sofa die ennomane

7. Februar 2016

Links der Woche

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  • Will Machines Eliminate Us?:

    ”There are people who are grossly overestimating the progress that has been made. There are many, many years of small progress behind a lot of these things, including mundane things like more data and computer power. The hype isn’t about whether the stuff we’re doing is useful or not—it is. But people underestimate how much more science needs to be done. And it’s difficult to separate the hype from the reality because we are seeing these great things and also, to the naked eye, they look magical.“

  • Computers as Oracles: True Answers We Won’t Understand:

    “An accompanying editorial notes that AlphaCo’s play is “intuitive” and that the folks at DeepMind do not know what the AlphaGo system is “thinking” when it makes a move.“

  • Oklahoma university to track Fitbit activity on all incoming freshmen:

    “Students must hit 10,000 steps each day, have 150 active minutes of exercise per week, as well as an elevated heart rate between 60 and 80 BPM for an extended period of time. Students must buy their own device, just like a textbook.”

  • Is Harm to a Prosthetic Limb Property Damage or Personal Injury?:

    “According to the law, you and your cell phone are two separate entities. No matter how reliant you might feel on the small, glowing rectangle in your pocket, the distinction is clear: you are a person and your phone is your property. In the same way, the law also sees a separation between a person who is using a prosthetic (such as a bionic limb) and the device itself.“

  • Muss das Baby wissen, wie man Kaffee macht?:

    “Heute morgen habe ich mit dem Baby auf dem Arm Kaffee gemacht. Sie ist jetzt 8 Monate alt, und ich hab ihr bei jedem Schritt erklärt, was ich da genau mache. Dabei dachte ich: werden wir je herausfinden, ob es was gebracht hat? Also ob man mit Kindern so früh schon sprechen und ihnen Sachen erklären sollte*?“

  • Reinickendorf:

    “Seit kurzem wohne ich in Reinickendorf. In Alt-Wittenau. Gegenüber ist eine Tankstelle, die hat bis Mitternacht offen. Da geh ich jetzt hin um Zigaretten und Bier zu kaufen.“

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6. Februar 2016

#RIPtwitter

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tl;dr: Twitter wird Facebook immer ähnlicher, weil die Leute es immer mehr wie Facebook nutzen.

twitter

Twitter stirbt 1000 Tode. Mal ist es ein Herzchen, das das alte Sternchen ersetzt, mal sind es Hiobsbotschaften irgendwelcher Analysten betreffend Nutzungs- und Nutzerzahlen, mal ist es die Aufhebung der 140-Zeichen-Grenze (die es übrigens im Original-Twitter nicht gab und erst mit der SMS-Schnittstelle eingeführt wurde.). Im Moment ist es unter dem Hashtag #RIPTwitter der Plan, die chronologische Anzeige der Tweets abzuschaffen und durch einen Algorithmus zu ersetzen, wie wir ihn von Facebook kennen. Das soll schon nächste Woche passieren.

Nun steht also zum zigsten Male Twitters Tod bevor, einige entstauben aus Protest ihre Ello-Accounts und überhaupt zeigt sich die Tech-Avantgarde auf Twitter erstaunlich konservativ, wenn es um Veränderungen an ihrem Lieblingsdienst geht. Vielleicht ist sie aber auch gar keine Tech-Avantgarde, denn sehr viele Tweets, die gerade unter #RIPTwitter gepostet werden, stellen auf das Reizwort „Algorithmus“ ab – und die sind natürlich per se böse. Auch wenn ich nicht ganz nachvollziehen kann, wie diese Menschen es schaffen, entsprechend einem vorgegebenen Algorithmus verarbeitete Nahrungsmittel (=Kekse) angstfrei zu sich zu nehmen.

