sofa die ennomane

25. Januar 2015

Links der Woche

  • Meine unlizenzierten Fotos in den Medien:

    “Leider weisen mich die meisten nicht mal als Urheber aus. N24, Focus Online, N-TV, Liveleak und Spiegel Online haben ihr Logo über mein Video gelegt und verbreiten es eigenständig. T-Online legt im Video einen falschen Urheberrechtshinweis über meinen Namen. Nun kann man argumentieren, dass es ja nur darum geht die Nachrichten zu verbreiten und das sollte ja in meinem Interesse sein. Aber selbst dann sollte es ja kein Problem sein, mich als Urheber zu nennen. Und man sollte kein eigenes Interesse daran haben Geld damit zu verdienen.”

  • Es spricht zum Volk: Der Führer (der Legida):

    “Noch bis vor wenigen Tagen hatte PEGIDA dazu aufgerufen, an der LEGIDA-Veranstaltung teilzunehmen. Jörg Hoyer ist Sprecher von LEGIDA – und was dieser Mann im Föööhrer-Duktus zu verkünden hat, dokumentieren wir hier.”

  • Armut, Angst und Aufstiegslügen – (Über)leben im System:

    “Es wird viel über “Problemfamilien” geschrieben – aber wenig über die Probleme der Familien. Stattdessen dürfen wir in der FAZ lesen, dass Spitzenverdienende mit 10.000 € brutto im Monat sich nicht als reich empfinden und unter schlaflosen Nächten leiden, weil jemand ihren Fitnessraum ausräumen könnte. In bin weder hausrat- noch unfallversichert, falls die Waschmaschine meine Küche überfluten sollte, habe ich ein ausgewachsenes Problem.”

  • Arbeiten im Ausbeuterbetrieb – Das hier passiert, wenn drei Modeblogger nach Kambodscha verfrachtet werden:

    “Während ihr euch gerade ganz geil findet, weil irgendein drittklassiker Designer auch Modeblogger auf seine Fashion-Week-Show eingeladen hat, und dort, warum auch immer, mit Sonnenbrille, Notizblock und heruntergezogenen Mundwinkeln auftauchen werdet, sitzen am anderen Ende der Welt Menschen, die euch dieses schicke Leben für einen Hungerlohn ermöglichen.”

  • Wie ich heute fremdenpolizeilich behandelt wurde:

    “Nicht so heute nacht. Gegen halb ein Uhr früh stürmten nämlich zwei deutsche Polizeibeamte den Waggon, klopften heftig an die Türen und schrien “Polizei, aufmachen!”, um dann mit Taschenlampen die Abteile auszuleuchten. Als die überaus freundliche Zugbegleiterin herbeieilte, wurde auch sie angebrüllt, ob hier Syrer oder Iraker versteckt seien.”

  • Was läuft falsch beim EU-Urheberrecht? Julia Reda legt Entwurf für Evaluation des EU-Parlaments vor:

    “Der Berichtsentwurf von Julia Reda ist zweifellos das fortschrittlichste offizielle EU-Dokument in Urheberrechtsfragen seit das erste Katzenfoto im Internet veröffentlicht wurde.”

  • Auszeit? Nö.:

    “Früher war es der Klerus, der sich Vorschriften ersann, wie man ein frommes und Gottgefälliges Leben zu führen habe. Heute sind es Herrscharen von Beratern, Trainern oder Selbstoptimierungsgurus die sich Tipps und Anleitungen ausdenken, wie man ein gesundes, glückliches und produktives Leben führen kann. Gebote und Dogmen wurden abgeschwächt zu Tipps oder Optimierungsanleitungen, aber die Zielrichtung ist immer noch die Gleiche: das Gewissen.”

Flattr this!

Bisher keine Kommentare (sei Erste*r!)
21. Januar 2015

Oertels Augenbrauen

tl;dr: Lookism ist scheiße, egal wer angegriffen wird.

rasierer

Einer der größten Schenkelklopfer im Netz ist derzeit ein Schminktipp-Video, das Pegida-Frontfrau Kathrin Oertel verhöhnt. Im wesentlichen geht es um tätowierte Augenbrauen. Ich finde sowas zwar auch ästhetisch fragwürdig, wenn frau nicht gerade Marlene Dietrich heißt, mag aber trotzdem nicht in das Gelächter einstimmen. Die Oertel kann nämlich herumlaufen wie sie will. Punkt. Es ist einfach billig, jemanden für sein oder ihr Aussehen auszulachen. Das ist ungefähr so heldenhaft, wie auf dem Schulhof die kleinen Kinder zu verhauen.

