sofa die ennomane

16. August 2014

Die letzten werden die Ärzte sein

dieletztenwerdendieaerztesein

Ein paar meiner Leser wissen ja schon, dass ich einem heimlichen Hobby fröne. Ich bringe mich um den letzten Rest meiner Seriosität, indem ich abseitige Texte auf obskuren Bühnen lese. Aber nur wenn keiner guckt. Das spezielle an meinen Texten: Sie sind für die Bühne geschrieben. Es gibt sie nur auf der Bühne. Woanders veröffentliche ich sie nicht. Nichtmal in meinem Blog.

Jetzt habe ich mal eine Ausnahme gemacht. Vermutlich aus Eitelkeit. In “Die letzten werden die Ärzte sein” steht der Text “Narkoseschwester” von mir drin – neben vielen anderen Satiren rund um den Arztbesuch. In dem Buch sind alle derzeit relevanten Geistesgrößen der Gegenwart versammelt. Jedenfalls wenn ich das beurteilen darf, was ich nicht sollte.

“Die letzten werden die Ärzte sein” mit großartigen Texten von Paul Bokowski, Heiko Werning, Thilo Bock, Horst Evers, Volker Surmann, Uli Hannemann, Bov Bjerg, Mareike Barmeyer, Frank Sorge, vielen anderen und…äh…Enno Park könnt ihr hier bestellen. Die 12,50 Euro dienen wohltägigen Zwecken: Sie kommen darbenden Literaten, Herausgebern und Verlegern zugute. Schließlich steht der Winter vor der Tür.

(Und wann und wo ich das nächste mal lese, steht hier.)

Flattr this!

Bisher keine Kommentare (sei Erste*r!)
10. August 2014

Links der Woche

  • Vom Beck und der Bäckerin:

    “Bei der deutschen Debatte über geschlechtergerechte Sprache geht es oft um eine bestimmte Wortbildungsendung: das -in. Es ist ein sogenanntes »Movierungssuffix«, das aus einer Männer– eine Frauenbezeichnung macht: Ministerin, Wirtin, Klempnerin. Die männliche Form bildet also das Grundmaterial, das durch einen Zusatz angepasst wird. Das ist aber nicht die einzige formale Beziehung, in der Formen für Männer und Frauen in einer Sprache zueinander stehen können! In der deutschen Sprachgeschichte gab es auch ein Muster, das keine der beiden Formen als Voraussetzung für die andere nutzte. Wie das aussah, wohin es verschwunden ist, wie man sonst noch Bezeichnungen für handelnde Personen bilden konnte und was dem -in so wiederfahren ist, will ich heute ein wenig beleuchten.”

  • Konvention gegen Gewalt gegen Frauen: Wer sich nicht wehrt, willigt ein:

    “Wenn jemand Ihnen Luft aus dem Autoreifen lässt, dann ist das strafbar. Wenn jemand Ihnen eine Ohrfeige gibt, ist das mindestens eine „tätliche Beleidigung“, wenn nicht Körperverletzung – und strafbar. Körperverletzung kann mit bis zu fünf Jahren Haft bestraft werden. Wenn jemand Sie vergewaltigt, und Sie haben geweint und „Nein“ gerufen – wird er nicht bestraft. Wie das Strafgesetzbuch und die deutsche Justiz mit vergewaltigten Frauen umgehen, zeigt eindrücklich eine Analyse von gut hundert Fällen, die der Bundesverband Frauenberatungen und Frauennotrufe (BFF) jetzt vorgelegt hat.”

  • Boss der Genossen:

    “Bodo Ramelow könnte nach der Thüringer Landtagswahl im Herbst der erste Ministerpräsident der Linkspartei werden. Bei einigen SPD-Mitgliedern sorgt das für Panik.”

