sofa die ennomane

22. Februar 2015

Links der Woche

  • Wie ein Franzose in Berlin Kirchensteuern zahlt:

    “Als ich in Berlin ankam, musste ich mich beim für Bürgeramt anmelden, das ist ein ganz normales und obligatorisches Verfahren für jeden Neuling. Während der Registrierung werden Sie nach Ihrer Religion gefragt. Atheist aus Überzeugung und hatte noch nie was mit der Kirche zu tun – außer meiner Taufe (für die ich nicht verantwortlich bin) habe ich “Keine Religion” angekreuzt. Wenige Monate später erhielt ich einen Fragebogen von der Kirchensteuerstelle Berlin (Finanzamt). Grob gesagt wurde ich gefragt, ob ich sicher bin, Atheist zu sein (Katechismus? Nein! Religiöse Heirat? Nein! etc.). Ich bestätige, dass ich mit Sicherheit Atheist bin. Ich fand das Formular sehr aufdringlich und glaubte aber, dass sie mich nun zumindest in Ruhe lassen. Ein schwerer Irrtum.”

  • Dresden: Der 13 Februar zwischen Opfermythos und „Danke Bomber Harris“:

    “Was vielen Deutschen als „Apokalypse“ erscheint, rettete einigen ihrer Opfer das Leben und wurde von anderen ihrer Opfer begrüßt. (…) Um die Bombenangriffe auf Dresden wurde in den letzten Jahrzehnten ein Opfermythos aufgebaut, der sich hartnäckig hält.”

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15. Februar 2015

Links der Woche

  • How One Stupid Tweet Blew Up Justine Sacco’s Life – NYTimes.com:

    “I could understand why some people found it offensive. Read literally, she said that white people don’t get AIDS, but it seems doubtful many interpreted it that way. More likely it was her apparently gleeful flaunting of her privilege that angered people. But after thinking about her tweet for a few seconds more, I began to suspect that it wasn’t racist but a reflexive critique of white privilege — on our tendency to naïvely imagine ourselves immune from life’s horrors.”

  • Chronologie – Olympia Bewerbung Berlin 90er Jahre:

    Berlin hatte sich ja schonmal für die olympischen Spiele beworben. Eine Chronologie zur Erinnerung.

  • Jack Durden Fight Club Analysis of Movie (Are Bob, Marla and Project Mayhem Real?):

    Fight Club endet mit einer ordentlichen Überraschung und wird für seine maskulistischen Inhalte gehasst. Diese Filmanalyse fügt gleich noch mehrere Ebenen der Überraschung hinzu und erlaubt einige sehr interessante und weitergehende Interpretationen. Ich bin begeistert, wie der Film nach 15 Jahren nochmal zum Zuschauerpuzzle wird und muss ihn mir daraufhin nochmal ansehen.

  • Besuch bei den Impfgegnern:

    “Es folgen zwei Nachrichten anderer Gruppenmitglieder, in denen die Fragende darin bestätigt wird, nicht auf den Arzt zu hören und sich von dessen Impfpropaganda nicht beeindrucken zu lassen. An diesem Punkt halte ich es nicht mehr aus.”

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8. Februar 2015

Links der Woche

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6. Februar 2015

Mimimi…Mindestlohn!

tl;dr: Irgendwer muss den Abwasch halt machen.

abwasch

Dass einige Unternehmen keinen Bock haben, den Mindestlohn zu bezahlen, ist keine große Überraschung. Wie groß ihr Mimimi ist und mit welchem Ernst es vorgetragen wird, überrascht dann doch. Gerade bin ich zum Beispiel über den Artikel “Generation Kein Praktikum” von Florian Nöll gestoßen, der offenbar ziemlich sauer auf die Bundesregierung ist. Abgesehen davon, dass der gute Mann wohl glaubt, wir leben in einer Diktatur, in der Gesetze mal eben so von der Regierung erlassen werden statt vom Parlament beschlossen, erstaunt mich doch das Ausmaß der Asozialität seiner Argumentation.

Zunächst: Wenn du eine Firma hast und deinen Mitarbeitern nichtmal den Mindestlohn von 8,50 € die Stunde zahlen kannst, ist dein Businessmodell kaputt. Tipp: Wenn der nächste Unternehmer ankommt euch da was vorjammert, einfach antworten: “Oh, so schlecht läuft dein Laden?” Gründer klagen gerne über die “Zustände” in Deutschland. Wenn sie gehegt, gepflegt und privilegiert werden wollen, weil sie Jobs schaffen, dann dürfen wir sie bei letzterem auch beim Wort nehmen.

