sofa die ennomane

24. April 2016

Links der Woche

Ein Kommentar
 
  • From Siri to sexbots: Female AI reinforces a toxic desire for passive, agreeable and easily dominated women:

    “What is a user? What is an interface? Do we presume that the user is male and the passive interface female?“

  • Das große Geschäft mit Yin und Yang:

    “Traditionelle chinesische Medizin ist eine tolle Sache. Sie hat bloß drei Probleme: Sie ist nicht unbedingt chinesisch, sie ist nicht besonders traditionell, und sie ist keine Medizin.“

  • Jagende Frauen und sammelnde Männer:

    “Fest steht, die gängige Annahme ‚Männer jagten und Frauen hüteten die Kinder in der Höhle‘ kann anhand der archäologischen Funde nicht belegt werden. Alternative Modelle sind ebenfalls möglich. Ein sehr wahrscheinliches Modell ist, dass die jungen Männer und Frauen gleichermaßen zur Jagd gingen. Die Älteren und Kranken, Männer wie Frauen, blieben hingegen bei der Höhle.“

  • Der QWERTY-Effekt:

    “Menschen sind seltsam. Offenbar hat unser Tastaturlayout Einfluss auf unsere Gefühle: The layout of QWERTY keyboards shapes our feelings about words. Bis hin dazu, welche Babynamen wir bevorzugen. Wie immer gilt: Korrelation ist nicht gleich Kausalität. Aber der QWERTY-Effekt lässt sich häufig beobachten.“

  • Unterwegs als Kurierfahrer bei „Foodora“: Radeln against the Machine:

    “Nach dieser Erkenntnis versuchte ich den Algorithmus auszutricksen. Denn was so ein Algorithmus nicht einberechnet, ist, dass Menschen auch eigennützig handeln können. (…) Ich fuhr also mit Absicht langsamer. Denn die App bestrafte mich mit langen Strecken, wenn ich schnell fuhr. Längere Strecken bedeuten weniger Bestellungen pro Stunde, was wiederum weniger Trinkgeld bedeutet.“

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17. April 2016

Links der Woche

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  • Informationelle Selbstzertrümmerung | ctrl+verlust:

    “Ich glaube, es gibt in der westlichen Welt kaum ein Thema, über das unehrlicher gesprochen wird, als über Datenschutz. Die Lüge besteht aus einem ganzen System unhinterfragter Annahmen und Behauptungen, die sich im Laufe der Zeit zu einer Ideologie sedimentiert und einer kollektiven Illusion tradiert haben. Nur hier und da erkennt man die „Glitches“, also die Stellen, wo die Lüge unmißverständlich aufblitzt und in kurzen Momenten mit einer Klarheit droht, das ganze System zum Einsturz zu bringen könnte.”

  • Chip, Implanted in Brain, Helps Paralyzed Man Regain Control of Hand:

    ”Five years ago, a college freshman named Ian Burkhart dived into a wave at a beach off the Outer Banks in North Carolina and, in a freakish accident, broke his neck on the sandy floor, permanently losing the feeling in his hands and legs.

    On Wednesday, doctors reported that Mr. Burkhart, 24, had regained control over his right hand and fingers, using technology that transmits his thoughts directly to his hand muscles and bypasses his spinal injury.“

  • Investigating the Potential for Miscommunication Using Emoji:

    “More generally, we found that for 9 of our 22 emoji, the average difference in emotion rating between two platforms was greater than 2 points on our -5-to-5 scale.“

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15. April 2016

Ich bin ja kein Jurist, aber…

3 Kommentare
 

tl;dr: An der juristischen Einordnung des Falles B. aus K. verstehe ich ein paar Punkte nicht.

lucy

Heute trat Angela Merkel persönlich vors Mikrofon und verkündete, dass sie die Staatsanwaltschaft ermächtigt, gegen Herrn B. aus K. wegen Beleidigung eines ausländischen Staatsoberhauptes zu ermitteln. Es soll hier nicht um weiteres Aufkochen einer längst absurden Affaire gehen, sondern um die juristische Einordnung ein paar teils unbequeme Fragen, die sich daraus ergeben.

