mir den Strick nehmen, wenn ich sehe, dass Jugendliche ihr Geld zu Konzerten von halbtoten Altrockern wie AC/DC tragen. Oldie-Trash, der jede neue Musik unter sich begräbt. Die Verzweiflung war in den letzten Monaten besonders von Journalisten/Verlage zu sehen.

    Wenn Lobo meint, dass jemand ausreichend Geld bezahlen würde für neuen Content, dann zeigt er nur seine eigene Ratlosigkeit. Der einzige Weg dahin wäre, die Müllhalde zu entsorgen. Verkaufsstopp für gebrauchte CDs, Verlinkungs- und Zitierverbot zu den Internetangeboten der Verlage, Zwangsabgabe auf OpenSource-Produkte, Verpflichtung nur die Fotos von geprüften, professionellen Fotografen für jegliche Veröffentlichung zu nutzen, Ende der Netzneutralität, usw.

    Will Lobo dies?

  82. Comment von Mario | 29. Jun. 2009 um 15:37:45

    Mir kommt gleich das Essen wieder hoch wenn ich hier so einige Kommentare lese. Ich stimme nilz voll und ganz zu.

    Es geht hier nicht darum, evtl. nicht mehr benötigte Leistungen zu subventionieren oder zu stützen. Wenn die Schriftgestaltung (um bei dem Beispiel zu bleiben) nicht mehr benötigt wird, weil man sich im Zuge der Einfachheit weltweit auf zwei Schriftarten einigt, hat ein Schriftgestalter ein Problem. Die Ware wird nicht mehr benötigt und er muss sich was anderes suchen. Was ich überhaupt nicht nachvollziehen kann ist, wenn Leute glauben sich einfach Schriften kostenlos laden zu können. Der Bedarf ist ja dann da, nur bezahlen will keiner!

    Sorry, aber es ist und bleibt Diebstahl! Wo bleibt der Respekt vor der Arbeit anderer? Würden die Beführworter des freien kopierens noch so selbstgefällig enspannt sein, wenn das physikalische Produkt, welches sie selbst herstellen und verkaufen (und davon leben), massenhaft kopiert werden würde?

    Die Verwertung für Künstler und das Urheberrecht müssen geändert werden. Ohne Frage. Aber allen Ernstes zu wollen, dass die Arbeit anderer bei Gefallen und Bedarf einfach mal kostenlos geschnorrt wird, macht die Piratenpartei für mich unwählbar. Ich dachte wirklich, hier schafft es es eine Partei mich für Politik zu mobilisieren. Mit diesen Ansichten und Zielen leider dann doch nicht. Schade.

  83. Comment von ramses101 | 29. Jun. 2009 um 16:09:40

    „KIPO-Keule“? Schon klar. Sollen sich die faulen Künstler doch erstmal nen richtigen Job suchen, von dem sie leben können. Meine Musik, Bücher und Theaterstücke können die schließlich auch noch nach Feierabend schreiben. Macht ein Bekannter vom Freund eines Kollegen auch so und der hat 326 Freunde bei myspace!

  84. Comment von insideX | 29. Jun. 2009 um 16:34:02

    @ramses101 wenn man etwas falsch verstehen will, dann gelingt das auch immer.
    Wo ist dein konstruktiver Beitrag?

    Gruß
    insideX

  85. Comment von ramses101 | 29. Jun. 2009 um 16:39:25

    @insideX ich _will_ überhaupt nichts falsch verstehen, kann aber nicht ausschließen, dass mir das bei der „KIPO-Keule“ tatsächlich passiert ist. Wie war die denn tatsächlich gemeint?

    Mein konstruktiver Beitrag ist schon etwas älter:

    http://blindtextblog.blogspot.com/2009/06/liebe-piratenpartei-so-wird-das-nichts.html

    (Normalerweise poste ich keine eigenen Links, aber ich wollte den doch etwas längeren Beitrag hier nicht komplett als Kommentar abladen)

  86. Comment von ramses101 | 29. Jun. 2009 um 17:46:36

    @insideX ich _will_ überhaupt nichts falsch verstehen, kann aber nicht ausschließen, dass mir das bei der “KIPO-Keule” tatsächlich passiert ist. Wie war die denn tatsächlich gemeint?