Aber um fair zu bleiben: Nöll geht es ja nicht um den Mindestlohn an sich sondern um Praktikant*en. Den Artikel beginnt er damit, dass er ein paar bekanntere Startup-Gründer nennt, die alle mal mit schlecht- oder unbezahlten Praktika angefangen haben. Dabei ist genau das doch die Botschaft solcher Praktika: Wenn du nicht für deine Arbeit bezahlt wirst, dann lass deinen Chef den Scheiß doch selbst machen, nimm die Beine in die Hand, lauf so weit du kannst und mach deinen eigenen Laden auf. (Wichtig dabei nur: Glaube nicht, Firmen als Kunden gewinnen zu können, die dich schon als Praktikant nicht bezahlen wollten.)

Im weiteren Verlauf des Artikels folgt dann ein langes Mimimi, dass nicht anerkannt würde, welche Ausbildungsleistung so eine Agentur/Startup/Klitsche erbringt. Ausbildungsleistung my ass. Hat eine Praktikant*in Glück, darf sie arbeiten, wie alle anderen auch – nur halt ohne ordentliche Bezahlung. Hat sie Pech, geht es nur um unbezahltes Kaffeekochen. Wenn ihr ausbilden wollt, dann stellt halt Auszubildende ein. Die bekommen dann einen Tariflohn, der meist unter dem Mindestlohn liegt. Ach, Auszubildende sind teuer, weil die dauernd in der Berufsschule sind und man* einen Ausbilder einstellen müsste? Dann frage ich mal umgekehrt: Warum genau sollte ich länger als drei Monate bei dir arbeiten, wenn du mich weder angemessen bezahlen noch mir eine qualifizierte Ausbildung bieten kannst?

Und die Uni-Absolventen, so Nöll weiter, die seien ja gar nicht für bestimmte Berufe qualifiziert. Komisch nur, warum sich Unternehmen, die wirklich daran interessiert sind, nachhaltig Mitarbeiter auszubilden und in ihr “Humankapital” (welch Wort…) investieren, für solche Fälle Trainee-Programme anbieten – mit dem Ziel, diese Mitarbeiter langfristig aufzubauen und in der Firma zu halten. Mies- bis unbezahlte Praktika sind das Gegenteil einer solchen Qualifizierung: Praktikanten geben sich alle paar Monate die Klinke in die Hand. Wenn du dich auf ein Praktikum bewirbst, mach dir keine Illusionen: In 90% aller Fälle wird dein Chef dich später nicht weiterbeschäftigen, egal was er Dir jetzt verspricht. Wenn jemand wirklich an dir interessiert ist, wirst du auch bezahlt – spätestens nach drei Monaten Einarbeitung.

Wobei wir beim nächsten Punkt wären: Praktika dienen der Orientierung und der Einarbeitung. Wer einfach mal einen Blick auf die Gesetzeslage wirft, wird feststellen, dass Praktika unterhalb des Mindestlohnes sehr wohl weiterhin möglich sind: Wenn sie nicht länger als drei Monate dauern, wenn es sich um Pflichtpraktika z.B. im Rahmen eines Studiums handelt, wenn es eine Berufsausbildungsvorbereitung nach SGB III ist oder die Bewerber*in eine Langzeitarbeitslose.

Firmen haben also genug Möglichkeiten, eine Person, die erstmal eingearbeitet werden muss, nicht zu bezahlen. Chefs, die trotzdem jammern, wollen in Wirklichkeit was anderes: Arbeitskraft für lau abstauben. Deshalb ist es gut, dass es den Mindestlohn gibt. Irgendwer muss den Abwasch erledigen, wofür jemand eingestellt werden muss. Ein Laden, der sich das nicht leisten kann, ist halt pleite.