Neulich ging es um “fette Nazis” und ich fragte mich, warum es ausgerechnet unter selbst ernannten Linken plötzlich ok geht, “dick sein” als Schimpfwort zu benutzen. Auf dem Chaos-Communication-Congress kam Bierzeltathmosphäre im Publikum auf, als beim Thema Biometrie eine Nahaufnahme von Angela Merkels Augenfalten gezeigt wurde, während ich mich fremdschämte: Das ist also die die klugen Köpfe mit ihrer Hacker-Ethik, die angeblich Menschen nur nach dem beurteilen wollen, was sie tun? Etwas besseres fällt denen nicht ein?

Man* kann Nazis dafür auslachen oder bekämpfen, dass sie Nazis sind. Man* kann Kathrin Oertel dafür auslachen, dass sie anscheinend selbst nicht so genau weiß, was Pegida eigentlich will. Man* kann über Merkel sagen, dass sie eine alles aussitzende politische Nullnummer mit Spießer-Wohlfühlfaktor ist. Wer aber anfängt, Menschen dafür auszulachen, dass sie alt sind, Falten haben, übergewichtig sind oder tätowierte Augenbrauen haben, zeigt ganz schnell, wie sozial eingestellt er oder sie wirklich ist. Wieweit das wirklich geht mit dem Respekt für alle, so ganz banal im Alltag.

Nachdenklich macht mich auch der Punkt, dass in allen drei Fällen, die mich veranlassen, diesen Blogpost zu schreiben, Frauen die Zielscheibe des Spottes waren. Es war das Foto einer dicken Nazi-Mitläuferin, über das sich vor einigen Wochen alles lustig machten, es war Angela Merkel, und jetzt ist es Kathrin Oertel. Ich würde am liebsten eine Messreihe starten, wie häufig jeweils Frauen und Männer in solchen Situationen betroffen sind, aber ich ahne die Antwort.

Was aber richtig, richtig bescheuert ist: Die so angegriffenen können sich zurücklehnen. Ich werde für mein Aussehen ausgelacht? Wer mich so angreift, will keinen Diskurs, so jemanden muss ich doch gar nicht ernst nehmen. Zumindestens rhetorisch können sich Nazis, Halbnazis und sonstige Versager moralisch über ihre Gegner stellen, wenn sie auf diese Weise angegriffen werden.

“Fett” oder “hässlich” sind keine Schimpfwörter. “Nazi” ist ein Schimpfwort. Und die Meinung “das sind halt Nazis, mit denen kann man das machen” zieht nicht, weil es eben nicht darum geht, Nazis oder Bekloppte vor Spott zu schützen, sondern die Menschen, die anders aussehen, sich anders anziehen oder andere Dinge schön finden. Die, die keinen Bock mehr haben, sich als wandelndes Schimpfwort zu fühlen, wenn sie vor die Tür gehen.

Bitte nennt also in Zukunft Nazis, Arschlöcher und Bekloppte einfach Nazis, Arschlöcher und Bekloppte und hört auf, dick, alt oder beliebiges Aussehen, das nicht euren Schönheitsidealen entspricht, zum Schimpfwort zu machen und zum Anlass, sich über andere Menschen lustig zu machen. Sonst werden sich die so beschimpften am Ende bei den Nazis, Arschlöchern und Bekloppten wohler fühlen als bei euch.

Ich glaube, ungefähr so ist auch Pegida entstanden.

Flattr this!

27 Kommentare
18. Januar 2015

Links der Woche

  • 5,200 Days in Space:

    “On the station, the ordinary becomes peculiar. The exercise bike for the American astronauts has no handlebars. It also has no seat. With no gravity, it’s just as easy to pedal furiously, feet strapped in, without either. You can watch a movie while you pedal by floating a laptop anywhere you want. But station residents have to be careful about staying in one place too long. Without gravity to help circulate air, the carbon dioxide you exhale has a tendency to form an invisible cloud around your head. You can end up with what astronauts call a carbon-dioxide headache. (The station is equipped with fans to help with this problem.)”

  • Scham:

    “Was mich der Job gekostet hat: Scham. Scham habe ich weitestgehend verlernt. Peinliche Momente sind keineswegs beklemmend, meistens sind sie lustig.”

  • Word gegen LaTeX – und wer gewinnt?:

    “Das Ergebnis ist überraschend deutlich: Außer im Formel-Text schneiden die Word-Gruppen besser ab als die LaTeX-Gruppen, und zwar um so viel besser, dass selbst die Gruppe der Word-Novizen deutlich bessere Texte liefern als die LaTeX-Experten.”

Flattr this!