Aber zur Sache: Ja, ich finde eine chronologisch sortierte Timeline auf Twitter im ersten Impuls auch schöner. Dann muss ich aber daran denken, dass ich nunmal auch nicht den ganzen Tag gucke, was auf Twitter los ist und ich eine Zusammenfassung der wichtigsten Tweets durchaus interessant fände. Tatsächlich verbringe ich relativ viel Zeit damit, Diskussionen im fortgeschrittenen Stadium zurück zu ihren Anfängen zu verfolgen, um zu verstehen, worüber da eigentlich gerade alle reden. Ideal wäre, wenn Twitter einfach beides anbieten würde: Eine algorithmisch sortierte Timeline und die chronologische Sortierung. Et voila: Genau das planen sie. Bleibt zu hoffen, dass sie nicht den Fehler machen, es genauso schlecht wie Facebook zu implementieren, das sich die einmal gewählte Einstellung nicht merkt. Richtig richtig elegant wird die Angelegenheit übrigens, wenn wir uns einen Client mit mehreren Spalten vorstellen wie z.B. Tweetdeck, das ja längst Twitter gehört. In einer Spalte könnte die chronologische Sortierung stehen, in einer weiteren die algorithmische. Also einfach erstmal abwarten: Vielleicht wird ja sogar ganz toll, was Twitter da baut?

Als Twitter neu war, war die Idee mal, dass sich kleine Gruppen von Menschen gegenseitig Status-Updates geben, z.B. der Bürogemeinschaft mitteilen, dass sie jetzt Mittagspause machen. Für eine solche Nutzung ist natürlich die chronologische Reihenfolge unbedingt nötig. Allerdings wird Twitter so längst nicht mehr genutzt. Diese Aufgabe haben längst, Whatsapp, Slack usw. übernommen. Stattdessen wird debattiert und kommentiert, Links werden in die Welt gepostet und Membilder. Ganz wie auf Facebook. Leute sind beleidigt, wenn eins ihnen nicht zurückfolgt, obwohl es gar kein „Friending“ wie auf Facebook gibt. Fremde grätschen sich gegenseitig in die Kommunikation und allerorten ist fröhlich Trollerei. Wenn Twitter zu etwas längst nicht mehr taugt, dann für den Use-Case, für den Twitter mal gedacht war. Wenn Twitter versucht, Facebook ähnlicher zu werden, dann liegt das auch daran, dass die Leute ständig versuchen, Twitter wie Facebook zu benutzen.

Aus der Sicht von Twitter ergibt die Einführung der algorithmischen Sortierung jedenfalls sehr viel Sinn. Twitter hatte schon immer Schwierigkeiten damit, dass Neu-Nutzer nicht so recht damit klarkamen. Intressante Accounts und Inhalte müssen im Heuhaufen erst einmal gefunden werden. Wer neu dazu kommt, wird schnell wieder zur Karteileiche. Eine algorithmische Aufbereitung ist also durchaus im Sinne der Nicht-Hardcore-Nutzer und könnte die Twitternutzung wieder ankurbeln. Gleichzeitig ist sie im Sinne der prominenten Twitterer mit vielen Followern. Die kriegen aufgrund ihrer Leserzahl mehr Likes und Retweets, was vermutlich dazu führen wird, dass ihre Tweets durch den Algorithmus noch sichtbarer werden als zuvor. Verlieren werden diejenigen, die weniger Follower als Sendungsbewusstsein haben. Deren Tweets werden vermutlich weniger sichtbar sein als bisher. Wahrscheinlich wird es schwieriger sein, auf Twitter populär zu werden und sich eine Followerschaft zu erarbeiten. Dafür haben die Social-Media-Berater in Zukunft mit dem Algorithmus einen Kaffeesatz mehr, aus dem sie lesen können, um ihren Kunden Rezepte für mehr Aufmerksamkeit anzudienen.

Der Umbau ist also aus Business-Sicht keine schlechte Idee. Und leider ist Twitter ein Business. Das blenden viele Nutzer gerne aus: Ihre Forderungen laufen im Grunde auf eine Demokratisierung der Plattform hinaus. Konsequent gedacht: antikapitalistisch. Enteignen und so. Also das, wofür es sonst Haue gibt, wenn man* es zu klar sagt. Demokratisierung ist bei hinreichend großen Plattformen eine sehr berechtigte Position. Bin ich auch ganz und gar für. Ich frage mich nur, warum dann nicht längst alle bei APP.net, Identi.ca, Ello und natürlich Diaspora sind. Mein Tipp: Sie werden es auch in Zukunft nicht sein. Und Twitter wird auch diesen Tod überleben (wenn es nicht sowieso schon tot ist.)