    (Mein konstruktiver Beitrag ist schon etwas älter und zu lang für einen Kommentar, aber irgendwie schluckt der Spamfilter Kommentare mit Links.)

  87. Comment von annarose | 29. Jun. 2009 um 19:12:42

    Oh himmel, jedes Wort auf die Goldwaage.

    Für MICH hat es eben schon etwas von einen Keulenschlag wenn der online Beirat der SPD, das Programm der PP kritisiert, ohne selbst einen Vorschlag zum Thema zu machen.

    und an alle die gleich kotzen, welche Partei ist denn für euch wählbar und tritt angemessen für die Rechte der Künstler ein?

  88. Comment von Michel | 29. Jun. 2009 um 19:43:48

    @Leyenhaft: Das mit der Schriftgestaltung war zwar nur ein konkretes Beispiel um, quasi im kategorischen Imperativ, die momentane Probleme des Urheberrechts aufzuzeigen.

    Der Satz „Es gibt zahlreiche Variationen und je mehr Musik desto besser – eben genau das Gegenteil des ‚Font-Markts‘“ ist aber doch nicht wirklich Dein Ernst?

    Nur weil Du persönlich vielleicht mit wenigen Standardschriften auskommst (immer nur Arial und Times oder gar die „Standardschriften“ des 19. Jahrhunderts?), verlangst Du, dass dieser Markt zerschlagen werden soll?

    Warum sollte die Entwicklung auf dem Schrift-Mark langsamer verlaufen, als beispielsweise in der Musik-Branche? (Tatsächlich ist in den deutschen Blogcharts sogar ein „Schriftverkäufer“ unter den Top 50, ein Musik-Blog habe ich auf die Schnelle nicht gefunden.)

    Überspitzt also: Warum soll man für eine Font Geld ausgeben, wenn es Raubkopien überall umsonst gibt?
    Und welchen Grund gibt es, das Wort „Font“ nicht durch „Musik“, „Foto“ etc. auszutauschen?

  89. Comment von ramses101 | 29. Jun. 2009 um 19:46:51

    Stell dich mal nicht so an. „Goldwaage“. Ich lach mich tot.

    Im Grundsatz richtig finde ich die „Kulturflatrate“, weil sie wenigstens anerkennt, dass Arbeit bezahlt werden muss. Einen vernünftigen Verteilungschlüssel hab ich da aber auch noch nicht entdecken können.

  90. Pingback von voices and pirates at Native Berlin | 29. Jun. 2009 um 21:19:00

    […] und nicht vergessen die kommentare dort zu goutieren; steht viel sinnvolles und manchmal auch weniger gelungenes drin. aber ein (kleiner) meinungsspiegel ist’s auf jeden […]

  91. Comment von ramses101 | 29. Jun. 2009 um 21:45:56

    (Hoppla. Mein Folgekommentar war natürlich an annarose gerichtet, nicht an Michel)

  92. Comment von pantoffelpunk | 30. Jun. 2009 um 00:06:41

    Für den Moment ist diese Debatte völliger Unfug und komplett kontraproduktiv – es geht doch bei der Wahl der Piraten nicht darum, eine Regierungspartei mit wasserdichtem Konzept zu allen Punkten unseres Lebens zu wählen, sondern AUSSCHLIEßLICH darum, jemandem über die 5%-Hürde zu helfen, der die Themen der Netzmenschen, UNSERE Themen, nämlich Datenschutz, Zensur und Überwachung kontrovers einzubringen. Über alles andere können wir uns in etwa 12 Jahren unterhalten.