§104a StGB: Verschiedene Kommentatoren sagten, Merkel musste so entscheiden, um die Klärung des Falles der Justiz zu überlassen. Das scheint mir nicht der Fall zu sein. §104a des StGB schränkt eine Reihe von Straftatbeständen dahingehend ein, dass sie nur dann verfolgt werden, wenn die Bundesregierung die Staatsanwaltschaft dazu ermächtigt. Das klingt für mich wie ein Bruch in der Gewaltenteilung und passt meiner laienhaften Meinung nach so gar nicht in unser Rechtssystem. Bestimmte Straftaten werden nur verfolgt, wenn es der Regierung aus politischen Gründen opportun erscheint. Merkels Entscheidung, B. aus K. verfolgen zu lassen, ist also eine rein politische. Die Bundesregierung hätte auch anders entscheiden können. Sollten wir nicht unbedingt auch die Abschafftung des §104a StGB fordern? Oder was sehe ich hier falsch?

§103 StGB – enthält vereinfacht gesagt die „Majestätsbeleidigung“. Angela Merkel hat verkündet, diesen Paragraphen abschaffen zu wollen. Das ist im Sinne von Kunst- und Meinungsfreiheit lobenswert. Allerdings verstehe ich nicht, wieso die Regierung eine Person nach einen Paragraphen verfolgen lässt, den sie gerne abschaffen möchte, obwohl sie es doch juristisch problemlos in der Hand hätte, von der Verfolgung abzusehen. Angela Merkel scheint hier die gute Beziehung zu einem autokratischen Präsidenten, der erwiesenermaßen so seine Probleme mit Minderheiten, Meinungsfreiheit und Demokratie hat, der Kunst- und Meinungsfreiheit ihrer eigenen Bürger unterzuordnen, vermutlich um besser Flüchtlinge aus dem Land fern halten zu können. Politisch könnte man auch sagen: Ein absoluter Tiefpunkt in Merkels Kanzlerschaft vor dem Hintergrund eines „Wir schaffen das“. Oder was sehe ich hier falsch?

Die Abschaffung von §103 StGB: Angela Merkel hat in ihrer Pressekonferenz zugleich angekündigt, dass der §103 StGB noch in diesem Jahr abgeschafft werden soll. Viele Menschen deuten das dahingehend, dass B. aus K. freigesprochen werden wird, wenn man das Verfahren nur lange genug in die Länge zieht. Das hat mich irritiert, ergibt aber Sinn. Ein Gesetz hat Gültigkeit für den Zeitpunkt der Straftat. Eigentlich gilt gilt ein allgemeines Rückwirkungsverbot für neue Gesetze und Gesetzesänderung, damit niemand bestraft werden kann für etwas, das zum Zeitpunkt der Tat gar nicht strafbar war. Führt allerdings die Gesetzesänderung zu einer milderen Strafe oder Streiffreiheit, ist tatsächlich das neue Gesetz anzuwenden. Das ergibt ziemlich viel Sinn, wenn wir an Gesetze vergangener Zeiten denken wie das Kuppeileiverbot oder die Strafbarkeit homosexueller Handlungen usw. Wir bestrafen nicht nach Gesetzen, die wir als veraltet und ungerecht ansehen, auch wenn sie zum Zeitpunkt der Tat noch galten. An dieser Stelle wird es also nochmal besonders absurd, die Ermittlungen für ein Verfahren einzuleiten, dem per Gesetzesänderung die Grundlage entzogen werden soll. Die Entscheidung der Bundesregierung ist damit auch kein „wir halten uns da raus, sollen die Gerichte entscheiden“ sondern eben sehr politisch. Oder was verstehe ich hier falsch?