Update: Jack Dorsey dementiert.

 

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24. Januar 2016

Links der Woche

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  • Zu Gast bei Linken:

    “Die Flüchtlingsdebatte hat in der Links­partei einen Streit offengelegt, der bislang mühsam kaschiert werden konnte.”

  • Nutella bloggt:

    “Es gibt immer wieder Diskussionen von mehr (selten) oder weniger (häufig) kompetenten Personen über angebliche rechtsfreie Räume und ob diese, insbesondere in einer Demokratie existieren dürften. Da scheint schon viel Verwirrung zu herrschen, was ein rechtsfreier Raum überhaupt ist und wie sich das auf eine Demokratie und einen Rechtsstaat auswirken würde. Und was das ganze mit Recht und Demokratie und so zu tun hat.“

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17. Januar 2016

Links der Woche

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  • Gefühlte Kriminalität:

    “Die Polizei meldete 2013 und 2014 nur jede 43. Vergewaltigung an die Medien, aber jeden 5. Handtaschenraub. Beide Straftaten passierten etwa gleich häufig.“

  • SPREEBLICK:

    ”Wenn wir aber keine Partei haben, die sich bedingungslos gegen sie stellt. Wenn es niemanden gibt, der in unserem Sinne die Stimme erhebt. Wenn wir keine Treffpunkte, keine Vertreterinnen und Vertreter haben. Dann geben wir die Straße, die Kommentarfelder, die öffentlichen Debatten, die Demokratie und die Menschlichkeit auf.“

  • Waldorf ist alles andere als geborgen: Erfahrungen zwei entgeisterter Eltern:

    “Klar umrissen ist zum Beispiel, in welchem Alter Kinder welche Entwicklungsschritte machen. Die kindliche Entwicklung ist in 7-Jahres-Intervalle untergliedert und es wird davon ausgegangen, dass Kinder in gleichem Alter die gleiche Entwicklung durchmachen. (…) Es fing schon mit zwei Jahren an, sich für Buchstaben zu interessieren, mit drei Jahren einzelne Buchstaben zu lesen und schreiben und ist sprachlich auf einem Niveau, das immer wieder für Irritationen sorgt. Wir versuchen, dem Kind eine passende Umgebung zu bieten, denn es ist, kurz gesagt, immer auf 180. Im Waldorf-Kindergarten wurde uns zunächst signalisiert, dass wir wohl ein bisschen selbst dran Schuld seien, dass das Kind sich schon für Buchstaben interessiere und dann nahegelegt, wir sollten das Kind „ausbremsen“.

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10. Januar 2016

Links der Woche

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  • Geständnisse eines arabisch und nordafrikanisch aussehenden Menschen:“Als arabisch und nordafrikanisch aussehender Mensch war mir Feminismus schon immer ein Anliegen. Ich lerne nun, dass das nicht in meiner Kultur liegt (wie wir alle wissen, ist unsere Kultur eine direkte Funktion unserer Hautfarbe) . Geduldig wurde mir in den Kommentaren erklärt, dass ich dem “Genderwahn” verfallen sei und ich wurde als “Frauenversteher” bezeichnet. Wenn “jemanden zu verstehen” zur Charakterschwäche wird, weiss man wohl, dass man es mit einer Kultur zu tun hat, die Frauen- und Menschenrechte zu schätzen weiss.”