  • Bad Nenndorf 2014: Was sagt das über die Szene?:

    “Keine 200 Neonazis zogen am Samstag durch Bad Nenndorf. Ihnen standen rund 1.000 Gegendemonstranten gegenüber. Eine Blockade sollte nicht gelingen. Der extrem rechte Aufmarsch in Bad Nenndorf zeigt den Zustand der deutschen Neonazi-Szene gut.”

Flattr this!

Bisher keine Kommentare (sei Erste*r!)
3. August 2014

Links der Woche

  • Arbeit + Assistenz = Altersarmut:

    “Ich muss mich seit Jahren nackig machen. Das Verhältnis zwischen dem Sozialamt und mir ist geprägt von Misstrauen und dem unwohlen Gefühl, des Eingriffs in meine Privatsphäre. Dabei habe ich noch nie betrogen.”

  • Hen, wirf Hirn vom Himmel:

    “Wie dem auch sei: ich werde das nie verstehen. Beidnennung (er und sie) umständlich, Schrägstrichvarianten (er/sie) unästhetisch, Binnen-I (StudenInnen) abartig, Partizipformen unsinnig (Studierende) oder kompletter Vollmurks (Zu Fuß Gehende), Pluralformen für Einzelpersonen ungrammatisch (they), Sprach„vorschriften“ voll richtig scheiße. Aber wenn dann eine Sprachgemeinschaft kommt und ohne institutionellen Zwang, aber ganz offensichtlich erfolgreich aus der Mitte der Sprachgemeinschaft eine kurze, neutrale, prägnante, binnenmajuskelfreie, schrägstrichlose und so allgemein-ästhetisch nicht zu beanstandende Lösung für ein sprachliches Gleichstellungsproblem etabliert, wird ihr dafür eine Toleranzneurose2 bescheinigt?”

  • Macht unsere eBooks billiger!:

    “Ihr habt 1/4 weniger Kosten, ich erwerbe weniger Rechte, aber beim Preis geht ihr kaum 10% runter? Ernsthaft?”

Flattr this!

Bisher keine Kommentare (sei Erste*r!)
27. Juli 2014

Links der Woche

  • Cyborg: Der Chip in meiner Haut:

    “Ich habe mir einen Chip und einen elektromagnetischen Sensor einsetzen lassen. Dadurch will ich meinen Zugang zur Natur erweitern.”

  • Karstadt ist pleite. Aber werden Kaufhäuser überhaupt gebraucht? Eine Hymne auf das Kaufhaus:

    “Kaufhäuser sind ein Museum der Bedürfnisse, dessen, was es zu gewinnen gäbe. Eine Hymne auf Karstadt und Co.”

  • Kaufhäuser sind Relikte der Vergangenheit:

    “Kaufhäuser sind Relikte einer anderen Zeit, die niemand vermisst. Ein Abgesang auf die Kaufhaus-Kultur.”

  • „Kannibalismus“ und „Vergewaltigung“: Auch nach diesen Interessen können Werber auf Facebook suchen:

    “Nachdem die Zeichenfolge „verge“ eingetippt wurde, ist die Interessenskategorie „Vergewaltigung“ in Verbindung mit einer Vielzahl von Nutzern aufgeploppt, schreibt Roland Eisenbrach . Etwas verwundert über diese Kategorien, hat das Team weitere fragwürdige Begriffe eingegeben – darunter unter anderem „Kinderpornografie, „Inzest“, „Herrenrasse“, „Nekrophilie“, „Sodomie“, „Anorexie“, „Kannibalismus“, „Endlösung der Judenfrage“, „Konzentrationslager“, „Bukkake“, „Joint“ sowie „Pornografie“.”