§130 StGB: Ja, der Volksverhetzungsparagraph. Ich finde es fragwürdig, dass B. aus K. wegen Beleidigung angeklagt wird, nachdem er satirisch die Politik eines ausländischen Staatspräsidenten aufgegriffen hat. Ob hier wirklich eine strafwürdige Beleidiung vorliegt und nicht ggf. die Kunstfreiheit ein höheres Gut darstellt, wird wegen der Abschaffung des §103 StGB wahrscheinlich gar nicht entschieden werden. Allerdings liegt noch eine Anzeige nach §185 StGB vor. Insgesamt ist das recht unbefriedigend. Noch unbefriedigender ist allerdings meiner Meinung nach, dass kaum jemand in Betracht zieht, B. aus K. aufgrund des §130 StGB wegen Volksverhetzung anzuklagen. Die Kriterien sind meiner Meinung nach eher erfüllt: Die rassistischen Passagen im „Schmähgedicht“ „beschimpfen, machen böswillig verächtlich und verleumden“ Gruppen aufgrund ihrer Herkunft sowie Einzelne und zwar in einer Weise, die „geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören“. Oder was sehe ich falsch?

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13. April 2016

Satire darf alles

Ein Kommentar
 

tl;dr: Auch Satire hat Grenzen.

Bildschirmfoto 2016-04-13 um 20.14.26

Nein, hier geht es nicht um Herrn B. aus K., der gerade Probleme haben dürfte, die ich wirklich niemandem wünsche und der angesichts offenbar ausgesprochener Morddrohungen unsere Solidarität verdient. Hier geht es um ein Tucholsky-Zitat, mit dem gerade massiv um sich geschmissen wird: „Satire darf alles.“

Wenn ich diesen Spruch höre, muss ich an mein Geschichtsbuch denken. Darin waren antisemitische Karikaturen aus dem „Stürmer“ abgebildet. Wer die nicht kennt, google bitte selbst, denn ich möchte solche Abbildung nicht in mein Blog stellen. Auch vieles, nach dessen Löschung wir auf Facebook rufen, ist Satire. Menschenverachtende Satire. Rassistische Satire. Hatespeech-Satire. Satirische Trollerei. Aber eben: Satire.

Ich frage mich, ob die „Satire darf alles“-Fraktion diese Stürmer-Karikaturen kennt. Und gut findet. Offenbar ist sie der Ansicht, man solle wirklich alles im Sinne der Meinungsfreiheit tolerieren. Ich finde das nicht. Selbstverständlich hat Satire Grenzen. Und es würde Debatten um die Meinungsfreiheit gut tun, nicht einfach unterschiedslos „Satire darf alles“ zu rufen. Sondern darüber nachzudenken, ob eine solche Grenze tangiert wurde. Dass Leute mit Tuchosky-Zitaten um sich werfen, die Tucholsky offenbar kaum je gelesen haben, nervt nämlich ein wenig.

Oder um mit einem Tuchosky-Zitat zu schließen:

P.S.: Und nein, „Satire hat Grenzen“ heißt nicht, dass ich Terroranschläge, Morddrohungen oder diesen albernen §103 StGB auch nur im entferntesten gutgeheiße. Auch wenn diese Unterstellung jetzt garantiert wieder kommt.

 

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10. April 2016

Links der Woche

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  • Die vergessenen Frauen der Filmgeschichte:

    “Frauen führen in nur sechs Prozent der heute in Hollywood produzierten Filme Regie, wie der Guardian kürzlich berichtete. Das war nicht immer so. Im Hollywood der Stummfilmära spielten Frauen entscheidende Rollen als Produzentinnen, Regisseurinnen und Drehbuchautorinnen.

  • How economists rode maths to become our era’s astrologers – Alan Jay Levinovitz | Aeon Essays:

    “Yet, as a scholar of Chinese religion, it struck me that I’d seen this kind of mistake before, in ancient Chinese attitudes towards the astral sciences. Back then, governments invested incredible amounts of money in mathematical models of the stars.“

  • Warum die Panamapapers für alle zugänglich gemacht werden sollten | H I E R:

    ”Für diese Einschätzung muss man übrigens kein Post-Privacy-Apologet sein. Wenn der juristische Schutz der Privatsphäre irgendeinen Sinn hat, dann, um den Schwächeren vor dem Stärkeren zu schützen. In diesem Fall gibt es aber keine Schwachen. Wer es sich leisten kann, sein Geld in Offshore-Paradiesen zu verstecken, der ist per definitionem nicht schwach.“

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5. April 2016

Dass WhatsApp jetzt verschlüsselt, ist kein Gamechanger.