  • als Frau in Köln:“Ich beschreibe fast nur Dinge, die mir persönlich zugestoßen (Ich-Perspektive) sind bzw. zugefügt wurden. In den wenigen Teilen, die ich nicht direkt erfahren habe, sind die Quellen für mich vertrauenswürdig genug, um die Geschichten zu übernehmen.“

  • The Misleading War on GMOs: The Food Is Safe. The Rhetoric Is Dangerous.:“Anti-GMO activists decried genetic engineering as imprecise and random. They ignored the far greater randomness of mutation in nature and the far greater imprecision of traditional breeding.“

  • The new wall — Copy me happy:“Today is a day of shame. Today is the day where the most beautiful things I loved about Sweden was taken away from me. The possibility of turning the other way around and going towards an open, inclusive, loving, caring society looks bleek, at best.“

  • 7 Real Products That Get Their Names From Dystopian Fiction:“We all use dystopian movies and books to make sense of our world. Whether it’s Brave New World, 1984, or The Hunger Games, dystopian fiction serves as a common touchpoint to talk about our fears. But what happens when companies knowingly embrace the dark side of futurism and start naming products after the things we were supposed to find scary?“

  • Die Gewalt von Köln und was jetzt zu tun ist:“Es kotzt mich an, all das zu lesen, es kotzt mich an, dass die Sicherheit von uns Frauen immer und immer wieder instrumentalisiert wird. Ich hasse diese Scheinheiligkeit, mit der unser potenzielles Leid und unsere Gefährdung für die kleinen oder großen Ränkespiele irgendwelcher Idioten herhalten müssen.”

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6. Januar 2016

Medienversagen?

Ein Kommentar
 

tl;dr: Wer angesichts der Ereignisse von Köln ein „Medienversagen“ beklagt, spielt den „Lügenpresse“-Rufern in die Hand und lenkt vom eigentlichen Thema ab: sexuelle Gewalt gegen Frauen und Polizeiversagen.

Winter

 

Ich hatte gestern schon über die sexuellen Übergriffe in der Silvesternacht gebloggt – überwiegend mit sehr positivem Echo. Es freut mich zu lesen, dass Versuchen, die sexuellen Übergriffe für Ausländerfeindlichkeit zu instrumentalisieren, gerade entschieden widersprochen wird, insbsondere auch von Feminist_innen. Gut so. Mir ist da allerdings noch ein anderer Punkt aufgefallen:

Derzeit wird viel gefragt, warum die Berichterstattung erst so spät einsetzte. Manche mit dem „Lügenpresse“-Holzhammer, andere ein wenig subtiler, immer mit dem verschwörungstheoretischen Geraune, sobald Ausländer Straftaten begingen, werde das in den Medien unterdrückt. Und natürlich kommen alle aus der rechten Ecke.

Die Antwort steht im Kalender. Schauen wir uns mal die Abfolge der Ereignisse an: Silvester war am Donnerstag, Neujahrstag am Freitag war Feiertag. Es folgten mit Samstag und Sonntag das Wochenende. Auch Redakteure und Journalisten machen Urlaub, spannen über den Jahreswechsel ein paar Tage aus oder haben Wochenende. Wann, wenn nicht dann? Ich weiß aus eigener Anschauung, dass die Redaktionen nur spärlich besetzt sind. Zu großen Teilen wird gedruckt und gesendet, was die abwesenden Kollegen vorproduziert hatten, der Rest kommt aus Agenturmeldungen. Investigativer Journalismus findet nicht oder nur sehr eingeschränkt statt. Dass die Redaktionen keine Chance hatten, auf die Ereignisse aufmerksam zu werden, liegt auch daran, dass es eben keine entsprechenden Agenturmeldungen gab. Die Kölner Polizei hatte zunächst einen Bericht veröffentlicht, wonach Silvester in Köln friedlich verlaufen sei. Die Ereignisse auf der Domplatte wurden nur am Rande erwähnt. Wer dem als Journalist nachgehen will, muss das am Wochenende tun, wenn kaum jemand erreichbar ist.

Der Polizeibericht ist vom 1. Januar um 8.57 Uhr. Ich kann mir deutlich vorstellen, dass dem Beamten, der ihn verfasst hat, selber der Überblick fehlte. Wenn, dann ist hier vor allem von Polizeiversagen zu sprechen. Wie konnte es dazu kommen, dass es allerlei Augenzeugenberichte gab, die mitteilten, die Polizei habe nicht eingeschritten bzw. sei nicht hilfreich gewesen? Waren die Einsatzkräfte mit der chaotischen Situation der Silvesternacht schlicht überfordert? Und ist es nicht völlig normal, dass es ein bis zwei Tage dauert, bis sich diese Augenzeugenberichte zu einer Nachricht verdichten, während eine offizielle Quelle fehlt?