  • Wie wohnen Linke? Eine Auswahl aus Wohnungsannoncen aus der linken Szene:

    “Wir verorten uns anarchistisch/linksradikal/(pro) queer-feministisch/anti-patriarchal und leben vegan. Auf struktureller Ebene sind wir alle unterschiedlich positioniert, d. h. wir profitieren bzw. sind negativ von verschiedenen MachtStrukturen betroffen: Hier wohnen sowohl weiblich als auch männlich erstsozialisierte Personen, einige haben einen Mittelklassebackground und andere haben Klassenwechsel erlebt. Eine Person ist negativ von Rassismus betroffen und die anderen drei sind weiß positioniert. Wir setzen uns alltäglich auseinander u. a. mit Themen wie Privilegien, Support, Awareness, sensibles Miteinander, Gender – (queer) Feminismen, weißSein, Rassismus, Adultismus, Gewaltfreie Kommunikation etc.”

  • Die Sache mit dem Zionismus.:

    “Wir sollen uns selber informieren und uns nicht von den gleichgeschalteten Medien manipulieren und belügen lassen. Sagen Herr Jebsen und Herr Elsässer auf den Montags-Friedens-Mahnwachen. Und sie haben völlig Recht.”

  • Facebook und unsere Gefühle:

    “In einem Psychologiexperiment haben Forscher bei Facebook die Emotionen Hunderttausender Nutzer manipuliert. Dieses Experiment ist in mehrerlei Hinsicht fragwürdig, vor allem aber ein Verstoß gegen ethische Grundsätze in der Wissenschaft.”

  • Weltsprache der Parasiten:

    loeschbeirat:

    „Neue Weltsprache“ ist nicht nur der Titel eines Beitrags von Feuilleton-Leiter Andrian Kreye in der Süddeutschen Zeitung, sondern auch Ausdruck einer gewissen geistigen Orientierungslosigkeit auf dem Gebiet des digitalen Philosophierens. Es ist uns nicht gelungen, in dem Text einer…

Flattr this!

Bisher keine Kommentare (sei Erste*r!)
20. Juli 2014

Links der Woche

  • Antisemitisch? Mal schauen!:

    “Die Polizei in Gelsenkirchen war sich schließlich auch nicht sicher, ob der Spruch “Juden ins Gas” auf einer Demonstration antisemitisch ist und sprach von einer “insgesamt friedlichen Demo”.”

  • Fußball, ein Rant:

    “Man fühlt sich während der WM sehr schlecht, wenn man sich nicht für Fußball begeistern möchte. Wie eine Außenseiterin, eine Spielverderberin, eine Spaßbremse. Und noch schlimmer, weil die Kinder sich dem auch nicht entziehen konnten, mache ich sie zu Außenseitern, wenn wir das ganze Trara nicht mitmachen. Keine Chance mit irgendwas gegenzuhalten wenn wir keine Aliens sein wollen. Sie werden von den Erzieherinnen in Schule und Kindergarten mit Deutschlandfahnen angemalt.”

Flattr this!

Bisher keine Kommentare (sei Erste*r!)
13. Juli 2014

Links der Woche

  • Die Reaktion der Bundesregierung: Noch mehr Überwachung:

    “Die aktuelle Diskussion um den (angeblichen) Doppelagenten beim BND, der im Auftrag von US-Diensten den NSA-Untersuchungsausschuss ausspioniert haben soll, kommt sowohl dem BND als auch dem Innenminister wie gerufen. Denn die Reaktion der Bundesregierung besteht keineswegs darin, das bundesdeutsche Geheimdienstsystem zu hinterfragen oder zumindest besser zu durchleuchten. Vielmehr kündigt man eine Gegenspionage an, weil die USA – was die Bundesregierung ohnehin seit Jahrzehnten weiß – deutsche Politiker überwacht und ausspioniert.”

  • Echter Rauch ist besser als doofes Internet:

    “Die Digital-Skepsis scheint in diesem Land plakattauglich zu sein. Sie ist so ausgeprägt, dass sie als Transportmittel für ganz andere Botschaften dient: Was überall mit Abschreckbildern von Raucherbeinen und Lungenkrebs bedacht wird, kann in diesem Land noch als Ausweis des Guten und Wahren gelten – wenn es mit dem Digitalen kontrastiert wird. Es sei besser mit drei Freunden am Strand zu rauchen, will das Plakat mir erklären, als mit 361 anderen auf Facebook abzuhängen.”