P.S.: Liebe Praktikanten. Manche von euch nehmen unbezahlte Praktika trotzdem an, weil es interessant ist. Das ist völlig ok, solange ihr euch nicht ausbeuten lasst. Bitte macht das aber nicht zu lange: Ihr macht damit anderen Menschen und euch selbst die Preise kaputt. Und macht das bitte nicht aus Angst vor der Lücke im Lebenslauf. Es gibt wirklich genug andere Möglichkeiten, etwas sinnvolles zu tun: Teilzeitjobs, ehrenamtliches Engagement in einer NGO, für einen Euro ne UG gründen und offiziell selbstständig sein usw. usw. usw. Vieles davon geht sogar in Kombination mit Hartz IV, was den Vorteil hat, dass ihr wenigstens wisst, woher die Miete kommt.

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1. Februar 2015

Links der Woche

  • Eine neue Ethik für das Internet der Dinge?:

    “Wenn die Dinge künftig untereinander kommunizieren (der Kühlschrank mit dem Supermarkt, das Auto mit der Ampel), werden auch Handlungsregeln für die Dingwelt aufgestellt werden müssen, die Menschen nicht mehr betreffen.”

  • Hamburg wählt:

    “Sohn I liest alles, was ihm im öffentlichen Raum vor die Augen kommt. Das sind zur Zeit also auch Wahlplakate. Eine überaus interessante Sache für ein Kind, das nach eigener Aussage “die Welt verstehen will”, und das auch noch einigermaßen dringlich. Er steht grübelnd vor diesen Plakaten, die das Wahlvolk informieren sollen.”

  • Die neuen Cryptowars und die Plattformdämmerung:

    “Ich sehe hier auch eine entscheidende Schlacht eines viel größeren Machtkampfes, den ich in meinem Buch beschreibe: Den Niedergang des Einflussbereichs der Staaten und der wachsenden Relevanz von Plattformen.”

  • What Makes You You?:

    “In this way, what you are is not really a thing as much as a story, or a progression, or one particular theme of person. You’re a bit like a room with a bunch of things in it—some old, some new, some you’re aware of, some you aren’t—but the room is always changing, never exactly the same from week to week.”

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29. Januar 2015

Neue Facebook-AGB: Wo ist das Problem? (Update)

tl:dr; Ich verstehe die Aufregung um die neuen Facebook-AGB nicht. Oder was habe ich übersehen?

teesieb

Dass in Wellenbewegungen immer abwechselnd Google und Facebook für irgendwas gebasht werden, scheint mittlerweile zum Biorhythmus des Internet zu gehören. Im Moment ist Facebook dran. Es geht um neue AGB, die gerade viel Aufregung verursachen und dazu führen, dass Menschen auf Facebook posten, wie doof sie diese AGB finden und ihnen widersprechen. Das ist wirklich putzig, denn Facebook ist umsonst. Ich zahl da nix für, also habe ich auch kein Anspruch, auf irgend eine Leistung, deren AGB ich widersprechen könnte. Aber das nur am Rande.

Wenn ich das richtig sehe, geht es im Moment darum, dass Facebook mittels Tracking-Cookies das Surfverhalten auch außerhalb von Facebook auswerten will, um passend zu den Profilen Werbung einblenden zu können. In den Medien steht dann oft “an Werbekunden verkaufen”, was schonmal falsch ist. Die Werbekunden kriegen keine Daten von Facebook (Facebook wäre auch schön doof, wenn sie sie herausgeben würden), sondern die können – vereinfacht – Anzeigen buchen, die dann z.B. bei weiblichen Nutzern zwischen 20 und 30 eingeblendet werden sollen, die “Friends” mögen, “goFemin” lesen und Big-Jim-Action-Figuren aus den 80ern sammeln. Das ganze dürfte – zumindest nach internationalen Maßstäben, datenschutzkonform sein.

Was Facebook da tut, ist nichts weiter, als was zahllose andere Tracking-Dienste auch machen – mit dem Unterschied, dass wir von diesen anderen Tracking-Diensten nicht mitbekommen, dass sie ständig im Hintergrund laufen, bis wir uns wundern, warum mir auf “Spiegel Online” Werbung für die Damenschuhe eingeblendet wird, die ich mir vorhin auf Amazon angeschaut habe.