7 Kommentare
 

tl;dr: Und alle so: Yeah!

händewaschen

WhatsApp verschlüsselt schon seit längerer Zeit Chats zwischen Android-Telefonen. Wie zu erwarten war, ist diese Verschlüsselung auf weitere Plattformen, vor allem iOS, ausgedehnt worden. WhatsApp ist damit ein Crypto-Messenger. Das heißt: Unbefugte können die Inhalte von WhatsApp-Unterhaltungen nicht mitlesen. Gefühlt freuen sich gerade alle, dass nun in Sachen WhatsApp alle Überwachungs- und Datenschutzprobleme ganz supi dupi gelöst seien. Das ist nicht der Fall. Weil:

Erstens: Viele Kommentatoren sehen die WhatsApp-Verschlüsselung als Facebooks Schachzug im Steit zwischen Apple und dem FBI. Dabei weiß niemand, ob es nicht doch eine Backdoor gibt und WhatsApp-Mitarbeiter oder Ermittlungsbehörden die Daten entschlüsseln können. Es gibt Hinweise entsprechende Ersuche seitens des FBI an Facebook.

Zweitens: Es ist sehr einfach, die Verschlüsselung zu umgehen. Wann immer im Chat ein Gesprächspartner eine veraltete WhatsApp-Version benutzt, wird das Gespräch unverschlüsselt übertragen. Auf diese Weise lässt sich eine unverschlüsselte Kommunikation auch absichtlich von einem Gesprächspartner in die Wege leiten.

Drittens: Das für potenzielle Überwacher eigentlich interessante sind die Metadaten: Mit wem bin ich befreundet? Mit wem chatte ich wann und wieviel? Diese Meta-Daten entstehen weiterhin bei der Kommunikation und werden bei Facebook gesammelt. WhatsApp lädt automatisch das eigene Telefonbuch hoch und gleicht es online ab. Damit gewinnt Facebook weitere Metadaten und ergänzt den „Social Graph“ seiner Nutzer – nämlich um all diejenigen Freunde, Bekannte und Kollegen, die nicht auf Facebook und/oder WhatsApp sind. Das ist der wichtigste Grund, warum ich WhatsApp nicht nutze: Da etliche Menschen mit Absicht nicht auf Facebook sind oder sein wollen, es also nicht um deine eigenen Daten geht, sondern um die deiner Mitmenschen, ist die Verwendung von WhatsApp auf einem Telefon mindestens ausgesprochen unhöflich und respektlos.

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3. April 2016

Links der Woche

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  • How the Idea of a ‘Normal’ Person Got Invented:

    “As he contemplated the revolution that had put an end to his professional ambitions, Quetelet was struck with inspiration: Might it be possible to develop a science for managing society? He had spent his life learning how to identify hidden patterns in the heavens. Couldn’t he use the same science to find hidden patterns in the apparent chaos of social behavior?“

  • Second Type Woman – Transsexual Pregnancy:

    “By far the most promising approach that could allow a transsexual woman to become pregnant is a uterus (aka womb) transplant.  For decades a huge medical effort was undertaken to transplant a uterus into to a genetically female woman for fertility reasons.  In 2014 this led to the first successful full term pregnancies and live births.  There is no reason why exactly the same technique cannot used for a genetically male transsexual woman.”

  • People who constantly point out grammar mistakes are pretty much jerks, scientists find:

    ”Psychological testing reveals they’re generally less open, and are also more likely to be judging you for your mistakes than everyone else. In other words, they’re exactly who you thought they were.“

  • Martin Luthers judenfeindliche Hetzschrift in Neuedition:

    “Darüber hinaus wird deutlich, dass Luther mit Ausnahme der systematischen Vernichtungspolitik bereits alle späteren Maßnahmen der Nationalsozialisten gegen die Juden vorweggenommen hatte.”