Bisher keine Kommentare (sei Erste*r!)
11. Januar 2015

Links der Woche

  • So, aus Schröderschen Geist, wuchs, von Merkel geschweißt …:

    “Als Schröderianismus-Merkelismus (SM) werden die von Otto Graf Lambsdorff, Gerhard Schröder und Angela Merkel begründeten Lehren mit ihren weltanschaulichen, philosophischen, ökonomischen, sozialwissenschaftlichen und politischen Inhalten bezeichnet.”

  • “Wir sind keine Provokateure”:

    Bereits 2011 gab es einen Brandanschlag auf Charlie Hebdo. Das darauf folgende Interview mit der Jungle World ist sehr interessant.

  • Denkfehler (III):

    “Bei Ibrahim aus Gambia zum Beispiel besteht die Vollausstattung aus einem Bett und zwei Flaschen Wasser. Seit 10 Monaten lebt er mit fünf Zimmergenossen in einem Flüchtlingsheim. Oder Lassenew aus Gambia. Seit 9 Monaten im Flüchtlingsheim. Er darf wegen seines Status’ nicht arbeiten und beschäftigt sich in der Gemeinschaftsküche. Es handelt sich in allen Fällen um Menschen, die alles verloren haben. Die geflüchtet sind, um ihr Leben zu retten. (…) Zynischerweise wendet sich PEGIDA dem Namen nach gegen die Islamisierung des Abendlandes, die durch den IS oder andere Islamisten drohen könnte. Bachmann aber hetzt mit Lügen über die Ausstattung der Flüchtlingsheime tatsächlich gegen deren Opfer!”

  • Denkfehler (I):

    Sehr guter Faktencheck von Volker König zum Thema Islam, Antiislamismus und #Pegida

Flattr this!

Bisher keine Kommentare (sei Erste*r!)
4. Januar 2015

Links der Woche

  • 31C3: “Wir brauchen weniger Hacker-Rockstars”:

    Fundamentale Kritik an CCC und Hacker- und Nerdkultur, die ich weitgehend teile, obwohl sie vielen ganz und gar nicht schmecken wird: Hacker sind meistens weiß, männlich und wohlhabend, bilden hermetische Stämme, sondern sich kulturell ab, sprechen keine gemeinsame Sprache mit dem Rest der Gesellschaft und propagieren Software, mit der die Masse einfach nicht klarkommt. Ich möchte noch ergänzen: Sie tendieren zu Blindheit gegenüber ihren eigenen Privilegien und zeigen leider sehr häufig Desinteresse und Feindsetligkeit gegenüber Menschen und Problemen, die nicht ihrem Stallgeruch entsprechen. Antifeminismus und #Gamergate ist da nur ein prominenteste Beispiel von vielen. Da muss sich kulturell einiges verändern, wenn diese Strömung den politischen und gesellschaftlichen Einfluss auch ausüben will, den sie für sich selbst beansprucht.

  • Was das alles kostet. Was das alles einbringt.:

    “Politische Entscheidungen und Positionen müssen politisch begründet werden, nicht ökonomisch. Von daher ist es schnurzpiepegal, was Migration (oder Umweltschutz oder Diversität oder oder oder) kostet oder bringt. Allein, diese Fragen so zu diskutieren, ist schon zutiefst unpolitisch.”

Flattr this!

Bisher keine Kommentare (sei Erste*r!)
28. Dezember 2014

Links der Woche

Flattr this!

Bisher keine Kommentare (sei Erste*r!)
21. Dezember 2014

Links der Woche

  • Zwangsräumungen:

    “Etwa 9 000 Mitteilungen über Räumungsklagen übersandten die Gerichte an die Bezirke.”

  • Wie mein Kind ein Junge wurde:

    “Beim Kinderschminken. Minime möchte ein Schmetterling werden. Das sagt er, laut und deutlich. Der junge Mann, bei dem er sich zum Schminken anstellt, schaut – ja wie. Verdutzt? “Hier guck mal, möchtest Du ein Pirat sein?” (Er deutet auf seine Vorlage). “Nein, ein Schmetterling!” “Oder hier, hier habe ich einen Bären!” Jetzt ist Minime überfordert. Er schaut wirklich so, als wenn er sich fragte, warum sein Gegenüber ihn nicht versteht. Ich werfe also ein: “Er möchte ein Schmetterling sein” – Vielleicht braucht der junge Mann diese Legitimation meinerseits, aber endlich fängt er an, aus Minime einen Schmetterling zu machen.”

Flattr this!

Bisher keine Kommentare (sei Erste*r!)
14. Dezember 2014

Links der Woche

  • “Ich bringe der Volkswirtschaft mehr, als ich koste”:

    “Alles darüber hinaus würde das Sozialamt zu bis zu 80 Prozent einziehen. Ich darf keinen Bausparvertrag abschließen, keine Lebensversicherung, keine Altersvorsorge betreiben außer Riester, die sich nicht lohnt, weil ich nicht weiß, ob ich bis 67 arbeiten kann. Erben darf ich auch nicht, das kassiert das Sozialamt. Wenn ich heiraten würde, würde das Geld meiner Frau eingezogen werden. Ich bin eine tickende Bombe für jede Frau.”