Jedenfalls: Am Wochenende gab es die ersten Berichte von Lokalmedien und am 4.1. – Montag und erster Werktag – nahm die Berichterstattung volle Fahrt auf und überschlägt sich seitdem: Google News listet eine vierstellige Anzahl von Artikeln. Zu behaupten, die Medien würden nicht berichten, ist absurd. Der Ablauf zeigt: Verschwörungstheorien sind Unsinn. Vermutlich können sich Menschen, die das Internert gewöhnt sind, wo Meldungen im Sekundentakt hereinkommen, nicht mehr vorstellen, dass Journalisten eben auch mindestens Stunden und manchmal Tage brauchen, um zu reagieren und zu recherchieren – und zwar nachdem ihnen selbst eine Sache bekannt geworden ist.

Dass am Wochenende kaum berichtet wurde, liegt an einer Verkettung von Umständen, die sich vielleicht Medienversagen nennen lässt. Wer das tut, sollte sich dann aber fragen, ob er oder sie nicht in Zukunft auf Urlaub und Feiertage – insbesondere an Silvester – verzichten möchte. Wenn versucht wird, hier Manipulation zu unterstellen, dann ist das ein Nebenkriegsschauplatz, der ein pegidiotisches Weltbild abrunden soll.

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5. Januar 2016

Köln

12 Kommentare
 

tl;dr: Wer bei sexueller Gewalt lieber über Ausländer als über sexuelle Gewalt klagt, dem sind die Opfer halt egal.

dom

In Köln kam es in der Silvesternacht zu Ausschreitungen. Offenbar hat eine Bande Krimineller einen besonders ekelhaften „Trick“ verwendet, um zu stehlen: Sie fingen an, Frauen zu belästigen und das als Ablenkung für Diebstähle zu verwenden. Es kam zu 90 Anzeigen, davon 15 Anzeigen wegen sexueller Belästigung und einer wegen Vergewaltigung. Die Täter werden als Nordafrikaner beschrieben, die „Masche“ ist auch aus anderen Städten bekannt, es gibt Hinweise auf organisierte Kriminalität.

Seitdem dreht der Mob (nicht nur) im Internet wieder frei.

Es wird von 1000 „Invasoren“ schwadroniert. Sofort werden sie als Flüchtlinge bezeichnet, obwohl die Polizei darauf hinweist, dass es sich nicht um Flüchtlinge handelt. Aus dem Thema Kriminalität wird schwupsdiwups das Thema Ausländer. Volkspfosten entdecken ihr Herz für Frauenrechte und werfen sich in die Brust, um die weiße Frau vor den Übergriffen farbiger Menschen zu schützen.

Die Reaktionen im Netz zeigen einmal mehr puren Rassismus. Auch wenn diese Taten schamlos und in aller Öffentlichkeit begangen wurden, was sicherlich eine neue Dimension ist, finden die meisten sexuellen Übergriffe immer noch im Freundes- und Familienkreis statt. Auf dem Münchner Oktoberfest kommt es im Schnitt einmal täglich zu einer Vergewaltigung. Öffentliche Empörung? Quatsch, das wird weggelacht.

Das Thema ist Kriminalität und Gewalt gegen Frauen. Das Ziel muss sein, solche Gewalt künftig zu verhindern. Wer glaubt, das ließe sich verhindern, indem keine Nicht-Deutschen mehr ins Land gelassen werden, glaubt im Umkehrschluss, der edle weiße Mann sei grundsätzlich weder kriminell noch sexuell übergriffig. Und wer daraus eine Geschichte von „ausländischen Invasoren“ dreht, interessiert sich kein Stück für Frauen, sondern geilt sich nur daran auf, mal wieder ein Thema gefunden zu haben, mit dem sich gegen Ausländer hetzen lässt.