  • Neue Studien über die Folgen von Hartz IV:

    “Derzeit tourt Fielsch mit der Ausstellung »In Gedenken an die Opfer der Agenda 2010« durch die Republik. Diese Installation sammelt Daten von Hartz-IV-Beziehern, die Suizid verübten, weil sie keinen Ausweg mehr sahen, die erfroren, nachdem ihre Wohnung geräumt wurde, oder die verhungerten, nachdem sie vom Jobcenter keinerlei Unterstützung erhalten hatten, wie im April 2007 der 20jährige Andre K. in Speyer. Sein Tod wurde in den Medien als Einzelschicksal abgehandelt. Das passierte bei fast allen Todesfällen, die Fielsch dokumentiert und in einen gesellschaftlichen Kontext gestellt hat.”

Flattr this!

Bisher keine Kommentare (sei Erste*r!)
6. Juli 2014

Links der Woche

  • Im Dschungel der Theorie:

    “Natur oder Kultur? In seinem jüngsten Buch »Die Ökologie der Anderen« löst der französische Ethnologe Philippe Descola den Gegensatz einfach auf.”

  • #geheimdiensteabschaffen:

    “Dienste brechen Gesetze überall auf der Welt, ihr Einsatz ist kaum vom Einsatz anderer Waffen gegen andere Länder unterscheidbar. Geheimdienste führen einen versteckten Krieg. Gegeneinander. Und vor allem: Gegen uns alle.”

  • Internet-Trolle im schwedischen Fernsehen:

    “Hasserfüllte Kommentare, Drohungen, Gewaltaufrufe – Kommentarspalten im Internet lesen sich oft wie eine große Leistungsschau im Ekligsein. In Skandinavien können sich diejenigen, die anonym Hass und Gewaltaufrufe verbreiten, allerdings nicht unbedingt darauf verlassen, dass ihre Identität auch wirklich geheim bleibt – immer wieder finden Journalisten die Menschen hinter den Accounts und konfrontieren notorische Kommentarschreiber oder Blogger in Zeitungen und Fernsehsendern mit ihren Äußerungen.”

  • Manipulierte Facebook-Nutzer und unethische Forschung:

    “Dass man auf Facebook als Nutzer mehr oder weniger ausgeliefert ist, das wissen wir schon. Aber das, was jetzt rausgekommen ist, das hat schon eine neue Qualität. Im Auftrag von drei Forschern hat Facebook gezielt Emotionen manipuliert – ohne die Betroffenen über das Experiment zu informieren. Fast 700.000 Nutzer sind so zu unfreiwilligen Versuchskaninchen geworden. Deswegen sind ziemlich viele Menschen ziemlich sauer, und zwar zu Recht.”

Flattr this!

Bisher keine Kommentare (sei Erste*r!)
6. Juli 2014

Links der Woche

  • Im Dschungel der Theorie:

    “Natur oder Kultur? In seinem jüngsten Buch »Die Ökologie der Anderen« löst der französische Ethnologe Philippe Descola den Gegensatz einfach auf.”

  • #geheimdiensteabschaffen:

    “Dienste brechen Gesetze überall auf der Welt, ihr Einsatz ist kaum vom Einsatz anderer Waffen gegen andere Länder unterscheidbar. Geheimdienste führen einen versteckten Krieg. Gegeneinander. Und vor allem: Gegen uns alle.”

  • Internet-Trolle im schwedischen Fernsehen:

    “Hasserfüllte Kommentare, Drohungen, Gewaltaufrufe – Kommentarspalten im Internet lesen sich oft wie eine große Leistungsschau im Ekligsein. In Skandinavien können sich diejenigen, die anonym Hass und Gewaltaufrufe verbreiten, allerdings nicht unbedingt darauf verlassen, dass ihre Identität auch wirklich geheim bleibt – immer wieder finden Journalisten die Menschen hinter den Accounts und konfrontieren notorische Kommentarschreiber oder Blogger in Zeitungen und Fernsehsendern mit ihren Äußerungen.”