  • Eine Liebeserklärung:

    “Frau K. sagt auch, wie schwachsinnig diese Leute sind, die von “den Muslimen” sprechen, als ob es das gäbe, “die Muslime”, das wäre ja, wie wenn jemand von “den Christen” spricht, und wenn sie sich anschaut, allein die Leute von der Kirche nebenan, und dann diese anderen Leute von der anderen Kirche eine Straße weiter, die sind sowas von unterschiedlich und haben gar keine Gemeinsamkeiten, theologisch gesprochen, obwohl sie dasselbe Buch haben.”

  • ABA und die Kritik daran – Eine Zusammenfassung. | Robot in a box:

    “Tatsächlich werden den Autisten Grundbedürfnisse vorenthalten (Essen, Trinken, Rückzug und Ruhe) und das Gewähren dieser Grundbedürfnisse zum positiven Verstärker umgedeutet. Aversiva wie Anschreien, Wasser ins Gesicht spritzen oder Taste aversions wie Essig, kommen in der Praxis – nach Aussagen von Ex-Therapeuten – deutlich häufiger vor als von ABA-Anbietern behauptet.  Zum Teil wird dem autistischen Kind Essen und Trinken aufgezwungen und ihm danach erst wieder für einen kurzen Zeitraum erlaubt, sich spielerisch zu betätigen. Dies ist ein Vorgehen, das in der Behandlung nichtautistischer Patienten längst als schädlich und kontraproduktiv eingestuft wurde.“

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1. April 2016

Böhmi überm Hai

8 Kommentare
 

tl;dr: Böhmermann kennt nicht den Unterschied zwischen „Der Kaiser ist nackt“ und „Der Kaiser fickt Ziegen.“

scheisse

Gestern wurde ein neuer Song von Böhmermann abgefeiert: „Be Deutsch“. Ich mag den Song nicht. Warum, das haben andere schon besser erklärt.

Bis Böhmermann den Song in der Sendung bringt, nimmt er er allerdings gehörig Anlauf: Vor Türkei-Fahne und Erdogan-Bild verliest er ein Gedicht mit der Überschrift „Schmähkritik“. Darin fallen Wörter wie „…stinkt nach Döner, selbst ein Schweinefurz riecht schöner“, „Ziegen ficken“, „Fellatio mit Schafen“, „guckt Kinderpornos“ usw. Das ganze wird dargeboten mit einem Grundschul-Niveau-Kniff der Sorte „Guck mal, das ist verboten, genau das darfst du nicht.“

Sorry, das ist ekelhaft. Ekelhaft, „Ziegenficker“ über einen Türken hören zu müssen, den man für andere furchtbare Dinge beschimpfen müsste, die er getan hat. Ekelhaft zuzusehen, mit welcher Lust rassistische Witze gerissen werden. Ekelhaft zuzusehen, wie das „Ich bin doch kein Rassist!“-Menschen tun. Und besonders ekelhaft ist diese Freude am Tabubruch. Einen Türken im TV „Ziegenficker“ nennen können und hinterher drüber lachen, hat Böhmermann wunderbar hinbekommen. Natürlich kommt auch das Argument, Satire dürfe halt alles. Böhmermann scheint aber den Unterschied zwischen „Der Kaiser ist nackt“ und „Der Kaiser fickt Ziegen“ nicht zu kennen. Er benimmt sich selbst wie ein Facebook-Troll, der etwas ekeliges in den Kommentaren ablädt und hinterher „war doch nur schwarzer Humor“ feixt.

Das wäre jetzt nur der Rede wert, weil gerade allzu viele Menschen um mich herum sich köstlich über dieses Böhmermann-Stück amüsieren, was ich mit leichter Verzweifelung beobachte. Aber das ist noch nicht alles: Völlig zu recht hat das ZDF den Beitrag aus der Mediathek genommen. Wahrscheinlich wird das Gedicht jetzt mit voller Wucht streisanden. Wir können uns also schonmal Popcorn holen für die nächste Zensurdebatte inkl. „Lügenpresse“ und „die sind doch von oben gelenkt“. Wasser auf die Mühlen der Volkspfosten und Pegidioten, die Böhmermann selber doch angeblich so doof findet.