Eine Standard-Antwort ist: “Dann nutz halt kein Facebook”. Das halte ich für verfehlt, weil das in einigen Milieus einen Ausschluss vom Sozialleben bedeutet. Wer sich nicht von der Werbeindustrie tracken lassen will, hat aber einfache Möglichkeit: Ghostery. Gibt’s als PlugIn für alle möglichen Browser und als App für iOS und Android. Damit kann man nicht nur dafür sorgen, dass Facebook nur noch sieht, was ich ihm freiwillig gebe, sondern auch alle anderen Tracking-Dienste. Ergänzend empfiehlt sich ein Flash-Blocker.

Wirklich verstehen kann ich die Aufregung gerade nicht. Die ganze Diskussion läuft, seitdem Facebook den externen Like-Button eingeführt hat. (Wenn ich mich richtig erinnere, war das 2010, ist also mal eben fünf Jahre her…) Tracking-Dienste, die Werbung einblenden wollen, sind auch nicht das Problem, weil die halt nur Werbung einblenden – in der Theorie sogar Werbung, die ich relevant finden könnte, was mir zugegeben in der Praxis bisher nicht über den Weg gelaufen ist. Das Problem ist die Überwachung durch NSA, GCHQ & Co. (die Daten gerne auch an befreundete Dienste anderer Länder weitergeben) oder um ein Beispiel zu nennen, das weniger weit weg ist: deutsche Behörden, wie zum Beispiel das Jobcenter. Ein weiteres Problem, das ich für wesentlich relevanter halte, ist Harassment und Stalking, wogegen Facebook und andere soziale Netze meiner Meinung nach zu wenig unternehmen aber im Gegensatz zu Online-Werbung angegriffenen Menschen so richtig an die Nieren gehen können.

Update:

Christian Pfeiffer, der Datenschutzbeauftrage von nugg.ad, hat mich auf Facebook darauf hingewiesen, dass Facebook in einem Punkt gegen europäisches Datenschutzrecht verstoßen dürfte: Tracking-Anbieter müssen eine Opt-Out-Möglichkeit auf ihren Webseiten anbieten. Bei dieser Methode wird ein Cooke im Browser des Anwenders gesetzt, der dem Tracking-Dienst signalisiert, dass man nicht getrackt werden möchte. Bei nugg.ad sieht das zum Beispiel so aus (Kasten links unten). Ein solches Opt-Out scheint es bei Facebook nicht zu geben, jedenfalls konnte ich es nicht finden. Interessanterweise ist laut heute.de ein Opt-Out vom Facebook-Tracking über YourOnlineChoices.com möglich. (Hab’s nicht selber getestet.)

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27. Januar 2015

In homöopathischen Dosen

tl;dr: Schlechte Metapher, lieber nicht benutzen.

homöopathie

Immer wieder stolpere ich in Texten darüber, dass etwas in homöopathischen Dosen verabreicht werde. Eine homöopathische Dosis bedeutet: Null, nix, nada. Die Metapher “homöopathische Dosis” kann immer dann verwendet werden, wenn etwas vorgibt zu wirken, was aber gar nicht wirken kann, weil schlicht und ergreifend kein Wirkstoff drin ist. (Mehr über Homöpathie hier).

Leider benutzen so gut wie alle Autoren/Journalisten diese Redewendung falsch. Sie meinen fast immer einfach nur sehr kleine Dosen. Irgendwas sehr winziges, das dann aber gesammelt doch wirke. (Letztes Beispiel hier). Das ist dann aber keine homöopathische Dosis mehr, sondern einfach eine kleine Dosis. Deshalb ist diese Metapher schlechter Stil, weil sie etwas anderes sagt, als der Autor meint oder von der Leserschaft – ja nach Neigung/Abneigung zur Homöopathie – anders verstanden wird.

Darüber hinaus verbreiten aber Autoren mit jeder Verwendung dieser Metapher das das Mem, dass homöopathische Dosen sich irgendwie summieren und wirken würden, obwohl 0 + 0 + 0 = 0 ist. Das sollte kein Journalist oder Autor wollen – es sei denn, natürlich, er oder sie glaubt an Homöopathie.

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25. Januar 2015

Links der Woche

  • Meine unlizenzierten Fotos in den Medien:

    “Leider weisen mich die meisten nicht mal als Urheber aus. N24, Focus Online, N-TV, Liveleak und Spiegel Online haben ihr Logo über mein Video gelegt und verbreiten es eigenständig. T-Online legt im Video einen falschen Urheberrechtshinweis über meinen Namen. Nun kann man argumentieren, dass es ja nur darum geht die Nachrichten zu verbreiten und das sollte ja in meinem Interesse sein. Aber selbst dann sollte es ja kein Problem sein, mich als Urheber zu nennen. Und man sollte kein eigenes Interesse daran haben Geld damit zu verdienen.”