  • Manipulierte Facebook-Nutzer und unethische Forschung:

    “Dass man auf Facebook als Nutzer mehr oder weniger ausgeliefert ist, das wissen wir schon. Aber das, was jetzt rausgekommen ist, das hat schon eine neue Qualität. Im Auftrag von drei Forschern hat Facebook gezielt Emotionen manipuliert – ohne die Betroffenen über das Experiment zu informieren. Fast 700.000 Nutzer sind so zu unfreiwilligen Versuchskaninchen geworden. Deswegen sind ziemlich viele Menschen ziemlich sauer, und zwar zu Recht.”

Flattr this!

Ein Kommentar
29. Juni 2014

Von Hai zu Hai

tl;dr: Auf dem außerordentlichen Bundesparteitag in Halle ist die Piratenpartei von Hai zu Hai gesprungen

symbolfoto

Für Außenstehende muss es wie ein Verkehrsunfall gewesen sein, das Hashtag #aBPT auf Twitter zu verfolgen. Für Insider auch. #aBPT ist der außerordentliche Parteitag, der einberufen werden musste, weil der Bundesvorstand einer politisch weitgehend irrelevant gewordene kleine Partei, die bei der letzten Europawahl nur noch 1,3% geholt hat, durch Rücktritte von Vorstandsmitgliedern handlungsunfähig geworden ist.

Dazu muss ich ein paar Dinge erklären: In der Piratenpartei gibt es zwei Flügel. Der eine ist nennt sich “sozialliberal”, obwohl er weder sozial noch besonders liberal ist, stattdessen aber apolitisch, unzensiertes Internet will und ansonsten seine Ruhe, Leute als “linksextremistisch” beschimpft, die sich für gesellschaftlich Benachteiligte einsetzen, gleichzeitig Probleme damit hat, sich gegen Nazis und Rechtspopulisten abzugrenzen, teilweise offen maskulistisch und sexistisch agiert und sei Jahren versucht, visionäre Ideen vom bedingungslosen Grundeinkommen bis hin zur basisdemokratischen “Ständigen Mitgliederversammlung” zu verhindern.

Der andere Flügel hat dafür gesorgt, dass die Piratenpartei 2011/2012 in ein paar Landesparlemente gewählt worden ist.

Diese beiden Flügel hauen seit längerer Zeit öffentlichkeitswirksam aufeinander ein, was unter anderem dazu führt, dass die Piratenpartei in Wahlumfragen wieder unter “Sonstige” steht. Die Folge: Verschwörungstheorien, Gerüchte und Geraune, geschürte Angst und heftige Machtkämpfe – was wirklich niedlich ist angesichts der Tatsache, dass diese so gewinnbare Macht bei den aktuellen Umfragewerten vollkommen nuztlos ist, außer man* findet es geil, Platzhirsch in einer 1%-Partei zu sein.

Das konnte so nicht weitergehen. Weshalb der “progressive Flügel” anfing, konkrete Probleme anzugehen: in Berlin zum Beispiel die Arbeit der Fraktion im Abgeordnetenhaus fokussieren, dafür sorgen, dass die politische Arbeit auch öffentlich wahrgenommen wird, und alles dafür zu tun, dass die Piratenpartei 2016 den Wiedereinzug ins Abgeordnetenhaus schafft – weiterhin mit visionärer Politik, mit dem Ergebnis, dass die Partei in Berlin in Umfragen nach einem Tief wieder bei 6% steht.