    Und das nehme ich Sascha Lobo auch wirklich übel. Es ist superunglaubwürdig, sich auf der einen Seite für die Petition stark zu machen und auf der anderen Seite eine Partei zu unterstützen, die zu 100% genau das Gegenteil gemacht hat, was die Petition erreichen wollte und dann auch noch denen hinterhertreten, die scih für selbige stark machen. Das riecht nach „Wes´ Brot ich ess´, des´ Lied ich sing´.“

  93. Comment von Julius | 30. Jun. 2009 um 01:54:30

    Nur ne Anmerkung: Ich lese jetzt vom zehntausendsten Künstler, der von seiner Kunst nicht leben kann und was viele Fragen aufwirft, wie man mit Kunst/Kultur Geld verdienne kann. Hier möchte ich mal die ganzen Wissenschaftler in den Raum werfen, die teilweise viel Arbeit + Geld investieren und Rechte abtreten, daß ihre Sachen überhaupt irgendwo veröffentlicht werden. Noch schlimmer: Die umsonst dozieren und evtl. dadurch noch bezahlte Arbeitsplätze gefährden. Alles nur, um dabei zu sein. Um eine Nische in der bezahlten Wissenschaft (und/oder einem Zitierkartell) zu finden, die sich Hr. Lobo evtl. als ‚Experte der Netzkultur'(?) erkämpft/eingefordert/erarbeitet/erbohemient(?) hat.
    Diese Verteilungs- und Zipf- und ‚Der Teufel scheißt auf den größten…‘-Probleme gibt es überall und das Netz verhindert diese Strukturen auch nicht, könnte sie aber bestenfalls abmildern.
    Eine einfache Lösung i.S.v. einigen eindeutigen (Partei)programmpunkten wäre natürlich schön, allein, ich würde nicht daran glauben (evtl. ebensowenig wie an eine gerechte Steuererklärung auf dem Bierdeckel).

  94. Comment von Michel | 30. Jun. 2009 um 11:38:44

    Der Kern des Problems ist für mich: Wie kann man eine zum Teil überflüssige Verwertungsindustrie umgehen und gleichzeitig aber den Künstler stärken?
    (Und nicht wie oben mehrmals gefordert, beide schwächen.)

  95. […] Dieser Artikel hier und Sascha Lobos Kommentar darauf haben mich gestern darauf gebracht, das folgende Posting zu schreiben. Und die umfangreiche Diskussion zur Zeit dazu noch bis zur Mittagspause heute drüber nachzudenken. Dabei gehe ich erstmal nur auf Künstler, Kunsthandwerker, Urheberrechte und Inhaltsverwertung ein. […]

  96. Pingback von jawe.net » Blog Archiv » Urheberrecht und Klassenkampf | 01. Jul. 2009 um 15:35:50

    […] Dann zu Sascha Lobo: Sascha Lobo ist Berater und vermutlich auch Miglied der SPD. Und sein Handeln und auch seine Argumentation ist in dieser Hinsicht legitim, denn wie schon mein verehrter Lehrer Wolfgang Fritz Haug feststellte, ist Ideologie eine Frage von Standpunkt und Perspektive. Und vom Standpunkt eines bürgerlichen Neoliberalen mit sozialem (Rest-) Gewissen ist der sozialdemokratisch verbrämte Neoliberalismus eine Perspektive, unter der sich alles andere unterzuordnen hat. Denn Sascha Lobo mag alles sein, aber er ist kein Linker. Sein Buch über die digitale Bohème frönt einem kleinbürgerlichen Wirtschaftsliberalismus, der seinen Herkunft von Max Stirners Der Einzige und sein Eigentum nicht leugnen kann. […]

  97. […] ein anderes Thema. Und ein äusserst schwieriges dazu. Es geht um Urheberrecht. Ich bin da in einer Diskussion gelandet, tatsächlich ursprünglich aus einem anderen Grund: Viele Piraten pflegen eine sehr, nun ja, laute […]

  98. Pingback von Wochenrückblick 27.06. – 08.07.2009 « Sikks Weblog | 09. Jul. 2009 um 00:26:03
  99. Pingback von we can beat them « unentgratet | 09. Jul. 2009 um 17:04:52

    […] can beat them 9. Juli 2009 sascha lobo ist werber. als werber hat man es bei mir schon mal grundsätzlich schwer wenn man nicht gerade schweinebauch […]

  100. Comment von lucem | 17. Jul. 2009 um 22:33:09

    Diese Schriftsatzersteller-Diskussion (und die darin angesprochenen Probleme) zeigt für mich persönlich eins ganz deutlich:
    Sinn und Zweck der Urheberrechts werden nicht verstanden.