  • Es spricht zum Volk: Der Führer (der Legida):

    “Noch bis vor wenigen Tagen hatte PEGIDA dazu aufgerufen, an der LEGIDA-Veranstaltung teilzunehmen. Jörg Hoyer ist Sprecher von LEGIDA – und was dieser Mann im Föööhrer-Duktus zu verkünden hat, dokumentieren wir hier.”

  • Armut, Angst und Aufstiegslügen – (Über)leben im System:

    “Es wird viel über “Problemfamilien” geschrieben – aber wenig über die Probleme der Familien. Stattdessen dürfen wir in der FAZ lesen, dass Spitzenverdienende mit 10.000 € brutto im Monat sich nicht als reich empfinden und unter schlaflosen Nächten leiden, weil jemand ihren Fitnessraum ausräumen könnte. In bin weder hausrat- noch unfallversichert, falls die Waschmaschine meine Küche überfluten sollte, habe ich ein ausgewachsenes Problem.”

  • Arbeiten im Ausbeuterbetrieb – Das hier passiert, wenn drei Modeblogger nach Kambodscha verfrachtet werden:

    “Während ihr euch gerade ganz geil findet, weil irgendein drittklassiker Designer auch Modeblogger auf seine Fashion-Week-Show eingeladen hat, und dort, warum auch immer, mit Sonnenbrille, Notizblock und heruntergezogenen Mundwinkeln auftauchen werdet, sitzen am anderen Ende der Welt Menschen, die euch dieses schicke Leben für einen Hungerlohn ermöglichen.”

  • Wie ich heute fremdenpolizeilich behandelt wurde:

    “Nicht so heute nacht. Gegen halb ein Uhr früh stürmten nämlich zwei deutsche Polizeibeamte den Waggon, klopften heftig an die Türen und schrien “Polizei, aufmachen!”, um dann mit Taschenlampen die Abteile auszuleuchten. Als die überaus freundliche Zugbegleiterin herbeieilte, wurde auch sie angebrüllt, ob hier Syrer oder Iraker versteckt seien.”

  • Was läuft falsch beim EU-Urheberrecht? Julia Reda legt Entwurf für Evaluation des EU-Parlaments vor:

    “Der Berichtsentwurf von Julia Reda ist zweifellos das fortschrittlichste offizielle EU-Dokument in Urheberrechtsfragen seit das erste Katzenfoto im Internet veröffentlicht wurde.”

  • Auszeit? Nö.:

    “Früher war es der Klerus, der sich Vorschriften ersann, wie man ein frommes und Gottgefälliges Leben zu führen habe. Heute sind es Herrscharen von Beratern, Trainern oder Selbstoptimierungsgurus die sich Tipps und Anleitungen ausdenken, wie man ein gesundes, glückliches und produktives Leben führen kann. Gebote und Dogmen wurden abgeschwächt zu Tipps oder Optimierungsanleitungen, aber die Zielrichtung ist immer noch die Gleiche: das Gewissen.”

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21. Januar 2015

Oertels Augenbrauen

tl;dr: Lookism ist scheiße, egal wer angegriffen wird.

rasierer

Einer der größten Schenkelklopfer im Netz ist derzeit ein Schminktipp-Video, das Pegida-Frontfrau Kathrin Oertel verhöhnt. Im wesentlichen geht es um tätowierte Augenbrauen. Ich finde sowas zwar auch ästhetisch fragwürdig, wenn frau nicht gerade Marlene Dietrich heißt, mag aber trotzdem nicht in das Gelächter einstimmen. Die Oertel kann nämlich herumlaufen wie sie will. Punkt. Es ist einfach billig, jemanden für sein oder ihr Aussehen auszulachen. Das ist ungefähr so heldenhaft, wie auf dem Schulhof die kleinen Kinder zu verhauen.