Als sei das alles noch nicht traurig genug, kommt noch die „Lügenpresse“-Fraktion um die Ecke und beklagt, die Medien würden nicht darüber berichten – garniert mit Links zu Medienberichten.

Und natürlich pflegen all diese neuen Verteidiger der Frauenrechte trotzdem weiterhin ihren Hass auf Feminismus – weil die Netzfeministen sich angeblich zu sehr zurückhalten würden. Dass es Frauen egal sein könnte, welche Hautfarbe eine Person hat, von der sie vergewaltigt oder bedroht werden, scheint den Volkspfosten nicht in den Sinn zu kommen.

Das ist alles auf so vielen Ebenen so kaputt. 2016, warum musst du so scheiße anfangen? Da danke ich Antje Schrupp für klare Worte.

Update: Mitterlweile gab es in Köln ein Krisentreffen von Polizei, Stadtvorderen und Verantwortlichen. Ergebnis: Die Frauen in Köln waren wohl selber schuld, dass ihnen sowas passiert ist, schließlich sollten sie zu Fremden „eine Armlänge Distanz“ wahren. Ich komme aus dem Kopfschütteln nicht mehr heraus…

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3. Januar 2016

Links der Woche

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  • Why you should always buy the men’s version of almost anything:

    ”The scooters’ price gap isn’t an anomaly. The New York City Department of Consumer Affairs compared nearly 800 products with female and male versions — meaning they were practically identical except for the gender-specific packaging — and uncovered a persistent surcharge for one of the sexes. Controlling for quality, items marketed to girls and women cost an average 7 percent more than similar products aimed at boys and men.“

  • Das sind die wahren Chemtrails:

    “Aluminium, Barium und Strontium, diese Stoffe lassen sich viel viel unauffälliger in die Atmosphäre bringen, als mit Flugzeugen. Und das perfideste daran ist, die ganzen Ungläubigen pusten das Zeug selbst in die Umwelt. Wirklich wahr! Die Recherchen von Psiram haben genau das ergeben. Einmal im Jahr, wenn ganz besonders viele verdächtige Streifen am Himmel zu sehen sind, steigt die Feinstaubbelastung mit folgenden Stoffen massiv an.”

  • The end of capitalism has begun:

    “In the “Fragment” Marx imagines an economy in which the main role of machines is to produce, and the main role of people is to supervise them. He was clear that, in such an economy, the main productive force would be information. The productive power of such machines as the automated cotton-spinning machine, the telegraph and the steam locomotive did not depend on the amount of labour it took to produce them but on the state of social knowledge. Organisation and knowledge, in other words, made a bigger contribution to productive power than the work of making and running the machines.“

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28. Dezember 2015

Kommt alle zu Pocket!

4 Kommentare
 

tl;dr: Pocket könnte mich (und euch) glücklich machen.

pocket

Ich bin so ein hoffnungslos gestriger Mensch, der sich nicht einfach darauf verlassen mag, was Twitter reinspült, während ich zufällig gerade gucke, oder was der Facebook-Algorithmus so vorkaut. Deshalb benutze ich einen RSS-Reader, in dem ich die für mich relevanten Nachrichtenquellen abonniert habe. Vor ungefähr 5 Jahren gab es eine Zeit, in der ich quasi glücklich war. Meine Feeds hatte ich über den Google Reader abonniert und der hatte ein ganz großartiges Feature: Ich konnte Link-Empfehlungen anderer Menschen abonnieren und selber Links Leuten empfehlen, die mich abonniert hatten. Dazu musste ich nur auf ein Sternchen am Artikel klicken. Daraus bildete sich lose Netzwerke von Leuten, die sich gegenseitig höchst interessante Links zuschoben, die nicht in Echtzeit gelesen werden mussten sondern immer dann, wenn man gerade Lust und Zeit hatte.