    Das Urheberrecht in der Idee, die dahinter steht, ist eigentlich nichts schlimmes, da es als Schutzrecht den Urheber eines Werkes schützen soll. Genau genommen ist es wünschenswert, diesen Gedanken weiter zu stärken, nämlich dem „Künstler“ sein Recht, über Verwendung und Verwertung seines Werks zu bestimmen, wieder zu geben.

    In der Realität sieht es doch so aus, dass selbständige Künstler dieses Problem nicht betrifft, da sie ihre Werke individuell an den Mann oder die Frau bringen; sobald diese Vermarktung eine gewisse Dimension erreicht, ist dies mit vertretbarem Aufwand nicht mehr möglich, wobei sich eben diese Dimensionsdefinition mit dem Aufkommen der digitalen Verbreitungswege verschiebt und bereits verschoben hat; die einzigen, die das nicht mitbekommen haben sind die Verwerter, als Beispiel die großen Verlage genannt, die ihre Existenzgrundlage dadurch bedroht sehen, dass a) Künstler ihre Dienste nicht mehr wirklich benötigen, um ihre Werke an den Mann oder die Frau zu bringen und b) diese Werke nun auch noch massenhaft kopiert werden können, ob dies nun de jure zulässig ist oder nicht.
    Zu Punkt b muss ich leider sagen, dass die Büchse der Pandora hier bereits geöffnet wurde und der Geist nunmal nicht mehr in die Flasche rein will, egal wie sehr oder wenig sich das der Einzelne wünscht. Hier sind Fakten geschaffen worden, deren Änderbarkeit im Parteiprogramm der PP richtigerweise de facto in Abrede gestellt wurde; die Frage ist also, wie mit den veränderten Gegebenheiten umgehen und ihnen eine Richtung geben, die es den Künstlern erlaubt von ihrem Werk zu leben, und ihnen die Möglichkeit bietet, ihr eigenes Geschäftsmodell zu entwickeln, mit dessen Hilfe dies auch verwirklich werden kann.
    Zu Punkt a sei gesagt, wann immer Wirtschaftszweige durch Fortentwicklung (wobei damit keine Wertung vorgenommen wird) obsolet wurden, haben Sie versucht mit allen Mitteln diese Veränderung aufzuhalten. Wir sollten also in diesem Zusammenhang zwischen der „Urheberdebatte“, also den Belangen des Künstlers, und den Belangen der Verwerter unterscheiden. Und, um ausnahmsweise ins polemische abzugleiten, sollte man nicht vergessen, wer von diesen beiden der „Feind“ ist, der Tauschbörsennutzer unter Missbrauch von Rechtsinstitutionen mit Klagewellen überzieht (was im übrigen die Ironie schlechthin ist – wir verklagen unsere potentiellen Kunden, weil sie danach dann ja wieder bei uns kaufen, so wie die anderen auch, wenn sie erstmal gesehen haben wie wir mit Schulkindern, die drei Songs heruntergeladen und [vermutlich unwissend] selbst auch ein bisschen mitverteilt haben, umgehen).
    Hat jemand mal ernsthaft von jemanden (außer Metallica) gehört, der als Künstler, also Werksurheber, einen Filesharer verklagt hat?