Der “sozialliberale Flügel” hatte aber auch einen Plan: Als erstes zettelten die Admins den #Orgastreik an und legten für Stunden bis Tage die Netz-Infrastruktur der Partei lahm, um ihre Ziele durchzusetzen. An diesem Punkt ist die Piratenpartei, die mal für Netzneutralität, freien Zugang zum Netz für alle und gegen Netzsperren angetreten war, über den Hai gesprungen. Als nächstes wurden innerparteilich zwei Kampagnen gefahren: #keinhandschlag – der Versuch, linke und progressive aus der Partei zu mobben – und #reclaimyournetzpartei – die Aussage, sich im Kern auf Netzpolitik konzentrieren zu wollen und alle anderen politischen Themen weitgehend egal zu finden. Als das ganze nicht reichte, traten auch noch noch Teile des Bundesvorstandes zurück und erzwangen so einen Parteitag mit Neuwahl.

Leider hatte diese Kampagne Erfolg.

Wahlgang für Wahlgang sprang der Parteitag von Hai zu Hai. Der neue Vorsitzende stand in der Vergangenheit gegen alle wichtigen Beschlüsse der Partei. Der neue politische Geschäftsführer ist – zumindest auf Facebook – Fan der neuen, rechtspopulistischen Verschwörungstheoretiker-Montagsdemos und der Zeitgeist-Bewegung. Schatzmeister und Generelsekretär wurden für die Durchführung ihres Sandkastenputsches belohnt und wiedergewählt. Dieser BuVo kann mir egal sein - den könnte ich ignorieren wie andere freidrehende Vorstände zuvor, und auf Kommunal- und Landesebene einfach Politik machen. Egal ist aber nicht, dass da offenbar die Mitglieder ihren Willen wollten. Sie haben so gewählt. Sie wollen das so. Demokratie, you know. Muss man* anerkennen, aber ich fremdele stark.

Und das Ergebnis macht mich ratlos. Es trifft mich in einer Zeit, in die konkrete politische Arbeit in den Parlamenten wieder Fahrt aufgenommen hat, gut funktioniert und viel Spaß macht. Ich bin eigentlich hochmotiviert. Der Parteitag in Halle hat mir einen Großteil dieser Motivation geraubt. Austritt nicht ausgeschlossen, aber erstmal die weitere Entwicklung abwarten.

P.S.: Wenigstens einer konnte Klartext reden, jedenfalls wenn ihm nicht gerade das Mikro abgestellt wurde:

Flattr this!

18 Kommentare
29. Juni 2014

Links der Woche

  • Fußballpatriotismus macht Hirn kaputt:

    “Mich stören nämlich weder Flaggen noch bestimmte Farbkombinationen, noch glaube ich, dass DFB, Mars oder Procter & Gamble antisemitisch sind oder den Nationalsozialismus verharmlosen wollen. Ich reagiere überempfindlich auf mangelndes Geschichtsbewusstsein. Ich reagiere überempfindlich auf diese Bildungslücken.”

  • Meine Quantitäten:

    Selftracker sind Menschen, die messen, wie viele Schritte sie täglich zurücklegen, wieviel Sport sie treiben, was sie essen und wie sie schlafen. Ist das ein Schritt zur Selbsterkenntnis oder nur Selbstoptimierung? Und wo bleibt der Datenschutz?

  • Henrinklusionichtmöglichenrinklusw.:

    “An dieser Stelle würde ich allerdings gerne einen Artikel über Klassen und Lehrer/innen an Förderschulen lesen. Wie um alles in der Welt schaffen es denn diese Teufelskerle und -weiber, mehrere (!) lernbehinderte Schüler/innen individuell zu fördern, wenn sie vielleicht gleichzeitig auch ein verhaltensauffälliges Kind in der Klasse haben? Oder vielleicht sogar zwei, es ist ja schließlich eine Förderschule. Vielleicht auch noch körperbehinderte Kinder? Selbst in einer sehr kleinen Klasse – brauchte man nicht so oder so mindestens eine Lehrkraft, die sich ausschließlich um ein verhaltensauffälliges Kind kümmert?”

Flattr this!

Bisher keine Kommentare (sei Erste*r!)