  • Ebola? Da war doch was.:

    “Mich fasziniert immer wieder die Kurzlebigkeit kollektiver Paniken. Man könnte meinen, wer ein paar davon gesehen hat, sollte erneute mediale Schreie von “Hilfe, wir werden alle sterben” etwas gelassener nehmen können. Die Wiederholung von Schlagzeilen scheint uns (als Kollektiv zumindest) nicht wirklich weiser zu machen.”

  • Stolz statt Vorurteile:

    “Das Video war für mich ein schönes Beispiel dafür, dass es eine junge Generation von Menschen mit Behinderungen gibt, die sich nicht mehr so stark mit den Kämpfen gegen Vorurteile auseinander setzen muss/will, sondern lieber gleich per YouTube, Facebook und Co zeigt, wie ihr Leben aussieht.”

  • Benehmt euch!:

    “Wer kennt das nicht? Schlechtes Benehmen in sozialen Medien und Internet-Foren ist mittlerweile Alltag. Warum ist das so? Ein Erklärungsversuch.”

Flattr this!

Bisher keine Kommentare (sei Erste*r!)
7. Dezember 2014

Links der Woche

  • Der deutsche Ableger des russischen Senders »RT«:

    “Die Mischung aus Journalismus, Propaganda, Verschwörungstheorien und Unterhaltung zieht vor allem Zuschauer an, die den etablierten Medien misstrauen und die Putin für eine Art Heilsbringer halten.”

  • Gehörlose in der Bildungsmisere:

    Guter Artikel, der knapp erklärt, warum unsere Gehörlosenschulen ein Problem sind: Lippenlesen ist ein Mythos und funktioniert allenfalls als schlechte Krücke. Die umgekehrte Richtung – Inklusion in der Regelschule – ist aber auch problematisch, solange die Regelschulen nicht auch mit den nötigen Mitteln und Personal ausgestattet werden. Was uns derzeit als “Inklusion” verkauft wird, ist im Regelschul-Bereich leider allzu oft eine Sparmaßnahme auf dem Rücken von überforderten Lehrern und überforderten Schülern.

  • CDU-Abgeordneter gab Lobbyisten Nachhilfe im Lobbying:

    “Was klingt wie eine Satire vom Postillon, ist ein realer Fall aus der Lobbyrepublik Deutschland: Der Bundestagsabgeordnete Karl Schiewerling gab Lobbyisten bei einem Seminar Mitte September Nachhilfe im Lobbying. Bei der exklusiven Veranstaltung mit dem Titel “Lobbying für Fortgeschrittene” plauderte der CDU-Politiker vor zahlungskräftigen Kunden aus dem Nähkästchen.”

  • Elektrosmog aus dem WLAN:

    “Absurd wird diese Angst vor unsichtbarer Strahlung, wenn sie sich auf die harmlose und gut erforschte Strahlung des drahtlosen Internet, des WLAN erstreckt.”

Flattr this!

Ein Kommentar
6. Dezember 2014

Bunkerlesung am 10.12. im Berlin Story Bunker

tl;dr: Lesung im Berlin Story Bunker am 10.12. um 20.00 Uhr

fred

 

Manche Texte vertragen keine frische Luft, einige verstoßen gar gegen die Genfer Konvention, weshalb wir sie im Berlin Story Bunker zünden. Gastgeber ist der Peristaltiker Enno Park, im Netz bekannt als „die Ennomane“. Er wird ein paar schwache Witze reißen, schlechte Texte lesen und sich im Können seiner Gäste sonnen, und zwar:

Kirsten Fuchs ist Autorin von Büchern wie „Kaum macht man mal was falsch, ist das auch wieder nicht richtig“. Die Texte der taz-Kolumnistin entstehen, indem sie ihren Laptop mit Käse überbackt, und schmecken auch so. Normalerweise liest sie auf ihrer Lesebühne „Fuchs und Söhne“ in Moabit, und heute Abend auch bei uns im Bunker.

Frédéric Valin schreibt gerne über Alkohol, hat einen unmöglichen Hund, stinkt manchmal nach Scheiße und liebt Flughafenkneipen. Würde man ihm einen Hut aufsetzen, sähe er aus wie Gunther von Hagen, allerdings plastiniert er keine Leichen sondern Worte: Texte voller Lakonik und versteckter Pointen.

Flattr this!

Bisher keine Kommentare (sei Erste*r!)