    Und noch etwas, um auf den Schriftsatzersteller als Beispiel zurückzukommen… Märkte verändern sich.
    Was heute noch reißenden Absatz findet, braucht morgen kein Mensch mehr. Die Hufschmiede wurden auch von den Automechanikern verdrängt, also keiner mehr Pferdekutschen fahren wollte, weil es ja jetzt schicke Automobile gab, und sie haben genauso gejammert wie heute die zehntausenden Künstler, deren Platten niemand kauft, deren Filme niemand sieht und deren Skulpturen sich niemand in den Garten stellt. Das hat auch mit Raubkopien per se nichts zu tun; ich bin sicher, in den meisten Fällen liegt es daran, dass es niemanden interessiert, also das Produkt (das Werk) keinen Käufer findet, weil niemand es haben will, oder der Künstler es nicht richtig vermarktet hat. Natürlich gibt es Künstler, die sich einen Dreck um den Geschmack des Rests der Menschheit scheren, und das machen, was sie wollen, und das ist ihr gutes Recht und die dürfen das gerne weiterhin tun; nur sollen sie bitte nicht anschließend darüber jammern, dass sie davon nicht leben können.
    Man kann die Leute nunmal nicht zwingen, für etwas Geld auszugeben, was sie nicht haben wollen.

    Im Übrigen möchte ich mal wissen, wieso manche Diskussionsteilnehmer es für „Raubkopien“ halten, wenn davon gesprochen wird, dass Hobbyisten ihre eigenen Werke kostenfrei in einer Domäne mit kommerzieller Konkurrenz (Fonts) zur Verfügung stellen und sich viele dieser freien Inhalte bedienen, statt Geld dafür zu bezahlen. Wie kann man etwas stehlen, was einem vorher schon geschenkt wurde???
    Selbstverständlich gibt es auch Raubkopien im Bereich Fonts, und früher waren die mal richtig teuer (und sind es teilweise immer noch); das betrifft aber eher Spezialfälle, denn Otto-Normal-Anwender raubkopiert keine Fonts, er benutzt das, was er dabei hat, und sieht sich allenfalls mit Hilfe von google nach neuem um, wobei er da nur selten bei „Raubkopierern“ landen dürfte in einem „Markt“, der kaum noch den Namen verdient. Also, warum ist jemand, der Geschenke benutzt, die andere ihm gemacht haben, ein Raubkopierer?
    Wenn es hier um Plagiate gehen würde, okay, aber selbst das trifft ja nur auf den gewerblichen Bereich zu, und da ist es gleich um zehn Nummer heftiger strafbar, weswegen es sich kaum jemand traut, im gewerblichen Umfeld Raubkopien zu verwenden, die derart offensichtlich nachweisbar sind – wenn er/sei denn bei Verstand ist, und wenn nicht, ist ihm/ihr auch nicht mehr zu helfen…

    Zu Herrn Lobo möchte ich sagen, dass ich nicht finde, dass er mich und meine Meinung in der Öffentlichkeit vertritt, dass ich seine Standpunkte eben nicht teile, und dass ich seine Auftritte im öffentlich-rechtlichen Fernsehen als „Internet-Experte“, was immer das auch sein mag, als fürchterlich peinlich empfinde.

  101. […] die ennomane » Blog Archive » Die Piratenpartei vs. Sascha Lobo […]

  102. Comment von Stefan Drake | 12. Aug. 2009 um 09:01:11
  103. Comment von torsten | 05. Sep. 2009 um 16:08:42

    Jeder sollte sagendürfen, warum er jemanden wählen will oder auch nicht. Ich werde die Piratenpartei auch nicht wählen. Waru? Steht hier:

    http://www.tohawima.de/ich-bin-kein-pirat-warum-ich-die-piratenpartei-nicht-wahle/

  104. […] Text erscheint mir durchaus sehr schlüssig und beachtenswert. Ennomane hat nämlich gut auf den Punkt gebracht, warum sich Sascha Lobo und die Piratenpartei einfach gar […]

  105. […] Welcher deiner Posts führte zu der meisten Diskussion bzw. dem meisten Feedback? Das war “Die Piratenpartei vs. Sascha Lobo” […]

  106. Pingback von Too much information – Notizblock – Nachtgeschichten | 21. Sep. 2011 um 23:30:46

    […] die ennomane » Blog Archive » Die Piratenpartei vs. Sascha Lobo – so lange Sascha Lobo u.a. von den Einnahmen seiner Bücher lebt und auf der Gehaltsliste diverser Medienhäuser steht, wird er die Piratenpartei vor allem in der Urheberrechtsfrage immer kritisieren und angreifen. […]


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