Der Google Reader verschwand und wurde bei mir durch Feedly ersetzt, aber eine vergleichbare Linkschleuder vermisse ich seitdem schmerzlich. Und die hat sich neulich Pocket in die Apps für iOS, Android und zuletzt auch in den Webclient eingebaut. Pocket war für mich längere Zeit uninteressant, weil „Read it later“ in meinem Falle regelmäßig „Read it never“ bedeutete – bis ich anfing, es für den redaktionellen Alltag und meine Arbeit zu nutzen. Aber richtig viel Spaß macht, dass Pocket-Nutzer sich seit einiger Zeit gegenseitig „folgen“ und ausgewählte Artikel ihren Followern empfehlen können. Das machen in meinem Umkreis bisher nur sehr wenige und trotzdem liebe ich die „Empfehlungen“-Spalte meiner Pocket-App jetzt schon sehr. Sie enthält die Empehlungen der ersten Netzbekanntschaften, die ich dort finden konnte, den auf Pocket meist gelesenen Artikeln und wenn gerade wenig los ist, noch einem algorithmisch zusammengestellten Bodensatz aus Dingen, die mich interessieren könnten. Das ist mir in den letzten Wochen quasi Tageszeitung geworden. Insbesondere in einer Zeit, in der das freie Web langsam zu Gunsten großer Plattformen stirbt, bildet Pocket eine Plattform, die das freie Web eher stützt und den guten alten Link hochhält. Über Pocket entdecke ich in Tagen Artikel und ganze Blogs wie sonst auf Twitter und Facebook in Monaten nicht.

Deshalb meine Bitte: Kommt rüber zu Pocket. Empfiehlt dort, lass euch empfehlen, abonniert mich, ich abonniere euch. Mein Profil findet ihr hier. Schnittstelle zum Verbreiten auf Twitter und Facebook sind genauso eingebaut wie die Möglichkeit, ausgewählte Links statt der Allgemeinheit nur bestimmten Leuten zukommen zu lassen. Und welche eurer Bekannten schon auf Pocket sind, die ihr abonnieren könntet, findet ihr heraus, indem ihr Pocket eure Facebook-Friendings und Twitter-Followings durchsuchen lasst. Und natürlich lässt sich Pocket wunderbar mit Feedly und anderen Diensten kombinieren.

P.S.: Ich habe nichts mit Pocket zu tun und bekomme kein Geld für diesen Blogpost. Ich bin nur das erste mal seit gefühlt 2011 oder so von einem Feature in einem Social Dingsi begeistert.

P.P.S.: Ein weiterer spannender Aggregator ist übrigens Nuzzel, der zusammenfasst, welche Links eure Twitter-Followees am letzten Tag so verbreitet haben. Max Buddenbohm erklärt, wie’s geht.

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27. Dezember 2015

Links der Woche

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  • Bitte lachen Sie jetzt nicht:

    “Neulich ging ein Video viral, in dem junge Menschen das Gerücht verbreitete, Flüchtlinge hätten ein Kind gegessen. Bei lebendigem Leib:

    Tatsächlich berichtete im August eine Zeitung, dass so etwas passiert sei. Allerdings war es Der Postillon.

    Jetzt Kann man über die Blödheit der jungen Leute natürlich lachen. Viele der Menschen, die solche Räuberpistolen gegen Flüchtlinge weitertratschen, scheinen nicht unbedingt die hellsten Kerzen auf der Torte zu sein.

    Allerdings wäre das gemein.  Denn, wie Meedia berichtet, waren zumindest einige der jungen Menschen dort Förderschüler. Also eigentlich Menschen, die eher Schutz als Häme von uns erwarten sollten.”

  • Now AI Machines Are Learning to Understand Stories | MIT Technology Review:

    “Face and speech recognition is now child’s play for the most advanced AI machines. But understanding stories is much harder. That looks set to change.“

  • Weckschrei Digitalisierung – Todesmarke zehn Prozent:

    “Wenn die große Flut kommt, baue Schiffe und nicht Deiche.“

  • Water | Message of refugees:

    “Later on I called my mother in Damascus. She told me she was up from 3 in the morning. My father and her were trying to fill the water tank on the rooftop. They had no water for the last 2 weeks. They were filling gallons from ground floor carrying them up to the rooftop and so on. Water cannot reach the 3rd floor, because  the Water Pump was very weak. I felt so embarrassed I had the privilege of a hot bath.”

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