Neulich ging es um “fette Nazis” und ich fragte mich, warum es ausgerechnet unter selbst ernannten Linken plötzlich ok geht, “dick sein” als Schimpfwort zu benutzen. Auf dem Chaos-Communication-Congress kam Bierzeltathmosphäre im Publikum auf, als beim Thema Biometrie eine Nahaufnahme von Angela Merkels Augenfalten gezeigt wurde, während ich mich fremdschämte: Das ist also die die klugen Köpfe mit ihrer Hacker-Ethik, die angeblich Menschen nur nach dem beurteilen wollen, was sie tun? Etwas besseres fällt denen nicht ein?

Man* kann Nazis dafür auslachen oder bekämpfen, dass sie Nazis sind. Man* kann Kathrin Oertel dafür auslachen, dass sie anscheinend selbst nicht so genau weiß, was Pegida eigentlich will. Man* kann über Merkel sagen, dass sie eine alles aussitzende politische Nullnummer mit Spießer-Wohlfühlfaktor ist. Wer aber anfängt, Menschen dafür auszulachen, dass sie alt sind, Falten haben, übergewichtig sind oder tätowierte Augenbrauen haben, zeigt ganz schnell, wie sozial eingestellt er oder sie wirklich ist. Wieweit das wirklich geht mit dem Respekt für alle, so ganz banal im Alltag.

Nachdenklich macht mich auch der Punkt, dass in allen drei Fällen, die mich veranlassen, diesen Blogpost zu schreiben, Frauen die Zielscheibe des Spottes waren. Es war das Foto einer dicken Nazi-Mitläuferin, über das sich vor einigen Wochen alles lustig machten, es war Angela Merkel, und jetzt ist es Kathrin Oertel. Ich würde am liebsten eine Messreihe starten, wie häufig jeweils Frauen und Männer in solchen Situationen betroffen sind, aber ich ahne die Antwort.

Was aber richtig, richtig bescheuert ist: Die so angegriffenen können sich zurücklehnen. Ich werde für mein Aussehen ausgelacht? Wer mich so angreift, will keinen Diskurs, so jemanden muss ich doch gar nicht ernst nehmen. Zumindestens rhetorisch können sich Nazis, Halbnazis und sonstige Versager moralisch über ihre Gegner stellen, wenn sie auf diese Weise angegriffen werden.

“Fett” oder “hässlich” sind keine Schimpfwörter. “Nazi” ist ein Schimpfwort. Und die Meinung “das sind halt Nazis, mit denen kann man das machen” zieht nicht, weil es eben nicht darum geht, Nazis oder Bekloppte vor Spott zu schützen, sondern die Menschen, die anders aussehen, sich anders anziehen oder andere Dinge schön finden. Die, die keinen Bock mehr haben, sich als wandelndes Schimpfwort zu fühlen, wenn sie vor die Tür gehen.

Bitte nennt also in Zukunft Nazis, Arschlöcher und Bekloppte einfach Nazis, Arschlöcher und Bekloppte und hört auf, dick, alt oder beliebiges Aussehen, das nicht euren Schönheitsidealen entspricht, zum Schimpfwort zu machen und zum Anlass, sich über andere Menschen lustig zu machen. Sonst werden sich die so beschimpften am Ende bei den Nazis, Arschlöchern und Bekloppten wohler fühlen als bei euch.

Ich glaube, ungefähr so ist auch Pegida entstanden.

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18. Januar 2015

Links der Woche

  • 5,200 Days in Space:

    “On the station, the ordinary becomes peculiar. The exercise bike for the American astronauts has no handlebars. It also has no seat. With no gravity, it’s just as easy to pedal furiously, feet strapped in, without either. You can watch a movie while you pedal by floating a laptop anywhere you want. But station residents have to be careful about staying in one place too long. Without gravity to help circulate air, the carbon dioxide you exhale has a tendency to form an invisible cloud around your head. You can end up with what astronauts call a carbon-dioxide headache. (The station is equipped with fans to help with this problem.)”

  • Scham:

    “Was mich der Job gekostet hat: Scham. Scham habe ich weitestgehend verlernt. Peinliche Momente sind keineswegs beklemmend, meistens sind sie lustig.”

  • Word gegen LaTeX – und wer gewinnt?:

    “Das Ergebnis ist überraschend deutlich: Außer im Formel-Text schneiden die Word-Gruppen besser ab als die LaTeX-Gruppen, und zwar um so viel besser, dass selbst die Gruppe der Word-Novizen deutlich bessere Texte liefern als die LaTeX-Experten.”

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