Als wäre das nicht genug, ist die Nummer noch auf einer weiteren Ebene scheiße. Wir erinnern uns: Extra 3 hat den (völlig okayen, weil echte Missstände anprangernden) Satire-Song „Erdowie, Erdowo, Erdogan“ veröffentlicht, woraufhin Erdogan den deutschen Botschafter einbestellt hat und international dafür beschimpft und ausgelacht worden ist. Was viele dabei übersehen: Das war türkische Innenpolitik per Außenamt. Das macht Erdogan, um den Türken und vor allem seinen eigenen Anhängern zu zeigen, wie schlecht das Ausland über ihn (und damit auch über die Türken) redet und wie autoritär er damit umgeht. Und in dieser Stimmung kloppt Böhmermann ein neues Video oben drauf mit „Ziegenficker“ drin und noch ein paar netten Vokabeln mehr. Und türkischen Untertiteln. In der Türkei wird das Erdogan nochmal Sympathien bringen und anti-westliche Ressentiments steigern, wenn es sich dort verbreitet. Und das wird es mit Sicherheit, so wie vermeintlich „zensierte“ Videos halt streisanden.

Prima, Böhmi, haste fein gemacht.

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1. April 2016

Aprilscherze

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tl;dr: Alles frei erfunden.

elvis

Ich habe mir heute den Spaß gemacht, eine Reihe von April-Scherzen auf Twitter zu sammeln. Da nichts davon annähernd realistisch oder glaubhaft ist, dürfte ich niemanden damit verunsichert haben.

 

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27. März 2016

Links der Woche

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  • The problem with a technology revolution designed primarily for men:

    “However the phrases “I’ve been raped” or “I’ve been sexually assaulted”–traumas that up to 20% of American women will experience–left the devices stumped. Siri, Google Now, and S Voice responded with: “I don’t know what that is.””

  • Apple and the FBI Are Missing the Point of Their Own Dispute. A Philosopher Explains Why.:

    “The reason this analogy is illuminating is that it isn’t fanciful. Our electronic devices—or at least many of the processes that occur within them—are literally parts of our minds. And our consideration of Apple’s and the FBI’s arguments ought to flow from that fact.“

  • Lose Gedanken in den Zeiten des Terrorismus:

    ”Twitter-Disziplin: Und Facebook. Snapchat. Instagram. Jeder von uns ist eine kleine Content-Fabrik geworden. Das Bedürfnis andere zu informieren ist völlig verständlich, aber gerade an diesen Tagen gilt es, sich zwei Mal zu fragen: Ist die Meldung, die ich da gerade verbreite, einer glaubwürdigen Quelle entsprungen? Hat es einen Mehrwert, wenn ich multipliziere oder multipliziere ich nur die Unsicherheit? An wen richte ich mich überhaupt? Spiele ich den Tätern möglicherweise sogar gerade in die Hände? Ist das Bildmaterial tatsächlich tagesaktuell? Das muss nicht “Twitter aus” bedeuten, aber wir alle müssen uns hier zunehmend eingestehen, dass mediale Verantwortung nicht mehr ausschließlich bei den klassischen Medien liegt.“

  • Die Ausbeutung des Spieltriebs:

    “Gamification heißt der Ansatz, dem Ernst des Lebens eine spielerische Seite abzugewinnen. Pädagogik oder Betriebsabläufe in Computer­spiele zu verpacken, soll die Motivation steigern. Sobald es ernst wird, will sich die Lust am Spiel aber nicht so recht einstellen.“

  • Tesla Model S sales surpass BMW and Audi in Europe:

    “In Europe, and pretty much across the globe, the three most popular luxury cars have always been the BMW 7 Series, Mercedes-Benz S Class and the Audi A8, with the big Benz usually being the sales leader. Well, this past nine months of 2015 have changed quite a bit. So far in 2015, the Tesla Model S has sold significantly more than the BMW 7 Series and the Audi A8 and is right on the tails of the ever-so popular Mercedes S Class.“

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